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Paris
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— 163„—
meiner Anweſenheit in Paris eine ruſſiſche Fürſtin die Kühn⸗ heit und Seelengröße übte, dieſe Schranken zu zertrümmern und ihrem Kammerdiener, den ſie liebte, die Hand als Gemahlin zu reichen, ſo darf auch ich wohl—“
„Ich glaube, mein Vater kommt!“ ſagte Livia raſch im Flüſterton.
„Wünſche guten Morgen!“ Die gewohnte Gewerbs⸗ floskel kam dem Barbier in der Beſtürzung unwillkürlich auf die Zunge. Er taſtete hinter ſich nach der Thür und ver⸗ ſchwand.
Livia blickte ihm nach.„Was war das?“ ſprach ſie halb betreten vor ſich hin.„Stehen wir Mädchen ſo niedrig, daß dieſer Menſch ſich erdreiſtet—?“ Sie hielt eine Secunde inne.„Was will ich? Hab'ich Grund, empört zu ſein? Wir ſind eben nur, was die Männer aus uns machen!“ Ihre Gedanken gingen rückwärts.„Es gab einen Mann, der aus mir Etwas machen konnte. Er hat es nicht gewollt. Ich war ihm zu unbedeutend. Jahre ſind verronnen, und dennoch duftet die trockene Blume noch.“ Sie zog ein kleines Notiz⸗ buch aus der Taſche, öffnete den Verſchluß, und eine gepreßte Roſe fiel ihr ins Auge. Sie nahm das rothe Sommerkind in die Hand und ſprach dabei:„Warum iſt Alles, was ich ſeitdem erlebt, ſo eindruckslos an mir vorüber gegangen? Welche Anſprüche hab' ich noch?“ Sie verſank in Nachdenken, aus dem ſie durch des Vaters nahenden Schritt aufgeſtört wurde. Ein erſchrockener Blick nach der Seitenthür, ein flüchtiger Kuß auf den Kelch der Roſe, und die trockene Blume war in ihrem früheren Verſteck geborgen.
Brauſewetter trat im Oberrock, Hut und Stock in der Hand, aus dem Nebengemach und ſtieß die Elfenbeinzwinge heftig auf den Boden:„Das Wetter über die Geſchichte! Nun kann ich nicht fort!“
„Ei, warum nicht?“ forſchte die Tochter, ſichtlich auf⸗ geheitert.“
Auf dem Fabrikhofe iſt Streit entſtanden unter den Arbeitern. Der Inſpector kam ſveben unter mein Fenſter und rief mir's herauf. Ich muß beruhigen und ſchlichten.“
Das junge Mädchen war ernſt geworden bei der Nach⸗ richt.„Was haben die Leute?“ erkundigte ſie ſich geſpannt. Statt ihr Auskunft zu ertheilen, ſagte Brauſewetter: „Livia, ſei du ſo gütig, einſtweilen zur Tante zu gehen! Sie ſoll ſich über den faux pas ihres Mannes nicht zu ſtark alteriren; es werden ſich Mittel finden laſſen, den Regierungs⸗
rath aus dem Hauſe zu ſchaffen; auf mich dar i Schweſter rechnen; ich komme, ſobald f Friede geſtiftet iſt. Sag' ihr das, mein Kind, hörſt du?“
Livia ergriff ſeine Hand;„Einen liebern Auftrag könnteſt du mir nicht geben, Väterchen, aber wenn ich nicht in grenzen⸗ loſer Unruhe um dich den Weg machen ſoll, ſo ſage mir, was deine ſonſt ſo friedfertigen Arbeiter entzweit hat!“
„Die Unſinnigen!“ polterte der Fabrikherr und ſtieß von Neuem mit dem Stocke auf.„Wenn dieſe Menſchen ſich auf politiſche Diseuſſionen einlaſſen!“
„Ah, faſt ahnte ich dergleichen!“ ſagte Livia halblaut.
„Die Einen verlangen“, fuhr der Vater fort,„unſere frühere Selbſtſtändigkeit zurück, die Andern wollen nichts da— von wiſſen, ja die Jüngeren freuen ſich ſogar, nächſtens in die Zwangsjacke von doppeltem Tuch geſteckt zu werden. Aber ich will ſie—“
„Verzeih', mein guter Vater!“ entgegnete die Tochter ſchnell, beide Arme wie Feſſeln um ihn ſchlingend,„biſt du in der Gemüthsverfaſſung, dieſen Zwiſt zum Austrag zu bringen?“
„Wenn ihr Brotherr unter ſie tritt—“ Livia drückte ihm die, Hand auf den Mund:
„Nit Strenge wird da nichts ausgerichtet!“
„Allerdings“, rief Brauſewetter, ſich von ihr befreiend, „nur Strenge kann ſie zur Vernunft führen!“
Das Mädchen vertrat ihm kühn den Weg:„Wenn nun der Staat ebenſo dächte, Vater, und eine unterworfene Provinz mit Strenge behandeln wollte?“
Auf ſolchen Einwand war der alte Herr offenbar nicht gefaßt; er ſah ſein Kind mit großen Augen ſtumm an.
