dem Moment, wo ſie in Begriff waren, eine Cascine, ein Bauern⸗ haus, zu überfallen, gelang es dieſem Weibe, mit einigen der Räuber zu entfliehen. Man ſetzte ihnen nach, und wirklich überraſchte man
kluft verſteckt hatte.
Man band den Räuber, während das Weib ſtreng überwacht und durchſucht wurde. Die Gensdarmen fanden bei ihr Papiere, die aber in einer fremden, ihnen unverſtändlichen Sprache geſchrieben waren. Als es Nacht ward, campirten die Gensdarmen, ihrer fünf, die beiden Gefangenen in ihrer Mitte. Einer von ihnen mußte ſie bewachen..
Als es Morgen war und die Schlafenden die Augen öffneten, war die Wache eingeſchlummert und die beiden Gefangenen waren — verſchwunden.
Die Gensdarmen lieſerten wenigſtens die Papiere ab. Dieſe wurden nach Palermo geſchickt, um dort von einem Sprachkundigen überſetzt zu werden.
Und jetzt kommt die Pointe: die Papiere beſtanden aus einigen Priefen, adreſſirt an Miß Emmelh B die ſchöne Tochter eines reichen Engländers, der den Winter hindurch in Palermo wohnte. Miß Emmely war eines Tages ihren Aeltern ohne Zutücklaſſung ir⸗ gend einer Nachricht verſchwunden; ſie ſuchten ſie ſeit dem Monat November vergebens durch ganz Italien, boten vergeblich große Summen für den, der ihnen Auskunft über das Verſchwinden ihres achtzehnjährigen Kindes geben könne; und jetzt unterliegt es nach der Beſchreibung, welche die ſicilianiſchen Gensdarmen von der Gefährtin des entwichenen Briganten machten, keinem Zweifel, daß ſie keine an⸗ dere als— Miß Emmelh iſt!
Ihr Vater, der augenblicklich in Florenz iſt und noch immer troſtlos nach ſeiner Tochter ſucht, iſt ſofort amtlich benachrichtigt worden und wird ſicher wenig erbaut ſein, wenn er von ſeinem Schwiegerſohn hört.
Sollte ich meinestheils etwas Weiteres hören, ſo theile ich un⸗ ſehlbar das Ende dieſer Räubergeſchichte mit.
Hans Wachenhuſen.
Ein Zweikampf anf offener Straße.
Kecke Burſchen ſind doch die amerikaniſchen Mäbchen; können ſie, wegen Mangel an ſchriftlichen Beweiſen, den Don Juan, der ſie
hat ſitzen laſſen, nachdem er ihnen die Ehe verſprochen, nicht vor Gericht belangen, ſo begnügen ſie ſich nicht damit, über den Unge⸗
treuen zu ſchimpfen, nein, ſie fordern ihn zum Zweikampf heraus. Am 23. November, ſo erzählt ein Journal von Philadelphia, ging ein Marineoſſizier in voller Uniform, den Klemmer im Auge, in der zwölften Straße, bald rechts, bald links ſich umſchauend, um ein hübſches Geſichtchen zu erwiſchen, das ungefähr in der Mitte der Straße ſich befand, als er ſich plötzlich vor einem hübſchen jungen Mädchen von zweiundzwanzig Jahren, begleitet von zwei ihrer Freun⸗ dinnen, ſieht. Er thut, als habe er die kleine Gruppe nicht bemerkt, und ſucht die andere Seite des Trottoirs zu erreichen.
„Lieutenant Maldig, bitte, auf einen Augenblick“, redet Miß Cvokburn kalten Tones den Offizier an, indem ſie ihm den Weg vertritt.
„Ah! guten Tag, Miß Cookburn, wie geht's“, erwidert der An⸗ geredete, indem er gute Miene zum böſen Spiel macht.
„Es handelt ſich nicht um mein Befinden, ſondern um Ihre Abſichten in Betreff meiner; Sie haben vorgeſtern meiner Mutter e mich nicht heirathen zu können, weil Sie nicht reich genug eien.“
„Mein Gott! wie ſollen wir zwei von meinem beſcheidenen Solde leben?“
„Das wußten Sie bereits, als Sie um die Erlaubniß baten mir den Hof zu machen; Sie thaten es alſo in ſchlechter Abſicht.“
„Ich ſchwöre Ihnen, Miß Cvokburn, daß ich die beſte von der Welt hatte.“
„Genug, ich habe Sie nicht angehalten, um mich mit Ihnen über ihre Beweggründe zu ſtreiten; ſeit ſechs Monaten betrachte ich mich als Ihre Verlobte, weil ich Ihnen mein Wort gegeben, wollen Sie jetzt im Beiſein meiner beiden Freundinnen die Friſt feſtſetzen, binnen welcher ich Ihre Frau ſein werde?“
„Das iſt nicht möglich; ſo ſehr ich es auch bedauere, aber ich kann Ihr Mann nicht werden.“
„Ihr hört“, ruft Miß Cookburn, zu ihren Vegleiterinnen ge⸗ wendet,„ich ſagte es euch wohl, daß das Unrecht nicht auf meiner Seite ſei.“
Ein Kreis Neugieriger begann ſich um die jungen Mädchen und den Oſfizier, der lieber ſonſt wo geweſen wäre, zu ſammeln.
