Jahrgang 
1868
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Feuilleton.

Aus aller Welt. V

Die Zeit verdampft wie ein chemiſches Erzeugniß und ſelbſt die wichtigſten Ereigniſſe verblaſſen in unſerer Erinnerung dermaßen, daß wir uns fragen könnten: Haſt du das in irgend einem Buche geleſen, oder iſt dir das ſelbſt widerfahren?

Sieben Jahre ſind's jetzt her, ſeit Garibaldi den Thron des Königs Bombino in Neapel über den Haufen ſtieß; acht Jahre, ſeit der Kaiſer von Heſterreich die Lombardei verlor. Ich war bei den beiden hiſtoriſchen Cataſtrophen zugegen und ſchrieb von Ort und Stelle in dieſen Blättern. Ich ſtand des Nachts auf dem Verdeck der übelberüchtigtenLoreley, als über den dunklen Golf das ſtille kleine Dampfſchiff dahin fuhr, das den Bourbonen und ſeine Familie nach Gasta trug, und war auch im Jahre vorher zugegen, als man ſich bei Montebello, Paleſtro, Magenta und Solferino ſchlug. Ich ſah, wie Reggio von Garibaldi genommen wurde, und ſah, wie La⸗ moriciere bei Macerata aufs Haupt geſchlagen wurde, daß ſeine Armee wie Spreu in alle Winde fuhr, und da ich ſtets großes Ver⸗ trauen in die Rathſchlüſſe Gottes habe, namentlich wenn es ihm ge⸗ fällt, die Menſchen ſich wie wilde Thiere einander zerfetzen zu laſſen, ſo erwartete ich große Reſultate von all den großartigen Dingen, deren Schauplatz die Halbinſel war.

Ich war endlich wieder dabei, als Venetien und Böhmen erobert wurde, und ſagte mir, indem ich meine Gedanken von damals und jetzt zuſammenknüpfte: wenn die Italiener jetzt nicht ein großes 4 werden, ſo verdienen ſie, wieder von den Bourbonen regiert zu ſein!

Und was geſchieht im Jahre des Heils 18672 Garibaldi wirft die Würfel hin; er ruft: Rom oder Tod! und nimmt ſeine Beine unter den Arm, um nach Terni zu fliehen. Victor Emanuel ſtützt ſorgenvoll ſeinen Kopf in die Hand und ſagt zu ſich ſelber: die Sache iſt um den Verſtand zu verlieren; Himmel, gib mir eine halbe Million Zündnadelgewehre, ſonſt iſt die ganze Geſchichte nur ein ſchlechter Scherz geweſen!

Aber der Himmel kümmert ſich nicht mehr um uns, weder um die Geſalbten, noch um die Ungeſalbten, und wie ſollte ihn auch Italien Italien, wo es nur Bettler, Muſikanten und Flöhe gibt, was ſollte ihn dieſes Land näher angehen als jene Stätten, wo einſt Chriſtus gelebt, gelitten und geſtorben, und die doch auch von der ſchonungsloſen Hand der Civiliſation unterwühlt und verwüſtet werden ſollen!

Was man uns auch in der Schule lehren und für die ganze Lebenszeit ins Herz einprägen möge, es gibt nichts Heiliges mehr auf dieſer Welt, und wie ich ſchon früher ſagte: wenn das Maſchi⸗ nenweſen iu vemſelben Grade ſeine Fortſchritte ins Unglaubliche macht, heben wir die Weltkugel aus ihren alten Axen, drehen ſie einmal anders herum, damit wir ein beſſeres Klima bekommen und nicht von Schneiderrechnungen aufgezehrt werden. Wir laſſen zur Abwechſelung einmal die Sonne ſich um die Erde drehen, beleuchten die Hemiſphären beide zu gleicher Zeit mit zwei großen elektriſchen Lichtern, zu deren Erhaltung jeder Magiſtrat in allen Städten eine gewiſſe Weltbeleuchtungsſteuer gufbringen muß, ſchaffen, weil es dann keine Nacht mehr geben nitt. Ml Hel⸗ und Petroleumlampen, alle Nachtwächter, alle Hausſchlüſſel ab, rechnen auf unſeren Uhren bis 24, wie in Sicilien und in der Türkei, und leben noch einmal ſo lange, da wir uns die Langſchläferei abgewöhnen und auf dieſe Weiſe an jedem Tage mindeſtens vier bis fünf Stunden an unſerer Lebensweiſe gewinnen.

