Jahrgang 
1868
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gefeiert wurde, herum, tanzte mit den Schönen vom Lande und nahm die ſchönſten Erinnerungen an dieſen herrlichen Tag mit.

Dem Poſthalter in Hornberg theilte ich eines Morgens mit, als er ſich erkundigte, ob ich wohl geruht habe:Ja, leider! Er ſah mich mit großen Augen an.Ihre Betten ſind ſo gut, daß es ſchade für jede Minute iſt, die man darin verſchläft!

Jaſo! ſagte er, und ſein Geſicht heiterte ſich auf. Das hätten, meinte er,ſchon ſehr viele Herren geſagt, daß von Frankfurt bis Konſtanz keine beſſern Betten zu fin⸗ den ſeien; das ſei ſein Stolz!

Von Hornberg nahm ich meinen Weg durch das obere Gutachtſal nach Triberg. Sobald man ſich dieſem Städtchen nähert und das romantiſch ſchöne Thal, durch welches gerade die ſchwierige Bahnlinie abgeſteckt wurde, hinter ſich hat, ſieht man wieder eine ganz von der vorigen verſchiedene Landestracht. Die Mädchen und Frauen haben hohe Stroh⸗ hüte, ganz von der Form unſerer Herrenchlinder, und dieſe ſind meiſtens angeſtrichen in den verſchiedenen Abſtufungen vom Chromgelb bis Mennigroth; ſie fallen nicht nur wegen die⸗ ſer Hüte und der eigenthümlichen Mieder und hohen Taillen, ſondern hauptſächlich dadurch auf, daß ſie gehend, ſtehend und ſitzend fortwährend Stroh flechten. Daraus konnte man mit Sicherheit den Haupterwerbszweig der Bevölkerung er⸗ rathen. Triberg iſt eine ſehr rührige Fabrikſtadt, deren Wohlſtand von Jahr zu Jahr zunimmt, nachdem ſie durch viele große Feuersbrünſte von jeher ſtark heimgeſucht war.

Der großartige Waſſerfall bei Triberg iſt höchſt beach⸗ tenswerth. Er ſtürzt ſich terraſſenförmig über rieſige Fels⸗ maſſen herab und wird mit Recht in den verſchiedenen Reiſe⸗ handbüchern als einer der ſchönſten Waſſerfälle in Deutſch⸗ land bezeichnet.

Von Triberg ging es St.⸗Georgen zu; der Weg iſt ſteil und die Gegend wird immer öder, bis die Waſſerſcheide erreicht iſt; dann ſenkt ſich der Weg wieder ganz allmählich, bis man St.⸗Georgen erreicht. Hier war noch ganz das Bild der Verwüſtung von dem letzten großen Brande von 1865 zu ſehen.

Ein Theil der Häuſer war wieder aufgebaut, andere lagen noch theils im Schutte; am meiſten Rührigkeit herrſchte

um die Kirche, welche in größerm Maßſtabe wieder neu auf⸗

gebaut werden ſoll; hier waren erſt die Grundmauern errich⸗ tet. Der noch verſchont gebliebene Theil trägt ganz das Gepräge der Schwarzwaldbauten, aber der neuerbaute wird ſich, wenn er fertig geworden ſein wird, durch fürchterliche Langeweile auszeichnen.

Auch hier iſt wieder eine von den übrigen ganz ver⸗ ſchiedene Nationaltracht, und zwar ebenfalls reich und ſchön.

Die Verſchiedenheit der Trachten zeigt ſich in der Regel mehr bei dem weiblichen als bei dem männlichen Geſchlechte.

Die Mädchen tragen enganliegende ſchwarze Käppchen bis in die Stirne herein, mit reichen Bändern, die über die Schultern herabfallen; das Mieder iſt meiſtens roth, mit brei⸗ ten ſchwarzen, oder noch häufiger goldenen Streifen auf dem Rücken. Das Jäckchen iſt ſo kurz, daß zwiſchen demſelben und dem Rocke das rothe Mieder ſichtbar bleibt. Die Hemd⸗ ärmel ſind ſtark gebauſcht und bedecken nur den obern Theil der Arme; der Rock iſt reich gefältelt.

Von hier aus ſchickte ich dem armen Kirner, dem be⸗ rühmten Schwarzwaldmaler, der in ſeine Heimat Furtwan⸗ gen gereiſt war, um dort ſein ſicheres Ende im Kreiſe ſeiner Angehörigen zu erwarten, eine Karte mit den herzlichſten Grüßen: es war wol der letzte Gruß, der ihm von einem Münchner Freunde zukam, denn bald darauf wurde der Tod des biedern Mannes gemeldet, der Alle, die ihn kannten, mit tiefer Trauer erfüllte.

Die nächſte Station war Villingen, eine uralte Stadt, die ſchon im 9. Jahrhundert erwähnt wird, und im Laufe der Jahrhunderte verſchiedenen Reichen angehörte; bis 1802 ſtand ſie unter öſterreichiſcher Herrſchaft, kam dann an Modena, 1805 an Würtemberg und gehört ſeit 1806 zu

ſehr leicht.

