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geiſterung fähig iſt, trägt immerdar die Spur davon im Auge. Den ſtumpfen Sinn verräth der ſtumpfe Blick.“
Fanny betrachtete ihn geſpannt:„Sie ſprechen, wie Sie ſchreiben!“
„Worin finden Sie die Aehnlichkeit, mein Fräulein?“
„In der Kürze und Entſchiedenheit Ihres Ausdrucks, der gar nicht zu widerſprechen iſt.“
Er warf aufgeräumt den Kopf zurück:„Ei, wollten Sie mir widerſprechen?“
Sie ſchlug erröthend die Wimper nieder:„Nein!“
„Sie ſehen leidend aus, Herr Roſenberg!“ Damit be⸗ endigte die Commerzienräthin abſichtsvoll das Geſpräch der Beiden und zog die Theilnahme auf den jungen Mann, der keinen Blick von Fanny's Zügen verwandt hatte, jetzt aber merklich erſchrak, als er ſeinen Namen hörte. Zerſtreut ver⸗ beugte er ſich:„Sie befehlen?“
„Für welches Uebel ſuchen Geneſung?“
Der Antwort überhob ihn Bemerkung„Sind Sie krank? gehalten.“
„Bis vor ganz Kurzem war ich er ſanft,„ich hoffe, mein Leiden, wie es ſich ſchnell gebildet, wird ſchnell wieder ſchwinden.“ Er erhob ſich.„Mein lieber Freund Stephani mag mir verzeihen, wenn ich vor ihm von
den Damen Abſchied nehme.“
Sie an den hieſigen Quellen
der Rechtsanwalt durch die Ich hätte Sie für kerngeſund
auch geſund“, ſprach
Stephani verließ gleichfalls ſeinen Platz.„Wohin?“ fragte er frappirt. „In unſer Hotel zurück. Ich habe die Ehre.“ Ehe noch
irgend Jemand Einrede erheben konnte, hatte er den Ausgang erreicht. Alle ſahen ihm ſtehend nach.
„Der junge Mann“, begann die Commerzienräthin, ohne ſich wieder zu ſetzen,„hat ein Weſen, das unwillkürlich Sympathie erweckt.“
„Die er verdient“, nahm Stephani ſchnell für den Freund Partei.„Wer ihn näher kennt, muß ihn lieben.“
„Er war ſo ſchweigſam, als drückte ihn ein Kummer“, meinte Fanny.
„Ihr Blick Stephani zu. „Soll er etwa aus dem Häuschen ſein, wenn er ſich krank fühlt?“ gloſſirte Fürſt.„Wo ſitzt es ihm denn?“
„Wär's ein ausgeſprochenes Leiden“ antwortete der Doctor,„ſo läge, hoffe ich, die Heilung nahe.“ Die Anderen verſtanden den Doppelſinn nicht. Stephani fuhr in einer Stellung, die es ihm möglich machte, ſeine Worte zugleich an Fanny und ihre Mutter zu richten, fort:„Es gibt auch außer⸗
iſt merkwürdig ſcharf, mein Fräulein!“ gab
halb der Weltgeſchichte große Charaktere; zu ihnen zählt
Roſenberg.“ „Was hat er ſo Fanny's Neugier.
„Machen nur bedeutende Thaten den Menſchen be⸗
„Wo Roſenberg die iſt edel; kein Die ſtille Haltung einer als manche Aeußerung fällt und von der Fama
deutend?“ gab der Hiſtoriker zurück. Hand rührt, wirkt er Gutes; was er denkt, unlauterer Hauch in ſeiner Seele! reinen Natur kann erhabener ſein, ſtarker Kraft, die glänzend ins Auge weit getragen wird.“
Fanny's Wangen glühten, während Stephani ſprach. Die ſam:„Herr Roſenberg iſt doch Jude?“
„Ja und nein!“ lautete ungeſäumt die Erwiderung. der Seite ſeines ehr⸗ aber die Gottheit er⸗ Fühlbare, nirgends Erreichbare, von keinem Geiſt zu faſſen. ob der Parſe im Sonnen⸗ der gläubige Chriſt ſich den Dreieinigen vorſtellt; er weiß, daß Gott unter keinem Bilde
„Er ſitzt bei hohen Feſten an würdigen Vaters in der Synagoge, ſcheint ihm als das allerwärts von jedem Herzen zu empfinden, Ihn dünkt es gleich rührend, feuer den Ewigen ſieht, ob
leidet!“
Fürſt drängte ſich dicht an
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Bedeutendes gethan?“ äußerte ſich
Was der Herr verdienen kann,
ſie öffnete halb die Lippen, alte Dame aber fragte behut⸗
Die Commerzienräthin hatte die Lider geſenkt und ſchwieg. den Doctor und raunte ihm ins
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Ohr:„Sieh dich vor, ſie iſt orthodor!“ Der Gewarnte nickte nur ſtumm.
