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Auch waren die Erſcheinungen meiſtens un⸗ Sie erſchienen bei Tag und Nacht und mit Licht und Farben, die aber bläſſer als an den natür⸗ lichen Objecten waren. Nicolai ging dabei aus. Nach eini⸗ gen Wochen fingen die Phantasmen auch zu reden an. Vier Wochen nach dem Beginn dieſer Affection wurden Blutegel an den After gelegt; an demſelben Tage fingen die Figuren an zu verblaſſen, ſich langſam zu bewegen; zuletzt zerfloſſen ſie ſo, daß von einigen Figuren eine Zeit lang noch einzelne Stücke zu ſehen übrig waren.
Ihn meint Goethe mit dem„Proktophantasmiſt“ in der Walpurgisnacht im erſten Theile des(Fauſt», wo er ihn ſagen läßt:
vorzubringen. bekannte Perſonen.
da! Nein, das iſt unerhört, Wir haben ja aufgeklärt! Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel.
Wir ſind ſo klug und dennoch ſpukt's in Tegel. Wie lange hab' ich nicht am Wahn hinausgekehrt, Und nie wird's rein, das iſt doch unerhört!
Ich ſag's Euch Geiſtern ins Geſicht,
Den Geiſterdespotismus leid' ich nicht;
Mein Geiſt kann ihn nicht exerciren.
Ihr ſeid noch immer Verſchwindet doch!
(Der Name„Proktophantasmiſt“ iſt von dem griechiſchen „Proktos“, der Hintere, gebildet.)
Hätte Nicolai ſeine Viſionen für mehr als blos ſub⸗ jective Erſcheinungen gehalten, hätte er geglaubt, die Geiſter Verſtorbener leibhaftig vor ſich zu ſehen, ſo hätte er ſchon nicht mehr an bloßen Viſionen, ſondern entſchieden an Ein⸗ bildungen gelitten.
Zu Einbildungen kömmt es immer erſt dann, wenn das Bewußtſein, daß man ſelbſt der Schöpfer der Bilder oder Vorgänge iſt, die mit der Gewalt der Wirklichkeit ſich uns aufdrängen, verloren gegangen iſt. Dies iſt am Entſchiedenſten im Traum und Wahnſinn der Fall, und daher ſind dieſe beiden, mit einander verwandten Zuſtände am geeignetſten,
das Weſen der Einbildung kennen zu lehren. Es fehlt in ihnen das Bewußtſein der eigenen Perſon nach dem, was ſie wirklich iſt. Schon Purkinja(über Wachen, Schlaf, Traum und verwandte Zuſtände, in R. Wagners Handwörterbuch der Phyſiologie) hat mit Recht hervorgehoben, daß den Traum eine eigene Selbſtbeſchränkung unſerer Perſon⸗Anſchauung charakteriſirt. So gibt es Beiſpiele von Schülern, Kanzel⸗ rednern, Volksrednern, die im Traume in ihrer Rede ſtecken bleiben, indeß ein Anderer, den ſich die bildende Phantaſie ſubſtituirt, die Antwort oder die Rede übernimmt und glück⸗ lich durchführt, da es doch nur wir ſelbſt ſind, die in anderer Perſönlichkeit den ſchon vorhandenen Gedanken ausſprechen. Der Träumende und eben ſo der Wahnſinnige vermag ſeine eigene Perſönlichkeit nicht zu behaupten.„Das iſt wohl noth⸗ wendige Folge der ſubjectiven Schwäche im Traume und im
Wahnſinn, welche es zu der nöthigen Selbſtbeſinnung nicht kommen läßt, dagegen leichter nach außen zu verſetzen ver⸗ durch Druck auf die Nerven in iſt, ſo erſcheint ſie im der uns unangenehm be⸗ die uns Gewalt Seite lähmungsartig afficirt, ſo glauben wir einen Fremden neben uns liegend, den wir vergebens aus der unmittelbaren Nähe zu entfernen be⸗
mag.“ Wenn die Hand lähmungsartigen Zuſtand gerathen Traume als ein fremder Körper, rührt, oder es wird eine Perſon geträumt, anthun will. Iſt gar die ganze
müht ſind. Man erſieht hieraus, wie geſchäftig die Einbildung iſt
Urſachen herzuleiten. Wahres zum Grunde,
wegleugnen;
afficirt. Das Falſche,
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nur in der irrigen Auslegung, die man dem eigenen ſub⸗ jectiven Zuſtande gibt.
