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Küchenzettels ab.„Es wäre wohl nicht angemeſſen, uns bei In der Verdroſſenheit, die den Rechtsanwalt befallen, deiner Familie als Serviettenhalter einzuführen.“ ſagte er jetzt ganz kurz:„Meine Schwiegermutter— iſt's Fürſt begriff das Unſchickliche ſeines Vorſchlags noch nicht. ſo recht, Mama?— und meine Schwägerin Fanny! Herr „Du willſt doch meiner Familie wegen nicht darben?“ rief Bankier Roſenberg und— nun iſt mir alle Freude verdorben er jovial.— Herr Doctor Stephani!“
Stephani begegnete der Frage durch eine andere:„Willſt Die Commerzienräthin zuckte hierbei ſichtlich zuſammen:
du uns gütigſt den Deinen melden?“„Stephani?“ Fanny aber rief, und ihr großes Auge leuchtete
„Verzeih' ich habe mir den Scherz gemacht, in Betreff hell auf:„Franz Stephani, der Autor der Revolutionsge⸗ deiner mit ihnen Blindekuh zu ſpielen. Du ſollſt mit eigenen ſchichte?“ Der Hiſtoriker verneigte ſich ſchweigend.„O Mut⸗ Augen ſehen, welche Senſation dein Name hervorbringt! Nun, ter“ fuhr das Mädchen in ihrer Lebhaftigkeit fort,„ich ſpringe
was runzelſt du die Stirn?“ hinauf—“ „Ich glaube, den Doctor zu verſtehen“, miſchte Roſen⸗„Bleib'!“ befahl die Mutter, und zwar mit einem ſo berg ſich ein.„Er liebt nicht, daß man ihn bewundert.“ ſtrengen Blick, wie die Tochter ihn gar nicht gewohnt von
„Ja, ich weiß“, beſtätigte Fürſt,„unſer geiſtreicher ihr war. Betroffen ſchwieg Fanny. Fürſt ging, die Hände Freund iſt ungemein beſcheiden!“ in den Taſchen, mit großen Schritten durch den Saal. Die „Halten Sie aus!“ bat der Bankier flüſternd. Commerzienräthin übernahm es an ſeiner Statt, durch eine „Ihretwegen ſei es!“ ſeufzte der Hiſtoriker und fuhr Handbewegung zum Sitzen einzuladen:„Die Herren ſind uns lauter fort:„Du wirſt mich entſchuldigen, Fürſt, wenn ich herzlich willkommen! Lieber Hugo!“ rief ſie den Peripatetiker nicht lange in Eurem Kreiſe verweile. Ich habe heut noch heran. Während man ſich um einen kleinen Tiſch, fern von wichtige Briefe zu ſchreiben.“ der langen Tafel gruppirte, nahm ſie noch einmal das Wort: „Gedulde dich nur! Meine Frau muß erſt ihre Ver⸗„Meine ältere Tochter wird ſehr beklagen, Herr Doctor, den ſtimmung ablegen. Ich ſagte dir doch auf dem Berge, daß Freund ihres Mannes nicht kennen gelernt zu haben.“ ich mich über ſie luſtig gemacht?“„Reiſt der Herr Doctor ſo ſchnell wieder ab?“ fragte „Wer macht ſich luſtig, wo Achtung geboten wäre?“ Fanny naiv. fragte Stephani mit Nachdruck.„Nein, er wird warten“ ſtieß Fürſt, ſich auf den Seſſel Der Angegriffene ſuchte Beiſtand bei Roſenberg:„Geben werfend, heraus,„bis meine Frau nicht mehr verſtimmt iſt!“ Sie mir nicht Recht, Herr Bankier, wenn ich den Kunſtenthuſias⸗„Ich reiſe allerdings in Kurzem, mein Fräulein“, unter⸗ mus perſiflire? Welchen praktiſchen Nutzen gewähren die Künſte?
richtete Stephani das Mädchen.
Als Zeitvertreib mögen ſie mit unterlaufen, aber dauernden„Sie ſind nicht hier, um die Cur zu gebrauchen?“ er⸗
Antheil kann ein ernſter Mann doch unmöglich an dem Firle⸗ kundigte ſich die Mutter.
fanz nehmen!“„So wenig wie wir!“ erklärte Fürſt mit grollender „Sie ſprechen wohl!“, verſetzte Roſenberg,„von Jongleur⸗ Stimme.
