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zige Sauce über Ochſen⸗, Kalbs⸗,
Bowie⸗Meſſer wird im Zanke um die ſchönſten ſeine blutige Arbeit thun.
Miſtreß Rye trifft inzwiſchen ihre Anſtalten, um den erſten Transport der canadiſchen Bräute einzuſchiffen. Sie hat ſie be⸗ reits in Chören eingeübt, in ſchönen Liedern, in welchen der Dichter das Glück ver Liebe und der Ehe preiſt. Mit dieſen Liedern werden ſie ſich auf dem Ocean während der Ueberfahrt die Zeit
vertreiben, und mit ihnen ſollen ſie auch in das gelobte Land
einziehen.
Man behauptet, daß Miſtreß Rye auch den Continent be⸗ reiſen oder wenigſtens Emiſſärinnen ſchicken wird, um namentlich in Deutſchland Bräute zu rekrutiren. Es ſteht ſonach auch bei uns eine große Aushebung in den betreffenden Altersklaſſen bevor, der wir mit Spannung entgegen ſehen.
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Gott Amor wird alſo demnächſt von jenſeits des Oceans zu unſeren deutſchen Mädchen geflogen kommen mit' der Bot⸗ ſchaft:„Mein Fräulein, drüben über dem großen Waſſer liebt ſie ein„Canadier, der noch Europas übertünchte Höflichkeit nicht kennty. Das Schiff liegt in Hamburg bereit, bitte nur Ihre Sachen zu packen; die Mama wird nichts dagegen haben!“
Und ſie werden gehen, verlaßt Euch darauf, ſobald nur Miſtreß Rye ihr Heirathsbureau bei uns eröffnet hat.
Plandertaſche.
Es fällt mir da ein eigenthümliches Buch in die Hände, das ohne Zweifel ſeine Verdienſte hat, wenn ſie auch nicht von jedermann gewürdigt werden. Herr U. Dubois, Chef der Küche des Königs und der Königin von Preußen, hat ſeine Kenntniſſe und⸗ Erfahrungen in einem anſehnlichen Bande geſammelt und ſie dem Publikum unter dem Titel„Die Küche aller Länder“ vorgelegt. Herr Dubois erzählt uns in dieſem ſeinem Buche aus aller Herren Länder eine Menge von Geſchichten über Speiſen und Getränke, daß Einem beim Leſen das Waſſer im Munde zuſammen läuft. Er kennt die Gerichte aller Na⸗ tionen, nennt ſie bei dem Original⸗Namen, und das Ganze wimmelt natürlich von Suppen und Saucen, Braten, Gemüſen und Compots, für die größtentheils nur die raffinirteſten Feinſchmecker ein Verſtänd⸗ niß haben.
Aufrichtig geſprochen habe ich niemals ein Talent für dieſe Fein⸗ ſchmeckerei in mir gefühlt, denn ein gutes Stück Rindfleiſch iſt mir ſtets an der ausgezeichnetſten Tafel als der Inbegriff ihrer Freuden
erſchienen, und nur gegen Eins empört ſich ſtets mein Magen, näm⸗
lich gegen die vorzugsweiſe in Berlin gebräuchliche Unſitte, eine ein⸗ Wild⸗ und Gänſebraten zu gießen. Ich habe alſo ein beſonderes Intereſſe, dieſes unterrichtende Buch unſern Berliner Wirthen zu empfehlen, die, wenn ſie ſonſt den guten Willen haben, recht viel daraus lernen können.
Herr Dubois iſt ein praktiſcher Mann. Im Gegenſatz zu den gewöhnlichen Kochbüchern, in welchen wir die unſterbliche Vorſchrift zu leſen gewohnt:„um einen Haſenpfeffer zu machen, nehme man einen Haſen“, ſchickt Dubois ſeinem Capitel: was man ißt, eine Ab⸗ handlung voran: wie man ißt, und zu meiner Genugthuung findet ſich in dieſen ſeinen Andeutungen eine ſo große Uebereinſtimmung mit meiner eigenen Gewohnheit, daß ich doch die Hoffnung nicht aufgebe, dermaleinſt noch ein Eßkünſtler zu werden.
um leicht und angenehm zu eſſen, beginnt Herr Dubois, muß man bequem ſitzen, nicht zu hoch und nicht zu niedrig, die Bruſt ge⸗ rade, den Rücken in halber Entfernung ſowol vom Tiſch wie von der Stuhllehne. Links von der Aſſiette ſoll man eine ſolide Gabel haben, eher zu ſchwer als zu leicht, rechts den Löffel und das Meſſer. Sind die Hände nicht mit dem Zerlegen oder dem Zumundführen beſchäftigt, darf man ſie bis zum Handgelenk auf den Tiſch legen, nicht weiter.
Beim Speiſen(mit Ausnahme der Suppe, bei deren Genuß der Löffel in der rechten Hand ruht) und beim Zerſchneiden nimmt man die Gabel in die linke Hand und hält ſie in möglichſt horizon⸗ taler Richtung, den Zeigefinger darauf legend, das Meſſer in die rechte Hand, um beim Füllen der Gabel behülflich zu ſein. Niemals aber führt man das Meſſer an den Mund.
Macht man eine Pauſe beim Eſſen, um ſich an der Unterhal⸗ tung zu betheiligen, ſo legt man Meſſer und Gabel der Art auf die Schüſſel, daß man jeden Augenblick wieder zugreifen kann. Auf alle Fälle muß die Gabel der linken, das Meſſer der rechten Hand dienſt⸗
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bar bleiben und alſo, um beim Eſſen nicht ungeſchickt zu erſcheinen, jedes der beiden ſeine nicht zu verwechſelnde Seite behalten.
