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unter ſtetem Schweigen und unter geheimen Beſchwörungen von reinen Jungfrauen geſponnen und gewebt werden, die aber wegen des dabei waltenden großen Zaubers den finſtern Mächten verfielen.„Solche Jungfrauen“, heißt es in einem alten Zauberbuche,„müſſen die ganze Nacht ins Teufels Namen ſpinnen, weben und nähen, bis ſothanes Nothhemd vom Hals bis auf den halben Mann mit beiden Aermeln alſo verfertigt werde, daß auf der rechten Bruſt ein behelm⸗ tes bärtiges Haupt, auf der linken aber ein erſchrecklicher ge⸗ krönter Teufelskopf angenähet werde.“ Ein ſolches Noth⸗ hemd befand ſich zu Prag in der Kunſtkammer Kaiſer Ru⸗ dolfs II. und auch in Wiener Cabinetten ſoll man ähnliche Schutzkittel gefunden haben.
Wie den Spinnerinnen, ſo erſchien auch dem Landmann, der den Flachs auf ſeinen Aeckern baute, keine Pflanze ge⸗ heimnißvoller wie dieſe. Die dem ſchlichten Verſtande un⸗ faßbaren Geſetze und Bedingungen ſeines Gedeihens und Misrathens haben ihn von jeher zu einem Räthſel gemacht, über dem ſich ſchon ſo mancher Bauer vergeblich den Kopf zerbrochen hat; wer in dieſer ſchwierigſten und unſicherſten aller Künſte des Ackerbaus ſich bewährt, iſt in den Augen der Bauern ein Genie, dem die Doctoren aller vier Facul⸗ täten nicht würdig ſind, das Waſſer zu reichen.„Flas is ene ape“(der Flachs iſt ein Affe), heißt es darum im nie⸗ derdeutſchen Sprichwort,„wer es damit trifft, der iſt Mei⸗ ſter.“ Zahllos ſind daher in allen Theilen Deutſchlands die wunderlichen Bräuche, die überall bei den Landleuten bei dem Flachsbau im Gange ſind; wo die Einſicht in die Natur fehlt, mußten nothwendig Ausgeburten der Einbildung an
ihre Stätte treten. Schon dem höchſten Alterthum gehörten
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Meine letzten Begegnungen mit Euigi
Theile der„Erinnerungen ei
(Aus dem noch nicht veröffentlichten Zweiten
die Gebete um eine gedeihliche Flachsernte an, die bei dem Springen durch die Sonnenwendfeuer verrichtet wurden, und die Regel, am Mittwoch, dem Tage Wodan's, keinen Lein zu ſäen, damit das Pferd dieſes Gottes, der an dieſem Tage ſeinen Umzug hielt, die Saat nicht zertrete. Der Tag und Stunde der Saat war überhaupt von hoher Bedeutung; der am Grünen Donnerstage geſäete Flachs friert nicht ab; am beſten aber ſäet man ihn hundert Tage nach dem Neujahr, am 10. April. Der Säemann ſetzt ſich auf dem Acker, das Geſicht nach Oſten gewendet, auf den Sack mit der Saat; iſt die Saat beendet, ſo ſteckt er an die vier Ecken des Ackers Palmweidenzweige, um alles Unheil zu verhüten. Der Sack mit dem Samen darf nicht gebunden ſein, ſonſt bleibt der Flachs kurz; der Säemann muß auch in langen Schritten ausſchreiten, dann wird der Flachs lang. Kehrt er heim, ſo ſteigt die Bäuerin auf den Tiſch und ſpringt rückwärts herunter; ſo hoch ſie ſpringt, ſo hoch wird der Flachs. So in Böhmen, in Schleſien, in der Rhön, in Würtemberg. Auch ſtecken in Böhmen die Mädchen zur Pfingſtzeit Birken⸗ zweige in die Flachsfelder und tanzen nächtlicherweile nackt durch dieſelben, um das Gedeihen zu fördern. Die Eis⸗ zapfen, welche die winterlichen Sonnenſtrahlen an den Stroh⸗ dächern der Dörfer bilden, gaben auch ein Flachsorakel ab; ſind ſie lang und gerade, ſo wird auch der Flachs ſchlank und ſchön. Bei den Eſten muß man genau auf die erſte Bachſtelze achten; wer ſie im Fluge ſieht, dem wird der Flachs lang wachſen, wer auf der Erde, dem kurz. Im Hildesheimiſchen ſteigen die Mädchen in der Nacht des Him⸗ melfahrtstages auf den Kirchthurm, um durch das Läuten der Glocken eine ſchöne Flachsernte zu erwirken.
Alonzo Chiavone.
nes ehemaligen Briganten⸗Chefs“
von L. R. Zimmermann.) (Fortſetzung.)