Es unterliegt uch gar keinem Zweifel, daß es dahin kommen wird und kommen muß. Freilich kann ich die Nachricht mit vollem Gewiſſen nicht verbürgen, aber ſie iſt ſo unwahrſcheinlich nicht, daß ſich eine Geſellſchaft von Kapitaliſten zu bilden im Begriff iſt, die zunächſt eine Anzahl von Ingenieuren durch und um die Welt ſenden will, die ſich vor der Hand einmal genau umſehen ſoll, wie es eigent⸗ lich mit unſerem Weltall beſchaffen iſt, da die Mittheilungen reiſender Gelehrten niemals übereinſtimmen, gewiſſe Punkte, wie die Nilquellen, die nordweſtliche Durchfahrt und andere weſentliche Momente bisher ganz unklar geblieben ſind und wir endlich einmal wiſſen möchten, wie es ſich damit verhalten mag.

Erklärlicherweiſe iſt dies nur durch Sachverſtändige, durch In⸗ genieure, in Richtigkeit zu bringen. Kehren dieſe Ingenieure dann zurück(etwa nach 5 bis 10 Jahren, denn ſo viel Zeit wird man ihnen wohl gewähren müſſen), ſo werden die Reſultate ihrer For⸗ ſchungen zuſammengetragen; alle die größten Unternehmer und Or⸗

ganiſatoren von Aktiengeſellſchaften, wie Miris, die Pereire's u. a., treten an die Spitze einer großen Weltregulirungs⸗Geſellſchaft, und ſo wird ſich denn die Sache dann ſchon machen.

Daß der Kanal von Suez, der das Mittelmeer und das Rothe Meer mit einander verbinden und die langweilige Tour von Europa nach Hſtaſien um das Cap der guten Hoffnung um ein bis zwei Monate abkürzen ſoll, daß dieſer Kanal jetzt endlich in Fluß gerathen ſoll, wird dem Leſer bekannt ſein. Herr von Leſſeps hat die Vollen⸗ dung dieſer Rieſenarbeit zu ſeiner Lebensaufgabe gemacht; er hat be⸗ reits lange Jahre daran verwendet, und Millionen ſind ſchon dafür

ausgegeben. Er hielt es alſo für ſehr klug, die Pariſer Weltaus⸗ ſtellung zu benutzen, um die einigen Millionen zuſammenzubringen, die ihm zur Vollendung ſeines Kanals noch fehlten.

Er fing auch die Geſchichte ſehr klug an. Er errichtete auf dem Marsfeld einen großen Pavillon, den viele meiner Leſer geſehen haben werden, ſtellte in demſelben einen großen Reliefplan ſeines Kanals aus, zeigte in dieſem die Modelle ſeiner Arbeitsmaſchinen und wußte dem Publikum das größte Intereſſe für ſeine Sache ein⸗ zuflößen.

Allerdings ſah ſich das Ganze recht hübſch an, aber die große Mehrzahl derjenigen, welche Gefallen daran fanden, war deshalb noch keineswegs geneigt, ihr Geld ins Rothe Meer zu werfen, und namentlich die Iſraeliten, die bekanntlich das meiſte Geld haben und die auch eigentlich das größte Intereſſe für das Rothe Meer haben ſollten, ſie ſchienen mit dem Rothen Meere durchaus nicht wieder in nähere Beziehung treten zu wollen.

Herr von Leſſeps aber war mit ſeinen Hülfsmitteln noch keines⸗ wegs zu Ende. Er begann, öffentliche Vorträge über den Kanal von Suez zu halten, und erklärte die Sache mit dem Stecken in der Hand. Wiederum liefen ſie Alle hin, um von dem Suezkanal reden zu hören, aber die Iſraeliten wollten noch immer nicht wieder ins Rothe Meer, trotzdem Herr von Leſſevs ihnen erzählte, das Terrain allein decke die ganzen Koſten, während ich, der ich die ſchöne Gegend da kenne, keine vier Groſchen für eine Quadratruthe dieſer Sandwüſte geben würde. Die Haſenhaide in Berlin wäre mir lieber.

Da endlich ließ Herr von Leſſeps alle Pferde los. Er wandte ſich an die Preſſe; er bezahlte ſie mit ſchwerem Golde, oder vielmehr die Compagnie générale, die er gebildet hatte, bezahlte die Redac⸗ teure. In allen Zeitungen konnte man leſen, daß es nichts Schöneres auf der Welt gebe als dieſen Kanal von Sucz, daß man thöricht ſei, wenn man ſein Geld nicht an dieſen Kanal wende und ich glaube auch wirklich, es ſind wieder einige Iſraeliten ins Rothe Meer ge⸗ gangen. Wie es ihnen bekommen wird, das werden wir wol erſt ſpäter erfahren.

