Jahrgang 
1868
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67 itnden Die Waldverderber. n ſener Eine Skizze aus dem Naturleben. Von Karl Ruß. Wiederum tobt in einigen Waldſtrecken unſers deutſchen nur auf einem Morgen des Waldes die Spiegel ſchnell und ſ Vaterlandes jene entſetzliche Inſektenplage, die man kurz und gründlich zu ertödten. Unter dieſen Umſtänden erklärte Schim⸗ bündig Raupenfraß zu nennen pflegt. Namentlich die melpfennig in ſeinem Bericht, in welchem er bereits voll tie⸗ ers hin Tuchler Haide in Weſtpreußen iſt es, welche diesmal gar fen Schmerzes den Untergang der Wälder vorausſagt, das endlich arg heimgeſucht worden. Spiegel⸗Ertödten für unausführbar, überhaupt menſchliche Abend, Keinenfalls brauchen wir für gebildete Leſer erſt auf die Hülfe für unzureichend und alles auf fernere Vertilgungs⸗ gareth unermeßliche Wichtigkeit des Waldes, inbeſondere des deut⸗ maßregeln zu verwendende Geld für vergeblich ausgegeben. ätte ſie ſchen Waldes, näher einzugehen; ſie lebt zweifellos nach allen Das dennoch von der Regierung angeordnete und aller⸗ tzählte ihren zahlreichen Seiten hin ſo klar und unbeſtritten im gan⸗ dings mit durchaus unzureichenden Kräften vorgenommene runder⸗ zen Volksbewußtſein, daß eine Schilderung und Beſprechung Spiegeln(Vertilgen der Spiegel) zeigte denn auch gar kei⸗ vagte der unſern ſchönen deutſchen Waldungen drohenden Gefahrſnen Erfolg; die Raupen verbreiteten ſich vielmehr ſchnell über wol gewiß auf die allgemeinſte Theilnahme zählen darf das ganze Revier, und hatten etwa bis zur Mitte des Juli unſers auch wenn wir nicht erſt die ſchweren und ſchmerzlichen Fol⸗ bereits circa 800 Morgen Fichten vollkommen kahl gefreſſen enm, gen ausmalen, welche dieſelbe für das Wohl der Bevölkerung und getödtet. Zu letzterer Zeit zeigten ſich bereits viele ſeien im Schoße birgt. kranke Raupen und unzählige Ichneumoniden(jene Schlupf⸗ nit den Verfaſſer dieſes hatte Gelegenheit, die Verheerungen wespenarten), welche als die wirkſamſten Bekämpfer vieler rairien des Raupenfraßes in einem großen und ſchönen Forſt zu ſchädlichen Kerbthierarten, insbeſondere aber der Schmetter⸗ buh ſehen und ſtimmt mit allen übrigen Beobachtern darin lingsraupen bekannt geworden ſind), deren weiße Puppen⸗ mſene öberein, daß der Eindruck ein wahrhaft überwältigender, zu⸗ tönnchen ſpäter ſchneeartig das Unterholz bedeckten. Dennoch tgen, gleig aber für den Naturfreund ein ſo ſchmerzlicher iſt, wie mußte der größte Theil der Raupen zur Verpuppung gelangt eg e es keinen andern geben kann. Um auch denen unſerer Leſer, ſein, denn die ausgekrochenen Schmetterlinge bedeckten die ge, un welche nicht die Gelegenheit finden, den Raupenfraß ſelbſt zu Beſtände noch maſſenhafter als im Jahre zuvor. Luſc⸗ beobachten, ein Bild von den Wirkungen deſſelben zu geben, Der am 6. und 7. Juni eingetretene ſtarke Spätfroſt ſcha⸗ Solhe benutzen wir die meiſterhafte Schilderung des Profeſſor Will⸗ dete den Raupen nur ſehr wenig. Ein Umherwandern der⸗ s ſechs komm in Roßmäßler's empfehlenswerthem WerkeDie wir⸗ ſelben aus kahl gefreſſenen Beſtänden nach unverſehrten wurde enc belloſen Thiere des Waldes*). nicht bemerkt, im Gegentheil, überall beobachtet, daß die Rau⸗ wude Ungefähr im Jahre 1852 beginnend, brach über die pen von den kahl gefreſſenen Bäumen ermattet herabſtürzten hate. oſtpreußiſchen, litauiſchen, maſuriſchen und polniſchen Forſten und ſich unter deren Schirmfläche anſammelten. Viele der⸗ h mehr 1 eine Raupenverheerung herein, wie ſie ſeit Menſchengedenken ſelben mögen nicht zur Verpuppung gelangt ſein, viele halber noch nicht erhört war. Am 28. Juli 1853 erſchien im wurden auch von den Fröſchen gefreſſen. Bäume, genug Schwalger Schutzbezirke(in der Rothebuder Forſt) auf ein⸗ unter denen ſich Ameiſenhaufen befanden, blieben ugieh, mal der Nonnenſchmetterling in unzähliger Menge, indem vom Raupenfraß verſchont. Zur Vertilgung der Schmet⸗ es und