Jahrgang 
1868
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händler bereichert gefunden, die eine Cigarre von wahrhaft empörender Qualität rauchten und alsbald eine Partie Sechs⸗ undſechzig etablirten, bei der ſie ſich mit einer Ungebundenheit zankten, als ob ſie im heimiſchen Ochſenkruge ſäßen. Nächſt⸗ dem ſtiegen einige Bauern ein und würzten aus kurzen Pfeifen die ohnehin ſchon etwas anrüchige Atmoſphäre mit einem Kanaſter ſelbſteigener Ernte. Es war eine wahre Wohlthat, wenn dann und wann der Wind durch die offenen Fenſter ein paar Naſen voll Kohlendampf hineinblies, und ſelbſt mein Freund mußte zugeſtehen, daß es manchmal recht

angebracht wäre, wenn eine junge oder alte Dame das Rauchen

überhaupt ſich verbitten dürfte. Das ſchöne Geſchlecht war indeſſen nur durch eine Bürgerfrau repräſentirt, um die ſich kein Neger bemüht haben würde, die aber als Erſatz für den fehlenden Liebreiz ein Kind von zwei Jahren auf dem Schoß und einen Säugling an der Bruſt liegen hatte. Die beiden Würmer führten ein Duett auf, wie Tannhäuſer und Eliſa⸗ beth, indem ſie bald abwechſelnd ſchrieen, bald ihre Stimmen zu einer Disharmonie von ſo ausbündiger Vollkommenheit vereinten, wie ſie ſelbſt das Combinationsvermögen eines Priepitzer zum zweiten Male nicht ausfindig machen wird. Zum Ueberfluß war es auch um die Verpflegung miſerabel beſtellt. Der Zug hielt auf ſolchen Stationen, wo man ſonſt acht bis zehn Minuten verweilte, höchſtens vier bis fünf Minuten; die umſichtige Direktion dieſer Bahn hatte ja auf Kohlenerſparniß eine Prämie ausgeſetzt, und wir fuhren des⸗ halb in mäßigerer Bewegung und mit kürzeren Kunſtpauſen. Man getraute ſich kaum auszuſteigen und dankte wirklich allen himmliſchen Heerſchaaren aus Herzensgrund, als man endlich dieſen nichtswürdigen Kaſten, der ſich Coupeé dritter Klaſſe nennt, verlaſſen konnte, ohne Schaden an ſeiner leiblichen Wohlfahrt genommen zu haben.

Wir ließen unſer Gepäck in eine Droſchke ſchaffen und fuhren nach der Poſt, wo wir die Plätze Nr. 2 und 3 im Hauptwagen erhielten. Wer hatte Nr. 17 Mein Freund ſah den Herrn Poſtſekretär, der für ſolche ſtumme Fragen ein Verſtändniß beſaß, fragend an.

Nr. 1 hat eine junge Dame, entgegnete der und zwin⸗ kerte mit den Augen.

ſt ſie auch hübſch? lispelte mein Freund.

Dus even nicht, entgegnete der Mann im Orangekragen und fuhr, mir zuzwinkernd, dann fort:aber ſie hat röthliche Haare und einige Pockennarben.

Gott der Gerechte! rief mein Freund und prallte ent⸗ ſetzt zurück.Rothe Haare und Pockennarben, und rauchen läßt ſie uns auch nicht. So ſind wir geliefert

Aber einen ſchönen Wuchs und ein munteres Weſen,

tröſtete der Poſtſekretär,ich kenne ſie, denn ſie iſt hier vom

Ort. Sie finden die intereſſante Dame in der Paſſagierſtube.

Oh, wir werden ſie immer noch zu früh ſehen, klagte mein Freund,und warten lieber hier draußen auf den Wagen. Schreckliche Fahrt, meine Ahnung hat mich nicht getäuſcht.

Wir brauchten übrigens nicht lange zu warten. Der Wagen kam und der Schwager blies ſein erſtes Signal zum Einſteigen. Mein Freund ſchlüpfte ſofort hinein, drückte ſich auf Nr. 3 in die Ecke und ſchien dort feſt entſchloſſen, von dem röthlichen Haar und den Pockennarben, für die Nr. 1 reſervirt war, überhaupt keine Notiz nehmen zu wollen. Ich blieb noch, um der Dame, von der ich nach dem Schelmenblick des Poſtſekretärs eine viel beſſere Meinung hatte, als mein wirklich ganz ohne Noth ſo tiefbeklommener Freund, die Ehre

zu gönnen, vor mir einzuſteigen, und mir das Vergnügen, dabei den verſtohlenen Kritiker zu ſpielen.

