befindlichen Berichterſtatter auszuſtatten und zu honoriren ge⸗ wohnt iſt, da ich ihnen oft begegnete und ebenſo oft ſie zu beneiden Gelegenheit hatte.
Wir kennen auch den Maßſtab der amerikaniſchen und der franzöſiſchen Zeitungspreſſe, und nur über den unſerer deutſchen politiſchen Journale iſt noch nie geredet worden.
Es ſoll mir nicht einfallen, hierüber ein Wort zu ver⸗ lieren, denn wir Deutſchen kennen die Gewalt eines groß⸗ artigen Zeitungsorgans gar nicht, vor dem ſelbſt die Regierungen zittern. Die Preſſe iſt bei uns noch lange keine Gewalt; unſere Gouvernements können ſich noch immer nicht von dem alten Polizei⸗Geſichtspunkt losmachen, daß die Preſſe ein Unkraut, das ſo viel als möglich zu vernichten oder im Zaum zu halten ſei. Die Zerſplitterung Deutſchlands verhinderte das Entſtehen eines großartigen, Alles beherrſchenden Organs, auch die Zeitungspreſſe zerſplitterte ſich in eine Unzahl von kleineren Journalen, die alle in ihrem Rayon eine kleine Gewalt üben und von einer Unzahl kleiner Wochenblätter be⸗ gleitet ſind.
Infolge deſſen ſind auch bei uns die Journaliſten noch nicht dazu gekommen, einen eigenen Stand in der Geſellſchaft zu bilden. Sie ernähren ſich ſo redlich, als es eben die ge⸗ ringen Gehälter bedingen, welchen ihnen die Beſitzer der Zeitungen gewähren, aber von einer wirklichen ſocialen Re⸗ präſentation des Journalismus iſt in Deutſchland noch lange nicht die Rede.
Ebenſo unbekannt iſt bei uns noch die Gründung der großen Organe durch finanzielle Autoritäten. Unſere Zeitungen ſind im Beſitz von Familien, in denen ſie generationsweiſe forterben, wenn ſie nicht eingehen. Wohl haben ſich hie und da Actien Geſellſchaften zur Gründung von Zeitungen irgend einer ausgeſprochenen politiſchen Farbe gebildet, aber auch ſie haben großentheils wenig Gedeihen finden können und im Grunde auch ſelten viel Nutzen geſtiftet.
Sprechen wir heute einmal von der franzöſiſchen Zeitungs⸗ preſſe, die ſeit dem Staatsſtreich, d. h. ſeit dem zweiten Kaiſer⸗ reich, bis auf wenige Journale, wie das Journal des Debats, in den Händen der großen Bankiers iſt und zum Theil auch von der Regierung erhalten wird. Sie iſt ein Werkzeug in den Händen dieſer Bankiers, die damit Meinung für ihre Speculationen machen; von politiſcher Geſinnung iſt dabei natürlich kaum die Rede, obgleich ſie zum Schein eine Fahne ausſtecken; die Preßgeſetze machen eine ſolche auch kaum mög⸗ lich, da die Regierung ein wichtiges Strafmittel in ihrer Hand hat, mit der ſie jedem aufſätzigen Journal die Adern unterbindet.
Dieſes Strafmittel iſt das Verbot, die Zeitung auf der voie publique, auf den Straßen, zu verkaufen und die Zeitung dadurch auf die Abonnements oder auf den Debit in den Buchhandlungen anzuweiſen.
Die Erfahrung, die man namentlich zuletzt mit Girardin's „Liberté“ gemacht, hat gelehrt, daß ein tüchtiger Journaliſt an der Spitze eines Blattes auch dieſes Unterdrückungsmittel illuſoriſch machen kann, und dieſe Erfahrung macht man noch täglich. Für uns Deutſche aber liegt hierin eine Satire auf unſere Preßverhältniſſe, und eben dieſes veranlaßt mich, den gegenwärtigen Artikel zu ſchreiben.
Wenn in Frankreich ein Journal dem Gouvernement läſtig wird, ſo verbietet es den Verkauf deſſelben in den Zeitungs⸗ Kiosks auf den Straßen.
Bei uns iſt der Verkauf von den Zeitungen auf der Straße aber ganz verboten, und daraus ſollte man den(übrigens ſehr richtigen) Schluß ziehen, daß unſern Regierungen alle Zeitungen läſtig ſind.
