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Athem mir vergönnt ſei, ſie zu lieben über das Grab hinaus, ſie zu lieben bis in alle Ewigkeit.
„Das war der erſte Abend nach unſerm feierlichen Ver⸗ löbniß, und an dieſen Abend ſchloſſen ſich Tage und Wochen an, die jenem an irdiſcher Glückſeligkeit nicht nachſtanden; im Gegentheil, in demſelben Grade, in welchem das gegenſeitige Vertrauen wuchs, gewann das neue Verhältniß an Innigkeit, vermochten wir tiefer und klarer Einer in des Andern Herz zu blicken, wo wir nichts entdeckten als lautere, reine Liebe. Fürchteten wir doch zuweilen, unſer Glück ſei zu groß, um Beſtand haben zu können. In ſolchen Augenblicken lagerte es ſich wohl wie eine traurige Ahnung auf unſere Gemüther, allein flüchtig, wie die zerriſſenen Wolken vor dem abwärts fliehenden Gewitterſturm, verſchwanden dieſelben wieder, und es blieb uns der klare, ſonnige Himmel unausſprechlichen Ent⸗ zückens, der uns endlos, unbegrenzt erſchien, wie der Himmel, der ſich über der Prairie wölbt.
„Einen ſchärferen Ausdruck, jedoch ohne beſtimmtere Formen anzunehmen, erhielten die uns damals kindiſch er⸗ ſcheinenden Befürchtungen beim Beginn des Sommers. Wie gewöhnlich, wenn Margareth uns beſucht hatte, begleitete ich ſie eines Abends nach Hallers Farm zurück, und wie gewöhn⸗ lich ließen wir auch an dieſem Abend unſere Pferde nur langſam einherſchreiten. Wie in unſeren Herzen und der zwiſchen uns gepflogenen Unterhaltung, ruhte auch auf der in nächtliches Dunkel gehüllten Landſchaft ein unendlich ſüßer Frieden. Die Sterne blickten freundlich auf uns nieder, als hätten ſie ſich in unſer Geſpräch miſchen wollen; regungslos ſtanden die hohen Baumgruppen da, daß ſie ſich ausnahmen wie ebenſo
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viele Hügel und ſchroffe Bergabhänge. Ich hatte noch nie einen Berg geſehen, ausgenommen Grabhügel, die vielleicht vor Hunderten von Jahren indianiſchen Häuptlingen errichtet wurden; allein Margareth ſagte, daß ſie durch die über den fernen Wieſenflächen auftauchenden Waldmauern lebhaft an einzelne Hügelketten bei Santa⸗Fe erinnert würde. Durch die Erinnerung an ihre Geburtsſtadt waren offenbar Betrach⸗ tungen über ihre Vergangenheit wach gerufen worden, denn ſie wurde plötzlich ſtill. Ich hatte bereits gelernt, daß im ſtillem Nachdenken oft ein hoher Genuß liegt, und vermied daher, den Ideengang Margareth's zu unterbrechen. Wußte ich doch zu genau, daß nach ihrem Erwachen aus einem der⸗ artigen Sinnen ſie ſich jedesmal mit um ſo größerer Zärtlich⸗ keit mir zuneigte, als ob bei einem Vergleich früherer Ab⸗ ſchnitte ihres Lebens mit der Jetztzeit ſie ſo recht von inniger Zufriedenheit durchdrungen geweſen wäre. Die Pferde ſchritten in ihrer gewohnten Weiſe einher. Das Ohr hatte ſich ſo ſehr an den regelmäßigen, durch das im Wege wuchernde Gras gedämpften Hufſchlag gewöhnt, daß er für uns nicht mehr die herrſchende Stille unterbrach. Die Natur ſchien in einen tiefen Schlaf verſunken zu ſein; ſelbſt die Thiere des Waldes waren an dieſem Abende ſäumiger, als ſie ſonſt zu ſein pflegten. Nur einen Prairiehahn hörte man hin und wieder gluckſen, wogegen die Leuchtkäfer ein wahres Feſt feierten und in ſo großer Zahl vor dem ſchwarzen Buſchwerk vorüber⸗ ſchoſſen, als ſeien in verborgenen Waldwinkeln Feuer geſchürt, die Funken derſelben aber von einem kräftigen Windſtoße nach allen Richtungen hin zerſtreut worden. (Fortſetzung folgt.)
Meine letzten Begegnungen mit Luigi Alonzo Chiavone.
(Aus dem noch nicht veröffentlichten Zweiten Theile der„Erinnerungen eines ehemaligen Briganten⸗Chefs“ von L. R. Zimmermann.)
Chiavone's Ende.