Und ſie ſchwebte heran, anſtatt des impertinenten Roths mit einem ſchönen, glänzenden Aſchblond verſehen, eine ſchlanke reizende Geſtalt mit hübſchem, friſchem Geſicht und braunen, etwas ſchüchternen Augen, ganz das Gegentheil von dem un⸗ ſchönen Weſen, mit dem ſich die Phantaſie meines armen Freundes abquälte. Leider gab ihr eine ältere und ziemlich korpulente Dame das Geleite bis zum Wagen und ſtellte ſich, als die junge Schönheit einſtieg, wie eine ſpaniſche Wand vor den Wagentritt, ſodaß ich in abſoluter Ungewißheit blieb, ob unter Nr. 1 ein Paar niedlicher Stiefel oder zierlicher Schuhe die Reiſe mitmachen würden. Ich kletterte etwas enttäuſcht nach, der Schwager blies von Neuem, und wir fuhren dahin, die ſpaniſche Wand nicht ohne ſichtliches Be⸗ denken zurücklaſſend, wie das Fräulein Tochter oder Nichte mit zwei, vielleicht ſehr unternehmenden Herrn ſich unterhalten möchte. Die Kriegsliſt, mit der ich mir eine ſonſt nicht lan desübliche Einſicht in die intimeren Garderobenverhältniſſe verſchaffen wollte, war von dem raffinirten Inſtinkt, der Tanten oder Müttern hübſcher Mädchen innewohnt, offenbar durch⸗ ſchaut und hatte für mich gewiß nicht ein günſtiges Vorurtheil erweckt, und was die Apathie meines Freundes anbetraf, ſo konnte ſie füglich auf ſchnöder Verſtellung beruhen. Stille Waſſer ſind tief. Aber mochte die Alte denken, was ſie wollte, die Junge blieb im Wagen und half ſich über die erſte Ver⸗ legenheit ihrer Lage dadurch hinweg, daß ſie, ſo lange wir durch das Städtchen hindurchfuhren, aus dem Fenſter ſah und von Zeit zu Zeit einer Bekannten, die ſich auf der Straße, oder in einem der kleinen Häuſer zeigte, einen Abſchiedsgruß zunickte.

Von einer jungen Dame iſt natürlich nicht zu erwarten, daß ſie, ſo gern ſie auch ſonſt plaudern mag, eine Unterhal⸗ tung beginnen wird. Wenn wir alſo nicht eine höchſt lang⸗ weilige Reiſegeſellſchaft vorſtellen ſollten, ſo mußte ich mich ſchon entſchließen, irgendeine Bemerkung an unſere ſchöne Ge fährtin zu richten. Ich dachte, friſch gewagt iſt halb gewonnen, zog mein Cigarren⸗Etui, nahm eine Havannah heraus und fragte mit einer ſo angenehmen Stimme, als ſie mir irgend zu Gebote ſtand, ob ich nicht läſtig würde, wenn ich mir den gewohnten Genuß des Rauchens geſtattete? Die Schöne ſah mich mit ſchelmiſchem Lächeln an undbat, daß ich ihretwegen mir keine Entbehrung auferlegen möchte. Ihr Vater ſei Ober⸗ prediger des Orts und demgemäß, wenn er niche ſchlafe, oder predige, oder eine Mahlzeit halte, untrennbar von einer langen Pfeife, aus der er Varinasmiſchung Nr. 2 rauche.

Bei dieſer ganz unerwarteten Eröffnung fuhr auch mein Freund aus ſeinem Schmollwinkel empor und riß die Augen faſt zu Wagenrädern auf, als er ſtatt der annoncirten Pocken⸗ narben einen blühend ſchönen Teint und ſtatt des gefürchteten Brandroths ein himmliſches Aſchblond gewahrte. Was ſoll ich weiter ſagen? Unſere Schöne, der ich die Tücke des Poſt⸗ ſecretärs nicht verhehlte, gerieth darüber in die heiterſte Laune und die Verheißungen, mit denen ich meinen verzweifelnden Freund getröſtet hatte, wurden buchſtäblich wahr. Der Zu⸗ fall wollte, daß er mit der reizenden Dame demſelben Ziele zuſtrebte, er als neucreirter Kreisrichter, ſie zum Beſuch einer würdigen Tante.

Es gab einen Roman, der im Poſtwagen anfing und in der Kirche endete. Sie wurden, hol's der Henker, Mann und Frau. Auf der Eiſenbahn aber wär's ihnen nimmer⸗ mehr geglückt.

Die Preſſe und die Straße.

Schon zu verſchiedenen Malen haben wir von den groß⸗ſ in den entfernteſten Ecken der Welt bezahlt, wir wiſſen von artigen Proportionen, innerhalb welchen die engliſche Zeitungs⸗ den Dampfſchiffen, die in ihrem Dienſte ſtehen, und ich per⸗ preſſe ſich bewegt, erzählen gehört; wir kennen die koloſſalen ſönlich könnte biel erzählen von der Muniſicenz, mit welcher Geſchäfts⸗Verhältniſſe der Times, die ihre Correſpondenten dieſes Weltblatt ſeinen auf Reiſen oder in den Campagnen