So weit im Auszuge die Vorſchriften des Herrn Dubvis. Ich glaube nicht, daß, wer einmal gewohnt iſt, die Gabel in der rechten Hand zu haben, ſich in dieſer ſeiner alten Gewohnheit wird irre machen laſſen; aber es kann niemals ſchaden, wenn der Leſer er⸗ fährt, wie ein Sachverſtändiger darüber denkt und räth.
Unſer Jahrhundert ſchreitet vor in chriſtlicher Liebe und Huma⸗ nität. Der Kaiſer von Rußland erklärt ſeinem Kriegsminiſterium, es ſei unmenſchlich und grauſam, im Kriege Exploſionskugeln anzu⸗ wenden, es ſolle bei den gewöhnlichen Kugeln verbleiben. Die Men⸗ ſchen ſollen nach wie vor todtgeſchoſſen, aber nicht zerriſſen werden, was mich an den Koch erinnert, der die Fiſche zuſammen berief und ſie fragte, ob ſie gekocht oder gebraten ſein wollten.
In London hat der Arzt eines Hospitals, verführt durch die Menſchenfreſſerei in Algerien, ſich ein Stück von einer Leiche abge⸗ ſchnitten, daſſelbe geröſtet und mit gutem Appetit verſpeiſt. Die kam dahinter und hat den Mann ſeines Amtes entſetzt.
Und da erſtaunten wir, wenn wir in den Berichten der eng⸗ liſchen Kriegs⸗Correſpondenten aus Abhſſinien laſen, daß die Eingebo⸗ renen den erſten beſten ihnen begegnenden Ochſen packen, ihn nieder⸗ ſchnüren, ihm ein Beefſteak aus dem Hintertheil herausſchneiden, die Haut wieder zu nähen und ihn dann laufen laſſen.
Man hat wol gehört, daß die Eiſenbahnzüge in Spanien und
Italien durch Räuberbanden überfallen und aufgehalten wurden,
ebenſo haben unſere Eiſenbahnen zu keiner Zeit eine ſo reiche Ga⸗ lerie von Unglücksfüllen, Entgleiſungen, Zerquetſchungen und andern gewaltſamen Reiſe⸗Unterhaltungen geliefert, wie gerade während der
ketzten Zeit.
Antliche Mittheilungen bringen jetzt die faſt unglaubliche und doch offizielle Nachricht, daß in der Nacht vom 31. Mai der von Paris nach Vendöme abgegangenene Eiſenbahnzug durch Raupen der Art aufgehalten worden, daß er über eine Stunde lang nicht von der Stelle kam.
Man fügt hinzu, es ſei nicht das erſte Mal, däß an dieſer
(näher bezeichneten) Stelle die aus einem nahen Welde kommenden Raupen ſich zu Millionen auf die Schienen gelegt, ſo daß der Zug ſich nicht vom Platze bewegen konnte. Die Sache hat, ruhig be⸗ trachtet, nichts Unglaubliches, jedenfalls iſt ſie aber originell genug.
Eine Anekdote aus der Londoner Induſtrie⸗Ausſtellung von 1862, die meines Wiſſens jetzt erſt bekannt geworden. In der öſterrei⸗ chiſchen Abtheilung verſchwanden ſehr werthvolle Gegenſtände, ohne daß man des Diebes habhaft werden konnte.
Endlich kam ein Polizei⸗Beamter auf die Idee, am Abend eine der Statuen, welche in der Nähe ſtanden, vom Sockel herabnehmen zu laſſen, ſich ſelbſt als Statue hinzuſtellen und ſich bei Schluß der Thore mit dem grünen Schleier bedecken zu laſſen, in welche man nachts die Statuen hüllte.
Der Dieb kam richtig. Der Poliziſt ſprang vom Sockel herab
und packte den Spitzbuben, der vor Schreck beinahe in die Erde ſank.
Der Haarwuſt, den unſere Damen ſich trotz der Sommerhitze auf den Kopf packen, nimmt immer größere Dimenſionen an. Kein Schriftſteller, kein Dichter wagt mehr, von dem üppigen Seidenhaar ſeiner Heldin zu ſprechen, weil Jeder zwiſchen den Zeilen lieſt, daß es beim Perrukier gekauft iſt.
Keine Verlegenheit, wie oft eine ſolche auch geſchehen mag, cu⸗ rirt die Damen von dieſer Unſitte. In Paris brach neulich in einem Café chantant ein Streit zwiſchen zwei heißblütigen jungen Damen aus, der ſchnell in Thätlichkeiten überging.
„Nur nicht in die Chignons!“ rief einer der pfenden zu.
Kaum geſprochen, fielen ſich Beide in die Chignons und riſſen ſich dieſelben gegenſeitig vom Kopfe. Ungeheueres Gelächter.
Andere Verlegenheit: Ein junger Mann macht einer intereſſanten Witwe den Hof und bewundert ihr ſchönes reiches Haar.
„Ach“, ruft das Töchterchen altklug,„Mama ſchont aber auch ihr Haar ſo ſehr, denn ſie geht nie damit zu Bett!“
Hans Wachenhuſen.
Gäſte den Küm⸗
Opfer der Inquiſition.
Die letzten Opfer der Inquiſition in Neapel waren ein Auguſtiner⸗ Laienbruder Fra Romualdo und eine Benedictiner-Nonne, Gertrude, jener wegen Quietismus, Molinismus und ſonſtiger Ketzerei, dieſe wegen Stolz, Eitelkeit, Leichtſinn und Heuchelei bei der Inquiſition angeklagt. Beide waren arme verrückte Perſonen. Der Bruder be⸗ hauptete ein Prophet zu ſein und Geſpräche mit Gott⸗Vater und den


