Jahrgang 
1868
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mein Sohn für weitere Nachkommen ſorgen wird ihregroße Tour, vielleicht aus der neuen Welt Amerika, nach dem alten ſtumpf und grau gewordenen Europa machen, wer weiß, ob ſie nicht an einem ſonnigen Tage die ruhige Fläche des Meeres durchſpähen, um die auf ſeinem Grunde ruhenden Steinhaufen der jetzt noch prunkenden Zarenſtadt Petersburg mit denen Vinetas, der verſunkenen baltiſchen fabelhaften Stadt, archäologiſch zu vergleichen London, die Rieſin, in Kohlendampf verduftet zu finden das liederliche Paris in ſeinen jetzigen Katakomben zu entdecken ſich bemühen werden und auf der Sandebene, in der einſt die ſtolzeStadt der Intelligenz ſich lagerte, nach berühmten Grabhügeln zu ſuchen, auch nach dem des peſſimiſtiſchenSehers aus dem Jahr 1867 Ego genannt.

Man ſollte im November, dem Spleen⸗Monat, die Feder ruhen laſſen. Der düſtere Nebel treibt Blaſen im norddeut⸗ ſchen Hirn, und vor den Augen wälzen ſich grauſe Bilder vorüber.

Ob der Alp des November⸗Spleens uns vielleicht im Süden fliehen wird? Wir glauben's kaum, denn auch dort wird uns, die wir, wie das Alter immer, die Vergangen heit lieben, dieſe aus der Gegenwart entgegentreten. Außer Rom finden wir dies am ausgeprägteſten in Venedig dort die claſſiſche, hier die romantiſche Vergangenheit. Ich bin Romantiker, Tieck und ſeine Zeitgenoſſen ſind meine Hei⸗ ligen, alſo nach Venedig!

Ich grüßte dich, zu wiederholten Malen, bella Venetia, als Jüngling und als Mann. Nun, wo der Spätherbſt mir die erſten Flocken auf mein noch kräftig behaartes Haupt ſtreut, will ich's an mir erkunden, ob ich dich, du ſtolze adria⸗ tiſche Meerherrſcherin, noch ſo liebe, wie ich's in jugendlichern Tagen gethan.

Wenn ich nach Venedig ziehe, verbinde ich damit ſeit Jahren eine Reiſein den Mond, ein von Gelehrten ſonſt noch nicht gelöſtes Problem und doch ſo leicht zu löſen. Ich wohne in der Lagunenſtadt ſtets imMond, einem Hotel, in welchem ich niemals Wanzen, aber immer billige Preiſe gefunden. Man hat von dort nur wenige Schritte zu

chun, und man befindet ſich im Herzen der alten, ſtattlichen

Dame Venetia auf dem Markusplatz. Wer kennt den nicht? Wenigſtens doch aus Bilderbüchern oder, gleich mir, ſchon als Knabe aus dem Guckkaſten, wie uns darinfür einen Dreier die Perſon in früherer Zeit alle Herrlichkeiten der Welt vorgeführt wurden.

Tempi passati! Mit welchem Gefühl der Herrſcherwürde mag dieſen Wunderplatz der Venetianer in den Zeiten der Macht beſchritten haben! Das iſt bekanntlich einige Jahrhun⸗ derte her, und ich kann darüber nicht als Augenzeuge berich⸗ ten, wohl aber, daß ein ſich auf dem Markusplatz bewegender Carneval in den ſogenanntenTagen der Knechtſchaft unter dem verd Joch der Deutſchen(pollte heißen: Oeſtreicher) ein reizendes Lebensbild darbot daß eigentlich in Venedig, auch wenn der Kalender es nicht bezeichnete, allabendlich Carneval das ganze Jahr hindurch war.

Jetzt ſchaut es anders aus. Die drei hohen Maſtbäume ſtehen noch vor der Kirche, aber die Flaggen der drei König⸗ reiche, die einſt Venedig beherrſchte, hat der Sturm der Zeit längſt heruntergeweht Italia iſtfrei bis zur Adria ge⸗ worden die Oeſterreicher geniren nicht mehr die enthuſiaſti⸗ ſchen Italieniſſimi, die nun den lang erſehnten Re galantuomo und die Ehre haben, doppelte Steuern zu zahlen und als freie Bewohner einer ſardiniſchen Kreisſtadt am Hungertuche zu nagen. Habeat sibi!

Venedig iſt gegenwärtig dieStadt der Stille, der geiſtigen. In anderer Beziehung war ſie es ſtets. Wagen⸗ geraſſel und Pferdehufſchlag hat niemals die Ruhe der etwas übelduftenden Kanäle und der an vieſen wohnenden Men⸗ ſchenkinder geſtört. Wie im Namenklang, ſo in der gegen⸗ wärtigen Phyſiognomie ähnelt Venetia unſerm nordiſchen ver⸗ ſunkenen Vineta. Die Paläſte, die Brücken, die Kirchen, ſie liegen ſo ſchweigſam da, und zwiſchen durch ſchlüpfen und ſchleichen die Menſchen mit ſolch düſtern Blicken, als ob Ve⸗

nedig ſich nicht auf den Wogen ſchaukele, ſondern die kryſtallene Flut darüber wegſtröme, und wir durch das Prisma der ſelben in eine untergegangene Geſpenſterſtadt hinabblickten. Venedig iſt mehr als eine Stadt der Stille, ſie ward zur Stadt des Todes. Die Paläſte am großen Kanal blicken uns aus todten Augenhöhlen an die Dogenbilder ſchauen mit trauerndem Hohn auf ihre einſt lebenſprudelnde Weltſtadt hinab, als wollten ſie ſagen:Wir ſind geſtorben du ſtirbſt Und die Kirchen kommen uns vor, als ob ihre Kuppeln rieſige Prieſterhäupter wären, deren eherne Glocken⸗ Zungen das Miſerere ausjammern über die Leiche Ve⸗ nedig!

