Jahrgang 
1868
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Abyhſſiniens Meer.

die Kunſt des Leſens und Schreibens am meiſten verbreitet iſt, das Urtheil würde zu Gunſten Abhſſiniens ausfallen! Diegebildetſte und geiſtreichſte Nation der Welt, wie der Franzoſe die ſeinige nennt, ſteht alſo hinſichts der Volksbildung hinter Abhſſinien zurück!

So weit, lieber Leſer, ſieht das alſo Alles leidlich gut in Abyſſinien aus, und doch, rufſt du, hört man nur von Grauſamkeit?

Die Sache iſt vielleicht auch nicht ſo ſchlimm, und nothwendig muß man die Sitten des Inneren von Afrika bei Beurtheilung dieſes Franzoſen jenes Welttheils in Betracht ziehen.

Wir kommen jetzt an den König Theodor und ſein Regiment. Dieſer conſtitutionelle Thrann iſt heute ein Mann von etwa ſechs⸗ undvierzig Jahren, von mittlerer Geſtalt, königlicher Haltung, offenem und ſympathiſchem Geſicht. Ich überſende dem Hausfreund mit dieſem Artikel zugleich ein Porträt Theodor's, das uns dieſe gute Meinung beſtätigt. Seine Züge ſind weniger regelmäßig als die der Abyſſinier im Allgemeinen, aber ſie ſind dafür ausdruckvoll und beweglich. Sein Blick iſt lebhaft und durchdringend; auf ſeiner Stirn ſteht ein feſter Wille, dem es auch gelang, dieſes freieſte und ſprödeſte Volk des Hrients unter ſein Joch zu beugen.

Viel Mühe hat es ihm gekoſtet, ſich aus dem Staube heraus zu arbeiten und den Thron David's, d⸗ h. ſeiner Väter, ſich zu erobern. Die neueſte Geſchichte Abhſſiniens zeigt uns dies zur Genüge. Als er ſeine Feinde zum größten Theile niedergeſchlagen und bei Benutzung ſeiner Siege eine Schnelligkeit an den Tag gelegt, die ein offenbares Feldherrntalent verräth, dachte er an die innere Organiſation ſeines Staates. Er erließ eine Proklamation, in welcher er befahl, Jeder⸗ mann ſolle zu den friedlichen Beſchäftigungen ſeiner Väter zurückkehren, der Kaufmann in ſeine Boutique, der Bauer zu ſeinem Pflug. Dieſer Befehl wurde mit rückſichtsloſer Strenge ausgeführt.

Die Bewohner von Thisba, unverbeſſerliche Banditen, kamen bis an die Zähne bewaffnet in das Lager des Negus und verlangten von dieſem die Beſtätigung ihres Rechtes, die Beſchäftigung ihrer Väter auszuüben.

Was für ein Gewerbe treibt Ihr? fragte der König.

Den Straßenraub, antworteten ſie unverſchämt.

Hört mich an, erwiderte ihnen Theodor,Euer Gewerbe iſt gefährlich; der Ackerbau iſt beſſer. Kehrt in Eure Dörfer zurück und bebauet Eure Felder, die ja die fruchtbarſten im ganzen Lande ſind. Ich will Euch Ochſen und Pflüge liefern.

Die Bewohner von Thisba beſtanden auf dem königlichen Edict. Der Negus ſagte endlich ja, und ſie gingen, ſtolz darauf, den König gezwungen zu haben.

Unterwegs wurden ſie durch eine Schwadron Reiter eingeholt, deren Anführer ihnen einleuchtend machte, daß wenn ſie vom Könige die Erlaubniß hätten, das Gewerbe ihrer Väter zu treiben, er vom Könige den Beſehl habe, mit ſeinen Gensdarmen alle Straßenräuber niederzuſäbeln. Und ſo geſchah es.

Zahllos ſind die Beiſpiele einer ebenſo ſeltſamen, wenn auch oft grauſamen Gerichtsbarkeit, die der Negus übte. Zu ſeinen Pedilectionen gehörte es, Heirathen zu ſtiften. Als er einmal unter einer Truppe von mit Leopardenfellen bedeckten Vagabonden ein bildſchönes Mädchen entdeckte, das unmöglich zu dieſem Geſindel gehören konnte, forderte er ſie auf, dieſe laſterhafte Vettelgeſellſchaft zu meiden, er wollte ihr einen anſtändigen Mann verſchaffen. Das Mädchen lehnte dies ab und erklärte, ſie habe einen Geliebten unter der Bande, um deſſen willen ſie mit derſelben wandere.

