Jahrgang 
1868
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Engeln zu haben. Schweſter Gertrude behauptete ungefähr daſſelbe,

gab vor, in einem perſönlichen Verkehr mit Gott zu ſtehen.

Qualvolle Verhöre konnten beide eben ſo wenig als vieljährige martervolle Haft, verbunden mit Geißelungen und Foltern aller Art von ihrem Wahnſinn abbringen.

Endlich ſprach die Inquiſition das Todesurtheil aus, und der fromme deutſche Kaiſer Karl VI., der damals über Sicilien regierte, befahl, daß esmit allem feierlichen Glanze eines Auto⸗da⸗Fe vollzogen würde. In den Urtheilsſprüchen war die heilige Inquiſition und die Güte, Sanftmuth und Milde der Inquiſitionsrichter aufs Höchſte geprieſen, und dieſen ſo menſchlichen mitleidigen Gefühlen gegenüber die Bosheit, Gottloſigkeit und Hartnäckigkeit der beiden Ketzer hervor⸗ gehoben. Dann verbreiteten ſie ſich über die Nothwendigkeit, die Lehren der heiligen römiſch⸗katholiſchen Kirche aufrecht zu erhalten, das Aergerniß auszurotten und die Beleidigung der Chriſten zu rächen.

Am 6. April des Jahres 1724 wurden auf dem Platze St.⸗Erasmo, dem größten der Stadt Palermo, die Vorbereitungen zu dem großen Feſte getroffen. Zu beiden Seiten eines koloſſalen weißen Kreuzes erhoben ſich zwei gewaltige Scheiterhaufen, jeder zehn Ellen hoch, bedeckt mit einem hölzernen Gerüſte in Form eines Schaffots, zu welchem eine Treppe hinauf führte. Ueber jedem Scheiterhaufen ſtieg ein Galgen empor. In verſchiedenen Abtheilungen waren Altäre und reichverzierte Tribünen dem Kreuze gegenüber amphitheatraliſch aufgerichtet. In der Mitte prangte ein höheres und geräumigeres Schaugerüſt, reich mit Sammt und Goldſtoff verziert und mit Sinn⸗ bildern der Religion geſchmückt. Es war für die Inquiſitoren beſtimmt. Die andern Logen für den Vicekönig, den Erzbiſchof, den Senat, für den Adel, die Geiſtlichkeit, die Beamten und Damen der Stadt. Das unterſte Stockwerk der Sitzreihen war für das Volk beſtimmt.

Bei der erſten Morgendämmerung läuteten die Glocken aller Kirchen zur Buße. Proceſſionen aller Mönchsorden, Prieſter und Brüder⸗ ſchaften durchzogen die Straßen der Stadt und nahmen die ihnen angewieſenen Plätze rings um das Kreuz ein. Schon mit Tages⸗ anbruch war der Platz mit Menſchen, alle Galerien, Balkone und Sitzreihen mit Zuſchauern erfüllt, welche Alle begierig die Ankunft der Opfer erwarteten.

Die Hinrichtung war aber erſt in den letzten Stunden des Nach⸗ mittags angeſetzt und ſo füllten ſich denn um 2 Uhr Nachmittags alle Tribünen mit wohlbeſetzten Tafeln, und unter Becherklang und

Jubelgeſchrei der Menge langte zuerſt die unglückliche Gertrude an,

auf einen Karren gebunden, in ſchmuzigen Kleidern, mit fliegenden Haaren und einer großen Papiermütze, auf welcher, von Höllenflammen umgeben, ihr Name geſchrieben ſtand. Schwarze Stiere zogen den Karren, ein langer Zug von Mönchen ging voraus, und viele Fürſten und Herzöge auf ſtattlichen Roſſen umgaben ihn. Hintennach folgten auf weißen Maulthieren die drei patri inquisitori.

Nachdem der Zug auf dem Platze angelangt und das unglück⸗ liche Weib einigen Dominicanermönchen und Theologen übergeben worden war, welche zum Schein mit ihr die letzten Bekehrungsver⸗ ſuche veranſtalteten, erſchien ſofort in ähnlichem Aufzuge der Bruder Romualdo, worauf die Inquiſitoren auf dem für ſie errichteten Prachtbalcone ihre Plätze einnahmen. Nach Beendigung dieſer Förm⸗ lichkeiten wurde der hartnäckige Entſchluß der beiden Schuldigen durch Ausruf verkündet und das Urtheil in lateiniſcher Sprache vor⸗ geleſen.

Schweſter Gertrude beſtieg jetzt zuerſt das Gerüſt. Zwei Henker banden ſie an den Galgenpfahl, und legten Feuer an ihre Haare, welche zuvor mit harzigen Salben getränkt waren, damit die Flammen um ihren Kopf herum lebhafter brennen möchten; ſodann zündeten ſie die gleichfalls zuvor mit Pech getränkten Kleider an, und ver⸗ ließen das Gerüſte. Die Unglückliche blieb nun allein auf dem Scheiterhaufen, und während unter ihrem gellenden Jammergeſchrei die Flammen ringsum ſie her und unter ihren Füßen emporſchlugen, fiel ſie plötzlich mit der Decke des Scheiterhaufens hinab, ſo daß ihr Körper verſchwand, aber ihr Aechzen noch lange von den Zuſchauern gehört wurde. Endlich ſchlugen Flammen und Rauch hoch gen vimmel und umhüllten das Kreuz Chriſti, das dieſe Greuel hatte ſchauen müſſen.