derſelbe in wolkenartigen Maſſen, vom Südwind getrieben, terlinge wurden, da das Sammeln zu langſam ging, große herbeizog. Binnen wenigen Stunden verbreitete ſich derſ Leuchtfeuer an vielen Stellen angezündet. Wenn auch dieſe uhre Schmetterling auch über die angrenzenden Schutzbezirke und Maßregel nicht den vollen gewünſchten Erfolg hatte, ſo ſtellte a zwar in ſolcher Menge, daß z. B. die Gebäude der Förſterei ſich doch heraus, daß die Schmetterlinge nur an den Orten nnit Ragonnen von Faltern förmlich inkruſtirt und die Oberfläche ihre Eier ablegten, wo Leuchtfeuer unterhalten wurden, und iſe u des Pillwungſees von ihnen wie mit weißem Schaum bedeckt nicht weiter flogen, ſodaß dann die Vertilgung der Eier durch als erſchienen. Im Walde war es wie das ärgſte Schneegeſtöber Verbrennen der abgeſchälten Rinde leicht bewirkt werden 4 in und die Bäume ſahen ſämmtlich wie beſchneit aus. Nach⸗ konnte. Allein trotzdem und obwol große Maſſen von Schmet⸗ nis forſchungen ergaben, daß die Nonne bereits ſeit mehreren terlingen ſelbſt inh Feuern ni nach der n Jahren in den polniſchen Grenzwaldungen gefreſſen und ſich Flugzeit i S 3 ſee 6 gelegt, wa An dort, wo nichts für ihre Vertilgung geſchehen war, ſo unge⸗ weiterm Sammein aſſen derſelben abſehen mußte, denn die 3 heuer vermehrt hatte, daß manche Waldbeſitzer in ihrer Ver⸗ Stämme der Fichten waren nicht mehr mit Eierhaufen zwi⸗ zweiflung im Jahre 1852 ganze Wälder niederbrennen ließen, ſchen den Borkenſchuppen beſetzt, wie bisher, ſondern auf der nih um die Plage los zu werden. In welcher Maſſenhaftigkeit; ganzen Oberfläche von dicht an⸗ und übereinander liegenden zi der Nonnenfalter in der Rothebuder Forſt aufgetreten iſt, Eiern förmlich inkruſtirt, ſodaß die Arbeiter ſie mit den Hän⸗ uuch erhellt aus der Thatſache, daß die Menge der vom S. Auguſt den abſtreichen konnten, wenigſtens an den Stämmen, an znigt bis 8. Mai des folgenden Jahres dort geſammelten Eier welchen man im Winter zuvor des Einſammelns halber die M circa 300 Pfd. betrug, oder(1 Loth mindeſtens= 15000 Borkenſchuppen abgekratzt hatte. ſehen Stück) eirca 150 Millionen Stück! Außerdem wurden während So kam denn im Mai 1855 ein Raupenfraß zur Ent⸗ enlend der Flugzeit, welche in der Hauptſache nur bis zum 3. Auguſt wickelung, wie ein ſolcher wol ſeit Menſchengedenken noch währte, drittehalb preußiſche Scheffel weiblicher Falter(circa nicht dageweſen iſt und hoffentlich auch nicht wieder vor⸗ iie 1,500,000 Stüch geſammelt. Trotz dieſer energiſchen Maß⸗ kommen wird. Bis zum Ende des Juni waren im Rothe⸗ awen regeln zeigte ſich im folgenden Frühjahr eine ſolche Menge buder Revier bereits über 10,000 Morgen Nadelholzbeſtände nhilt von Naupenſpiegeln(brutweiſe zuſammenſitzender junger Räup⸗ kahl gefreſſen, außerdem 5000 andere Morgen ſo ſtark an⸗ u chen), ſelbſt in den drei bis viermal abgeſuchten Beſtänden, gegriffen, daß auch hier ein völliger Kahlfraß in Ausſicht daß man ſich überzeugen mußte, man habe kaum die Hälfte ſtand. Allein ſelbſt die ſchlimmſten Befürchtungen ſollten e des der abgelegten Eier eingeſammelt. noch weit übertroffen werden! Denn bis Ende Juli Von Zur Vertilgung der Raupeneier trugen weſentlich der erſchienen die meiſten Fichten des ganzen Reviers tahl u Buntſpecht, ferner die Finken bei; auch wurde eine große freſſen, dieſelben auf einer Fläche von aar⸗ Menge von den Larven des Ameiſenkäfers(Clerus formica- reits ertödtet, auf einer andern von nſucht rius) um die Eierhaufen bemerkt. Trotz alledem waren eine beſchädigt, daß vorausſichtlich der zum ienuich onate ungeheure Menge Eierhaufen übrig geblieben, denn nach der gelangen mußte, und nur etwa 4732 Morgen waren 3 Unte Berechnung des Oberforſtmeiſter wären verſchont. nittli ei d 20 Aufſeher nöthig geweſen, un beiter un F Weiteres über dieſelben wolle man in Karl RußMeine Freunde' *) Leipzig und Heidelberg, Winter ſche Verlagshandlung.(Berlin, Max Böttcher) nachleſen. g