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dennoch ſchlecht; er miſcht auf unerhörte Weiſe Eingemachtes mit Beefſteak, und gekochtes Obſt mit Kalbfleiſch und Salat durchein⸗ ander, ebenſo hintergeht er ſeinen unglücklichen Magen mit erbärm⸗ lichen Gerichten aus allerlei Gemüſen.
Nicht viel anders iſt es mit der deutſchen Literatur;— ſtrah⸗ lende Geiſtesproducte mit albernen Plattheiten, Himmelserhebung und ein Stück irdiſcher Kochkunſt, alles verwirrt zuſammengeworfen und doch endlich zu allgemeiner Befriedigung verdaut, Jäſ welcher zu dieſen Gerichten gehört, und wie man ſieht, lange ſich erhält.
Die Deutſchen beſitzen keinen Witz, und wenn ſie gar zuvor⸗ kommend erſcheinen wollen, erinnern ſie an jene Bären, welche man auf den Märkten ſich verneigend, tanzen ſieht— dagegen aber haben ſie viel Gemüth.
Endlich noch ſchreiben die Deutſchen über Alles dicke Folianten und entwickeln hierbei einen Aufwand von Gutachten, Gelehrſamkeit und Geduld, deren wir unfähig ſind; der Franzoſe dagegen, wenn er es ausbeuten will, macht aus dem voluminöſen Werke ein kleines Buch, und ehe man es ſich verſieht, eilt der ſtizzirte Gedanke in alle Theile der Welt!!).
Auch dem Verdienſte der Kleinen ſeine Kronen!
Vor Kurzem hat eine elfjährige Tagearbeitertochter in der von der Damenzeitung„Bazar“ ausgeſchriebenen Preisconcurrenz eine Prämie von 10 Thalern(weitniedrigſter Preis) erhalten. Die Kleine iſt eine Schülerin der öffentlichen Handarbeitsſchule in den Rüders⸗ dorfer Kalkbergen und hatte an einem defecten Strumpf das Stopfen, Ferſeeinſtricken und Lochzuſtricken ſo muſterhaft ausgeführt, daß die Lehrerin die Arbeit als Beweis deſſen, was eine ländliche Hand⸗ arbeitsſchule leiſten könne, dem Bazar einſandte; wonach das Prüfungs⸗ comité dann— nebſt 73 anderen, meiſt ſehr eleganten Arbeiten großer Damen— den geſtopften Strumpf des kleinen Tagelöhnermädchens prämiirte. Es iſt dieſe Beachtung des Nützlichen, auch in ſeiner ſchlichteſten Geſtalt gewiß anerkennenswerth, und gereicht deshalb das Factum den Preisvertheilern ebenſo zur Ehre wie der kleinen Prämiirten. Der Letzteren Freude über den ihr ungeahnt zugefallenen Reichthum mögen ſich die Leſerinnen ſelbſt ausmalen.
. 1 z Ein Poſtbureau mitten im Ocean.
Zwiſchen der nördlichen, noch faſt ganz unerforſchten Küſte von Auſtralien und der Inſel Neu⸗Guinea und Borneo liegt eine den Seefahrern beſonders gefährliche Meerenge, die Torres⸗Straße. Da Schiffe, die von Südauſtralien oder Vandiemensland nach irgend einem oſtindiſchen Hafen ſegeln, Hunderte von Meilen erſparen, wenn ſie durch dieſelbe paſſiren, wird ſie trotz ihrer Gefährlichkeit häufig benutzt.
Die Straße, die, obgleich eine Meerenge benannt, doch an drei⸗ hundert engliſche Meilen lang ſich erſtreckt, iſt nicht nur mit unzäh⸗ ligen kleinen Eilanden beſtreut, ſondern auch durch zahlreiche Sand⸗ bänke verſtopft, zwiſchen denen nur bei hellem Tage ein Schiff ſicher paſſiren kann; dazu kommt der Piratencharakter der Inſelbewohner, malahiſcher und papuaniſcher Neger, die keine Schonung kennen, das in ihre Gewalt gerathene Schiff ſeiner ganzen Fracht berauben, dann es in Brand ſtecken und die Mannſchaft maſſakriren.
