Jahrgang 
1868
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Blluſtrirt

es Volksblatt. Herausgeber: H

ans Wachenhuſen.

XI. Jahrgang. 1868. 37.

Ausſicht ein wenig rückſichtslos.

Sie den Druck nicht auf Helenens Herzen liegen,

I

n der gedeckten Tafel im Speiſeſaal des Curhauſes ſaß

ein einziger Gaſt: der Rechtsanwalt Fürſt. Leeres Ge⸗

ſchirr umringte ihn. Er gab ſoeben einem Stück Geflügel den Reſt, als durch die Seitenthür, welche aus dem Saal zur Treppe führte, ſeine Schwiegermutter trat.Nun, Mama, haben Sie Ihren Thee genoſſen? Wie kann man ſich zu Abend mit dem Krankengetränk begnügen? Sehen Sie, da bin ich verſchwenderiſcher geweſen! Das war ein Capaun deliciös! Er trocknete die Finger an der Serviette und ſtand auf. Aber wo bleibt Helene und Fanny? Mein Freund mit ſeinem Reiſegefährten iſt jeden Augenblick zu erwarten. Da⸗ bei ſah er ſich nach dem großen Glasportal um, welches den Eingang von der Straße her bildete.

Sanft antwortete die alte Dame:Ich komme, Sie zu bitten, lieber Hugo, daß Sie Helenen bei den Herren ent⸗ ſchuldigen.

Was iſt mir das?

Ihre Frau fühlt ſich nicht fähig, heut noch Fremde zu begrüßen.

Was iſt ihr geſchehen?

Mit leiſem Vorwurf erwiderte die Mutter:Das fragen Sie noch, Hugo? Helene iſt verſtimmt und wohl mit einigem Recht verſtimmt, lieber Sohn! Sie waren auf der ſchönen

Fürſt ſetzte den Zeigefinger auf die Bruſt:Ich?

Die Matrone fuhr fort:Verzeihen Sie, daß die Mutter es Ihnen ſagt! Ihre Frau ſchweigt, wenn ſie ver⸗ letzt iſt. geben Sie

ſe früh das erſte Wort und ſprechen ſich freundlich mit ihr aus!

Aber, Mama, bin ich denn jemals unfreundlich? Wenn ich Helenens Schöngeiſterei verſpottet

Ich bitte, unterbrach die Schwiegermutter,erörtern Sie das untereinander morgen früh!

Beſte Mama, ich will Helenen auf der Stelle ver⸗ ſöhnen! Ich habe Ihnen Allen nur mitgetheilt, daß ich einen alten Jugendfreund wiedergefunden. Wer es iſt, ſollen Sie erſt erfahren, wenn er ſich Ihnen hier vorſtellt. Beſonders He⸗

lenen denke ich eine Ueberraſchung zu; der Name des Mannes hat guten Klang bei ihr. Nun thun Sie mir die Liebe, Wachenhuſen's Hausfreund. KI. 13.

Auch ich habe nur errathen, was ihr fehlt. Laſſen

Meine Mutter hat's gewollt.

Erzählung von F. L. (Fortſetzung.)

Mama, und holen Sie meine Frau; es ſteht ihr ein ſo äſthe⸗ tiſcher Abend bevor, wie ſie nur wünſchen kann.

Die Mutter lächelteIch danke Ihnen, Hugo, Sie ſind ſehr gut; ich verſpreche Ihnen, Helene kommt. Sie ſchritt wieder der Seitenthür zu.

Fürſt rief ihr nach:Ich habe ja nur ihretwegen die Herren eingeladen!

Die alte Dame nickte fröhlich zurück, auf einmal näherte ſie ſich ihrem Eidam von Neuem Noch Eins, lieber Hugo, was Sie nicht verdrießen darf, wenn ich herzlich bitte!

Befehlen Sie, Mama!

Sie haben die Gewohnheit, mich jedem Fremden als Frau Commerzienräthin Braun vorzuſtellen. Es hört ſich meinen Gefühl nach komiſch an, wenn Frauen titulirt wer⸗ den, und namentlich wenn es von Verwandten geſchieht. Was brauchen Andere mehr von mir zu wiſſen, als daß ich Ihre Schwiegermutter bin? Auf dieſen Titel allein bin ich ſtolz.

Der Rechtsanwalt küßte ihr reſpectvoll die HandGut, liebe Mama, ich werde künftig Ihr Incognito wahren! Ja, heute hab' ich's ſogar ſchon gethan, meinem Freunde gegen⸗ über, und wenn Sie wünſchen, bleibt ihm auch nachher die Frau Commerzienräthin ein tiefes Geheimniß! Lachend wieder⸗ holte er den Handkuß, und die Mutter ging. Er öffnete das Hauptportal, um hinauszuſchauen.Da ſind ſie! rief er vergnügt. Stephani und der Bankier traten ein.

Der Erſte präſentirte:Mein Freund, Herr Bankier Roſenberg! Herr Rechtsanwalt Fürſt!

Bei mir vergißt du den Freund? rügte der Juriſt, fuhr aber ſogleich fort, indem er zuvorkommend die Hand bot: Sehr angenehm, Herr Bankier!

Der Begrüßte verneigte ſichEs kann wie eine Dreiſtig⸗ keit erſcheinen, Herr Rechtsanwalt, daß ich den Doctor be⸗ gleite

Ich habe ausdrücklich darum erſucht, Herr Vankier! hob Fürſt die Entſchuldigung auf, indem er die Verbeugung erwiderte.

Wir finden dich noch allein? fragte Stephani.

Sind dir ſchon Damen vorgekommen, die ſich nicht bei jeder Gelegenheit verſpäten? Inzwiſchen beſtellen die Herren vielleicht ihr Souper. Geſpickten Capaun kann ich empfehlen. Es gibt auch

Laß das

1 ſchnitt ihm Stephani den Vortrag des 73