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Baden. Die Stadt trägt noch das alterthümliche Gepräge, und viele intereſſante Bauten erzählen von einer längſt ver⸗ gangenen Zeit, ſo die St. Johanneskirche, der Michaelisthurm, das Rathhaus u. ſ. w.

Nahe bei Villingen erreicht man die würtembergiſche Grenze und gelangt nach kurzer Zeit in das höchſt intereſſante Dorf Schwenningen. Dieſes iſt ſehr reich bevölkert, zählt 4000 Einwohner; hier entſpringt der Neckar bei der Saline.

Auf dieſes Dorf freute ich mich ſchon lange, weil mir die ſchöne Bauart der Bauernhäuſer, ſowie die feine, ge⸗ ſchmackvolle Tracht der Bewohner ſehr gerühmt worden.

Erſteres fand ich nur mäßig, da ich ſchon maleriſchere Dörfer im Schwarzwalde getroffen hatte, letzteres aber im hohen Grade gerechtfertigt.

Ich kehrte in der Poſt ein und machte gegen Abend eine kleine Bummeltour durch das lange Dorf.

In einem Wirthshaus ſah ich von dem Hof aus durch ein kleines Fenſter in ein Zimmer und beobachtete hier eine allerliebſte Scene!

Ein junger Mann mit krauſem Haar, der offenbar eine große Fußtour gemacht hatte, und den die Attribute, die auf dem Boden herumlagen, ſofort als einen von der löb⸗ lichen Malerzunft verriethen, war an dem Tiſche nach ge⸗ nommener Mahlzeit eingeſchlafen; es war ein netter Burſche. Das Wirthstöchterchen ſchien es auch zu finden. Sie hatte eben einen Teller mit dem leeren Glaſe vom Tiſche weg⸗ genommen, als ſie unterwegs ſtehen blieb und ſich mit un⸗ endlichem Behagen an dem Anblick des ſchönen jungen Man⸗ nes labte. So konnte ſie ja, ohne die Schicklichkeit zu ver⸗ letzen, ihren Gefühlen freien Lauf laſſen. Sie ſah ihn lange, lange an; und ich ſie!

Sie war ein ſchön gewachſenes Mädchen, bei der die herrliche einfache Tracht ſo recht zur Geltung kam.

Der freundliche Leſer wird gewiß die eben geſchilderte Scene in dem beigefügten Bilde wieder erkennen.

Ueber die Form der Tracht brauche ich daher kaum mehr etwas zu ſagen; leider kann aber in einem Holzſchnitte die Farbe nicht beigegeben werden, und dieſe macht bei obiger

Tracht auch einen Hauptbeſtandtheil aus. Häubchen, Mieder,

Rock und Schurz ſind ſchwarz, von verſchiedenen matten und glänzenden Stoffen; der Bruſtfleck iſt hochroth, ebenſo die Strümpfe; die Schuhe ſind ſo weit ausgeſchnitten, daß ſie wenigſt möglich von den ſchönen rothen Strümpfen(ihrem Stolz) verdecken; dazu das weiße Kollerchen mit den feinen Spitzen und die blendend weißen Hemdärmel, die die ge⸗ ſunden wohlgeformten Arme nur zum Theil verdecken; das Alles macht einen geradezu bezaubernden Eindruck.

Ich ſchlich mich wieder leiſe weg, um keine Störung zu machen, und ſchlenderte, da es begann dunkel zu werden, wieder nach Hauſer

Am nächſten Morgen wollte ich meinen jungen Collegen aufſuchen, aber er war ſchon mit dem früheſten abgereiſt, der Gegend zu, die ich verlaſſen hatte.

Ich wollte nun auch hier, wie an andern Orten, die Tracht mir käuflich erwerben und mit nach Hauſe nehmen, damit ich, auch vom Orte entfernt, die detaillirteſten Studien nach der Natur machen könne; aber das ging auch hier nicht Den reichen Bauersleuten verbietet der Stolz, etwas von ihrer Habe zu verkaufen, und die armen haben nichts, als was ſie an dem Körper tragen; dies iſt die ewige Klippe!.. Nach manchen mislungenen Verſuchen gerieth ich zu⸗ nächſt der Kirche in ein Haus, wo meine Wünſche verſtanden und gefördert wurden. Zwei junge bildhübſche Mädchen waren die Opfer, die einen Theil ihrer Habe für ſchnöden Mammon auf den Altar der Kunſt legen ſollten. Es waren muntere Geſchöpfe; ſie konnten nicht begreifen, daß ich nicht die neueſten, ſondern ſchon getragene Kleider vorziehe. Meine Gründe konnten ſie nicht überzeugen. B

Sie zogen nun ihre feinſten Kleider an, worin ich ſie abzeichnete. Die Mädchen treiben darin wirklichen Lurus

zu nicht ſehr großer Freude der Aeltern, die freilich, als man

ihnet daſſ jun

ſidel ließ