Jenſeits dieſer Meerenge, auf dem directen Curſe nach Indien, etwa funfzig Meilen von irgend einem andern Lande entfernt, liegt ein kleines ſandiges Eiland faſt ohne alle Vegetation. Auf demſelben hat ſchon vor einer Reihe von Jahren ein Seefahrer ein Poſtbureau errichtet, zunächſt um die Kapitäne irgend anderer Fahrzeuge, die bei der Inſel vorbeiführen, es wiſſen zu laſſen, daß er ſicher und ungefährdet die Meerenge paſſirt habe. Zu dieſem Zweck ließ er einen Brief für ſeine Rheder mit der Mittheilung dieſer Thatſache zurück, damit ſie, falls das Schiff ſpäter einen Unfall hätte, wüßten, es habe denſelben nicht in jener Enge erlitten, und einen zweiten Brief für den Kapitän des zunächſt vorbeifahrenden Schiffes, worin er die Hoffnung ansdrückt, das derſelbe den Brief an ſeine Rheder mit der erſten Gelegenheit befördern würde.
Seit jener Zeit iſt es eine regelmäßige Gewohnheit für See⸗ fahrer, die durch die Meerenge gefahren ſind, geworden, die Briefe, welche ſie auf der Poſtinſel finden, an ihre Adreſſe zu befördern, und wieder andere zurückzulaſſen für die ihnen zunächſt folgenden Be⸗ ſucher der Inſel. Seitdem iſt das Poſtbureau auch ſonſt benützt worden von Reiſenden ebenſo wol als von Seefahrern.
Als ich das letzte Mal den Ort beſuchte, waren zwei Töchter des Gouverneurs von Singapore mit an Bord unſeres Schiffes, die auf einem Beſuche in Sidneh geweſen waren und jetzt mit ihrer Gouver⸗
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nante und einem Kammermädchen nach Singapore zurückkehrten. Als wir uns Poſt Office Island(Poſtamtsinſel) naheten, baten die Damen, in dem Cutter mit uns ans Land fahren zu dürfen, was ihnen geſtattet wurde. Dort angekommen, fanden wir in der Poſt⸗ kiſte, unter zahlreichen anderen Schriftſtücken, einen Brief nebſt fol⸗ gendem Zettel:
„Der„Gilbert Henderſon, Pivin, Maſter, durch die Torresſtraße (Datum) paſſirte P. D. Island wohl und unverſehrt, ſegelt weiter nach Calcutta. Wer dieſes Schriftſtück ſieht, wird gebeten, es bei dem erſten Hafen zu berichten. Wenn nach Singapore beſtimmt, bitte den beiliegenden Brief mitzunehmen.“
den Brief an ſeinen Beſtimmungsort mit, erſtatteten auch bei dem nächſten Hafen den erbetenen Bericht. Den jungen Damen machte dieſe ſeltſame Poſtverbindung einen ſolchen Spaß, daß ſie darauf be⸗ ſeſen. ein Blatt mit ihrem Namen u. ſ. w. in der Kiſte zurückzu⸗ laſſen.
Durch die weite Entfernung von den nächſten bevölkerten Inſeln vor Beraubungen der Eingebornen, wie andererſeits durch das ſoli⸗ dariſche Intereſſe der ſchiffahrenden Nationen geſchützt, liegt ſo dieſes ſeltſame Poſtamt mitten im Meere. Eine Flagge weht über der Baumgruppe, in deren Innern die durch einen ſtarken getheerten Leinwandüberzug bedeckte und waſſerdicht gemachte Hütte ſteht. Unter ihrem Dach iſt die Kiſte, die, in mehrere Abtheilungen geſchieden, den Briefkaſten der Seefahrer bildet.
Aufhalten eines Eiſenbahnzuges durch die Raupe.
