Als die ſchädlichſten, ſchon weil häufigſten Feinde der Roſe müſſen wir aber die Blattläuſe erachten. Wie manche liebliche Stubenroſe wird von dem ekelhaften Geziefer krank gemacht und wohl gar ertödtet, ohne daß die wohl unkundige Beſitzerin die Urſache des Misgedeihens zu ergründen weiß. Und nicht minder leiden oft genug in nur zu übler Weiſe gerade die koſtbarſten und ſeltenſten— weil meiſtens zarteſten — Gartenroſen von ihnen.
Bon den hundertundzwanzig deutſchen Arten dieſer wider⸗ wärtigen Geſchöpfe leben vier ausſchließlich auf den Roſen⸗ ſträuchern und ihre gemeinſte iſt die eigentliche Roſen⸗Blatt⸗ laus. Dieſe ſitzt, insbeſondere an den jungen Zweigen und an den Stengeln der Knospen, meiſtens geſellig, in ſo großer Anzahl, daß ſie die Knospen nur zu oft noch vor dem Er⸗ blühen ertödtet. Sie bringt in einem Tage zehn bis zwanzig Junge zur Welt, welche nach vier bis ſechs Tagen bereits wieder Mütter werden; hiernach kann man die wahrhaft ungeheuerliche Vermehrung dieſer Kerbthiere ermeſſen.
Einige Arten, z. B. die auf den Kohlgewächſen leben⸗ den, werden bekanntlich auch ſo zahlreich, daß ihr ausgeſpritzter Honigſaft als der bekannte Ho⸗ nig⸗ oder Mehlthau zahlreiche Pflanzen völlig überzieht.—
Zählen wir hierzu nun noch die an den Wurzeln der Roſenſträucher zehrenden Mai⸗ käferlarven(Engerlinge), Re⸗ genwürmer und andere derar⸗ tige gierige Freſſer, ſowie ſchließ⸗ lich auch vier auf ihnen hei⸗ miſche pflanzliche Schmarotzer — ſo haben wir hier das ganze, in der That nur zu zahlreiche Heer der Schädiger und Verderber unſerer herzigen Blumenkönigin vor uns.
Was aber, fragen wir uns jetzt wohl unwillkürlich, was kann der beſorgte Blumen⸗ freund denn wohl zur Rettung und Erhaltung ſeiner Lieblinge thun? Mit menſchlicher Macht allein— das müſſen wir bald genug einſehen— läßt ſich zur Bekämpfung dieſer argen Heer⸗ ſchaaren wenig oder gar nichts ausrichten. Denn wenn ſich auch Schwefelkohlenſtoff, Pe⸗ troleum und einige andere ähnliche Mittel als ganz vorzüg⸗ lich zur Vertilgung aller Kerbthiere und zugleich als nicht beſonders ſchädlich für die Pflanzen erwieſen haben, ſo iſt einerſeits ihre Anwendung doch mit Uebelſtänden und ſogar Gefahren verbunden(das Petroleum und dergl. erzeugt be⸗ kanntlich einen kaum erträglichen und auch geraume Zeit an⸗ dauernden Geruch in den Stuben und der Schwefelkohlenſtoff kann beim unvorſichtigen Einathmen die ärgſten Unglücksfälle ver⸗ urſachen); andererſeits aber laſſen ſich alle dieſe Mittel doch nur im kleinen Maßſtabe, nicht aber im Großen, im Roſen⸗ garten oder noch größern Plantagen anwenden.
Da gibt es denn leider keine weiteren, Erfolg verſprechen⸗ den künſtlichen Bekämpfungsmittel, wohl aber ſehr wirkſame natürliche— die man jedoch erſt kennen lernen, ja ſorgſam ſtudiren muß, um von ihnen Erfolge erwarten zu dürfen. Für dieſen Zweck beobachte man nur eine beſtimmte Anzahl von Roſenſträuchern recht anhaltend und aufmerkſam.
