Jahrgang 
1868
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eines kriegeriſchen Diplomaten der Nachwelt überliefern, als er dieſen Reiter ſchuf, der während eines unmöglichen Trabes ſeines Roſſes den Degen mit der rechten Hand über den linken Arm, welcher, Em plaſtiſch wohlgeformten Unterleibe angepreßt, die Zügel hält, in die luſtig herumbummelnde Scheide ſteckt, ein Kunſtſtückchen, das jedenfalls verdient, in Erz verewigt zu werden. Hoffentlich wird man auch Hähnel die Decorirung des Schwarzenberg⸗Palais übertragen, auf deſſen jetzt ſo kahlen Zinnen im nächſten Frühjahre die heilige Allianz in natura erglänzen ſoll. Wir können uns dies nur ſo vorſtellen, daß man die drei Potentaten auf eine Dreh⸗ ſcheibe ſetzt und mit einem Uhrwerke in Verbindung bringt, ſo daß ſich alle Viertelſtunden ein Anderer der höchſt ehren⸗ werthen Geſellſchaft mit ſeiner Frontſeite dem Publikum präſentirt. Scherz bei Seite. Das Schwarzenberg⸗ Monument, deſſen Modell allſeitig den günſtigſten Eindruck machte, findet jetzt nach ſeiner Vollendung viele Tadler. Die fleißige Ausarbeitung äller Details, das zierliche, glatte, ge⸗ leckte, elegante, wir möchten ſagen Porzellainſtatuettenmäßige des Standbildes beſticht zwar das Auge, wer aber von einem Monumente einen imponirenden Totaleindruck beanſprucht, wer harmoniſchen Maſſenaufbau, bedingt durch gelungene Ver⸗ wendung und Anordnung der Hülfseffekte insbeſondere des Faltenwurfes, zu ſchätzen weiß, wird ſich enttäuſcht fühlen. Es wird auf ihn die ſtreng realiſtiſche Durchführung kleinlicher Motive, wie der Musculatur und der Venen des Pferdes, die photographiſch getreue Nachbildung des Riemenzeuges, der Treſſen, des zierlichen Salondegens, geradezu peinlich ein wirken. Die Unbeſtimmbarkeit der Raſſe des Roſſes läßt den Nichtpferdekenner vielleicht kalt, aber es beleidigt das Auge eines Jeden, wenn man den kurzen, dicken Herrn Fürſten auf ein ſchlankes, hoch⸗ und dünnbeiniges Pferd ſetzt, das der edle Herr ſchon in der erſten halben Stunde, wenn es nicht von

Erz wäre, zu Schanden reiten müßte. Die bei der Ent⸗

hüllung des Schwarzenberg⸗Monumentes exeecutirte Feſthymne von J. G. Seidl hatte drei holprichte Strophen nach dem be⸗ kannten Versmaße der Stoßſeufzer eines Nervenkranken, der auf einem ungepolſterten Wagen über einen Knüppelweg fährt. Sie wurden von Herbeck in Muſik geſetzt und, ſo viel man ſehen konnte, vom Männergeſangverein vorgetragen. Die Melodie zu hören war jedoch nur im Pulverdampf ergrauten Ohren möglich, da während des Geſanges fortwährend Kanonenſalven abgefeuert wurden. Alles Uebrige klappte ganz ausgezeichnet. Nachdem die Leinwandhülle gefallen, mußte die Sonne für einen Moment hinter den Wolken her⸗ vortreten und das Monument beleuchten, und wurden hier⸗ auf die üblichen blauen Couverte ausgetheilt, welche die Aus⸗ zeichnungen für Alle beim Bau Betheiligten, vom Ritterkreuze des Franz⸗Joſephs⸗Ordens angefangen, bis zur allerhöchſten Anerkennung herab, enthielten. Der Director der kaiſerlich königlichen Kunſterzgießerei, in welcher der Guß und die Eiſe⸗ lirung beſorgt wurde, der unglückliche Fernkorn, war nicht mehr unter den Auserwählten. Er iſt jetzt nebſt großer Geſellſchaft der beſten Welt, dem General der Cavalerie Fürſten Lichtenſtein, und dem Grafen Kinsky im Irrenhauſe. Ein geſchriebenes Seitenſtück zum gegoſſenen Schwarzenberg iſt Halm'sBegum Somru. An dieſemhiſtoriſchen Trauerſpiele, das den Berlinern vor Jahren von Frau Rettich vorgeführt wurde, iſt nichtshiſtoriſch als der Beiſatz des Titels, der Name und die Coſtüme der Schauſpieler. Die Sprache iſt edel, der Dialog verräth in jedem Momente den Meiſter des Bühnen⸗ effektes, und dennoch war die Aufnahme des Stückes keine ganz freundliche, der Beifall oft von Ziſchen geſtört. Keine große Idee reißt hier zur Bewunderung des Autors und ſeines Trauerſpiels hin, man ergötzt ſich nur an der geſchickten Mache, die aus einem ſo mageren Stoffe fünf zwar ſehr lange, doch nicht unintereſſante Akte geſchaffen. An der Hofoper richtet ſich Dingelſtedt allmählich häuslich ein. Seine Freunde ſchlagen für ihn die Reclamentrommel in netten Feuilletons, deren Quinteſſenz wir unſeren Leſern nicht vorenthalten wollen: Dingelſtedt läßt ſich die Hofopern⸗Bibliothek in ſein Bureau bringen. Der Diener erſcheint mit einer ſtaubigen Kiſte, und