Es lautet gewiß ſeltſam, wenn wir hören, daß die kleine Raupe gar im Stande ſein ſoll, einen Eiſenbahnzug, der im vollen Gange iſt, aufzuhalten. Aber eine Mittheilung des Präſidenten Dohrn zu Stettin belehrt uns darüber und zeigt uns, was vereinigte Kraft auch ſo kleiner Weſen, ſelbſt unwillkürlich, vermag. Im Sommer 1845 fuhr Dohrn von Wien nach Prag über Brünn. Zwiſchen dieſen letztern Städten ging der Zug plötzlich auffallend langſamer. Aus dem langſamen Tempo wurde ſofort ein ſchleppendes und gleich dar⸗ auf hielt der Zug vollſtändig ſtill. Vüffel nicht gelingen würde, das hatte die unbedeutende Raupe des Kohlweißlings glorreich durchgeſetzt! Gerade im Momente als der Zug mit voller Geſchwindigkeit heranbrauſte, waren die Schienen auf mehr als 200 Fuß Länge mit wandernden Raupen dicht bedeckt. Die erſten ſechzig bis ſiebzig Fuß gingen die Räder der Locomotive über die zerquetſchte Maſſe fort, aber die Tauſende von kleinen Fettbürgern legten ſich ſogleich mit ſolcher Cohäſion an die Räder, daß dieſe in den nächſten Secunden kaum noch Reibung genug beſaßen, um vor⸗ wärts zu kommen. Da aber jeder Schritt vorwärts neues Fett an die Räder ſchmierte, ſo verſagten dieſe vollſtändig den Dienſt, noch ehe die marſchirende Colonne der Raupen durchbrochen war. Es
Was einem Elephanten, einem
Wir ließen eine Notiz über unſern Beſuch zurück und nahmek
dauerte länger als zehn Minuten, ehe mit Beſen die Schienen vor
der Locomotive gekehrt und mit wollenen Lappen die Räder der Locomotive und des Tenders ſo weit geputzt waren, daß der Zug wieder in Bewegung geſetzt werden konnte.
Vergiftetes Brot.
Nickles, Profeſſor der Chemie in Nanch, wies vor Kurzem in einem franzöſiſchen Journal eine neue Quelle von Vergiftungen an Orten nach, wo Niederreißungen von Gebäuden in großem Maßſtabe vor ſich gehen. Er führt nämlich Fälle an, wo Bäcker aus Sparſam⸗ keit im Einkaufen von Brennmaterial ihre Hefenzmit dem alten Holz⸗ werk von eingeriſſenen Häuſern: mit Thüren, Thür⸗ und Fenſterver⸗ kleidungen, Getäfel, Jalouſieläden und Fenſterrouleaur, ja ſogar mit mit alten Telegraphenſtangen und ausgenützten Eiſenbahnſchwellen gefeuert haben, und wo das in den ſo erhitzten Oefen gebackene Brot vergiftet worden iſt. Alles Holzwerk nämlich, welches mit Bleiweiß, Zinkweiß, Grünſpan, Scheeleſſchem Grün und andern, Metallorhde enthaltenden Farben angeſtrichen oder mit Kupferſalzen chaniſirt iſt, entbindet und verflüchtigt beim Verbrennen dieſe Metallorhde, welche ſämmtlich ſehr giftig ſind und zum größten Theil während des Backens dem Brot einverleibt werden. Herr Nickles erzählt, daß er dieſe giftigen Metalloxhd⸗Niederſchläge immer in der Kruſte gfunden
habe, einige auch an der Unterſeite des Brots, andere aber ter insbeſondere die Zinkoxhde) in der obern Kruſte. Ebenſo ſchädli—
der Gebrauch derartigen Holzes auch beim Kochen auf freiem F uer, wo ſich jedenfalls ein Theil der Metalloxyddämpfe, die in dem freien Feuer entbunden werden, in die kochenden Gerichte niederſchlägt. Es dürfte daher rathſam ſein, allgemein vor dem Gebrauch ſolchen Holzes zu warnen.
Der Hausfreund erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen Original⸗Illuſtrationen, mit einem
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Preis pro Heft 5 Sgr.
Verlag der Hausfreund⸗Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.
Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhaus in Leipzig.
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