Jahrgang 
1868
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ein Nichts, die Jugend bleibt Jugend. Das Alter ſitzt mit ſeinen Erfahrungen allein und wird von jener höchſtens aus⸗ gelacht.*

Genug, der Schmerz, mich von dir trennen zu müſſen, macht mich bitter. Laß uns in Frieden ſcheiden, lebe wohl!

Eine Woche nach dem erſten Beſuche, die er benutzte, alles zum Malen des Portrait Nöthige in den vollkommen⸗ ſten Stand zu ſetzen, bezog Pierre ein reiches Zimmer im Palaſt der Lady.

Er eilte ihr aufzuwarten.

Ein leichtes Unwohlſein, ließ ſie ihm melden, hindere ſie an der Ausübung der angenehmen Pflicht, den lang er⸗ warteten Hausgenoſſen zu empfangen.

Es vergingen einige Tage, die Pierre dazu verwendete, das Geſicht der Lady, das er frich in der Erinnerung hatte, im Geiſte durchzugehen, ſo zu ſagen, zu ſpecialiſiren, zu ſtudiren, ſich in daſſelbe hineinzuleben und auf dieſe Weiſe zu dem Werke künſtleriſch vorzubereiten, das für ihn ein erſtes ſein, aber kein bloßer Verſuch bleiben ſollte.

Nach Ablauf der halben Woche bat die Lady um die Ehre ſeines Beſuches.

Sie empfing den Maler in demſelben Boudoir, wie bei dem erſten Beſuch, ſie ſelbſt, an jenem Tage en grand parure, trug diesmal eine, wenn ſchon elegante und reiche, doch ein⸗ fache Hausrobe.

Seien Sie mir doppelt willkommen als Künſtler und als Mitbewohner des Hauſes.

Sie reichte ihm die Hand, die er an die Lippen drückte.

Pierre, jetzt weniger befangen als bei dem erſten Be⸗ ſuch, mußte ſich ſagen, eine ſeltene Schönheit ziere dieſes Weib, Ebenmaß in allen Formen, einnehmende Züge, geiſt⸗ reiche Linien. Etwas nur, meinte Pierre, ſchwebe wie ein ſtörendes Streiflicht über das Oval dieſes reizenden Geſichtes, was aber dieſes Etwas ſei, konnte er nicht ergründen.

Wann wollen wir beginnen? fragte ſie.

Sogleich.

Und wo?

Iſt es Ihnen genehm, ſo würde ich ein anderes Zim⸗ mer dieſem Boudoir vorziehen, das Licht iſt hier dem Maler nicht günſtig.

Doch will ich hoffen, nur das Licht, ſagte ſie mit einem ungemein ſchelmiſchen Lächeln, indeſſen Sie haben zu be⸗ ſtimmen.

Pierre bot ihr ſeinen Arm.

Ich nehme ihn dankbar an, werde mir aber erlauben Sie bis in Ihr Zimmer zu führen, um Ihnen mein kleines

Meine letzten Begegnungen mit Luigi Alonzo Chiavone.

(Aus dem noch nicht veröffentlichten Zweiten Theile derErinnerungen eines ehemaligen Briganten⸗Chefs von L. R. Zimmermann.) (Fortſetzung.)*

Mittlerweile war es Abend geworden, und der generale ſprach den Wunſch aus, mit ſeiner Truppe bei uns zu über⸗ nachten.

Gut, ſagte ich,Sie können hier ruhig und friedlich übernachten; ſorgen ſie aber ja dafür, daß während der Nacht nicht etwa eine zweiteConfuſion wider Ihren Willen entſtehe; denn ich werde Maßregeln treffen, daß bei dem er⸗ ſten Zeichen von Verrath ein gutes Dutzend Büchſenkugeln ausſchließlich auf Sie abgefeuert wird.

Und ich traf, ohne Aufſehen zu machen, dieſe ſowie alle ſonſt nöthigen Maßregeln ſogleich. Faſt meine ganze Truppe lagerte ſich um dasHauptquartier, wo Chiavone alsbald mit einigen Guiden Karten zu ſpielen begann; die Chiavoni⸗ ſten nahmen die zweite Baracke und den Reſt der Waldblöße ein und bezogen die äußern Wachen.