Als die erſten thatkräftigen Freunde der Roſe erzeigen ſich die Vögel. Alle unſere einheimiſchen befiederten Inſekten⸗ freſſer ohne Ausnahme ſind ja die größten Freunde und Wohlthäter der geſammten Pflanzenwelt; ſo befreien ſie auch die Roſe von den Raupen, Käferlarven und allerlei Haut⸗ flüglern. Und darum müſſen wir auch hier die dringende
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Bitte um ihren Schutz anfügen.*) Aber auch die körner⸗ freſſenden Singvögel vertilgen ſehr große Maſſen von ſchäd⸗ lichen Kerbthieren, indem ſie ihre Jungen damit füttern und auch zum großen Theile ſelbſt davon leben. So zeigt ſich namentlich der verachtete und leider noch oft genug unver⸗ ſtändig verfolgte Hausſperling als einer der beſten Freunde unſerer Roſe, indem er gerade die Blattläuſe als Leckerei mit großer Lüſternheit aufſucht und verzehrt.
Dann folgen die Amphibien oder richtiger Kriechthiere, und Lurche, welche die Roſenſträucher von den ſie peinigenden Regen⸗ würmern, Schnecken, Raupen u. ſ. w. in ebenfalls ſehr wirk⸗ ſamer Weiſe ſäubern— und gerade ſie bedürfen der dringen⸗ den Mahnung um Schutz und Hegung in ernſtlichſter Weiſe.
Am erfolgreichſten aber werden alle jene oben geſchil⸗ derten, wie alle Kerbthiere überhaupt, von den Verfolgern aus ihren eigenen Reihen bekämpft. Da gibt es eine große Sippſchaft, die Schlupfwespen, deren Thätigkeit für den Haus⸗ halt der Natur nur von außerordentlicher Wichtigkeit iſt. Sie richten dadurch zahlloſe Inſek⸗ tenbruten, vorzugsweiſe aber die ſchädlichſten Raupen, Larven und Maden zu Grunde, daß ſie ihre Eier in dieſelben— in alle Zuſtände, vom Ei bis zur Made oder Larve und Puppe— hineinbohren, aus welchen dann je ein bis zahl⸗ reiche Schlupfwespenlärvchen entſtehen und am Körper oder vielmehr an den Säften ihres Opfers zehren, bis ſie erwachſen ſind und jenes vor der Ver⸗ wandlung erſtirbt. In dem Buche„Meine Freunde“ habe ich dieſe Schlupfwespen und ihren faſt unermeßlichen Werth für de Naturhaushalt ausführ⸗ lich geſchildert.
Jene beſonderen Finde
ben außer den genannten aber auch wiederum noch ihre ab⸗ ſonderlichen Bekämpfer. Hier⸗ her gehören die ſo ſehr nütz⸗ lichen Schwebfliegen, viele der ſogenannten Schlupfwespenver⸗ wandten oder Brakoniden, vor⸗ zugsweiſe aber die Florfliegen und Marienkäferchen. aus nützlichen, als zugleich allerliebſten Thierchen, ſind noch bei weitem nicht ſo bekannt und hochgeſchätzt, als ihre Thätig⸗ keit im Naturhaushalt und ſomit ihre Verdienſte um das Menſchenwohl es verdienen.
Dort jene wunderbar ſchöne Roſe iſt der ganze Stolz und die Freude ihres Beſitzers; um keinen Preis würde ſie ihm feil ſein, denn er hat ſie ja ſelbſt gezogen, mit unglaub⸗ licher Sorgfalt gepflegt und nun glücklich bis zur Blüte ge⸗ bracht. Dennoch bedroht ihn jetzt ihr Verluſt, mindeſtens wird keine einzige von den vielen Knospen mehr zur Ent⸗ faltung gelangen. Dicht gedrängt ſitzen nämlich um deren Stiele die argen Sauger, welche ihnen den Lebensſaft ent⸗ ziehen, während ſie zugleich mit ihrem klebrigen Safte die Poren der Blätter und Stiele verkleben, dadurch ihr Athmen erſchweren und verhindern und ſomit ihre Erkrankung und zuerſt das Abſterben der Knospen bewirken. Da kommt dem betrübten Roſenfreund guter Rath und Hülfe. Ein Kundiger
*) Man wolle über den Vogelſchutz in Karl Ruß„In der freien
Natur“(Berlin, Böttcher) und„Naturwiſſenſchaftliche Blicke ins täg⸗ liche Leben“(Breslau, Trewendt) freundlichſt Weiteres nachleſen.
der Roſe, die Blattläuſe, ha⸗
Dieſe beiden letzteren, eben ſo über⸗
bringt ihm in einer Schachtel eine Anzahl wunderlich geſtalteter, wurmähnlicher Geſchöpfchen, mit zwei langen und ſcharfen
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