Jahrgang 
1868
Einzelbild herunterladen

um über das Schickſal Luciani's zu berichten. Sechs Tage ſpäter brachte mir ein Bauer aus dem römiſchen Grenzdörf⸗ chen San⸗Francesco einen Brief von Luciani, worin dieſer um Begnadigung und um die Erlaubniß bat, ferner unter mir dienen zu dürfen. Der Mann war, unverletzt von den aufs Geradewohl na geſandten Kugeln und ohne ſich ſonſt ernſtlich zu beſchädigen, die ganze, mindeſtens 800 Fuß hohe Wand hinab und in dichtes Gebüſch hineingerollt, wo er beſinnungslos liegen blieb und einige Stunden ſpäter von einem Hirten aufgefunden wurde. Dieſer, welcher ihn für einen entſprungenen Gefangenen der Piemonteſen hielt, ver⸗ barg und pflegte ihn einige Tage und ließ ihn dann laufen. Ich ließ dem ſo wunderbar Entkommenen ſagen, daß er ſich als vollſtändig pardonnirt betrachten und ein ehrlicher Menſch werden ſolle, daß ich mich aber für ſeine Dienſte ſchönſtens bedanke.

Die Leichen Teti's und Deſiate's wurden bald von Hir⸗ ten gefunden, und blitzſchnell verbreitete ſich die Kunde von dieſem Strafgerichte in der ganzen Gegend und erregte un⸗ geheuren Jubel unter den armen Bauern, dis der Sache

und zum Danke dafür von jenen Schurken geplündert und gebrandſchatzt worden waren.

Wenige Tage nach der Hinrichtung erſchien eine Abthei⸗ lung des italieniſchen 44. Regiments nebſt einer Anzahl Bauern auf dem Executionsplatze, um die beiden Leichen zu verbrennen*)..

Bei dieſer Beſchäftigung wurde aber der ganzen ehren⸗ werthen Geſellſchaft plötzlich ſo unheimlich zu Muthe, daß ſie ſchleunigſt abzog, ohne das Werk vollbracht zu haben. Als wir daher eine Woche ſpäter an dieſer Stelle vorübermar⸗ ſchirten, um einen Handſtreich im Rovedothale zu verſuchen, fanden wir die Leichname nur halb verbrannt.

Von der Mannſchaft Teti's wurden achtzehn Mann in unſere Truppen eingetheilt, der Reſt nebſt dem rothhaarigen Kuriere Chiavone's als notoriſche Strolche an die uns be⸗ freundete päpſtliche Gensdarmerie zugefälliger Aufbe⸗ wahrung übergeben.(Schluß folgt.)

*) Der felſige Boden geſtattet hier keine Beerdigung.

0)

Lady und

(Aus den Papieren eines Malers von Moritz Horn.)

Baronin.

(Fortſetzung.)

Unterdeſſen hatte ſich die Sonne zum Untergange ge⸗ neigt, mein Erzähler brach auf und lud mich ein, ihn dieſen Abend auf ſeinem Zimmer zu beſuchen, um den Schluß ſeiner Mittheilungen zu hören.

Als ich eintrat, kam er freundlich mir entgegen und bat mich, in das kleinere Nebencloſet ihm zu folgen.

Ich habe für zwei Perſonen ſerviren laſſen, wir blei⸗ ben doch einige Stündchen zuſammen, und der Wein, laſſen Sie mich den etwas gewagten Ausdruck brauchen, ſoll die Arabesken um meine Schilderung bilden.

Während desGargonſoupes, wie er ſcherzend unſer téte à téte am Tiſche nannte, erzählte er mir leicht und ge⸗ wandt mit jener franzöſiſchen Feinheit von ſeinen Reiſen, Beobachtungen, ſeinen Bekanntſchaften mit Damen, ſeinem tie⸗ fen und wahren Studium des Frauenlebens, und, war es Zufall oder Abſicht, das letztere Thema beſchäftigte ihn ge⸗ rade, als das Deſſert und mit ihm Champagner im Eiſe ſervirt wurde.

Wir ſind unvermerkt an Frankreich erinnert, ſprach er,indem er die Gläſer füllte, und ich finde ungeſucht den Faden, wieder von meiner Lady zu erzählen.

