Jahrgang 
1868
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Stellung als

Als die Glocke

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1854 und kehrte erſt in dieſem Jahre nach Paris zurück, da er das neue Kaiſerreich für conſolidirt hielt.

Bald nach ſeiner Ankunft in Boulogne brach ein fürchter⸗ licher Orkan aus. Ein Schiff, das die Einfahrt in den Hafen nicht erreichen konnte, ward von der Brandung umherge⸗ ſchleudert und drohte zu zerſchellen, ohne daß die Leute am Ufer ihm Rettung zu bringen vermochten. Sieben Unglück⸗ liche ſah man in dem Takelwerk hängen und verzweifelt des unvermeidlichen Todes harren.

Plötzlich drang durch die Stille im Volke eine Stimme:

Zehntauſend Francs für das Leben jedes dieſer Un⸗ glücklichen!

Aller Augen wandten ſich zurück. Man erkannte Lord Seymour. Niemand aber rührte ſich. Die Unerſchrockenſten wagten es nicht, dieſem Sturm zu trotzen.

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Ein Opfer nach dem andern ward von den Wellen vom Schiff geriſſen und verſchwand.

Fünfundzwanzigtauſend Francs für jeden der Unglück⸗ lichen! rief Sehmour.

Daſſelbe Schweigen. Die Wellen ſetzten ihr Zerſtörungs⸗ werk fort, nur zwei der Schiffbrüchigen hingen noch im Takelwerk.

Hunderttauſend Francs für die Rettung dieſer Beiden!

Umſonſt. Niemand wagte ſich hinaus und wenige Mi⸗ nuten ſpäter war das Schiff verſunken.

Noch unter dem Eindruck dieſes entſetzlichen Schauſpiels ſchenkte Seymour der Stadt Boulogne 50,000 Franes zu Erbauung eines Rettungsbvotes.

(Schluß folgt.)

Der ſpukende Magiſter.

Nach amtlichen Quellen erzählt von George Hiltl.

Es war ein ganz heiteres behagliches, der Wiſſenſchaft geweihtes Leben und Treiben, welches in dem neu errichteten Collegium Carolinum zu Braunſchweig herrſchte. Durch fürſt⸗ liche Munificenz hatte die neue Hochſchule ſeit kaum zwei Jahren einen merklichen Aufſchwung genommen, fremde und einheimiſche Schüler herangezogen und gebildet, eine neue Bewegung unter den alten Lehrern erzeugt und in den Mauern des Collegiums eine zwar genau geregelte, aber dennoch ganz gemüthliche Hausordnung feſtgeſtellt, der ſich Lehrer und Schüler unterwarfen. Nach fürſtlichem Entſcheide wohnte ein großer Theil der Zöglinge in dem Gebäude ſelbſt. Dieſe Bewohner erhielten zugleich hier Aufwartung und Ver⸗ köſtigung, beſondere Haus- und Hofmeiſter überwachten die Zöglinge und regelten den Stundenbeſuch. Daß es unter den Zöglingen manchen recht luſtigen Burſchen gab, der ſich nach dem ſteifen und den Syſtemen der Zeit gemäßen, pedantiſchen Unterrichte gern einen tollen Spaß erlaubte, braucht nicht weiter verſichert zu werden, und ſo hatten denn allerdings die Hofmeiſter genug zu beaufſichtigen. So jung das Inſtitut war der Herzog Karl hatte es 1745 richtet konnte es doch bald ſeine kleine Geſchichte von freudigen und ernſten Begebenheiten nieberſchreiben laſſen, als es kaum zwei Jahre beſtee Pahin gehörten die Todes⸗ fälle, welche Lehrer undSchüler hinweg rafften. Eines der erſten Opfer war r am 2. Mai 1721 zu Hildesheim ge⸗ borne Magiſter Melchior Karl Dörrien oder Dörring. Er hatte bereitsn Jahre 1745, noch nicht vierundzwanzig Jahre Hofmeiſter im Collegio angetreten. Ein ſleißiger junger Mann, von ſchwächlichem Körper, war er ſehr bald ein Opfer ſeiner Beſtrebungen geworden und ſchon am 8. Juli 1746 am Bruſtfieber verſtorben. Der jugendliche Magiſter, deſſen heißer Wunſch nach Berühmtheit nicht in Erfüllung gehen ſollte, war der Gegenſtand aufrichtiger Trauer. Freilich gingen noch allerlei Gerüchte von kleinen Bären um, welche der Verſtorbene angebunden haben ſollte, die er aber ſicherlich gelöſt haben würde, wenn der unerbittliche Tod ihn nicht ſo frühe ſchon aus dieſem Jammerthale abgerufen hätte.

