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dern Morgen ſerviren zu können, was ſie heute in ihre Küche bekommen, während die Herſtellung einer Nummer bei einem illuſtrirten Blatte ihre runden vierzehn Tage erfordert, einen Zeitraum, in welchem nach den neueſten Erfahrungen zwei ganze Feldzüge geliefert werden können.
Solange ich auf Reiſen, war ich wol in der Lage, hier und da Neues aufzufiſchen; es ging mir wie der Schwalbe, die ihre Inſekten im Fluge haſcht; jetzt aber muß ich geduldig war⸗ ten, bis mir die Poſt meine Nachrichten bringt, oder bis mir meine Freunde aus allen Himmelsgegenden etwas Neues mit⸗ theilen. So geht's mir auch mit meinem Ideal, meinem Theo⸗ dor, auf den ich nichts kommen laſſe, mag man ihn noch ſo ſchwarz färben.
Ich habe ſchon zu beweiſen geſucht, daß er ein Peter der Große, ein Alexander geweſen wäre, wenn er in einer gemäßig⸗ ten Zone regiert hätte; ich habe auch Züge aus ſeinem Leben mitgetheilt, die beweiſen, daß er keineswegs ein ſo ungebildeter Varbar geweſen, wie man allgemein glaubte. Ich berufe mich jetzt auf das Zeugniß eines engliſchen Correſpondenten, der uns meldet, daß man nach der Erſtürmung von Magdala in ſeinem Palais nicht nur ein ganz europäiſches Mobiliar geſehen, man ſogar Pianos, Harmonium und andere muſikaliſche Inſtrumente gefunden, von denen ich hier ein Pianino dem Leſer in einer getreuen Abbildung vorführe.
König Theodor liebte alſo das Reich der Töne und der Harmonie. Wenn die Regierungsſorgen ihn abgeſpannt, wenn er genöthigt geweſen, aufſäſſigen Vaſallen die Köpfe vor die Füße zu legen, oder die Demokraten ſeines Landes bei den Bei⸗ nen aufhängen zu laſſen, ſetzte er ſich abends an das Piano und ſang Schubert'ſche Lieder, die ſelbſt ſeine Löwen beſänftigte.
Er ſoll nun wirklich todt ſein, mauſetodt. Einer ſeiner Ge⸗ treuen hat ihn erſchießen müſſen, als der Feind in ſeinen Pa⸗ laſt drang; ſeine bewegte Seele iſt alſo zur Ruhe gekommen. Vielleicht hat er ſeine Unterthanen beſſer verſtanden als ſie ihn, vielleicht haben ſie ſich gegenſeitig nicht verſtanden, denn er hatte in ſeinen Staaten fortwährend Revolutionen zu bekämpfen. Viel⸗ leicht aber haben auch wir die Zuſtände Abyſſiniens nicht ver⸗ ſtanden, denn es iſt ja kaum möglich, aus den Zeitungsnach⸗ richten die Zuſtände unſerer nächſten Nachbarn in Wahrheit zu erkennen.
Jedenfalls ſollen wir uns mit unſern modernen Zuſtänden nicht überheben, denn wir haben niemals genaue Nachrichten dar⸗ über gehabt, weßhalb eigentlich ein großer Theil der abyſſi⸗ niſchen Bürger mit dem Könige unzufrieden waren, und es kann ja der Urſachen ſo viele geben.
Erinnert man ſich nicht jenes Münchener Bürgers, der 1848 nach dem Bairiſchen Bierkrawall, der in München wegen der Preis⸗ erhöhung des Bieres ausbrach, in den Zeitungen von den Revolu⸗ tionen in Paris, Berlin und Wien las und in die denkwürdigen Worte ausbrach:„Ja, iſt denn das Bier überall theuerer
worden?“
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Schlimme Geſchichten, die aus Aegypten zu uns dringen! Meine Leſer erinnern ſich vielleicht noch, wie ich im vorigen Jahre den Vicekönig von Aegypten als das Muſter eines galanten Ehemanns hinſtellte; die Etikette zwang ihn, die Weltausſtellung zu beſuchen, wie alle die übrigen Monarchen, er aber gedachte ſeiner daheim gebliebenen Frauen und ſandte ihnen für eine Summe von 50,000 Francs die ſchönſten und koſtbarſten Kleider.
