Hunde abgeſehen, die in den Thorwegen und auf den Höfen ihrer Haus⸗Heimat ohne Maulkorb ſicher zu ſein vermeinen, und nun von dieſen jugendlichen Menſchenbeſtien— ſelbſt ein vorhergehendes raſches Maulkorbabreißen wird von ihnen mit gewandter, an Langfingerei gewöhnter Hand prakticirt— auf die Straße dem drohenden Feinde entgegen getrieben werden.
Eine perſönliche Abſtrafung nach abgekürztem Verfahren in Geſtalt von vollſtändig zu rechtfertigenden„Katzenköpfen“
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hat mir ſelbſt eine gewiſſe Befriedigung ſgewährt, noch mehr tritt aber dieſe zu mir durch die Erfahrung heran, daß die meiſten gemeinen Verbrecher, die im Zuchthauſe, auch wohl auf dem Schaffot endigten, eingeſtanden, wie ſie in ihrer Jugend ein unheimliches Vergnügen an Thierquälerei, nament⸗ lich aber an der von Hunden fanden, deren vertrauungsvoller Charakter eben dergleichen Schändlichkeiten erleichtert und be⸗ günſtigt.
Feuilleton.
Drei Bilder aus Mexicv.
Wir präſentiren unſern Leſern heute drei Bilder aus dem blutigen Schlußtableau des mexicaniſchen Dramas, nämlich die Kirche, in welche die Leiche des unglücklichen Maximilian geſchafft wurde, als er von ungeſchickt gerichteten Kugeln unter unſäglichen Schmerzen, aber mit dem Muthe eines Helden das Auge geſchloſſen; ferner den Rock und die Weſte des Dieners, in welchen der Kaiſer auf dem Richtplatz erſchien, da man ihm ſogar ſeine Kleider geraubt und er zu denen ſeines Lakaien greifen mußte.
Dieſe Bilder ſind nach Photographien gezeichnet worden, welche in Mexicv an Ort und Stelle ſofort am Todestage aufgenommen wurden. Als ein Exemplar dieſer Photographie nach Paris geſandt wurde, verlangte die Kaiſerin dieſelben zu ſehen. Die hohe Frau gab die Photographien an den Beſitzer zurück; dieſer ließ dieſelben durch einen Pariſer Photographen vervielfältigen. Kaum waren ſie ausgegeben, als auf Befehl der Regierung der Verkauf verboten und die Photo⸗ graphien vernichtet wurden. Dem Herausgeber unſers Blattes gelang es, einiger der erſten dieſer Photographien habhaft zu werden, und hiernach ſind unſere Zeichnungen gefertigt.
Daß dieſe Bilder authentiſch, unterliegt wohl um ſo weniger irgend welchem Zweifel, als auch eine der Perſonen von Maximilians umgebung, welche ſoeben nach Wien zurückgekehrt, Bilder von der Richtſtätte mitgebracht, welche der Beſchreibung nach den unſerigen ganz ähnlich ſind.
Die in dem einen Bilde dargeſtellte Kirche bietet uns wenig Stoff, deſto mehr die beiden andern Bildern. Der Rock des Kaiſers zeigt drei Kugeln, welche ihn in die Bruſt trafen und zum Rücken wieder herausdrangen. Eine andere Kugel zerriß den Aermel, ohne den Arm zu treffen. In die Weſte ſieht man die Spuren der drei Kugeln, welche den Kaiſer ein wenig links in der Gegend des Magens getroffen; ebenſo ſieht man die Spur der Kugel, welche ihn rechts in der Bruſt traf, ohne ihn zu tödten. Ferner findet man die Spur der vorletzten Kugel, welche unter der rechten Bruſt traf und deren Feuer ſogar den Stoff verſengt hat.
Den wehmüthigſten Eindruck macht das Knopfloch, das der Kaiſer im Todeskampf zerriß. Ebenſo auf der rechten Seite der Bruſt die Spur der letzten Kugel, welche ſeinen Leiden ein Ende machte.