Gut, ſagte der Negus.Du ſollſt aber auch einen Vorwand zu betteln haben.

Gleich darauf gab er den Befehl, ihr eine Hand und einen Fuß abzuhauen.

Aehnlich machte er es mit einem Soldaten, ſtraße zwei Kaufleute ermordet hatte.

Warum haſt du ſie getödtet?

Weil ich Hunger hatte. Warum nahmſt du ihnen nicht das Nothwendigſte und ließeſt ſie am Leben?

Weil ſie dann ihr Eigenthum vertheidigt haben würden, ant⸗ wortete der Mörder.

Der König ließ ihm beide Schüſſel mit Speiſe reichen: Du hatteſt Hunger ſagte er.

Theodors Bemühungen gelang es wirklich, die Landſtraße zu ſichern. Ebenſo erfolgreich waren alle ſeine übrigen Maßnahmen.

Das Reich iſt herabgekommen, ſagte er,weil die legitimen Herrſcher nicht mehr mit ſtarkem Arm, mit Kopf und Herz regierten. Gott entzog dem Stamme Salomo's feine Gnade; er gab den Bar⸗ baren die Stärke, den Türken, die uns den Sennahr und Maſſahua nahmen, den Gallas, die uns bis zum Abai zurückwarfen. Da aber Gott nicht wollte, daß das Volk umkomme, zog er mich aus dem Staube; er befahl mir, die kaiſerliche Macht' wieder herzuſtellen, wie ſie zur Zeit des Negus Kaleb und der glorreichen Kaiſer war, welche den Yemen eroberten, und gegen die Muſelmänner die alten Grenzen wieder zu erkämpfen. Mein Reich geht bis an das

Thevdor wollte mit den letzten Worten ſeine Abſicht andeuten, mit dem Schwerte in der Hand das wilde Küſtenland wieder zu for⸗

der auf der Land⸗

fragte der Negus.

Hände abhauen und ihm dann eine

Gut, ſo eſſe denn!

und Hinfälligkeit derKönige der Könige entriſſen. In der That wiſſen die Gouverneure von Maſſahua noch heute nicht, was ſie dem Negus und ſeinen geheimen Abſichten zutrauen ſollen. Die hohe Pforte zieht aus Maſſahua weder politiſchen noch finanziellen Vor⸗ theil, aber ſie weiß, daß ſie damit den Schlüſſel von Abhſſinien in der Hand behält. Dahingegen iſt ſie ſelbſt viel zu ſchwach und krank um daraus Vortheil zu ziehen.

Wie bekannt, iſt Abhſſinien ſchon lange ein Reiſeziel unſerer chriſt⸗ lichen Miſſtonäre. Theodor empfängt ſie gern und freundlich, jagt ſie aber davon, wenn ſie ihm den Kopf warm machen. Man kann ſchwer daraus klug werden, welcher Confeſſion er ſelbſt angehört; er iſt nicht katholiſch, denn er will von den Katholiken nichts wiſſen; er iſt nicht proteſtantiſch, doch eher dies als jenes. Die Jeſuiten haben ihm ſchon viel Elend gemacht, doch wußte er ſie ſtets los zu werden. Mit den proteſtantiſchen Miſſionären verſtändigt er ſich beſſer, doch ſcheint er jetzt auch mit dieſen gebrochen zu haben.

Im Jahre 1856 kam nämlich der Schweizer Miſſionär Martin Flad von Baſel mit einem Dutzend ſeiner Landsleute nach Abhſſinien. Theodor empfing ihn artig, befahl ihm aber, keine Dogmen zu pre⸗ digen, ſondern ſich mit der Moral im Allgemeinen zu begnügen. Er wollte Einheit des Glaubens in ſeinem Staate. Dieſer ſelbe Flad befindet ſich jetzt nnter den Gefangenen, welche der Negus jetzt ſchon ſeit fünf Jahren im Kerker hält, und zwar aus Gründen, deren hier erwähnt werden ſoll.

Der Negus hat ſo ſeine kleinen Schrullen. Er befiehlt z. B. den europäiſchen Miſſionären, ihm einen Mörſer, eine Haubitze zu gießen, und begreift es nicht, wenn dieſe ihm erklären, ſie verſtänden das nicht. Glücklicherweiſe befand ſich unter den Begleitern der Miſſionäre ein junger Pole, der einmal durch die Werkſtätte eines Mechanikus gelaufen war. Dieſer erbot ſich, als der Negus nicht nachließ, ihm einen Mörſer zu bauen.

