Jahrgang 
1868
Einzelbild herunterladen

ſeiner einen

Bilde rthei⸗

4

noch Thier in der Stadt der Intelligenz zu Schulden kom⸗ men laſſen ſollte allen Menſchen entgegentretender Neu⸗ fundländer, dem ich aus Rückſicht auf die ihm nöthige, aber im engen Zimmerbereich unmöglich werdende Bewegung gern einen Solv⸗Spaziergang geſtattete, kehrte ſo oft geplündert zurück, daß ich in dem Zeitraum von ſieben Wochen, an zwei ihm geraubten neuſilbernen Halsbändern, den etwas koloſſa

len Maulkörben mit darauf gelötheter Marke, ſowie durch

das dreimalige Auslöſen aus der Scharfrichterei, wohin mein

auf dieſe diebiſche Weiſe ſeinerLegitimation beraubter Freund abgeführt worden, einen Verluſt von zwölf Thalern

erlitt, und aus dieſem Grunde die Geſellſchaft meines treuen Begleiters aufgeben mußte, der, was mir den Trennungs⸗

ſchmerz einigermaßen gemildert, ſeitdem ein freundlich⸗länd⸗

gefunden. Aus dieſem ſpeciell formulirten Beiſpiele ergibt ſich, daß das Gebot des Maulkorbtragens nur ausſchließlich für notoriſch

als biſſig bekannte Hunde gelten ſollte, während und mein Neufundländer Jak iſt Zeuge für die gutmüthigen Hunde der Maulkorb ein Ueberfluß iſt, was gewiſſe ſpeculative Berliner ſehr gut wiſſen und mit freilich unlöblicher Zuvor⸗ kommenheit einestheils den Hund von dieſer Laſt zu befreien verſtehen, andererſeits ihn aber in den ſchlechten Ruf urſprüng⸗ lich ungeſetzlicher Maulkorbloſigkeit und in den Kerker, bis⸗ weilen in den Tod bringen. Wir haben uns dem Studium hundeſtatiſtiſcher Tabellen auf mehrere Jahrzehnte zurück unter⸗ zogen, und das Reſultat feſtgeſtellt, daß, als die Hunde noch mitperſönlicher Freiheit ausgeſtattet waren, es entſchieden weniger tolle, wie jetzt, gab, wonach wir behaupten, daß jede Beſchränkung vernünftiger Freiheit nicht nur Menſchen, ſondern auch Hunde verrückt machen und zu bedrohlichen Extravaganzen verleiten kann.

Dies der ernſte Hintergrund unſeres Bildes, das aber auch einer gewiſſen heitern Laſur nicht entbehrt, zumal wenn wir vorausſetzen, daß die Herren der vier Gefangenen ihre treuen Hausgenoſſen ſobald wie möglich aus der Hundekerker⸗ nacht in der Waldemarſtraße der Gewohnheit des freundlichen Daſeins wieder entgegenführen werden. Das, dem Anſchein nachzum Schlächter von ihrer Herrſchaft geſandte Dienſt⸗ mädchen bemüht ſich, dem Vollſtrecker des Geſetzes in der ein⸗ dringlichſten Weiſe klar zu machen, daß der, dankbar für ſeine

109 ſes iſt eigentlich eine Dummheit, die ſich weder Menſch

Vertheidigung zur Vertheidigerin aufblickende vierbeinige Jäger auf Vogelwild ſie nur aus Freundſchaftein Stückchen Weges begleitet habe und deshalb doch nichtein ſo großes Auf⸗ heben darüber zu machen ſei. Das Mädchen wäre hübſch genug, ein Mannesherz zu weicheren Gefühlen zu ſtimmen, nur nicht das eines Hundefängers, für welches der Silberklang eines Auslöſungsthalers empfänglicher als das ſüßflehende Lispeln von den Lippen einesMädchens für Alles. Wir glauben zu hören, daß der, die Schulgelehrſamkeit unterm Arm tragende Knabe ſeiner durch die geballte Fauſt documen⸗ tirtenſittlichen Entrüſtung über dieſe Herzloſigkeit Ausdrücke leiht, die den braven Burſchen, wenn er nur älter wäre, mit dem Geſetze überBeamtenbeleidigung in Conflict bringen dürfte, wie ſeinen minderjährigen Genoſſen, der ſich nicht mehr

auf Verbalinjurien beſchränkt, ſondern ſich realiter an des liches Aſyl bei einem wackern thierfreundlichen Pfarrherrn

Gerechtigkeitvollſtreckers⸗Gehülfen rechtem Rockſchoß vergreift. Wir können in einigermaßen gerechtfertigter Schadenfreude den Wunſch nicht unterdrücken, daß das Mädchen den Fänger nur noch ein paar Minuten beſchäftige, um dem RockAttentäter

Zeit zu n ein Meſſer zu ziehen und fürchte nicht, lieber Seſr⸗ vtiaem M nufhetze jenen Strick mit muthiger Han o vchf

wackere Vorſtehhund tiefgebeugt don ſeinem Verhängnß va hinwankt, um jauchzend aufbellen zu können:Laßt mich der neuen Freiheit genießen! Ich argwöhne mit innerm Zu⸗ friedenheitskitzel, daß der bärtige Droſchkenkutſcher vom nahen

Bock herab ſolch guten Rath der freiheitsliebenden kleinen

Schaar ertheilt. Vom Rath bis zur That iſt's freilich in der Regel weit hin, und wir befürchten, daß auch hier die Razzia ſich auf das übliche Maulheldenthum Beſchränken dürfte. Aber auch der gute Wille iſt anzuerkennen. Die Hauptgruppe dieſes Straßenbildes ſteht zu weit im Vordergrunde, als daß wir nicht jene Galgenvögel vermiſſen ſollten, die, wie die Raben dem Kampfe folgen, in Berlin dem Kampfe gegen unſere treuen Hunde vorauseilen und ein Vergnügen am Unglück der wackern Vierfüßler finden. Es ſind dies jene halberwachſenen Jungen, die in den Rin ſteinen nach Schätzen ſtöbern, in den Häuſern paſſende Gele heit für profeſſionirte Diebe und Einbrecher auskundſck und andere derartigekleine Scherze zu treiben pflegeare die außerdem in müßigen Stunden, und noch dazu ſien und unaufgefordert von den Hundefängern, die Pie bei⸗ Schlinge entgegen treiben.

Namentlich haben ſie ei. ör, und

Franken,

F