„Erlaube mir, dich zu begleiten“, bat Livia in einem Tone, der wie unabweisliche Forderung klang,„ich will mich an deiner Seite nur eine Minute unter den Aufgeregten zeigen; nachher magſt du mit ihnen ſprechen, wie dir's zu Sinne iſt, und ich gehe zu Tante Minona!“
Des Vaters Blick ruhte noch immer auf ihr. Meinſt Du?“ ſprach er ſanft.
„Komm, mein lieber Vater!“ Sie ſtreckte ihm die Hand hin; er ſtülpte den Hut auf, wie der Kartenſpieler von Profeſſion einen Trumpf auswirft, aber die Hand ſeines Kindes ſtieß er nicht zurück, ſchweigend und willig ließ er ſich leiten.
„So!
(Fortſetzung folgt.)
S
Bühnenſtudien.
Von Ferdinand Groß in Wien. I. Franzöſiſcher Einfluß.
Man mag in die größte Reſidenz oder in das kleinſte Städtchen kommen— überall wird man Klagen über den Verfall der betreffenden Bühnen begegnen; die Wiener finden, daß es mit den Wiener Theatern am ſchlechteſten beſtellt ſei, und die Bewohner irgendeiner andern Stadt werden wieder behaupten, daß der Verfall ihrer Bühne der ſchrecklichſte ſei. Der ruhige, objektive Beobachter wird nur einen allge⸗ meinen, mit allen Regungen und Hervorbringungen der Zeitſtrömung vereinten Verfall des modernen Theaters über⸗ haupt zugeſtehen. Dieſer Verfall kann nicht durch äußerliche Mittel gehoben werden; er iſt eine innere Krankheit, die nur dann verſchwindet, wenn ihre— dem ganzen Weſen unſerer Zeit entſprechenden— Urſachen geſchwunden ſind. Heutzutage gilt das Geſchäft in allen Dingen als Richt⸗ ſchnur, und es hat auch in den meiſten Fällen— nämlich da, wo nicht die Regierung, ſondern ein Privatunternehmer das Theater erhält— die Intereſſen der dramatiſchen Kunſt verdrängt, woraus wir aber den Direktoren keineswegs einen Vorwurf machen. Der Caſſarapport iſt die Aeſthetik der Privatdirektoren. Wer möchte verlangen, daß die Direktoren ſich an den Bettelſtab bringen(was hier nicht ſo wörtlich zu
nehmen iſt), um mit aller Gewalt hochäſthetiſchen Grundſätzen Geltung zu verſchaffen? Verſchiedene ſpezielle Uebel werden als Urſprung des Verfalls der Wiener Theater angegeben und den Hauptplatz unter dieſen Uebeln nimmt der franzöſiſche Einfluß ein. Wir wollen dieſen nicht vertheidigen.— Es iſt in der That eine Erniedrigung, in allen dramatiſchen Fächern, von Offenbach's Operetten bis zu Sardou's Senſationsſtücken, bei unſern überrheiniſchen Nachbarn An⸗ lehen machen zu müſſen. Es wäre ſchon dehmüthigend, wenn alle dieſe franzöſiſchen Produkte vorzüglich ſein würden— allein nichts weniger als das; man weiß ja, welch gehaltloſe Bagatellen die franzöſiſche Bühnenliteratur nicht ſelten ſchafft. Viele mögen ſich erſtaunt fragen, warum trotzdem die Fran⸗ zoſen unſere Theater dominiren, und offen geſtanden: eine ganz triftige erſchöpfende⸗ Antwort iſt nicht ſo im Handum⸗ wenden zu finden. Die Behauptung, daß Deutſchland nicht genug und nichts Hervorragendes zu Tage fördere, iſt nicht ſtichhaltig, denn man braucht als Gegenbeweis nur die ſtatt⸗ liche Reihe von berühmten Namen aufzuzählen, die„trotzdem“ ſie deutſch ſind, in der Bühnenliteratur wie in den Annalen
der dramatiſchen Muſik einen Ehrenplatz errungen haben. 2
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