In der That brachte er ein Ding der Art zurecht. Der Negus wurde zum Probiren des Mörſers eingeladen und kam. Der Mörſer ging auch richtig los, platzte aber und ſchleuderte die Stücken um ſich. Verdrießlich, aber ohne ein Wort zu ſagen, ging der Negus ſeines Weges.

Ein Europäer, mit welchem Theodor in einem intimen Freund⸗ ſchaftsverhältniß ſtand, war der engliſche Confular⸗Agent M. Plowden, der ihm aber zu ſeinem großen Schmerz durch den Lanzenſtich eines Räubers getödtet wurde. Indeß auch Plowden mußte einmal ſeinen Zorn fühlen. Der Negus behandelte ihn ſtets mit der peinlichſten Auszeichnung, eines Tages aber ließ er ihn auf achtundvierzig Stun⸗ den einſperren, weil der Engländer in übler Laune die Abhſſinier Eſel genannt hatte.

Dieſe Menſchen ſind keine Eſel, ſagte Theodor mit großem Ernſt zu ihm;ſie ſind Chriſten und freie Leute wie du!

Eines Tages ließ ein engliſcher Miſſionär, der ſich bereits einen Namen in der Welt gemacht hatte, bei Theodor um eine Audienz bitten. Es war der Reverend Stern, ein höherer Geiſtlicher, bekannt durch ein ausgezeichnetes Werk über ſeine Reiſe in Yemen und Abyſſinien.

Theodor empfing ihn ſehr kalt und ſagte:Ich bin Eurer Bibeln nachgerade überdrüſſig! Er gab ihm die Erlaubniß, nach Maſſahua zurückzukehren, Stern hatte aber die Unvorſichtigkeit, von derſelben nicht ſofort Gebrauch zu machen. Wie immer im Lande umher⸗ ziehend, begegnete Theodor ihm im Lande von Voggara im October 1863. Der Negus runzelte die Stirn.

Du haſt mich ſchwer beleidigt, indem du nicht die Erlaubniß benutzteſt, die ich dir gab! ſagte er zu dem Miſſionär.Da du ein Fremder biſt, ſo verzeihe ich dir; ſtrafbar aber ſind diejenigen ne Unterthanen, die dir rathen konnten; ſie ſollen alſo beſtraft werden.

Sofort ließ er den beiden vertrauten Dienern grauſame Baſtonnade geben, daß der der Andere mehrere Tage ſpäter ſtarb. Stern, ein ſchweigender Zeuge dieſer Grauſamkeit, biß ſich unwillkürlich auf den Daumen ſeiner geballten Hand. Dies gilt aber unglücklicher Weiſe bei den Abhſſiniern als ein Zeichen ohnmächtiger Wuth. Theodor ſah es, gab aber nicht weiter Acht darauf und ließ ihm, wie üblich, ſein Abendmahl von der königlichen Tafel ſenden. Seine Höflinge aber verlangten eine Beſtrafung dieſes verwegenen Engländers, der dem Könige zu drohen gewagt. Theodor gab end⸗ lich nach. Stern ward zurückgerufen, in brutalſter Weiſe auf den Bauch geworfen und bekam eine Prügelladung, die ihn zwang, lange das Bett zu hüten.

Infolge dieſes Vorfalles ward eine Nachforſchung in den Zelten aller Agenten der engliſchen Bibelgeſellſchaften gehalten. Man ent⸗ deckte eine Anzahl Briefe und Notizen in engliſcher und deutſcher Sprache, welche auf das Leben und die Perſon des Negus ſowie auf die letzten kriegeriſchen Ereigniſſe in Abyſſinien Bezug hatten. Theodor ließ ſich dieſelben überſetzen und gerieth in furchtbare Wuth über dieſe Tagebücher. Er befahl, drei der hervorragendſten Verräther zu verhaften. Der Soldaten zogen es vor, das ganze europäiſche Miſſionsperſonal von Djenda und Darna, darunter die bei⸗ den Gattinen von Flad uud Roſenthal, iu Ketten zu ſchließen.

Der Negus nahm die Erſtere namentlich ſtreng ins Verhör, und

Stern's eine ſo Eine in der folgenden Nacht,

Jahrhundert die hohe Pforte der Schwäche

ſnchte ſie einzuſchüchtern. Sie antwortete: es ſei Sitte der Franken,