Wie auffallend und unerklärlich daher auch eine Ein⸗ bildung erſcheinen möge, immer wird ſich ein innerer, ſub⸗ jectiver Zuſtand, der zu derſelben Veranlaſſung gegeben, nach⸗ weiſen laſſen. Welche Einbildung kann wohl auffallender ſein, als die oben angeführte der Lykanthropen? Wie können Menſchen dazu kommen, ſich in Wölfe verwandelt zu glauben und auszuſagen, daß bei ihnen die Haare nach innen ge— kehrt ſein? Man hat dieſe Wahnvorſtellungen aus der Wirkung narkotiſcher Salben zu erklären verſucht. Nun finden ſich allerdings durch das ganze Mittelalter hindurch Angaben über die Anwendung narkotiſcher Salben, und die Wirkung der Narcotica, wunderliche Hallucinationen zu erzeugen, iſt ja bekannt. Die in der neueſten Zeit mit dem Haſchiſch, einem Ertract aus dem Samen der Canabis indica, einem gewöhn⸗ lichen Berauſchungsmittel im Orient, bei uns angeſtellten Verſuche haben dieſe Wirkung der Narcotica beſtätigt. Aber zur Erklärung ſolcher Wahnvorſtellungen, wie die der Wehr⸗ wolfsſucht, reicht, wie Pr. Leubuſcher in ſeiner Schrift: „Ueber die Wehrwölfe und Thierverwandlungen im Mittel⸗ alter“ gezeigt hat, die Wirkung der Narcotica nicht aus, weil dieſe nach der gewöhnlichen mediciniſchen Erfahrung nur eine untergeordnete Folge von Sinnestäuſchungen erzeugen, aber keinen Aufſchluß geben über die ſpecifiſche Form der Wahn⸗ vorſtellung. Die Erklärung, die Dr. Leubuſcher gibt, weiſt zuvörderſt auf die pathologiſchen Zuſtände hin, aus denen ſich veränderte Vorſtellungen vom eigenen Körper erzeugen. Die veränderte Senſibilität in fieberhaften Krankheiten täuſcht die Kranken über den Raum, den ihre Glieder einnehmen; ihr Körper kommt ihnen bald zu groß, bald zu klein vor, einzelne Gliedmaßen dehnen ſich ins Unendliche aus oder ſchrumpfen zuſammen. Bei vielen Zuſtänden, wo das Nervenſyſtem be⸗ ſonders angegriffen iſt, wollen ſich die Kranken vorübergehend nicht zu ihren Gliedmaßen bekennen, ſie meinen, es lägen zwei Perſonen im Bette und halten ſich nur für die eine, oder kommen ſich halbirt vor. In dieſen und ähnlichen Erſcheinungen iſt ein Anhaltspunkt für die Erklärung des Wahns der Lykanthropie gegeben. Daß bei manchen Lykanthropen eine verkehre Senſation der Hautnerven ſtattgefunden, darauf deuten die Angaben vom Wachſen der Haare und der Wahn, daß die borſtige Haut nach Innen gekehrt ſei(ersipellis.) Dazu kommt noch, daß die meiſten Lykanthropen Hirten waren, deren Einbildungskraft der Wolf am öfterſten vorſchweben mußte, weil ſie oft mit ihm zu kämpfen hatten. Auch mag manche Mord⸗ that, welche die Kranken ſich ſelbſt zuſchrieben, oder die ihnen von fanatiſchen Richtern aufgebürdet wurde, nur von Wölfen verübt worden ſein. Endlich iſt bei Vielen die Verwilderung des Gemüths zu berückſichtigen, die ſich in den entſprechenden Ausdruck eines wilden Thieres hineindichtete. Die Geſchichte zeigt uns Beiſpiele von einem inſtinctiven Triebe nach Blut, eine Art Verwilderung und Verthierung der Menſchen, in welcher Grauſamkeit mit Wolluſt gepaart, die Handlungen eines Nero, Caligula, Borgia erzeugt. Von ſolcher Blutgier bis zum Wahne der Thierverwandlung iſt nicht weit. Zur Erläuterung können hierauf die ſeltſamen Gelüſte Schwangerer uach Menſchenfleiſch dienen, ſo wie die vorgekommenen Fälle einer Manie, auf Kirchhöfen die Gräber aufzuwühlen und die Leichen zu verſtümmeln. Der Wahn der Lykanthropie ſtellt ſich demnach dar als entſprungen aus einem krankhaften Triebe in Verbindung mit dem Teufelsaberglauben jener Zeit.
Man erſieht hieraus, daß ſich jede, ſcheinbar noch ſo
innere ſubjective Zuſtände nach außen zu verſetzen, von äußern unerklärliche Einbildung theils aus innern Zuſtänden des da⸗
Es liegt alſo jeder Einbildung etwas der innere Zuſtand; denn dieſer, der zu der Einbildung Veranlaſſung gibt, läßt ſich ja nicht die lähmungsartig afficirte Seite, die wie ein fremder Körper empfunden wird, iſt wirklich lähmungsartig
Fingirte bei der Einbildung beſteht ⸗
von Ergriffenen, theils aus der Auslegung, die er auf ſeiner erklären laſſen. Aber
Bildungsſtufe dieſen Zuſtänden gibt, ären la ſchwerer freilich, als zu erklären, ſind die Eirzildensen zu heilen. Die Erklärung fällt dem Pſychologen zu, die Heilung
dem Seelenarzt(Pſychiater)⸗ 3 Se