Chiavone ſtand am 26. Juni mit 140 Mann etwa ſechs Stunden von uns auf dem Pozzo d'Ortica, einem mächtigen Waldberge der Montagne di Sora. Es mußte ihn beunruhigen, daß Teti ſeit zwei Tagen nichts von ſich hören ließ, und ſo brach er denn am 27. nach der Costa del fago auf, um ſich mit Teti zu vereinigen und, wenn möglich, in der nächſten Nacht einen Handſtreich gegen unſer Lager zu machen. Er ließ die Truppe unter dem tenente Capucci in einem Walde oberhalb der Costa zurück und ging mit ſeinen„Guiden“ (21 Mann) auf scoperta aus.
Zu ſeiner Verwunderung fand er das Bivouak Teti's in der Costa leer und drang vorſichtig in die untere Valle dell inferno ein. Da er Niemanden begegnete und im Walde Alles ſtille blieb(unſere Truppe hielt gerade Sieſta), kam er den verhängnißvollen Gedanken, ſein Marſchſignal zu geben.
Ich war ſeit geſtern Reconvalescent und plauderte gerade recht vergnüglich am Feuer des Hauptquartieres mit Triſtany, als ſo, wie vor einem Monate, aus der Tiefe des Thales kurz hintereinander zwei und endlich ein dritter Schuß her⸗ aufdonnerten.
„Chiavone!“ rief ich und ſchnellte auf. Alles unter den Waffen.
„Chiavone iſt im Thale“, ſagte ich zu Triſtany;„er hat Teti begreiflicher Weiſe in der Costa nicht gefunden und ſucht ihn jetzt. Wir werden ſein Signal nicht beantworten.“
Ich wandte mich nun zu meinen Offizieren:„Moliné, mit dreißig Mann direct ins Thal hinuntèer; Manuel, mit zwanzig Mann halbrechts gegen die Costa. Trifft Einer auf eine große Truppe, ſo kehrt er geräuſchlos um und verſtän⸗ digt den Anderen durch einen dreimaligen Geierſchrei. Kleinere Truppen werden gefangen oder niedergemacht. Adio! Viel Glück!“
Zwei Minuten ſpäter glitten die beiden Catalonier mit
Im Nu ſtand
ihren Abtheilungen geräuſchlos in den Wald, während ich die noch übrigen paar Mann nebſt der„Nobelgarde“ am Rande der Waldblöße in Hinterhalt legte. Triſtany, die anderen Spanier und ich aber blieben im„Hauptquartiere;“ wir hatten nämlich unſere beſondere Menage und— noch nicht geſpeiſt. Der alte Kapitän Alvarez aber hatte uns heute ein cataloniſches Leibgericht zugedacht: Kalbsfüße, gebacken in Hel und— t donce!— Knoblauch; und das wollten wir um Chiavone's willen doch nicht verderben laſſen.
Es verſtrich eine halbe Stunde; die Kalbsfüße waren wunderbar gerathen, aber in der Valle blieb Alles ſtill. End⸗ lich gellten aus der Tiefe des Thales drei Geierrufe empor. Molins ſignaliſirte alſo zum Rückzuge. Was mochte er ge⸗ funden haben?
Mit ziemlich unheimlichen Gefühlen und prächtigem Appetit verzehrten wir einen Kalbsfuß nach dem anderen;— da ſtürzte plötzlich ein Sergeant herein und ſtotterte unter allen Zeichen des Entſetzens:„Chia... Chiavone! Chiavone!“ Weg flogen die Kalbsfüße; wir faßten Revolver und Büchſen und ſtürmten vor die Hütte. Wahrhaftig! Da kam Chiavone aus dem Gebüſche hervor, und hinter ihm ſeine Bewaffneten. Triſtany blickte mich an, und ich verſtand ihn. Er dachte in dieſem Augenblicke, ſo wie ich: Chiavore ſei der Aufmerkſam⸗ keit unſerer Detachements entgangen und ſtehe nun hier mit ſeiner ganzen Truppe.
Aber es verhielt ſich ganz anders.
Chiavone kam todtenblaß und unterwürfig grüßend näher, hinter ihm unter Zeichen der Unruhe ſeine Guiden und unmittelbar hinter dieſen— Moline mit ſeinen dreißig Mann. Gleich darauf kam auch Manuel von rechts her aus dem Walde und ſeine Abtheilung bildete mit der Molinc's einen Kreis um die Chiavoniſten.
Das Alles war ſo gekommen. Chiavone, erſtaunt, keine Antwort auf ſein Signal zu hören, hatte eine Weile unſchlüſſig in der Thalſohle gewartet und wollte endlich, von der abſo⸗ luten Stille der Gegend beängſtigt, ſachte zur Costa del fago