Nun brauchte ich Chiavone nicht mehr auf dem Leibe zu ſitzen und machte einen Rundgang durch die Bivouaks ſeiner Leute.

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Beſitzthum bei dieſer Gelegenheit zu zeigen und jeden Serupel, falls Sie ihn doch etwa haben ſollten, Ihre Anweſenheit könnte mich einſchränken, zu benehmen.

Eine Reihe von Piecen erſchloß ſich, überall dieſelbe

Eleganz, derſelbe Luxus, obſchon in andern Geſtalten, andern

Verbindungen, aber höchſt geſchmackvoll auftretend.

Sie kamen in ein kleineres Zimmer. Ein ſchwerer, ſei⸗ dener Vorhang ſchied es in der Mitte. Die Lady drückte an einer Feder in der Wand, und eine Tapetenthür führte in das Zimmer Pierre's. Als ſie die Thür in die Feder eindrückte, bemerkte Pierre jetzt erſt einen kleinen Knopf in der Wand ſchimmern, den er bis heute noch nicht geſehen.

Wir ſind nun am Ziele, ſagte ſie lächelnd,und nahm eine maleriſche Stellung im Divan ein. Wenn die Kunſt ſich meinem Lieblingswunſche nicht widerſetzt, möchte ich ſo gemalt werden.

Die Kunſt dient der Schönheit, erwiederte Pierre,ich werde Sie ſo malen.

Raſch ſtellte er ſich an die Staffelei, das ſchöne, reizend hingegoſſene Weib mit den Augen übergehend.

Obſchon er noch nie ein Portrait, das der treuen Mor⸗ gan ausgenommen, gemalt hatte, gelang es ihm doch wun⸗ derbar glücklich, ſchon die erſten Conturen mit ſicherer Hand anzulegen.

Er malte mit Eifer und Leidenſchaft, nichts unterbrach die Stille des Zimmers, man meinte den Athemzug zu hören, der den ſchönen Buſen der Lady hob.

Endlich! rief er aus,ich möchte um eine Pauſe bitten.

Ich habe zwar nur leidend mich verhalten, allein auch ich fühle des Bedürfniß nach Erholung, Zerſtreuung, ſagte ſie, ſich erhebend.

Die Gleichheit unſerer Wünſche, fuhr ſie fort,iſt mir ein willkommener Bürge r daß wir recht verträg⸗ liche Hausgenoſſen ſein werden.

Darauf hin erlaube ich mir Sie zu bitten, mich auf einer Spazierfahrt zu begleiten. Ich werde Sie bald rufen laſſen.

Sie geſtatten wir wol den Rückweg durch das Neben⸗ zimmer, mein Schlafgemach?

Sie hatte die letzten Worte mit einer eigenen Betonung geſprochen; ehe ſich Pierre, der ſich wie bezaubert vorkam, klar wurde, war ſie durch die geheimnißvolle Tapetenthür verſchwunden.

Nach einer Stunde fuhren ſie nach den eliſäiſchen Feldern.

(Fortſetzung folgt.)

Faſt zwei Drittel der Leute hatte im Jahre 1861 un⸗

ter mir gedient, und ihre Sympathien für mich waren noch

nicht erloſchen. Man hatte ihnen eben weiß gemacht, ich ſei ein Verräther geworden, und ſo hatten ſie den heutigen Ueberfall als ein verdienſtliches Werk betrachtet; der Verlauf der Sache aber, ſowie der Umgang mit meinen Leuten brachte die Meiſten zu einer beſſern Ueberzeugung, und ſo fand ich jetzt

an den einzelnen Bivouakfeuern die ſchönſte Aufnahme

Die Erinnerung an die gemeinſam beſtandenen Gefah⸗ ren lebte mächtig wieder auf:Denken Sie noch an den Wald von Sac.⸗Silbeſtro... an den Monte Sac.⸗Angelo

an den Pozzo d'Ortica an Caſtelluccio und an den ſiebenten November? ſo fragte es hin und her, und alle die Streiche, die ich damals den Piemonteſen oder Fran⸗ zoſen geſpielt, tauchten da wieder auf und, wie ich mit einer Art Grauen bemerkte, in wahrhaft gewiſſenloſer Uebertrei⸗ bung! Die unbedeutendſten Scharmützel wurden da zu wah⸗ ren Vernichtungskämpfen und an jeden einzelnen getödteten

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