„Hätte ich einen Vater oder einen Bruder“, hob die Amerikanerin
Der„
ſie mit einem der Briganten, an deſſen Seite ſie ſich in einer Felſen⸗
an,„ſo würde ich dieſen die Sorge, ſich mit Ihnen auseinander zu
ſetzen, überlaſſen haben; da dies nicht der Fall, ſo ſehe ich mich genö⸗
thigt, meine Sache ſelbſt in die Hand zu nehmen; Lieutenant Maldig“,
ſuhr ſie fort, indem ſie einen zweiläufigen Revolver aus ihrem Muffe
zog,„ich verlange Rechenſchaft über Ihre Handlungsweiſe.“
25 Miß“, murmeklten die Zuſchauer,„geben Sie Acht, er gibt ein bei.“
Gleichzeitig mit Miß Cookburn hatte auch eins der beiden Mädchen ein Piſtol hervorgezogen, das ſie dem Offizier mit dem Worten übergab:
„Vertheidigen ſie ſich, die Sache iſt ernſthaft.“
Ohne die Umſtehenden würde der Offizier ſich wahrſcheinlich entz fernt haben; denn ein Offizier im Zweikampf mit einem Weib, da iſt doch zu komiſch; und doch mußte er. Miß Cookburn hatte ſich auf zehn Schritt nach dem Trottoir hin zurückgezogen und ſtand dort, mit dem Revolver in der Hand, in der Stellung eines Duellanten.
„Hundert gegen Eins auf die junge Dame,“ ſchrien verſchiedene Stimmen aus der Menge, die ſich zu beiden Seiten der Straße poſtirt hatte. Lieutenant Maldig hatte lächelnd das Piſtol ergriffen und war ebenfalls zehn Schritte zurückgegangen, ſchien jedoch keinen Gebrauch von ſeiner Waffe machen zu wollen.
„Kopf oder Schrift, wer zuerſt ſchießt“, rief die Miß ihren beiden Zeuginnen zu.
„Nein, ſchießen Sie zuerſt“, erwiderte der Leutenant.
„Bewahre“, antwortete die Amazone in der Crinoline,„das
Loos mag enſcheiden.“ Eine halbe Krone wurde in die Höhe geworfen, die Dame war die Vegünſtigte. Mit der berechneten Langſamkeit eines erprobten
Schützen ſenkte ſie ihre Waffe von oben nach unten und gab Feuer.
Die Kugel ging durch den Kepi des Lieutenants. Jetzt richtete dieſer ſeinerſeits die mörderiſche Waffe auf ſeine Gegnerin und zielte lange; dieſelbe rührte ſich nicht.
„Schießen Sie doch“, rief Jemand dem Offizier zu.
„Fällt mir nicht ein“, erwiderte er, indem er den Arm fallen ließ,„ich ziehe es vor, meiner ſchönen Gegnerin mein Unrecht ab⸗ zubitten, als ihr Leben in Gefahr zu bringen.“ In einer Hand vas Piſtol, in der andern den Kepi, verbeugte er ſich gegen Miß Cookburn und ſprach laut:„Ich ſehe mein Unrecht ein und bitte Sie um die Gnade, es zu vergeſſen, und wenn Sie mir jetzt verweigern würden, meine Frau zu werden, ſo würde ich mich auf der Stelle erſchießen.“
Was war auf dieſen Vorſchlag zu antworten? hatte nicht den Muth, Denjenigen, den ſie trotz alledem noch liebte und deſſen augenblickliches Benehmen das Vergangene zum großen Theil wieder gut machte, zum Tode zu verurtheilen. kleine Hand, die eben noch das Piſtol auf ihn abgefeuert, und Arm in Arm zogen ſich die beiden Streiter zurück und zwar unter jubeln⸗ dem Zuruf der Menge. Am Abend war ganz Philadelphia voll des Lobes über vie Unerſchrockenheit des jungen Mädchens.
Wenn ihr Mann die Hoſen trägt, ſagten die Frauen, ſo hängt's von ihr ab.
Poſt der
Herrn Dr. L. in M.— Wir glauben, es hing lediglich von Ihnen ab; Sie hat⸗ ten die beſte Gelegenheit.
Frau v. B. in A. D.— Friedrich Spielhagen lebt allerdings in Verlin; er war kürzlich bevenklich erkrankt, befindet ſich aber auf dem Wege zur Beſſerung. Verhei⸗ rathet iſt der gefeierte Schriftſteller auch. Ihr Wunſch wird wol ſchneller erfüllt, als Sie denken.
Herrn Max W. in B.— Mulert?
Es iſt dies eigentlich eine Gewiſſensfrage. Kennen Sie das Chamäleon?.
Mehrere Abonnenten in Verlin.— Wir wiſſen von der Angelegenheit bis jetzt
nichts. Nennen Sie uns gefälligſt Ihre Namen, dann ſoll die Veröffentlichung ge⸗ wiß geſchehen...
Eine Abonnentin in Straußberg.— Praltiſch ſinden wir die Oſtbahn auch, aber ein Gedicht an dieſelbe, das ſcheint uns doch der Poeſie zuviel.
sfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original Illuſtrationen, mit einem mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition
(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Vrockhaus in Leipzig.
Miß Cookburn
Sie reichte ihm die
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