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reich im Walde von Fontaineblau gehaltenen großen Jagd ein wil⸗ des Schwein geſchoſſen, daß ein künſtliches Auge trug! Paris, im November. Hans Wachenhuſen.
Elfenreigen. Märchen für die Jugend von Villamaria Berlin. Verlag von C. A. Eduard Meyer.— Die deutſche Sagen⸗ poeſie, wie ſie in mündlichen Ueberlieferungen fortlebt, oder in alten Chroniken verborgen liegt, bietet allerdings ſo reiche Schätze von er⸗ habener Schönheit und echt deutſcher Gemüthstiefe, daß es eine ver⸗ dienſtliche Aufgabe iſt, ſie der Jugend zugänglich zu machen, indem ihr lauteres Gold aus der urſprünglichen, unſerm heutigen Geſchmack nicht immer ſympathiſchen Form in die des Märchens umgegoſſen wird, für welches die Gebrüder Grimm ſo muſtergültige Vorbilder hingeſtellt haben. Unſer Autor hat neun der ſchönſten Sagen, wie die von der verſunkenen Glocke, der weißen Alpenroſe, der Zwergen⸗ braut, dem Becher der Elfe u. ſ. w. in dieſer Art umgeſtaltet und der deutſchen Jugend damit ein Weihnachtsgeſchenk geboten, das ihr um ſo willkommener ſein wird, als jede Sage mit einem wirklich reizenden und über die gewöhnliche Beigabe ſolcher Illuſtrationen weit hinaus geſchmackvollen Bilde in Bunddruck ausgeſtattet iſt.
Schalkauer Geſchichten. Roman in neun Büchern von H. Otto, Verfaſſer des„Jahrhunderts der Umkehr.“ Glogau. Ver⸗ lag von Carl Flemming.
In dieſem dreibändigen Romane werden die Zuſtände geſchildert, wie ſie ſich in einem deutſchen Kleinſtaate nach der Märzrevolution von 1848 entwickelten und durch die Contrerevolution nach Jahres⸗ friſt ihren Abſchluß fanden. Der Verfaſſer hat in lebenswahren, oft ſo zu ſagen photographiſch aufgenommenen Perſonen die ver⸗ ſchiedenen Parteien, die ſich um die Herrſchaft ſtritten, charakteriſirt und dabei nichts aus den Augen gelaſſen, die höhere poetiſche Ge⸗ rechtigkeit, welche dem blinden Fatum längſt abhanden gekommen iſt, in den Schickſalen ſeiner Helden zur Geltung zu bringen. Man wird gerade dieſes letzteren Verdienſtes halber das Buch, das auch wegen der ſeinen Beobachtungsgabe, die ſich in ihm darlegt, und durch manchen Blick in das Tiefinnerſte des Volkslebens eine intereſſante Lektüre bildet, mit Befriedigung aus der Hand legen. Wünſchens⸗ werth wäre es indeß, wenn der Autor ſeinen Figuren etwas mehr von dem gegeben hätte, was man in der Malerei Colorit nennt. Sie beſtehen meiſtens aus der bloßen Contour, und der Geiſt, der innerhalb derſelben waltet, kann den warmen ſatten Fleiſchton, nach dem ſich unſer menſchliches Gefühl nun einmal ſehnt, nicht immer erſetzen.
Ausgewählte Dichtungen von Friedrich Bodenſtedt. Berlin 1864. Verlag der königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).— Friedrich Bodenſtedt iſt ein viel zu bekannter und hochgewürdigter Autor, als daß es einer eingehenden Beſprechung bedürfte, um dieſe Dichtungen für weitere Kreiſe zu empfehlen. Es genügt, zu conſtatiren, daß die Auswahl, die er aus ſeinen Dich⸗ tungen veranſtaltet hat, Alles das enthält, was ſeiner Poeſie zu be⸗ ſonderm Schmuck dient und ihre großen Erfolge ſicherte. M.