dieſe enthält? Eine alte Ausgabe von Brockhaus' Conver⸗ ſations-Lexikon, den geſammten Bücherſchatz, welchen Herr Salvi zu ſeinen Studien über Geſchichte der Kunſt, Coſtüme, ältere Inſcenirungen, Muſikliteratur und Geſchichte anzuſchaffen für nothwendig erachtete. Eine andere Geſchichte, die jedoch für Dingelſtedt minder freundlich klingt, wird dem Director Aſcher in den Mund gelegt, der Herrn Dingelſtedt mit Nie⸗ mand Geringerem als dem Erzvater Jakob verglichen haben ſoll. Warum? Jakob diente ſieben Jahre um Rahel, und bekam dann die Lea, und Dingelſtedt intriguirte ſieben Jahre um das Burgtheater, um dann zum Director der Oper er⸗ nannt zu werden. Hiermit iſt jedoch keineswegs geſagt, daß Herr Dingelſtedt nach weitern ſieben Jahren nicht ebenfalls Director des Burgtheaters wird, falls er nicht früher die Ernennung zum Generalintendanten beider Bühnen erhält. Ein Beweis, wie gut Dingelſtedt ſich auf die Zeitſtrömung verſteht, iſt wohl, daß er eben jetzt, wo anticoncordatliche Luft weht, die Geſchichte ſeiner Trauung mit Frl. Lutzer auf⸗ wärmen läßt: Vor ſechszehn Jahren war es, als er vor dem Traualtare der hieſigen Peterskirche ſtand. Der katholiſche Geiſtliche weigerte ſich die Ehe einzuſegnen, weil die Braut⸗ leute den Revers, ihre Kinder katholiſch erziehen zu laſſen, nicht unterſchreiben wollten; das Brautpaar verließ unver⸗ richteter Sache die heilige Stätte und ſchritt ſpäter in Mann⸗ heim zur Civilehe, die bei uns ſo populär iſt, daß Frl. Gall⸗ meier imPariſer Leben eine Strophe, die dieſes Thema behandelt, unter großem Beifalle vorträgt. Als Muſter dieſer Gattung vonPoeſie mögen dieſe Reime nebſt jenen über die fünfundzwanzig Biſchöfe und denPfuirufer des Reichs⸗ rathes P. Greuter hier ein Plätzchen finden:

Mit der Civilehe, wird's eingeführt, Gibt's in Wien noch a Gofrett, Denn die Militäriſten, ſo dächt' ich,

* Die heirathen dann net!(Jodler.)

Fünfundzwanzig auf einmal,

Es iſt wahrlich a Graus,

Beim Militär haben ſie's abgeſchafft, Das Eivil macht ſich a nix draus.

Es ſpricht Mancher vernünftig Und gibt guten Rath,

Und ein And'rer ruft Pfui! Und dann is er ſtat.

Leider gibt der Wortlaut nur eine ſchwache Idee von dem Effecte, denſolche Vierzeilige machen, wenn ſie von der Gallmeier unter unnachahmlichen Geſten improviſirt und gleich Raketen in das nun wieder vollſtändig verſöhnte Publikum geſchleudert werden. Die Localſängerinnen der Joſephſtadt und des Harmonietheaters bemühen ſich vergebens, Frl. Gallmeier zu erreichen, und können mit ihr in gar keine Parallele geſtellt werden. Frl. Gallmeier hat in Wien nur ein, freilich ein paar Stufen tiefer ſtehendes Seitenſtück, das Frl. Mannsfeld, deren urwüchſiges Talent die Stammgäſte unſerer Vorſtadt⸗Bierhäuſer zur Phreneſie begeiſtert. Frl. Mannsfeld war zweite Liebhaberin dritter Theater, bevor ſie diePawlatſche der Volksſänger beſtieg. Ihre Stimme iſt wie die der Thereſa heiſer, rauh, gleich der Stimme der Schildwache am Burgthore, wenn ſie bei einem Hofballe durch zwei Stunden unaufhörlichGewehrrrr rrraus! geſchrieen hat, aber ihre Wiener Lieder mit dem nicht reproducirbaren Texte ſind wunderbar, ihr Vortrag unnachahmlich, ihre Mimik, die Mimik einer weiblichen Declamatrice unwiderſtehlich für die Beſucher der Sperl⸗Localitäten.

Zur Congreßzeit, da war der Sperl das eleganteſte Unterhaltungslvcal Wiens, raſch ſank er zur Herberge ge⸗ meiner Abenteurer herab und ſah nur noch einmal glanz⸗ volle Tage, als der Gemeinderath hier die deutſchen Juriſten bewirthete. Seit dieſer Zeit iſt er nur noch das Rendezvous für die problematiſchen Exiſtenzen Wiens und für ſolche, die es werden wollen. Hier ſucht die Polizei die ungetreuen Kaſſirer und Beamten öffentlicher Anſtalten, welche defraudirtes Geld verjubeln, die Schwindler, welche nach reichem Fang ſich

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