Zum beſſern Verſtändniß ſei hier eine Stelle des Briefes ange⸗ geführt, mit welchem dieſe natürlich in Mexico ganz insgeheim an⸗ gefertigten Photographien begleitet waren:
„Der Kaiſer erhielt fünf Kugeln, vier in den Mayen, eine in die Bruſt. Er ſank zu Boden und bat durch ein Zeichen, ſeinen Schmerze v Ende zu machen Zwei Soldaten traten jetzt dicht an ihn heran und ſchoſſen. Beide Schüſſe umſonſt. Man ließ noch einen dritten Soldaten ſchießen; ſeine Kugel drang in die rechte Seite und ſetzte das Tuch in Brand.
In ſeinem Schmerz riß der Kaiſer mit der rechten Hand den vierten Knopf der Weſte ab.
Sein Diener ſchüttete ihm Waſſer auf die Bruſt, um das Feuer zu löſchen.
Endlich durchdrang ein Schuß des Corporals des Pelotons das Herz des unglücklichen Kaiſers und machte ſeinen Leiden ein Ende.“
N. Der Urenkel Salomo's und der Königin von Saba.
Die Zeitungen haben uns ſo viel von dem Negus von Abyhſſinien, dem König Theodor IHI. dieſes heißen Landes am blauen Nil, erzählt, daß es der Mühe lohnt, uns dieſen gekrönten Wilden, der ſich trotz⸗ dem für den frommſten Chriſten hält, bei Lichte zu beſehen.
Wir wiſſen ſo wenig von Abyſſinien; ebenſo wenig aber haben r uns m ſeine erlauchte Königsfamilie gekümmert. War die nde Königin von Saba, die dem weiſen Salomo den Hof machte, ch eine Königin von Abhſſinien! König Theodor ſagt es, ja er ch mehr von ſeinem erhabenen Fürſtenſtamm, gegen den alle von Gottes Gnaden in Europa nur gewöhnliche Empor⸗ e ſind. König Theodor behauptet ſogar, er ſtamme in inie von dem Könige Salomo und der Königin Saba ab, ndem Sohne Beider, von Menilek, und Niemandes Quellen
ſind ſo untrüglich, daß man im Stande wäre, auf Grund derſelben ſeine Behauptung zu widerlegen.
Wohl hat der Stammbaum dieſer Königsfamilie, was den Thron betrifft, einzelne Unterbrechungen erlitten, bei welchen Gelegenheiten eine Lücke in der Reihe ſeiner gekrönten Ahnen erſcheint, indeß iſt die ganze Tradition eine ächt altteſtamentariſche, wie dies auch die Schick⸗ ſale von Theodor's Aeltern beweiſen.
Die Mutter des Negus nämlich war eine Bettlerin. Er iſt der Sohn eines Bettlers! ſagen ſeine Feinde, deren er viele in ſeinem eigenen Lande hat, denn aus einer Revolution hervorgegangen, hält er die Revolutionäre nur durch Terrorismus in Schach und liegt in ewigem Krieg mit ihnen, und ſeine ganze Regierung iſt eine Kette von Kämpfen, wie ſie denn auf der andern Seite auch der Beiſpiele,
von Großherzigkeit, gepaart mit einer ächt afrikaniſchen Grauſamkeit
genug darbietet.
Es würde mich hier zu weit führen, wollte ich die ganze Geſchichte der abyſſiniſchen Revolutionen erzählen. Ein Blick auf das Land, ſeine geographiſche Lage und ſeine Regierung wird für meinen Zweck genügen.
Der Nord⸗Oſten Afrika's beſteht bekanntlich aus einer ungeheuern unfruchtbaren Niederung, die von iſolirten Bergen und Hügeln unter⸗ brochen wird und nur da eine Vegetation geſtattet, wo der Nil ſie bewäſſert.