Wenn es immer gut iſt, den Gegenſtand, von dem die Rede iſt, geſehen zu haben, will ich Sie beſſer au fait ſetzen. Er ging an den Secretär und nahm eine rothſammtene Kapſel aus dem Fache.

Das iſt das Portrait der Lady, mir ein Medaillon reichendeine Copie des ODriginalgemäldes. Der Maler Pierre hatte es einem meiner Freunde geſchenkt, und dieſer ließ es mir, der ich, wie Sie nach meiner Unterhaltung über die Frauen glauben werden, ein großer Verehrer dieſer räth⸗ ſelhaften Launen der Schöpfung bin, nach manchem fehlge⸗ ſchlagenen Verſuche, endlich ab.

Doch ich fahre fort:

Das Oelgemälde der Lady war vollendet und verkündete den Künſtlerlauf Pierre's.

Wie lohnen! rief die Lady aus, die hinter dem Stuhle ſtand, auf welchem Pierre, der eben den letzten Pinſel⸗ ſtrich an dem Gemälde gethan hatte, erſchöpft ſaß und mit der feinen Hand über ſeine Stirn ſtrich, wobei ihre, der Feſſel ſpottende Bruſt ſeine Lippe faſt berührte.Wie lohnen! wiederholte ſie.Ich werde darüber mit mir zu Rathe gehen. Wir ſehen uns beim Diner wieder.

Dieſes war heute in dem Zimmer ſervirt, in welchem

Dieſe kleine Aufmerkſamkeit bin ich meinem Gaſte und Künſtler ſchuldig, daß er ſich in der Nähe ſeiner Schätze befinde.

Dann, Madame, ben müſſen.

Was wollen Sie damit ſagen?

Haben Sie mir nicht vorhin Schätze ſenden laſſen, die⸗ ſen Brillant ungerechnet, den ich am Finger trage? In der That, ich fühle mich beſchämt.

Iſt Ihnen daran gelegen, mich nicht zu betrüben, ſo brechen wir davon ab, habe ich doch eine Bitte noch, die ich ſchüchtern nur wage.

Sprechen Sie, ich bitte.

Bleiben Sie bei mir wohnen.

Madame, wie könnte ich......

Hören Sie weiter, die Bitte iſt aus dem Boden des Eigennutzes entſprungen, ich wünſche, daß man in Paris ſich erzähle, der Maler Laroſſe erzeigt der Lady Wolſey die Ehre in ihrem Hauſe zu wohnen. Ich bitte, gönnen Sie mir dieſe Ehre.

Sie reichte ihm die feine weiße Hand über den Tiſch und Pierre erfüllte ihre Bitte.

Nun werde ich mir einen Feſttag bereiten. Ich ſehe von Zeit zu Zeit eine Geſellſchaft junger Damen und Herren bei mir. So lange Sie mit dem Werke, meinem Portrait, beſchäftigt waren, habe ich Sie nicht ſtören, zerſtreuen wollen. Morgen beabſichtige ich den gewohnten Kreis zu verſammeln, und ihm mich, durch Ihre Kunſt verklärt, zu zeigen, es ſind einige Schmeichler unter jenen Herren, die zwiſchen mir und dem Bilde in einigen Conflict kommen dürften, eine Scene, auf die ich mich unendlich freue.

Nach aufgehobener Tafel beſuchte Pierre den alten Notar wieder und verſetzte den guten Mann in eine eigene Stimmung mit der Nachricht, daß er im Hauſe der Lady wohnen bleibe.

Sie iſt eine Weltdame, die

Haben Sie mich nicht an die Welt empfohlen? fragte Pierre raſch.

Freilich indeſſen brechen wir davon ab. Ich auch habe dir eine Mittheilung zu machen.

Sie werden unterbrach ſich mein Erzähler im Laufe

hätte ich auf meinem Zimmer blei⸗

meiner Mittheilung bemerkt haben, daß der Notar den Maler bald mit Sie, bald mit Du anzureden pflegte,

das Landſchaftsgemälde Pierre's hing.

dann fort:

und fuhr

ihres ehemaligen Königs ſchon ſo viele Opfer gebracht hatten