Jahrgang 
1868
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Teti, ſagte ich;Ihr ſolltet nun auch die Folgen Euerer Handlungen zu tragen wiſſen.

Er heulte und jammerte noch eine geraume Zeit, dann erhob er ſich zitternd und wankte zu Deſiate hin, der mich gerade kaltblütig fragte: ob er ſeine Pfeife anzünden dürfe.

Gewiß dürft Ihr das, entgegnete ich und winkte einem Manne, ihm bhülflich zu ſein;man wird überhaupt, ſoweit dies möglich, Euren Bedürfniſſen entſprechen.

Danke, Signor maggiore, ſagte er gemächlich rau⸗ chend; dann wandte er ſich ſpöttiſch lächelnd zu Teti und ſprach:Schäme dich, Teti! Du benimmſt dich wahrhaftig wie eine alte H...! Ich glaube du ſtirbſt noch vor Angſt, bevor man dich todtſchießt. Apropos, Herr Major, was haben wir denn eigentlich zu erwarten?

Gerechtigkeit, entgegnete ich, ihm ernſt ins Auge blickend.

Gerechtigkeit? Fm, hm! Alſo Gerechtigkeit ohne Gnade?

Ohne Gnade.

Ueber ſein Geſicht flog ein Schatten des Schreckens; aber ſogleich folgte ihm ein trotziges Lächeln und ein Blick, aus dem ich deutlich leſen konnte, was ich zu erwarten hätte, wenn unſere Verhältniſſe ſich jetzt plötzlich umkehrten.

Uebrigens muß ich geſtehen, daß mir die muthige Hal⸗ tung des Mannes gefiel, ob er gleich ein Erzſchurke war.

Teti war vollſtändig gebrochen; mit ſtierem Blicke, blaſſer, hängender Lippe kauerte er am Boden und ſchien weder zu hören noch zu ſehen, was um ihn vorging.

Mittlerweile war unweit desHauptquartiers eine Laubhütte errichtet worden, wohin ich die beiden Gefangenen bringen ließ. Die Mannſchaft Teti's bivouakirte wohlbewacht in der Mitte der Waldblöße.

Den Kapitän Carrucci ernannte ich zum ſogenannten Giudice del(Königsrichter), wie das in der neapolita⸗ niſchen Armee Gebrauch geweſen, wenn kein Auditeur zur Hand war.

Die Angeklagten geſtanden mehrfache Raubthaten, reſp. Plünderungen, leugneten aber, irgendwelche verrätheriſche Abſicht gegen uns gehabt zu haben.

Am folgenden Morgen fing man in der Costa del fago jenen tenente Luciani, welcher mich vor einem Monate ſo perfid in den Hinterhalt Chiavone's gelockt hatte. Er wurde ſogleich in die über Teti und Deſiate verhängte Prozedur einbezogen, und ſeine unvorbereiteten Ausſagen bereiteten den beiden Genoſſen ſchwere Verlegenheiten.

Nach Mittag rückte Fazio mit ſeinen ſechs Mann aus der Coſta ein und brachte einen rothhaarigen Bauer mit, der mir aus dem Vorjahre als Kurier Chiavone's be⸗ kannt war.

Signor maggiore, ſagte ſchmunzelnd der Sicilianer, indem er mir zwei Briefe übergab; ich glaube, jetzt haben wir Alles, was wir brauchen, und ich bin darum gleich eingerückt.

Die beiden Briefe, welche Fazio bei dem Bauer gefun⸗ den, waren von Chiavone an Teti und ganz geeignet, auch den letzten Reſt von Zweifel gegen die verrätheriſchen Ab⸗ ſichten der Genannten zu vernichten. Chiavone gab darin ſeinemCarissimo capitano Teti den klaren Auftrag, uns durch Freundlichkeit ſicher zu machen, unſere Mannſchaft für ſich zu gewinnen, ohne ſich durchſchauen zu laſſen(Sen?a dare lume agli occhi) und ſtellte zugleich ſeine Ankunft in nahe Ausſicht.

Zwiſchen den beiden Briefen mußte eine Meldung Te⸗ ti's eingetroffen ſein, auf welche ſich Chiavone mehrfach und mit offenbarer Befriedigung bezog. Beide Schreiben are

von Chiavone ſelbſt geſchrieben und trugen ſein Segel. Commando militare del Regno delle Due Sicilie Mi

tär⸗Commando des Königreichs beider Sicilien.. Vor dieſen furchtbaren Beweismitteln ſenkte Teti das Haupt und begann zu geſtehen, indem er bemüht war, alle Schuld auf Chiavone

i Rovedothales, daßwir keine Räuber in den Bergen duldeten.

er wiſſe ohnehin, daß man ihn füſiliren werde, und halte daher alle weitern Erörterungen für überflüſſig. Sein größ⸗ ter Kummer ſchien zu ſein, daß ihndieſer Gimpel von Fa⸗ zio doch überliſtet hatte. Er verlangte, den Sicilianer zu ſprechen, und ſagte zum ihm:Teufel, mein Junge, ich habe dich für dümmer gehalten, als du biſt! Thut mir leid! Ich hätte dich vorgeſtern doch kalt machen ſollen, wie ich es anfangs auch wollte.