Indeſſen kam ein Anderer, der Magiſter Weſtphal, an die Stelle Dörring's, und der Abgeſchiedene wurde in nicht allzu langer Zeit vergeſſen. Die Hundstagsferien erſchienen, die Schüler zerſtreuten ſich in alle Winde und kehrten ausge⸗ laſſener denn je zurück. Das luſtige Leben auf den Uni⸗ verſitäten hatten ſie von ihren Kameraden, theils auch durch eigene Anſchauung Ungebundenheit in die ſtillen Räume ihres Collegiums zu tragen, ward lebhafter ſals ſonſt empfunden, und in Folge deſſen ereigneten ſich allerlei Abweichungen von der Haus⸗ ordnung, die wiederum von den Curatoren und Hofmeiſtern

ſtreng aufrecht gehalten ward und die Uebertreter mit Strafen

bedrohte, welche natürlich nicht ohne Murren getragen wurden. den Schluß des Unterrichts verkündet

kennen gelernt, das Verlangen ähnliche

hatte, ging der Hofmeiſter Weſtphal durch die langen Corridore des Collegiums in ſein kleines Studirſtübchen. Es war ein heimiſches, recht für den Gelehrten und Bücherfreund einge⸗ richtetes Gemach. Eng, mit Repoſitorien umſtellt, auf welchen hohe Folianten ſich brüſteten, mit einem breiten Schreibtiſche ausgeſtattet, deſſen Platte vielerlei Papiere trug, lud es den ſtillen Forfcher nach außerordentlichen Dingen zur Arbeit ein. Dabei durchwärmte der große, braunſchwarze Kachelofen den ganzen Raum und ein prächtiger Duft von altem, wurm⸗ ſtichigem Knaſter, der hier aus holländiſchen Thonpfeifen ge⸗ raucht ward, ließ ſich verſpüren. Magiſter Weſtphal war auch genz in ſeinem Elemente. Er zündete die mit breitem, grünem Schirme verſehene Studirlampe an, zog den ſchwarzen Amtsrock ab und einen bequemen Schlafrock an, nahm ſorg⸗ fältig die kugelförmige Perrücke vom Haupte, ſetzte ſie auf einen im Winkel befindlichen Stock und trat an ſeinen Schreibtiſch. Sinnend auf die Bücher ſchauend begann er mechaniſch aus dem kleinen braunen Kaſten eine Pfeife zu ſiopfen;

mit Leder gepolſterten Stuhl geworfen hatte, als die Dampf⸗ wolken ſich über ſeinem Haupte kräuſelten, da erſt glätteten ſich des Magiſters ernſte Züge. Er ſchmunzelte behaglich. Nach einigen kraftvollen Zügen ergriff er ein kleines Buch und notirte:Georg von Dieden Scholar des Collegiums in der Secunda für morgen vier Stunden Carcer wegen Widerſetzlichkeit und abſichtlicher Störung. Hierauf legte er das Buch auf den Tiſch und lehnte ſich in den Seſſel zurück. Der Magiſter machte ein großartiges Geſicht wie wenn eine gewaltige, welterſchütternde Begebenheit abgeſchloſſen und in Gang gebracht worden ſei. Ein Klopfen an die Thüre unterbrach ihm in ſeinen Gedanken und auf dasHerein trat die feiſte Geſtalt des Pedells Ermiſch in däs Gemach.

Komme, dem Herrn Magiſter zu melden, das Alles in unſerm Reviere in Ordnungiſt, näſelte Ermiſch, mit einem kleinen, neidiſchen Seitenblicke auf die behagliche Lage des Magiſters ſchielend.

Ermiſch, entgegnete der Magiſter mit feierlicher Stimme.Dort liegt das Buch der Tagesordnung. Nehme Er es und bringe Er es an Profeſſor Heder zur Unterſchrift. Morgen mit dem erſten Glockenſchlage der achten Stunde wird Er den Scholar von Dieden in das Carcer führen.

Ermiſch warf ſich in die Bruſt. Seine amtliche Stellung verlieh ihm ein majeſtätiſches Ausſehen.

Zu Befehl, ſagte er.Es iſt hohe Zeit, daß ein Exempel ſtatuirt werde.

Id est, ſagte der Magiſter.Dieſe jungen Leute werden allzu übermüthig, und der Georgius von Dieden iſt Einer, über den allerlei Gravamina und Klagen wegen toller

Streiche umherlaufen. Es ſoll ich beſchuldige ihn deſſen nicht

aber es ſoll durch ihn die Laterne über dem Eingange des Cruceſchen Hauſes zerſchmettert worden ſein die Schüler,

als er dieſelbe angebrannt und ſich in den weiten,

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