Auf dieſelbe Weiſe endete Fra Romualdo, nachdem er zuvor Augenzeuge des martervollen Leidenstodes ſeiner Unglücksgefährtin hatte ſein müſſen. Sechsundzwanzig Gefangene der Inguiſition waren gleichfalls gezwungene Zuſchauer dieſes entſetzlichen Schauſpiels die einzigen unter all den Tauſenden, welche beim Anblick deſſelben Thränen vergoſſen, während die geſammte übrige Menge in ihrer rohen Unwiſſenheit und voll ſtupiden Aberglaubens dem ſcheußlichen Menſchenopfer Beifall zujauchzte!

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Es iſt eine häufige Erſcheinung, daß die höchſten und viel ver⸗ mögendſten Herren unter der Tyrannei ihres Vedienten leiden. So erging es auch dem berühmten Herzog von Marlborough. Als der⸗ ſelbe einſt von dem Kriegscommiſſar Mariott begleitet, eine Reiſe im offenen Wagen machte, wurde man vom Regen überraſcht, und die Herren forderten ihre Mäntel von den Dienern. Mariott erhielt den ſeinen ſofort, der Herzog jedoch nicht, und als er den Diener antrieb, ſich mit dem Losſchnallen des Mantels zu beeilen, gab die⸗ ſer noch die impertinente Antwort, daß der Herzog warten möge, bis er den Mantel bekomme, und wenn es Spieße regne. Erſt als er durchnäßt war, erhielt der große Krieger ſeinen Mantel.

Als Mariott ſpäter fragte, warum der Herzog den ungeſchickten frechen Menſchen nicht abſchaffe, zuckte dieſer mit der Schulter.

Es iſt ſchon zuviel, murmelte er,daß ein Taugenichts meine Schwächen kennt!

Gewiß eine umfaſſende Beſtätigung des bekannten Sprichwor⸗ tes: Jeder große Mann iſt vor ſeinem Diener klein.(

Die Krabbenfüngerinnen von Büſum.

Unter den Fiſchern der Nordſee gehören wol die Krabbenfänge⸗ rinnen von Büſum zu den originellſten. Büſum, ein kleines Kirch⸗ dorf in Dithmarſchen, liegt hart an der Nordſee. Im Sommer be⸗ ſteht hier ſchon ſeit längerer Zeit eine Badeſaiſon, die mit der Zeit wol ſehr frequentirt werden dürfke, da das Waſſer und die Luft an dieſer Küſte eine vortreffliche Wirkung auf die Geſundheit der daſelbſt Verweilenden ausüben. Dies nun iſt der Ort, von wo aus oben genannte Fiſcherinnen die umliegenden Marktflecken mit den beliebten Krabben verſorgen. Sobald die Flut zurückgetreten iſt, verſammeln ſie ſich meiſt truppweiſe in nebenſtehender origineller Tracht, das große Netz unterm Rücken befeſtigt, und dann geht's weit hinaus in die vom Waſſer bloßgelegten Watten, ſodaß man e kaum noch von der Küſte mit bloßem Auge bemerken kann. In ben ſogenannten Prielen nun, die wie Kanäle die Watten zahlreich durch⸗ ſchneiden und den Schiffern durch ſogenannteBaken(Stangen mit Strohwiſchen) bezeichnet werden, beginnt die Jagd auf die kleinen merkwürdigen Thiere, die große Aehnlichkeit mit den Krebſen, aber nur eine Größe von 13 Zoll haben, bis die herannahende Flut die Fiſcherinnen zwingt, mit ihrer Beute dem Ufer zuzueilen. Es iſt ſchon oft vorgekommen, daß einzelne Fiſcherinnen von Flut und Nebel überraſcht ſind und einige Stunden ſpäter als Leichen an den Strand geſpült wurden.

Sobald nun die Beute in Sicherheit gebracht iſt, wird von den Weibern Toilette gemacht, und dann geht's, die Körbe mit den noch le⸗ benden Krabben über die Schulter gehängt, den Hauptorten Dithmar⸗ ſchens(Heide, Meldorf u. ſ. w.) zu, wo ſie ihre Anweſenheit in den Straßen durch den Ruf?Kraut! Kraut!(plattdeutſcher Name für Krabben) anzeigen. Nachdem ihre Waare für wenige Schillinge an⸗ gebracht iſt, kehren ſie vergnügt den oft 45 Stunden langen Weg nach ihrer Heimat zurück. Braune.

A. F. in Wien. Sie können bei jeder Buchhandlung das Abonnement fortſetzen.

B. M. in W. Laſſen Sie uns übér denſelben ſchweigen, er iſt lebend todt.

Apoth. W. in A. R. Unſere Leſer würden uns wenig dafür danken, wollten wir ſie mit einem gewöhnlichen Betrugs⸗Proceſſe unterhalten.

F. P. in B. Iſt wohl zu ſpät, da der Stoff längſt vom Publikum vergeſſen.

M.** Den Namen müſſen wir doch wiſſen. Wir ſind nicht nengierig, aber die Geſetze ſind es.

O. K. in L. Wir ſtehen vor den Hundstagen und Sie ſenden uns dieſen Berg von Manuſcripten.

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Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brochaus in Leipzig.

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