Um den Hammel zu bezwingen, trank er funfzig Seidel Bier und um ihn zu verdauen, ſchickte er dreißig Gläſer Genever hinter⸗ drein. Das Ganze erforderte ſechs Stunden. Als er fertig war und die Gäſte ihn umdrängten, um ihm ihre Bewunderung auszudrücken, war Mr. Halifax in einen tiefen Schlummer verſunken, aus denen er erſt nach vierundzwanzig Stunden erwachte.
Auber, der ſiebenundachtzigjährige Greis hat, verführt durch den Erfolg ſeiner Oper:„Der erſte Geburtstag“, richtig ſchon den erſten Act einer neuen Oper beendet, die er den„Liebestraum“ nennt. Die Eitelkeit läßt den Alten nicht ruhen; Roſſini, ſein Freund und College, reibt ſich ſchadenfroh die Hände und ſagt:„Das wird ſeine letzte ſein, denn weder er, noch das Publikum kann das aushalten!“— Titian malte noch im hundertſten Jahre ſeine ſchönſten Bilder, und Auber, wenn er es ſo forttreibt, wird an einer ſeiner Opern ſterben.
Die Eiviliſation und Humanität des Jahrhunderts machen er⸗ freuliche Fortſchritte. In Italien iſt eben eine Geſellſchaft von Gent⸗ lemen ernſtlich beſchäftigt, ein Geſetzbuch für das Duell zu be⸗ rathen und herauszugeben.
Francesca da Polenta und Paolo Malateſta in Rimini.
(Siehe das dieſer Nummer beigegebene Bild, nach der Original⸗Zeichnung des Pro⸗ feſſor Mücke.)
Eine der rührendſten Darſtellungen Dante's in ſeiner an furcht⸗ baren Scenen ſo reichen Darſtellung der Hölle findet ſich im fünften Geſange derſelben, welchen der Dichter den Liebenden geweiht hat, von denen er weinend und im tiefſten Gefühl der Trauer voll Mitleiden agt:
ſ 6„O Himmel, Wie mancher ſtille Liebeswunſch, wie manches Verlangen führte ſie zum Schritt voll Schmerzens.“
Semiramis, Dido, Cleopatra befinden ſich in dem trauervollen Zuge, den der Dichter in dieſem Kreiſe der Hölle erblickt; vor allen aber rührt ihn ein Paar, mit dem es ihn drängt zu reden, es ſind die oben genannten Francesca da Polenta und ihr Geliebter und Schwager Paolo Malateſta. Ihre Geſchichte und das Schickſal, was ſie in ihrer gegenſeitigen Liebe ereilte, wird folgendermaßen erzählt.
Um ein Bündniß zwiſchen den beiden Häuptern der Guelfen⸗ Partei in Rimini am Po, Malateſta da Verucchio und Guido da Polenta von Ravenna, zu befeſtigen, wurde unter den Kindern Beider eine Doppelheirath verabredet. Bernardino da Polenta heirathete Maddalena Malateſta; Giovanni Malateſta dagegen wurde der Gatte der auf unſerem Bilde dargeſtellten Francesca da Polenta von Ravenna. Giovanni, die dritte Figur auf unſerem Bilde, war tapfer und klug, aber unliebenswürdig und lahm, weshalb man ihn Gianciotto, den lahmen Hans, nannte. Schön und wohlgeſittet war dagegen ſein Vruder Paolo. Um Francesca nicht zurückzuſchrecken, mußte dieſer den Brautwerber machen. Sie hielt ihn für ihren Verlobten und wurde erſt nach der Hochzeit ſchmerzlich enttäuſcht, aber die Liebe zwiſchen ihr und Paolo hatte ſo tiefe Wurzeln geſchlagen, daß Beide ihren Umgang mit einander insgeheim fortſetzten. Ein Diener des Giovanni belauſchte die Liebenden, gab ſeinem Herrn Kunde davon, und dieſer ſoll Beide mit einem Stoße ſeines Schwertes getödtet haben. Die Zeit dieſer Begebenheit wird etwa ins Jahr 1280 geſetzt.
Dante hat das Verhältniß dieſer Liebenden mit einer Innigkeit und mit einem Zartgefühl geſchildert, daß man auch ohne weitere Erläuterung ahnt, hier müſſe eine beſondere Beziehung obwalten, und ſo iſt es in der That. Denn der aus ſeiner Vaterſtadt Florenz ver⸗ bannte Dichter fand die Stätte ſeiner letzten Zuflucht bei Guido Novello da Polenta, einem Neffen Francesca's, woſelbſt er am 14. September 1321 geſtorben iſt. Tief bewegend iſt Francesca's Anrede an Dante, wenn man Beider Schickſal bedenkt.