An der ſüdlichen Grenze dieſer troſtloſen Region erhebt ſich ein
dreieckiges Plateau mit der geſundeſten Atmoſphäre und von einer Fruchtbarkeit, die wahrhaft überraſchend. Es iſt die ſogenanute Dega, das abyſſiniſche Plateau, durchfurcht von zahlloſen Flüſſen und Bächen. Zu den Füßen der Dega und längſt derſelben erſtrecken ſich die undurchdringlichen Wälder der Kolla, einer Niederung, die ſo unge⸗ ſund, daß der Menſch ſie gern den Löwen, Elephanten und Nil⸗ pferden überläßt, und welche um Abhſſinien einen natürlichen, aber ebenſo wie ſeine Defilés der Berge gefürchteten Gürtel bilden.
Das auf dieſem Plateau lebende Volk zählt etwa vier bis fünf Millionen Seelen, ſeit undenklichen Zeiten einer erblichen Monarchie unterworfen, welche klug genug geweſen und noch iſt, ihren Urſprung an die religiöſen Ueberlieferungen des Volkes zu knüpfen. Wie ſchon erwähnt, war nach Meinung der abhſſiniſchen Gelehrten Menilek, der Sohn Salomo's und der Königin von Saba, der erſte König Abhſſiniens. Indeß iſt die Geſchichte ſehr ſagenhaft, da man ihm eine Regierung von vierhundert Jahren zuſchreibt.
Wie dem ſei, die abyſſiniſche Monarchie datirt ein Jahrhundert vor unſerer Zeitrechnung. Die friedlichen Beziehungen mit den Griechen Alexandriens verſchafften den Abyſſiniern eine gewiſſe Civili⸗ ſation und zugleich eine politiſche Bedeutung, und die abyſſiniſchen Könige dehnten durch Eroberung ihr Reich über Nubien und Arabien bis in das Goldland aus. Im vierten Jahrhundert unſerer Zeitrechnung ſchon nahm Abyſſinien das Chriſtenthum an, und verlor es auch ſeine eroberten Beſitzungen wieder, ſo erhielt es ſich im Innern Afrika's doch ſtets als die einzige politiſche Monarchie.
Der König von Abyſſinien trägt den Titel Negus nagast za Aitiopya(König der Könige Aethiopiens) auf Grund der vierund⸗ vierzig Provinzen, welche officiell den Namen der Königreiche tragen. Seine Macht iſt keineswegs abſolut, vielmehr durch den Fetha nagast (das kaiſerliche Geſetzbuch) beſchränkt, an welchem er nichts ändern darf und in welchem den großen Vaſallen des Reiches gewiſſe Vor⸗ rechte geſichert ſind. Abhſſinien hat ſeine Vicekönige, Herzöge und Grafen, ſeine Feudalität, welche an die Zeit Europas während der Kreuzzüge erinnert.
In den Geſetzen Abyſſiniens befindet ſich Manches, das Aner⸗ kennung verdient. So z. B. exiſtirt in politiſchen Angelegenheiten die Todesſtrafe nicht. Die Rebellen hohen Ranges werden nur an ihrem Eigenthum geſtraft und eingeſperrt. Räubern und Dieben wird die rechte Hand und der linke Fuß abgehauen, nämlich die Hand, welche das Schwert führt, und der Fuß, mit welchem man den Bügel beſteigt. Nur auf Einem Verbrechen haftet der Tod; auf dem Ver⸗ kauf eines Chriſten als Sklaven.
Unglaublich iſt, was Lejean, der frühere franzöſiſche Viceconſul in Maſſahua, von der Intelligenz der Abhſſinier erzählt: Nähme man, ſagt er, hundert junge Leute aller Klaſſen aus Abhſſinien und hun⸗ dert ſolche aus Frankreich, um ſich zu überzeugen, in welchem Lande
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