Leiſe wagte Fanny ſich heraus:„Und denken Sie wie Ihr Freund?“
Mit ruhiger Sicherheit entgegnete Stephani:„Deswegen ſind wir Freunde.“
In dem Moment that ſich das Hauptportal ein Drittel auf, und herein zwängte ſich langſam und vorſichtig Aaron. Er war noch nicht mit ganzem Leibe im Innern des Raumes, als er ſeinen Gruß liſpelte:„Guten Abend wünſch' ich, guten Abend, Frau—“
Weiter kam er nicht; denn der Rechtsanwalt ſchoß auf ihn los:„Was wollen Sie? Was ſuchen Sie hier?“
Der Commerzienräthin war anzuſehen, daß ſie ſich im höchſten Grade unangenehm berührt fühlte.
„Was fahren Sie einen alten Bekannten ſo an, Herr Rechtsanwalt?“ verſetzte der Mann in den ſchäbigen Klei⸗ dern.
„Wer iſt der Mann?“ fragte Fanny, überraſcht durch die Erſcheinung, ihre Mutter, erhielt indeß nur einen Wink, zu ſchweigen.
„Wie kommen Sie hierher?“ ſetzte Fürſt barſch das Examen fort.
„Ich wünſche, die werthe Frau Schwiegermutter zu ſprechen.“
„Sie ſehen, wir haben Beſuch!“
„Ich ſehe und werde mich ſtill verhalten, bis der Beſuch geht.“
„Lieber Sohn!“ rief die alte Dame, die ſich inmittelſt geſammelt. Sie wechſelte ein paar Worte heimlich mit Fürſt, der ſchleunigſt ſeine Kopfbedeckung aus einer Fenſterniſche holte und ſich zu Fanny kehrte:„Schwägerin, die Mama
wünſcht, Sie begleiten mich auf einem kurzen Gange!“ Ge⸗ horſam legte das Mädchen ihren Arm in den ſeinen.„Ich
noch, lieber Freund!“ rief der Juriſt zurück, indem er Fanny durch das Portal wegführte.
Stephani aber, der den Vorgang mit eigenthümlichem Intereſſe verfolgt, erklärte der Matrone, leicht auf Aaron veutend:„Wenn Ihre Verhandlung mit jenem Herrn die An⸗ weſenheit Ihres Kindes verbietet, muß ein Fremder noch ſtörender ſein!“
Er wollte gehen, ſie jedoch richtete ſich mit Würde auf: „Nicht dieſes Zudringlichen wegen habe ich Fanny und Hugo entfernt, ſondern um mit Ihnen allein zu ſein, Herr Doe⸗ tor!“ Ehe der Erſtaunte nach der Urſache forſchen konnte, ſchritt ſie auf Aaron zu:„Was haben Sie? Schnell!“
„Es iſt doch unrecht, Frau—“
„Still! Keinen Titel!“ befahl ſie gedämpft.
„Sie entziehen dem Aaron diesmal das Geſchäft!“
„Wo gibt es hier ein Geſchäft?“
„Ich habe doch durch die gläſernen Scheiben geſehen. kann ich auch verdienen.“
„Was faſeln Sie? Hörten Sie nicht, der Herr iſt ein Freund meines Schwiegerſohnes?“
„Er hat den Herrn Roſenberg gebracht. auch. Ich kenne den Herrn Roſenberg.“
„Hier wäre kein Ende zu finden. zu mir, Aaron!“
„Wenn das Geſchäft gemacht iſt ohne mich?“
„Sie ſind im Irrthum. Morgen das Weitere.“
„Morgen? Was heißt morgen? Der Tag iſt lang.“
„Gegen Mittag!“ Damit drehte ſie ihm den Rücken.
„Ich werde da ſein um elf, Frau Commerzienräthin!“ ſagte der Geſchäſtsmann laut, ſchoß noch einen Blick tiefen Mistrauens nach dem vermeintlichen Concurrenten und wand ſich durch die Thür, die er wieder nur zum dritten Theil öffnete. Die Dame wollte ſich jetzt zu dem Doctor wenden, al⸗ lein er kam ihr zuvor:„Um Vergebung, ich bin ſogleich zu ihrem Befehl; der Mann bediente ſich einer Anrede, die mir eine kurze Frage nahe legt: Iſt Ihnen in der Hauptſtadt eine Commerzienräthin Braun bekannt?“
ſehe dich
Das konnt ich
Kommen Sie morgen
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