„O wohlgeſinntes, liebereiches Weſen,
Das du, die Nacht der Unterwelt durchwandelnd, Uns heimſuchſt, die mit Blut die Erde färbten, Wär' unſer Freund des Weltgebäudes König,
So wollten wir ihn flehn um deinen Frieden, Weil du mit unſrem Elend Mitleid fühlteſt.“
Und wie ſchildert der Dichter die Liebe, welche für Frances ca und Pavlo mit dem Tode endete, oder nicht endete, denn ſie über⸗ dauert das Grab.
„Die Liebe, die zur Gegenliebe nöthigt, Ließ mich an ihm ſolch Wohlgefallen finden, Daß, wie du ſiehſt, ſie noch nicht von mir abläßt. x Die Liebe führt uns zu vereintem Tode.“
die„Cakna“, d. h. in die erſte Abtheilung des neunten Höllenkreiſes wurde der Bruder⸗ und Gattenmörder Giovanni ver⸗ bannt. Er ſtarb im Jahre 1304.
„Caina wartet deß, der uns gemordet.“
Der Schöpfer des beiliegenden Bildes hat den Moment erfaßt, in welchem der verletzte Gatte Rache übt an Gattin und Bruder, die er nach ſüßem Liebesgeſange in der Umarmung überraſcht hat.
„Wir laſen eines Tages zum Vergnügen
Von Lanzelot, wie Liebe ihn umſtrickte,
Allein und unbeargwohnt waren wir.
Des Buches Inhalt ließ die Augen öfters
Uns ſenken und verfärbte uns die Wangen,
Doch nur ein Punkt war's, welcher uns bewältigt.
Denn als wir, wie das langerſehnte Lächeln
Von ſolchen Liebenden geküßt ward, laſen,
Da küßte, dem vereint ich ewig bleibe,
Am ganzen Leibe zitternd, mir den Mund.“
Dieſe Andeutungen werden genügen, um das Bild des Künſt⸗ lers zu vollem Verſtändniß zu bringen und ſeiner ſchönen Dispoſi⸗ tion und der echt künſtleriſchen Auffaſſung Anerkennung widerfahren zu laſſen. Wir wollen nur noch daran erinnern, daß Francesca die genauere Erzählung ihrer Liebe mit den weltberühmten Verſen ein⸗ leitet, welche Dante, ſich an einen Satz des Boöthius über den „Troſt“ anlehnend, den Worten des Aeneas bei Virgil nachgebildet haben möchte, als er von der Dido aufgefordert ward, das Schick⸗ ſal ſeiner unglücklichen Vaterſtadt ihr zu erzählen.
„Kein Schmerz iſt größer, Als ſich der Zeit des Glückes zu erinnern In ſeinem Elend.“
Wir haben bei unſerer Mittheilung nicht eine der gereimten Ueberſetzungen Dante's gegeben, ſondern der Genauigkeit des Aus⸗ druckes wegen die in reimloſen Jamben abgefaßte Ueberſetzung von Witte. Und doch können wir nicht ſchließen, ohne noch der letzten Worte Francesca's zu gedenken:
„Quel giorno piu non vi leggemmo avante. An jenem Tage laſen wir nicht weiter.“
S Es würde ein eigener Aufſatz erforderlich ſein, um alle die künſtleriſchen Darſtellungen aufzuzählen, zu welchen Dante's berühmte Schilderung der Liebe Francesca's und Paolo's Veranlaſſung ge⸗ geben hat.
Mr.
Kleine Poſt der Redaction.
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L. P. in G.— Die amerikaniſchen Mittheilungen müſſen ſchon unterwegs ſein.
plötzlich ins Schweigen geriethen und durch geſchäftliche Veränderungen oder Schic⸗ falswechſel nichts mehr von ſich hören ließen. Die guten Freunde des Herausgebers drüben machen immer die ſchönſten Verſprechungen, ſchreiben auch wol eine Zeit lang und dann bleibt's beim guten Willen.
Dr. M. in B.— Theaterkritiken bringt der Hausfreund niemals. Gewiſſenhafte Mittheilungen aus dem Berliner Schauſpielhaus bringen wir zum Herbſt, denn es iſt Zeit, vaß einmal ein ehrliches Wort über dieſe Wüſte geſprochen werde. befaſſen wir uns überhaupt nicht damit.
O. F. in Dr.— Noch nachträglich eine Apotheoſe Devrient's! Wir haben ſchon drei refüſiren müſſen. Die Sache ſtreifte ans Alberne.
P. R. in B.— Verlorene Mühe freilich, aber laſſen Sie ſich nicht abſchrecken.
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Umſchlag elegant geheftet.
à6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Jlluſtrationen, mit einem
Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21.
Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.
Es iſt uns ſchon zu wiederholten Malen paſſirt, daß unſere dortigen Correſpondenten
Gern