Wann wird man ſich dazu entſchließen, den öffentlichen Zeitungsverkauf zu geſtatten. Begreift man denn nicht, welch ein Mittel zur Hebung der Induſtrie, zur Ernährung von Tauſenden und Abertauſenden darin liegt, wenn unſere Journale durch den Einzeln⸗Verkauf in den Straßen das Fünf⸗ und
Sechsfache an Exemplaren abſetzen? 1 Papierfabrikanten, Buchdrucker, Setzer
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ſchäftigung und Brot finden, wenn das Publikum nicht mehr genöthigt iſt, zwei bis vier Thalern vierteljährlich auf eine Zeitung voraus zu bezahlen, wenn Jeder ſich auf der Straße für wenige Pfennige täglich ſein Journal kauft, was bis jetzt doch nur den Wohlhabenderen geſtattet iſt. Wer wird ſich nicht entſchließen, ſo arm er ſei, ſich für dieſe paar Pfennige ſeine Zeitung anzuſchaffen? Wer dagegen hat denn Luſt, ſich mit einer ganzen Summe für ein Quartal ein Journal ins Haus zu ſchaffen, wie man für den halben
erſt ins Wirthshaus zu treten, um dort aus den Zeitungen zu erfahren, was in der Welt vorgeht, wenn er ſich nicht entſchließt, ſein Geld voraus für ein Abonnement hinzu⸗ geben?
Welchen Zweck, welchen begreiflichen, wirklich nützlichen Zweck können die Regierungen haben, den Verkauf der Zeitungen auf der Straße zu unterſagen, da doch notoriſch nichts leichter zu controliren iſt als das wasöffentlich auf der Straße geſchieht?
Ja, und wenn es die Regierung nicht gern ſehen will, daß Zeitungen, die ihr läſtig, öffentlich verkauft werden, be⸗ greift ſie denn nicht, daß ſie eine ſolche Zeitung gerade dadurch am wirkſamſten ſtrafen kann, wenn ſie ihr den Verkauf in den Straßen verbietet, während die übrigen überall öffentlich feil geboten werden?
Unſere Behörden ſind geradezu unbegreiflich, da ſie in dieſem Straßenverkauf keinen Vortheil für ſich ſehen! Daß im Jahre 1848 Misbrauch mit demſelben getrieben wurde, gehört zu den lieben andern Misbräuchen, die damals über⸗ haupt getrieben wurden. Man darf die Spree, den Rhein deshalb nicht trocken legen, weil verzweifelte Leute in ihrem Waſſer den Tod ſuchen, man darf aber einen offenbaren Hebel für den Nationalwohlſtand, ein Mittel zur Ernährung von Tauſenden und Abertauſenden nicht deshalb unterdrücken, weil es zum Nachtheil der Regierungsprincipien gemisbraucht werden könnte.
Man blicke doch auf Frankreich, England, Amerika! Wie viele ernähren ſich durch die Herſtellung und den Verkauf von Zeitungen auf den öffentlichen Plätzen, in den Straßen. Und welch einen wohlthätigen Einfluß hat dieſer Verrauf der Preſſe im öffentlichen Weſen auf die Hebung, auf die Be⸗ lebung des Volksverkehrs! Zu nichts nutzt uns die Stille in den Straßen Berlins, wie die Stagnation überhaupt immer halber Tod iſt. Je mehr Skandal in den Straßen, deſto mehr Rührung in den Geſchäften, in den Magazinen. Die Menſchen, die auf der Straße ſind, kaufen, nicht die, die in ihren vier Wänden ſitzen und ſich's erſt zehn Mal überlegen, ob ſie hingehen ſollen, um ſich ein ganz unabweisbares Bedürfniß zu kaufen. Das Leben, das Treiben auf den Straßen bringt die Luſt zum Geldausgeben, macht die Gemüther empfänglicher, bringt den Austauſch zu Wege, und Geſchäft, was iſt es anders als Austauſch?
Alſo macht ein Ende mit unſerer deutſchen Wurſtkrämerei! Bringt Leben in die Bevölkerung, entfeſſelt daſſelbe vor Allem dadurch, daß die Preſſe öffentlich den Markt betreten darf.
Ich will unſern Behörden durchaus nichts Böſes ſagen, aber ich kann nicht umhin, ein Beiſpiel zu citiren, das einen Beweis für unſere Schwerfälligkeit gibt.
Im vorigen Jahre während des Krieges ſuchte die Expedition des„Hausfreund“ die Erlaubniß nach, ausnahms⸗ weiſe die als Beiblatt gedruckten Berichte des Herausgebers auf der Straße verkaufen zu dürſen. Der patriotiſche Zweck rechtfertigte dieſen Wunſch, und da Schreiber dieſes der Meinung iſt, mit ſeinem Gouvernement ſtets auf gutem Fuße zu ſtehen, ſo war damit eben nichts weiter gefährdet als das Princip, das dieſem Begehren entgegen ſtehen konnte.
Indeß, wie geſagt, das Vaterland, ganz Deutſchland befand ſich zu jener Zeit in einem Ausnahmezuſtand, und die Nation hatte ein heiliges Recht, von ihren Söhnen zu hören, die in den Kampf gezogen waren.
Das Polizei⸗Präſidium gewährte den Wunſch der
Falzer, Boten, Arbeiter aller Art würden in Maſſen Be⸗
Winter Holz und Torf einfährt? Wer hat denn immer Luſt,


