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Ilufrirt
es Polisblatt— Berausgeber: Hans Wachenhu
XI. Jahrgang. 1868.
Nℳ 38.
Meine Mutter hat's gewollt.
Erzählung von F. L.
(Fortſetzung.)
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PiSchlafcabinet gemiethet. Wie es ſich darin ruhte, wußte er noch nicht; denn er trat in voller Tagesklleidung mit
P hatte neben ſeinem Wohnzimmer im Hotel ein
einem Licht heraus und ging an die Thür, die aus dem größeren
Gemach auf den Flur führte. Dabei ſprach er leiſe vor ſich hin:„Ich will die Thür doch ſchließen. Er ſucht mich ſonſt noch auf, und beſſer, ich gebe ihm erſt morgen die Erklärung!“ Doch in dem Augenblick, als er öffnete, um den Schlüſſel draußen abzuziehen, ſtand Stephani vor ihm. Er wich raſch zurück.
„Ich glaube gar, Sie erſchrecken vor mir?“ Hiermit führte der Doctor ſich ein.
„Wohl möglich!“ Der Banlier trug das Licht auf einen Tiſch.
Der Freund folgte ihm:„Fürchten Sie Vorwürfe, daß Sie davongelaufen?“
In der ruhigen, ſanften Weiſe, die ihm ſo eigen war, entgegnete Roſenberg„Ich fürchte mich vor einem Geſtänd⸗ niß, Doctor, das ich Ihnen ablegen muß.“ Er zog den An⸗ kömmling auf das Sopha nieder.
„Ich kenn' es“, lächelte Stephani,„ehe ich's kenne.“
„Meinen Sie?“ warf der Andere hin, überzeugt, nicht errathen zu werden.
„Sie wollen mir beichten“, fuhr der Hiſtoriler fort,„wie die unmittelbare Nähe des ſchönen Mädchens auf Sie ge— wirkt. Sie wurden ſo befangen, daß Sie kaum einen Laut hervor bringen konnten. Dem peinlichen Zuſtand entzogen Sie ſich durch die Flucht.“
Ernſt verſetzte Jener:„Ihr in der Regel ſo tief ein⸗ dringender Blick hat Sie dies Mal verlaſſen, lieber Freund; mich trieben ganz andere Gründe hinweg.“
Stephani wurde geſpannt.„Nun?“
„Ich habe eine Fata Morgana geſehen.“
„Wie ſo?“
„Was mir in der Ferne als lockendes Vild erſchien, zer⸗ floß bei der Annäherung in Dunſt und Leere. Ich glaubte, zu lieben, ich liebe nicht!“
Der Hörer ſprang auf:„Roſenberg! Die Elſen der Märchen ſind nicht ſo lieblich wie Fanny!“
Der Bankier zog ihn auf den Sitz zurück und ſprach ge— laſſen:„Finden Sie das? Ich kann es nicht mehr ſinden. Mich hat der Abend völlig ernüchtert, Doctor!“
„Unbegreiflich!“ rief Stephani, unruhig hin und herrückend.
Wachenhuſen's Hausfreund. F
Niedergeſchlagenen Blicks erklärte der Freund:„Ich ſchäme mich der Phraſen, die Sie heute beim Sonnenuntergang auf der Bergeshöhe von mir gehört. Vergeſſen Sie mein Geſchwätz!“
„Ei, Beſter“, fiel der Doctor erregt ein,„es hat mich zu einer Thorheit verleitet!“
„Den Philoſophen? Das glaube ich nicht.“
„Was Philoſophie! Mein Mitgefühl für Sie—“
„Verzeihung!“ unterbrach Roſenberg,„ich denke, wahres Mitgefühl liegt nicht in unſerer Natur?“
„Jetzt keinen Spott!“ verbot Stephani.„Die Sache iſt ſehr ernſt. Ich ließ mich hinreißen, der Familie ein Bild von Ihnen zu geben—“
„Das ohne Zweifel den Maler unendlich hochſtellt.“
Beinahe ungehalten erwiderte der Doctor:„Ihre Luſt, zu ſcherzen, iſt nicht am Ort. Ich ſchlug den kürzeſten Weg ein, Sie ans Ziel zu führen, und entdeckte der Mutter den tiefen Ernſt einer Neigung—“
„Stephani!“ rief der Bankier beſtürzt.
„Die Sie und mich“, vollendete der Erſte,„jetzt dem Pranger der Lächerlichkeit preisgibt.“
„Das ſoll nicht geſchehen!“ ſprach Roſenberg zuverſicht⸗ lich aus.
„So?“ fragte Stephani in ſpottendem Ton.„Ich wüßte nicht, wie es zu vermeiden wäre, da die alte Dame morgen den Freier erwartet. Aus bloßer Höflichkeit um die Tochter zu werben, däucht mir für beide Parteien etwas riskant.“
„Nun ſpotten Sie“, ſagte Roſenberg mild,„ſtatt ernſt auf eine Löſung zu ſinnen.“
„Zünden Sie Ihr erloſchenes Geſühl am Licht dort wieder an!“ ironiſirte Stephani weiter, auf den Leuchter deutend.
„Ich hoffe, die Verlegenheit, die ich dem Freunde be⸗
reitet, auf andere Weiſe zu entfernen.“
„Mich drückt nicht meine Verlegenheit, ſondern die
Fhre „Wenn es Ihnen recht iſt, ſo laſſen wir ſie Beide ein
wenig ruhen.“
„Von ſelbſt ſchläft ſie nicht ein!“ replicirte der Unbe— friedigte.
„Am Ende doch!“ behauptete der Bankier und knüpfte, da ihn der Doctor ſrappirt anſah, raſch an„Fahren Sie nicht auf! Ich bitte darum, obſchon mich Ihre Neigung zur
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