Hm! Laßt Euch's nicht reuen, entgegnete Fazio trocken;es iſt beſſer ſo.

Am Abend verſammelte ſich imHauptquartiere ein Kriegsgericht von zehn Offizieren unter meinem Vorſitze und verurtheilte Teti, Deſiate und Luciani wegen Verrath und Raub zum Tode durch Pulver und Blei.

Der Giudice del Rsè las dieſes Urtheil ſogleich den Delinquenten vor und verkündete ihnen, daß der Vollzug am nächſten Tage früh 5 Uhr ſtattfinden werde. Teti und Lu⸗ ciani ſanken vernichtet in ſich zuſammen; Deſiate ſtopfte ſeine Pfeife.

Im Morgengrauen(26. Juni) meldete mir der Lieu⸗ tenant Moliné, daß er bereit ſei, zur Execution abzumar⸗ ſchiren. Ich blickte auf und ſah die Verurtheilten, escortirt durch zwölf Mann, vorüberziehen. Teti und Luciani warfen einen ſcheuen Blick zur Thür herein und ſchlichen lautlos weiter; Deſiate aber ging rauchend und elaſtiſchen Schrittes vorüber und ſagte:Addio, Signori!

Addio, Desiate, antwortete ich.

Anderthalb Stunden ſpäter ſchallten aus der Richtung von Morino her, wo die Execution ſtattfinden ſollte, raſch hintereinander zehn bis zwölf Schüſſe.

T.... rief Triſtany;was iſt das für ein Ein⸗ zelfeuer? Sollte Moline auf Piemonteſen geſtoßen ſein?

Wir lauſchten in größter Spannung; aber etwa zwanzig Minuten lang blieb Alles ſtill; dann rollte mit einem Male der Donner einer Salve von Morino her durch das Höllenthal.

Finito(beendigt), murmelte der alte Major Caſtilli und bekreuzigte ſich in echt cataloniſcher Andacht.

Zwei Stunden ſpäter rückte Moliné wohlbehalten ein und erſtattete ſeinen Rapport.

Er war mit den Delinquenten glücklich bis zur Höhe des Waldes oberhalb Morino gelangt. Etwa hundert Schritte weiter vorwärts, wo ſich der Pfad etwas erweitert und man freie Ausſicht auf Morino gewinnt, ſollte die Hinrichtung ſtattfinden. Bis dahin aber mußte man an einer ſteil und tief abfallenden Wand vorüber, und hier ſchrie Luciani mit einem Male laut auf:Madonna, Madonna, 3juta mi! (Madonna, Madonna, hilf mir)) und ſtürzte ſich mit ver⸗ zweifeltem Sprunge den Abhang hinunter. Man feuerte ihm zehn Kugeln nach, und, ſich mehrmals überſchlagend, rollte er hinab, bis er im Gebüſche verſchwand. Ihm zu folgen, war unmöglich.

Einen Augenblick hatten Teti und Deſiate Miene ge⸗ macht dem Beiſpiele Luciani's zu folgen, aber die Bajonnete der Escorte ſcheuchten ſie vom Abgrunde zurück. Die Ge⸗ wehre wurden wieder geladen und am beſtimmten Platze Halt gemacht.

Dieſe beiden Männer, die ſo ſchlecht gelebt hatten, ſtar⸗ ben ſchön. Teti fand im letzten Momente ſeine Männlichkeit wieder und zeigte ebenſo viel Standhaftigkeit und Muth als ſein Genoſſe Deſiate. Die Beiden ließen uns aufrichtig um Verzeihung bitten und knieten dann mit verbundenen Augen zum Gebete nieder. Zugleich mit demAmen fielen acht Schüſſe, und laut⸗ und regungslos ſanken die Wohlgetroffe⸗ nen nieder.

Die Leichen blieben mit dem Urtheile auf der Bruſt auf offenem Wege liegen, zum Zeichen für die Bewohner des

Während nun die durch das wiederholte Feuern gewal⸗ tig alarmirte piemonteſiſche Garniſon von Morino ſchleunigſt auf scoperta(Recognoſcirung) ausging, kehrte Moliné ge⸗

zu wälzen und ſich als das Opfer ſeines Gehorſam 2 ſtellen. Ebenſo machte es Luciani. Deſiate aber meinke:

mächlich in das Lager zurück. Ich greife hier der Reihenfolge der Begebenheiten vor,