Der Volks⸗Atlas von Amthor und Fßleib bietet für 7 ½ Sgr⸗ 24 Karten, nämlich 3 Karten, welche Totalüberſichten über die Erd⸗ räume geben, Karten der 5 Welttheile(von Amerika 3), 5 Karten für Deutſchland, 9 der Hauptländer Europas und 1 von Paläſtina, iſt alſo ſo vollſtändig als einer unſerer theueren Schulatlanten. Jede Karte enthält ohne Rand 87 Q.⸗Zoll und iſt in Farbendruck ausgeführt. Die Terrainzeichnung iſt zwar nicht bis ins Einzelne genau, läßt aber gerade deswegen die verſchiedenen Erhebungsgebiete deſto beſtimmter unterſcheiden; beſonders rühmenswerth iſt die Manier der Bergzeichnung, welche die Bergketten faſt plaſtiſch hervortreten läßt. Die Karte enthält eine verſtändige Auswahl von Orten, und deren Namen ſind mit ſo deutlicher Schrift gedruckt, daß ſie auch für ſchwächere Augen lesbar ſind. Demnach kann dieſer Atlas mit Recht empfohlen werden und muß man den Verfaſſern wie der Ver⸗ lagshandlung für dieſes bedeutende Förderungsmittel der geogra⸗ phiſchen Kenntniß unter unſerem Volke von Herzen dankbar ſein.
Der ſo eben erſchienene Illuſtrirte Familien-Kalender füa 1868(Verlag von A. HPahne in Leipzig) enthält außer dem in⸗ tereſſanten Text und Illuſtrationen einen Stahlſtich„Lehrlings⸗Lei⸗ den“, nach einem Gemälde von Wilhelmi, welcher in ſeinbanv⸗ ⸗ muthigen Humor ſchwer zu übertreffen wäre, eine nouuarcher Eiſen⸗ bahnkarte von Central⸗Europa ſowie ein ohne Zwejis Markt⸗ und Meſſenverzeichniß, Ebbe- und Fluthtabe wyFriech.⸗katholiſcher Ka⸗ lender u. ſ. w. Zweifellos nimmt dieſer unter den reichhaltigen und billigen Kalendern einen der erſten Plätze ein.
um Lieb und Kunſt. Denkſprüche mit Initialen, gema von Alwine Schrödter. Frankfurt, von J. D. Sauer
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länder, 1867.— Wir verzichten darauf, über das wunderbar ge⸗ lungene und bis in's Kleinſte vollendete Werk auch nur andeutend urtheilen zu wollen; mögen das die berufenen Künſtler ſelbſt thun. Wir wollen vielmehr der edlen Künſtlerin nur den aufrichtigſten Dank ſagen für den erhebenden Genuß, den uns ihr Werk bereitet hat, und ihr Glück wünſchen, daß es ihr gelungen iſt, zu ihren mit Recht bewunderten Feſtgaben noch die größte und reichſte hinzuzu⸗ fügen, in der ihr unerſchöpfliches Talent über alle ähnlichen Kunſt⸗ werke geſiegt hat. Die zwölf Blätter des Werkes haben Folioformat, das die Blätter des Liebesfrühlings noch um ein Bedeutendes überſchreitet. Dadurch iſt der Erfindung ein weiter Spielraum gegeben und ſie hat ihn zu den mannichfaltigſten Blumengruppirungen benutzt, die in reizender Harmonie der Formen und Farben mit den Initialen wie aus dem Gedichte hervorgewachſen, gleichſam als die ſichtbar ge⸗ wordene Seele der Worte erſcheinen. Man laſſe, um das zu fühlen, nur das Blatt mit dem Gedichte von Löwe:„Die Alpenroſe“ oder dem Platen'ſchen:„Die Waſſerlilie“ ruhig auf ſich wirken.— Der rührigen, fein wählenden Verlagshandlung können wir nur Glück wünſchen zu dieſem neueſten Kunſtwerke, das ſich auch durch typo⸗ graphiſche Ausſtattung und den in Düſſeldorf bei Breidenbach und Comp. hergeſtellten Farbendruck auszeichnet.
Der Klerus in Oeſterreich.
