Jahrgang 
1868
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Wachenhuſen's Hausfreund. KI. 4.

XI. Jahrgang.

1868. 11.

Die Annectirten.

Humoreske von Otto Girndt.

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chon wieder die verwünſchten Trommeln und Quer⸗

pfeifen! rief der Teppichfabrikant Brauſewetter, vom

Frühſtückstiſch aufſpringend.Müßt' ich nur nicht jeden Morgen das Regiment vorüber ziehen ſehen! Damit trat er ans Fenſter und blickte ſtirnrunzelnd in die Straße hinunter.

Seine Tochter Livia, die ihm ſveben die Kaffeetaſſe gefüllt, folgte dem Vater und begütigte:Das läßt ſich ja leicht ändern, Väterchen; du darfſt dich nur vom Fenſter fern halten, wenn die Soldaten kommen.

Der Zorn treibt mich regelmäßig her, verſetzte Brauſe⸗

wetter,ich möchte Den Leuten doch nichts Arges thun? unterbrach das junge Mädchen raſch.Wir wollen eine Petition an den Commandeur richten, daß die Muſik nicht immer drüben hinter der Brücke abbricht, ſondern den Marſch auch noch vor unſerm Hauſe ſpielt.

Ob ſie blaſen oder pfeifen, Eins iſt mir ſo unange⸗ nehm wie das Andere! grollte der alte Herr fort.

Aber ſieh, ſchmeichelte Livia, ihm zutraulich das Händchen auf die Schulter legend,wie die Truppe Schritt hält, wie Alles ineinander greift! Das macht doch einen imponirenden Eindruck! Wenn ich an die läſſige Gangart unſeres früheren Militärs zurückdenke

Ich bitte mir aus, polterte Brauſewetter,daß du nichts, was mit dem neuen Syſtem zuſammenhängt, auf Koſten der alten, leider Gottes umgeſtürzten Zuſtände lobſt!

Das Mädchen war klug genug, den Erregten nicht höher zu reizen, ſie beugte ſich vor und ſtrich ihm mit leiſem Finger über die Stirn:

Die Runzeln ſtehen dir gar ſo ſchlecht, Väterchen; du ſiehſt zehn Jahre älter aus, als du biſt.

Der Vater antwortete durch einen Seufzer.

Komm, laß deinen Kaffee nicht kalt werden, bat ivia. I

Er ſchien die liebevolle Aufforderung überhört zu haben; denn mit einer Geſte des Unwillens ſetzte er ſeine Betrachtung der Infanterie⸗Colonnen fort:Hauptſächlich verdrießt mich, daß der Pöbel jedes Mal maſſenhaft neben den Compagnien herläuft, nicht blos kleine Buben, ſondern erwachſene Menſchen, die ſich doch erinnern ſollten, daß wir dieſen Uniformen den Verluſt unſerer ſtaatlichen Selbſtſtändigkeit zu danken haben! Aber das Volk iſt ohne Gedächtniß! ſchloß er mit bitterem Ausdruck.

Der Schall der Trommeln hatte ſich indeſſen in die Ferne verloren, der Vorbeimarſch des Regiments war ſeinem Ende nahe.Iſt denn der Verluſt wirklich ſo groß? warf Livia unbefangenen Tons ein.

Mit einem Mädchen deines Alters kann ich nicht über Politik reden! gab Brauſewetter kurz zurück und nahm ſeinen Platz am Kaffeetiſche wieder ein. Livia ließ ſich nicht ein⸗ ſchüchtern.

Ich bitte ja nur um Aufklärung, lieber Vater! Onkel Kühl zum Beiſpiel iſt ganz entgegengeſetzter Meinung und ſehr zufrieden mit der Annexion unſeres Ländchens. Wer von Euch hat nun Recht?

Der Teppichfabrikant hatte haſtig ſeine Taſſe zur Hälfte leergeſchlürft und wiſchte ſich mit der feingeblümten Damaſt⸗ Serviette den Mund.Für die Tochter, betonte er,kann es doch keine Frage ſein, wer Recht hat, wenn ihr Vater und ein zufälliger Onkel in Widerſpruch ſtehen!

O, ich habe den guten Onkel Kühl ſo lieb, wagte das Mädchen zu äußern,und wir lebten Alle ſo einig, Ihr Männer ja auch, bis der unglückſelige Krieg ausbrach!

Ja, der unglückſelige Krieg! nickte der Vater.Wer ſeine Folgen geahnt hätte!

Onkel Kühl hatte den Ausgang prophezeit! ſagte Livia keck.

Daß du mir vom Onkel Kühl ſchweigſt! Brauſewetter ſprang auf. In dem Moment klopfte es, und, ohne das übliche Herein abzuwarten, präſentirte ſich ein junger, ſtutzer⸗ mäßig gekleideter Mann mit gebrannten Locken und roth⸗ ſeidener Cravatte auf der Schwelle und lispelte ſüß:Wünſche guten Morgen! Unter dem rechten Arm trug er einen Beutel aus grober grüner Leinwand.

Was wollen Sie, Naſcher, fragte der misgelaunte alte Herr,heut iſt nicht mein Raſirtag.

Weiß wohl, Herr Hoflieferant

Schon hundertmal hab' ich Ihnen geſagt, herrſchte Jener ihn an,Sie ſollen mir keinen Titel geben, der mir nicht mehr gebührt; ich bin jetzt wieder, was ich in meiner Jugend war, einfach der Teppichfabrikant Brauſewetter. Zu dem neuen Hoſe ſtehe ich in keiner Beziehung! Was führt Sie her? ſetzte er gelinder hinzu.

Ich wollte nur fragen, lächelte der junge Mann, mit der linken Hand ſein Stirnlöckchen drehend,ob Sie ſchon wiſſen?

Was?

Von Ihrem Herrn Schwager, Herrn Kühl?

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