Venedig kann nicht leben, kann nicht ſterben. Ueberall die einſtige Größe und Pracht in ihrer Auflöſung! Aus den Palaſtfenſtern der einſt reichen Geſchlechter flattert leichtfertig mit Umgehung des Koſtenaufwandes für Seife aus⸗ geſpülte Wäſche, und aus den abgeriſſenen Hoſen des No⸗ bile, der ſich katzenbuckelnd dem Fremden zum Ruffiano an⸗ bietet, gucken die Fetzen eines ſchmuzigen Hemdes hervor.

Aber der Markusplatz? Sein Schimmern und Leuchten aus den Trattorien und Cafes? Sein Menſchengewühl? Ein Todtentanz zu nächt'ger Stunde. Wenn vom Campanile die Geiſterſtunde widerhallt, zerſtieben die lebensähnlichen Geſtalten. Ich möchte in Venedig nicht perpetuirlich leben, einige Wochen lang thue ich es ſchon, um dort philoſophiſch dieVergänglichkeit aller Dinge zu ſtudiren.

Man ſehnt ſich bald aus der verwitternden Kunſt, die uns ſtein⸗ und farbenkalt umgiebt, nach einem Stückchen grüner Natur. Von den letzten ſüdlichen Herbſttagen dieſe zu fordern, glaubte ich mich berechtigt. Eine ſchwarze Gondel dieſer räderloſe Leichenwagen nahm mich an den Stufen des Markusplapes unter ihren Baldachin auf. Sie glitt an der Riva di Schiavoni entlang, zu den Giardini pu⸗ blici. Oeffentliche Gärten in Venedig, wo ſonſt reiſende Engländer keinen Baum fanden, um ſich in des Rovembers Spleentagen daran zu hängen? Und jetzt hat Venedig ſeinen Garten, eine Schöpfung deskleinen Corporal in der grünen Chaſſeur⸗Uniform, mit dem hiſtoriſchen Hütchen. Ich glaube, er hat die Anlage machen laſſen, eben um der Manie der Briten entgegen zu kommen, und ſich ſo von ſeinen Feinden zu befreien. Für Napoleon's ſcheußlichen Henkersknecht Hudſon Lowe wäre ein ſolcher Hängebaum eine paſſende Schandſäule geworden. Glücklicherweiſe hat ihn auf eine andere Weiſe der Teufel geholt, und man muß dem lieben Gott auch da⸗ für danken.

Dieöffentlichen Gärten ſind gut gediehen, ihre Aus⸗ dehnung und Räumlichkeit ſo genügend, daß ich ſogar einer zwitſchernden Miß, begleitet von einem ungeheuer albern aus⸗ ſehenden Sohne Albions, zu Pferde begegnete. Vor hundert und weniger Jahren zeigte man in Venedig noch ein Pferd für Geld; es gab Venetianer, die niemals aus ihrem Sumpf gekommen, nur des Roſſes edle Geſtalt aus Bildern kannten. Ein Stündchen lang, namentlich am ſpäten Nach⸗ mittag, wenn die ſinkende Sonne Himmel und Meer purpur⸗ roth zu färben beginnt und der ſchimmernde Duft den Stein⸗ koloß Venedig überhaucht, weilt es ſich in den Akazien⸗ und Platanen⸗Alleen ganz angenehm. Der Abendwind regte das Meer auf, das allmählich zu immer ſtärkern Angriffen ſeine Wellen⸗Tiralleure gegen das Ufer ſchickte, das hier die äußerſte öſtliche Spitze die Puntä del Motta bildet. Mir war's, als ob die ewiglebende bräutliche Dogenwitwe, die eine ſehr reſpectable Reihe von ringſpendenden, durch bucen tauriſche Gvilehe ihr vermählt geweſene Lebensgefährten zu betrauern hat, ihr Venedig als eine künſtliche Stadt er⸗ halten wiſſen wolle, und darum gegen die Naturneuerung feindlich einſchreite. Ein tüchtiger Sturm, von der Sorte, wie er unlängſt auf den weſtindiſchen Inſeln gewüthet, und die venetianiſchenhesperiſchen Gärten in Miniaturformat könnten zu Makulatur werden, aufgelöſt in Meerwaſſer.

Ich traue heißblütigen Witwen nie ſo recht, alſo auch nicht dieſer naſſen Dogareſſe, verwitweteſo und ſo, geborne Adria. Auf der Punta hinter dem Kaffeehauſe ſtehend, und auf