und Taſchenſpielerkünſten?“ Der Doctor kehrte ſich näher zu der alten Dame:„Ich „O nein“, widerſprach unaufgefordert Stephani,„er benutze meine Sommerferien regelmäßig zu Fußwanderungen.“
redet von Dem, was wir das Schöne, Große, das Geiſtige
nennen!“
„Ei“, ſchmeichelte Fanny,„da Sie ein alter Bekannter Hugo's ſind, ſo bleiben Sie hier und wandern mit uns!“ Der Bankier erſchrak förmlich:„Ach, das kann doch nur Ihr Scherz ſein, Herr Rechtsanwalt!“
„Fanny, welches Anſinnen!“ verwies die Mutter. „Es iſt ſo liebenswürdig geſtellt“, lächelte Stephani,
„Sie ſind ganz wie meine verehrliche Schwiegermut⸗„daß ich dem Fräulein zu Dank einen beſſeren Geſellſchafter ter!“ gab Fürſt kopfſchüttelnd zurück.„Ich frage Sie: was nachweiſen will, als ich ſelbſt ſein würde. Mein Freund iſt ein Gemälde? Nun ja, man muß Gemälde in ſeinen Roſenberg“— er deutete auf ſeinen Nachbar—„nimmt Zimmern haben! Aber die Türken leben doch auch und kommen längeren Aufenthalt im Ort und wird gewiß mit Vergnügen ohne geölte Leinwand aus?“ die Damen auf ihren Ausflügen begleiten.“
Ruhiger, als vorher, fragte der Bankier:„Scheint Ihnen„Ohne deshalb der beſſere Geſellſchafter zu ſein!“ ſagte die Dichtkunſt ebenſo entbehrlich?“ der Bankier etwas gedrückt.
„Wenn ich offen ſein ſoll, noch mehr!“ entgegnete der Freundlich wandte das anmuthige Kind ſich an ihn: Juriſt.„Wer ſpricht in Verſen? Die ganze Poeſie iſt ein„Ueberreden Sie den Herrn Doctor, zu bleiben, und ſchweifen Hohn auf den geſunden Menſchenverſtand. Ich habe in Sie Beide mit uns umher! Die Gegend—“ meinem Leben nicht das kleinſte Gedicht gemacht und ärgere„Wann verlaſſen Sie die Stadt, Herr Doctor?“ ſiel die mich, ſo oft ich hören muß, daß in manchen Schulen ſchon Mutter ſehr beſtimmt ein.
Kinder dazu verurtheilt werden.“„In drei, vier Tagen, denk' ich“, gab der Gefragte zur „Haſt du Kinder?“ forſchte der Doctor, jedes Wort Auskunft. betonend.„O, dieſe ſchenken Sie uns dann wenigſtens!“ rief das
„Bis jetzt nicht! Sieh, da kommt meine Frau!“ ſetzte Mädchen. er raſch hinzu und eilte an die Seitenthür. Die Commerzienräthin ſah ſie ſcharf an:„Fanny, du wirſt Stephani benutzte den Moment, gegen den Freund zu ſehr dreiſt! Der Herr ſoll ſich in ſeiner Freiheit beſchränken? äußern:„Behüte der Himmel auch künftige Kinder davor, Wir müſſen dankbar genug ſein, daß er uns dieſe Stunde ihn Vater zu nennen!“ gönnt.“ Der Rechtsanwalt blieb enttäuſcht an der Thür ſtehen;„Aber, liebe Mutter“, entgegnete die Argloſe,„ich möchte denn nur die Commerzienräthin und Fanny erſchienen. Roſen⸗ ſo gern, daß auch—“ berg ergriff bei ihrem Anblick krampfhaft des Doctors Arm: Wieder unterbrach die Matrone:„Ja, ja, daß auch deine „Ich bin des Todes! Sein Weib iſt's, die mich bezaubert!“ Schweſter den Mann noch ſähe, deſſen geiſtvolles Werk Euch Die alte Dame hatte dem ſie Empfangenden Etwas reichen Genuß verſchafft. Meine Töchter—“ ſie lächelte den zugeraunt. Aergerlich drehte er ſich nach den beiden Männern Hiſtoriker an—„intereſſiren ſich lebhaft für Geſchichte.“ um:„Wie unangenehm! Meine Frau iſt außer Stande, ſich„Das heißt: für die großen Charaktere in der Ge⸗
zu zeigen!“ ſchichte!“ corrigirte Fanny eifrig.
Raſch folgte ihm die Commerzienräthin mit der höflichen„Nun wird die Unterhaltung äſthetiſch werden!“ brummte Anrede:„Ich erſuche die Gäſte meines Schwiegerſohns, mit Fürſt, während die Commerzienräthin die Unterlippe biß. einer alten Frau und einem jungen Mädchen vorlieb zu„Das ſpiegelt ſich auf Ihrem Antlitz ab!“ nickte Stephani nehmen.“ beifällig, ohne auf Fürſt zu achten.
„O Troſt!“ jubelte Roſenberg leiſe und drückte Stephani's„Wie?“ fragte der Lockenkopf verwundert.
Hand.„Jeder Menſch“, belehrte der Doctor,„der echter Be⸗
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