In Europa geht hinfort der Zug der Civiliſation von Weſten nach Oſten; die Löſung der Hrientfrage, die man vor zwölf Jahren halb fertig hat liegen gelaſſen, wird dieſe Anſicht vollſtändig recht⸗ fertigen. Hierin liegt aber eine Gefahr für unſere ganze hinfortige Erziehung. Es wird eine Revolution in unſern Schulbüchern ent⸗ ſtehen, ſogar unſere Religionslehrbücher, unſere Katechismen und unſere Erbauungsſchriften müßten während der nächſten Jahre ganz umgearbeitet werden.

Die Sache iſt folgende. Wie ich höre, beabſichtigt man, eine Eiſenbahn von Jaffa, dem Hafen, nach Jeruſalem anzulegen. Die Induſtrie, die Ingenieure alſo brechen ſchon in den geheiligten Schau⸗ platz ein, auf welchem Chriſti Leidensgeſchichte ſpielte, auf welchem er für uns das Kreuz der Welt trug, in denſelben Schauplatz, an welchen wir ſchon als Kinder mit frommer Scheu zu denken ge⸗ lehrt wurden.

Wo Jeſus Chriſtus die Sünden der Welt auf ſich nahm, wo ſeine Apoſtel für ihn duldeten, da kommen jetzt die Ingenieure mit ihren Inſtrumenten und vermeſſen geometriſch das ganze heilige Feld; und nach ihnen werden die Arbeiter mit Spaten und Schau⸗ feln kommen, um alles drunter und drüber zu wühlen. Man wird, ich ſehe das ſchon im Geiſte, einen Tunnel durch den Helberg gra⸗ ben, durch die Stätte, die da heißet Golgatha; die Locomotiven werden hin⸗ und herſchnaufen über dieſen geheiligten Boden.Sta⸗ tion Bethlehem! Fünf Minuten Aufenthalt! wird der Conducteur rufen. In Nazareth wird angeſchrieben ſtehen:Für Herren. Für Damen. Schnöde Wirthshäuſer mit ſchlechtem Kaffee und dünn geſchmierten Butterbröden werden ſich an den Stätten erheben, an welche wir bisher nur mit frommer Scheu gedacht. An der Börſe werden ſie mit den elendeſten Silberlingen um Epheſus und Bethle⸗ hem ſchachern, und ſo wird denn, nachdem ſelbſt das Höchſte pro⸗ fanirt iſt, uns gar nichts Heiliges mehr übrig bleiben.

Mit Unruhe denke ich an die Folgen dieſes Einbruchs in die geweihten Stätten unſeres chriſtlichen Glaubens! Stelle Dir vor, Leſer, dieſe Jeruſalemer Eiſenbahn ſei fertig und Du habeſt in der Ueberzeugung, daß des Himmels Gnade ganz beſonders über dieſem Boden ſchweben müſſe, eine Anzahl Eiſenbahnactien gekauft.

Der Himmel iſt nun aber nicht mit dieſem Unternehmen, im Gegentheil, der Himmel will gar nichts davon wiſſen, daß die Schacherei noch einmal an dieſem Schauplatz, oder um dieſen Schauplatz wieder losgehe, an welchem er ohnehin vor einigen tau⸗ ſend Jahren einmal ſo viel Verdruß gehabt. Die Cvurſe dieſer Actien gehen alſo immer mehr herunter; du verlierſt dann Kopf und Kragen an der Speculation.

Inzwiſchen kommen Deine Kinder aus der Schule und erzählen dir, was ihnen der Lehrer im Religionsunterricht geſagt, wie Chriſtus auf dem Helberg gebelet, wie er in Bethlehem gelehrt, in Jeruſalem begraben ſei, Du aber kommſt eben von der Börſe, wo Deine Courſe heute wieder um anderthalb Prozent gefallen ſind.Sprecht mir nicht von Bethlehem und Jeruſalem! wirſt du in einem Un⸗ willen ausrufen, wie Tannhäuſer rief:Sprecht mir nicht von Rom!

Die armen Kleinen aber, ſie werden ſich ſtutzig anblicken, und

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