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Wie aber haben ihm dieſe Frauen ſeine Liebenswürdig⸗ keit gedankt? Durch die ſchönſte Treuloſig⸗ keit! Während er, der Vicemonarch, in Eu⸗ ropa reiſte und ſeinen Weg mit Wohlthaten und goldenen Dukaten beſtreute, drang der ägyptiſche Amor heimlich in ſeinen Palaſt und ſchliff ſeine Pfeile. In Folge deſſen Shaben einige Damen ſeines Harems mit den Offizieren ſeines Palaſtes angebandelt und die Sache blieb verſchwiegeu, bis ſie jetzt die Sonne an das Licht gebracht, d. h. die Treuloſen ſich ſelbſt verrathen haben.
Vorſichtigerweiſe hatten ſie die Eunuchen des Harems beſtochen, dieſe drückten beide Augen zu und wäh⸗ rend der Vicekönig die Wunder der Induſtrie betrachtete, ſonnten ſich ſeine Offiziere in den Wundern der Schönheit ſeiner Frauen.
Endlich vor ganz kurzem geriethen zwei dieſer treuloſen Weiber mit einander in Zank. Die Eine warf der Andern ihre Untreue vor; der Wortwechſel kam zu Ohren des Vicekönigs, alle Vierzehn wurden entlarvt und der Monarch ließ die grau⸗ ſamſte Strenge walten. Vermuthlich ſind ſie alle nach der orien⸗ taliſchen Sitte ertränkt worden, wo es am tiefſten iſt. Die Offi⸗ ziere verbannte er nach Oberägypten in die heißeſten Steppen, nachdem er ſie vor ein Kriegsgericht hatte ſtellen laſſen.
Ich bin der Ueberzeugung, daß, wenn die Untreue erſt in den Harems der Mohamedaner um ſich greift, die Vielweiberei ſehr ſchnell ihrem Ende entgegen geht. Bei uns in Europa hat mancher Ehemann ſchon nicht Augen genug, um ſeine einzige Frau zu überwachen. Hundert treuloſe Weiber bewachen zu laſſen, das geht noch über einen Sack voll Flöhe.
Es gibt glückliche Criſtenzen, von denen wir keine Ahnung haben. Zu dieſen gehört Meiſter Fordham, einer der erſten Jockeys von England, der beim letzten Derbyrennen in Chan⸗ tily mit dem Suzerain den erſten Preis gewann. Dieſer Mr. Fordham iſt ein Gentleman vom reinſten Waſſer, ſo vornehm wie einer, ſo geſchickt wie keiner. Alle Pferdezüchter beten ihn an, und alle, die ſich mit ihren Pferden am Rennen betheiligen, wetteifern um ſeine Gunſt, denn Mr. Fordham hat ſchon unzäh⸗ lige Preiſe gewonnen und nicht ein einziger ſeiner Collegen ver⸗ ſteht es wie er, beim Rennen im letzten entſcheidenden Augen⸗ blick den Kopf ſeines Pferdes ſo zu heben, daß er um eine Naſenlänge vor allen übrigen das Ziel erreicht. Noch im vo⸗ rigen Jahre gewann er durch dieſes Kunſtſtück den Preis von 100,000 Francs.
Mr. Fordham iſt dadurch in den Stand geſetzt, wie ein Lord zu leben. Er hat eine jährliche Revenue von mindeſtens 20,000 Thalern, und wenn er reiſt, iſt er immer von einem Kammerdiener begleitet.
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Es mögen wol fünf Jahre her ſein, da ereignete ſich der ſeltſame und unglaubliche Fall, daß ein Luftballon mit einer Eiſenbahnlocomotive in Conflict gerieth. Ich ſelbſt ſaß mit dem Luftſchiffer Regenti in dieſem Ballon, der uns beim Herabfallen auf die Erde eine halbe Stunde lang durch Dick und Dünn ſchleifte und uns endlich bei Nauen mit blutenden Geſichtern an eine Telegraphenſtange warf, wo er mit uns ſitzen blieb. Der Zufall wollte, daß der Güterzug der Hamburg⸗Berliner Bahn heran brauſte. Der noch halb mit Gas gefüllte Rieſenballon ſchwebte über der Eiſenbahn; kam er mit der Locomotive in Be⸗ rührung, ſo war eine Exploſion unvermeidlich und unſere Arme und Beine wären wahrſcheinlich einzeln in der Luft umherge⸗ flogen. Zum Glück bremſte der Locomotivenführer noch zur rechten Zeit und Conducteure und Poſſagiere erlöſten uns aus unſerer mislichen Situation. Der Vorfall machte damals viel von ſich reden und die illuſtrirten Zeitungen„malten uns ab“, wie wir auf den unſeligen Telegraphenpfählen hingen.
Ein Pendant dazu iſt in Paris vorgefallen. Der dortige Hippodrom läßt täglich zur Beluſtigung des Publikums einen Ballon am Seil aufſteigen, den man nach einer Viertelſtunde