Ueber den Klerus in Heſterreich liegen der„Trieſter Zeitung“ folgende ſtatiſtiſche Daten vor: Derſelbe u 55370 Perſonen, darunter 1 Patriarch, 4 Primaten, 11 Erzbiſchö 58 Biſchöfe, 24 Weih⸗ biſchöfe, 12863 Pfarrer, 539 geiſtliche Profeſſoren. Ferner beſtehen 720 Männerklöſter mit 59 Aebten, 45 Provinzialen, 6754 Prieſtern, 645 Klerikern, 240 Novizen und 1917 Laienbrüdern. Die meiſten Klöſter beſitzen: die Piariſten 60, die reformirten Franciscaner 165, Obſervanten-Franciscaner 72, Conventual-Franciscaner 45, Domini⸗ caner 41, Ciſtercienſer 48, Benedictiner 37, barmherzige Brüder 31, Jeſuiten 17, Prämonſtratenſer 15, Baſilianer(griechiſcher Ritus) 26. Die Zahl der Frauenklöſter beträgt 298 mit 5198 Nonnen, worunter die barmherzigen Schweſtern des heiligen Vincenz mit 85 Klöſtern und die Urſulinerinnen mit 25 Klöſtern die zahlreichſten ſind. Das geſammte Kirchenvermögen beträgt 185,672967 Gulden, mit 19,639713 Gulden jährlicher Einkünfte. Am höchſten dotirt ſind die Erzbisthümer Olmütz mit 300800 Gulden, Prag mit 71680 Gulden, Bisthum Linz mit 51250 Gulden, das Prager Capitel mit 80000 Gulden, die regulirten Chorherren in Kloſterneuburg mit 158000 Gulden, Herzogenburg mit 51000 Gulden, St.-Florian mit 95000 Gulden, Kreuzherren in Prag mit 54000 Gulden, Prämonſtratenſer in Schlögel mit 52150 Gulden, in Tögl mit 223000 Gulden, Barnabiten in Wien mit 54450 Gul⸗ den, Benedictiner in Mölk mit 190000 Gulden, bei den Schotten in Wien mit 197000 Gulden, in Seitenſtätten mit 92600 Gulden, in Göttweih mit 71600 Gulden, bei St.-Peter in Salzburg mit 87500 Gul⸗ den, in Kremsmünſter mit 191700 Gulden, in Admont mit 52760 Gul⸗ den, in St.⸗-Lambrecht mit 50200 Gulden, Ciſtercienſer in Heiligen⸗ kreuz mit 93900 Gulden, Zwettl mit 50000 Gulden, Hohenfurt mit, 51100 Gulden und Offek mit 87900 Gulden.
Eine gute Antwort bei gewiſſen Vorkommniſſen bereit zu haben
iſt ſchon für jeden Menſchen eine vortreffliche Sache. Mehr als Andere kamen und kommen jedoch die Geſandten an fremden' Höfen in die Lage, auf jene Weiſe ihren ſchnellen Mutterwitz zeigen zu können, und häuſig ſchon hat eine treffende Erwiderung auf Aeuße⸗ rungen von Fürſten beſſcg Reſultate erzielt als lange diplomatiſche Verhandlungen. Kaiſer Pintih IV. von Deſterreich führte Krieg mit der Republik Polen, nach dem man über den Frieden verhan⸗ delte, zu welchem Zwecke die Republik den Grafen Scarbinski nach Wien geſchickt hatte. Der Kaiſer zeigte dem Geſandten die Schatz⸗ kammer und äußerte mit einem Hinweis auf die in derſelben be⸗ findlichen Schätze:.
„Da ſehen Sie, womit ich Polen bändigen kann!“
„Adſiciamus aurum auro!“(Wir wollen Gold zum Golde legenl) ſagte der Graf, zog ſeinen Siegelring vom Finger und warf ihn auf einen Goldhaufen.
Der Kaiſer warf dem Polen einen ſcharfen Blick zu. Doch er hatte verſtanden und der Friede kam ſchneller zu Stande, als es ſonſt wol der Fall geweſen wäre. 6
Da die Redactions⸗Correſpondenz während meiner Abweſenheit von Berlin aus geführt wird, ſo bitte ich, Briefe in perſönlichen Angelegenheiten frankirt nach der Rue St.⸗Georges Nr. 6 in Paris zu adreſſiren, wo mich die Ueberſetzung meiner Schriften und andere
für den Hausfreund hat die Entfernung vom Redactionsort erlei Einfluß. Hans Wachenhuſen.
größere Arbeiten noch für einige Zeit beſchäftigen. Aufmeine Thätig⸗
Zur Nachricht: Nr. 10 wird acht Tage ſpäter ausgegeben.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Verlin, Kronenſtraße Nr. 2. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
daupt⸗Erpedition und Drug bei F. A. Vrockhaus in Leipzig⸗