Nach etwa zwei Stunden brachtete mehrere Leute Teti's
eine ſchöne Kuh nebſt den höflichſten Empfehlungen ihres
Führers. Er habe von guten Patrioten zwei Kühe zum Ge⸗ ſchenk erhalten; wir möchten davon eine als Zeichen ſeiner Freundſchaft annehmen, ließ er uns ſagen.
Die Boten Teti's wurden mit einem Schreiben Triſta⸗ ny's abgefertigt, worin dieſer den Wunſch nach baldiger Vereinigung beider Truppen betonte.
Am Abend kehrte der Sergeant Fazio aus der Costa del fago zurück, und machte mir in Gegenwart Triſtany's folgende, höchſt überraſchende Meldung.
Er war mit ſeiner Patrouille direct in das Bivouak Teti's marſchirt, ww man ihn mistrauiſch empfangen und ſv⸗ gleich vor den Capitano geführt hatte
„Was willſt du hier?“ fragte Teti mit Wucht und Würde.
„Ich“, entgegnete der Sicilianer,„ich patrouillirte; und da ich gerade die ſchönen Feuer ſah, dachte ich mir: du mußt dir doch einmal das Lager des berühmten Kapitäns Teti betrachten“ Dabei blinzelte er dem„berühmten Kapi⸗ tän“ ſo geheimnißvoll zu, daß dieſer ſtutzte und zu ſeiner Umgebung ſagte:„Führt dieſe braven Leute zu Euren Feuern und gebt ihnen zu eſſen und zu trinken; Ihr aber, Sergeant, könnt bei mir eine bella bevuta(guten Trunk) thun.“
„Nun, was haſt du mir zu ſagen?“ fragte er, als er mit dem Sicilianer und Deſiate allein war.
„Ich will Euch warnen, Signor capitano.“
„Mich warnen? Vor was?“ rief Teti erſchreckend.
„Vor dem maggiore Riccardo“, entgegnete Fazio mit Beſtimmtheit;„der ſcheint eine Ahnung von Euren wahren Abſichten zu haben.“..
Teti war nicht dumm; er maß den Sergeanten mit ſtechendem Blicke und ſagte barſch:„Was ſchwatzeſt du da;
ich verſtehe dich nicht!“
Der Sicilianer zuckte kaltblütig die Achſeln und ant⸗ wortete:„Ihr verſteht mich ganz gut— oder wollt Ihr mir weißmachen, daß Ihr nicht auch dieſe fremden Soldaten⸗ geſichter haſſet wie das böſe Gift? Wollt Ihr mich etwa glauben machen, Ihr und Chiavone würdet warten, bis dieſe stranieri(Fremden) Euch über den Kopf wachſen und Euch vor ihr Gericht ſtellen. Ah! glaubt Ihr, der Fazio habe umſonſt unter Chiavone gedient?“
Teti blickte zweifelnd auf Deſiate, welcher bisher ſtumm zugehört hatte, ohne den Blick von Fazio abzuwenden.
„Höre, Fazio“, ſagte Deſiate,„wir kennen uns von früher her, und du mußt wiſſen, daß ich nicht dumm genug bin, um mich von Gimpeln deines Schlages fangen zu laſſen“
„Eh ben!“ entgegnete der Sicilianer phlegmatiſch,„da ich Euch ſehr genau kenne, ſo müßte ich doch wol ein verdammter Narr ſein, wenn ich verſuchen wollte, Euch, den durchtrieben⸗ ſten birbaute(Schurken) des Königreichs, zu hintergehen.“
Weit entfernt, beleidigt zu ſein, klopfte Deſiate ruhig ſeine Pfeife aus, blickte noch einmal durchbohrend in das Auge des unverwirrbaren Sicilianers und ſagte dann:„Nun, ſo erzähle uns, was du von dem deutſchen Major weißt.“
„Das iſt bald geſagt“, entgegnete Fazio;„ich habe ge⸗ hört, was Triſtany und Riccardo ſprachen, als Ihr Beide von ihnen wegginget. Triſtany hat keinerlei Mistrauen gegen Euch; aber der maggiore iſt durch den Ueberfall im vorigen Monat ſcheu geworden.“...
„Was ſprach er von mir?“ fragte Teti haſtig.
„Bh! er ſprach nicht gerade Schlechtes; denn er weiß ja nicht, daß Ihr ihn vor einem Monate verrathen habt.“.
„Cane Siciliano(ſicilianiſcher Hund), was ſagſt da dat“
ſchrie Teti drohend. „Aber, er traut Euch doch nicht ganz“, fuhr Fazio tig zu ſein.“
taltblütig fort;„ich rathe Euch daher vorſich


