(Rom, 6. Januar 1804;„Beiträge“, S. 307). Später oder vielleicht noch vor ſeiner Abreiſe von Rom im Mai 1804 lud der Großherzog den liebenswürdigen Künſtler nach Berlin ein,„um daſelbſt die königliche Familie zu malen“, aber die ausbrechenden Kriegsunruhen zerſchlugen wohl dieſes Projekt. Die Worte, in denen Schick des Großherzogs gedenkt, malen den Mann mit wenigen Charakterſtrichen; denn bis ins ſpä⸗ teſte, leider durch Kränklichkeit und, wie wir ſchon erwähnt, durch Taubheit leidende Lebensalter, war er geiſtvoll, witzig, enthuſiaſtiſch, anregend; ein Freund der ſchönen Künſte; ein worshipper der Muſik, namentlich der Opern Bellini's und Donizettis; ein großer Verehrer der Natur, wie faſt alle geiſt- und herzbegabten Menſchen. Er beſaß den ſolchen Fürſten ſo ſeltenen, feinen und herzangeborenen Takt ſein kleines Land nicht durch koſtſpielige Künſte und noble Paſſio⸗ nen zu ruiniren. Er ſorgte für gute Schulen und gute Lehrer, Ackerbau und Forſtwiſſenſchaft: für das Wohl ſeines Volkes überhaupt, das dankbarſt ſeine guten Eigenſchaften und Ein⸗ richtungen während einer langen(vierundvierzigjährigen) Re⸗ gierung anerkannte, und ihn, und jetzt ſein Andenken, unter dem Namen„der gute alte Herr“ ehrt. Seine Familie, und ſeine zahlreichen Neffen und Nichten liebten und verehrten ihn, und viele ſeiner geiſtvollen Ideen fanden einen verkör⸗ perten Ausdruck in Friedrich Wilhelm IV. und Georg von Hannover, Neffen, die, wenn auch als Könige nicht immer den rechten Weg einſchlugen, als begabte und edle Naturen keinen geringen Platz unter den Menſchen dieſes Jahrhunderts ein⸗ nehmen. Großherzog Georg war ein leidenſchaftlicher Ver— ehrer ſeiner berühmten Schweſter Luiſe. Jeden 19. Juli, dem Todestage der„ſchönen Königin“, brachte er, von 1810 bis 1860, ihrem ſtillen herzlichen Andenken geweiht, in dem lieb⸗ lichen Hohenzieritz zu, wo ihre reine Seele entfloh— „Aus dieſer Erde Nebel Zurück zum ewigen Licht!“
Er ehrte ihre Erinnerung im Volke, das dieſe Tochter Mecklenburgs mit liebender Ehrfurcht und Begeiſterung umgibt, durch mancherlei Andenken. So iſt der erſte ſchöne Gypsab⸗ guß des Rauch'ſchen Denkmals der Königin in einem kleinen Mauſoleum im Neuſtrelitzer Schloßgarten, ihre Büſte, ebenfalls von Rauch, im Hohenzieritzer Schloſſe aufgeſtellt.
Mit den hohen Gemahlen ſeiner Schweſtern ſtand der Großherzog wohl nicht in zu übereinſtimmendem Einverſtänd⸗ niß. Friedrich Wilhelm III. war ihm zu hausbacken, zu wenig begeiſtert, zu altväteriſch; Ernſt Auguſt von Hannover hatte wohl noch weniger mit ihm gemein. Die ganze Perſönlichkeit des Großherzogs war idealiſch, wenn auch das Aeußere oft bis in's Lächerliche überging. Seine hagere Figur, ſein etwas vogelartiges Geſicht, ſein Anzug(im Winter trug er oft einen grünſeidenen Muff), ſein tout ensemble mußten auffallen; aber wer ihn näher kannte(und ihn kennen und verehren war Ei⸗ nes), mußte auch fühlen, daß man ihn ſelbſt in ſeiner Aeußer⸗ lichkeit nicht anders wünſchen konnte. Sein Geſicht trug oft den Ausdruck, als ob er einer ſchönen Melodie lauſche. Schöne ſik konnte ihn zu Thränen bewegen. Wie mußte ihn die Pme einer Sontag entzücken!„Norma“ war Lieblinge, und dieſe Oper wurde auf dem einige hundert Mal gegeben. Frei⸗ kleine Theater nicht mehr füllen. tallbediente waren der Oper e„gang und gebe“ zu Neu⸗ ſein„Vesperbrod“ haben llte, um„Norma“ zu
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gs erfreute ſich bis onären Neuſtrelitzer einging, bedeu⸗ eitung von Auguſt eutende Sänger wa⸗ die geiſtvolle Adele irikers; die überaus von Maſſow, das e Sängerin Hahn,
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die in einer größeren Sphäre eine der größten Sängerinnen unſrer Zeit geworden wäre; der Schauſpieler Winger. Der Kapelle haben wir ſchon erwähnt; das treffliche Militärmuſik⸗ chor ſtand unter Leitung des ſtrebſamen, tüchtigen Nikolai, deſſen übergroße Beſcheidenheit ihn verhindert hat, ſeine rei⸗ zenden Compoſitionen drucken zu laſſen. Man muß eben in England und Frankreich gelebt haben, wo aller Schund ge⸗ druckt wird, um dies noch mehr zu bedauern.
Die Schröder⸗Devrient war hier ein willkommener„Gaſt“. Auch ſie ſtand mit dem Großherzog in Briefwechſel, und er pflegte mitunter zu ſagen:„Sie will kommen, die Gute, ich muß ja wohl Ja ſagen!“ Es war ihm doch ja auch immer darum zu thun, daß die Ausgaben des Landes nicht unter dem koſtſpieligen Gaſthonorar litten. Wie gerne gab er doch! Wie oft täuſchten ihn doch auch die Menſchen, namentlich in ſeiner nächſten Umgebung, ſeine Diener ſelbſt. In einigen herzlichen Erinnerungsworten, die am Tage nach ſeinem Tode in der„Neuſtrelitzer Zeitung“, erſchienen, heißt es:„Wir hatten an ihm einen guten Fürſten, deß Herz von Milde und Freundlichkeit überfloß, und den das Bittere des Lebens, das er vielfach erfahren, nicht ſelber verbittert hatte. Er vergab gerne, vergab von Herzen, und es that ihm ſelber wehe, An⸗ dern wehe zu thun“.— Er trug die wahre Religion im Her⸗ zen, nicht auf der Zunge; die ſchöne Religion menſchlich⸗edlen Mitgefühls war ihm eigen, nicht das elende Augenverdrehen der Jetztzeit. Er war kein verſchwenderiſcher Fürſt, wie oft er ſich auch wohl aus kleinlichen Hofverhältniſſen in die ſchö⸗ nen Gefilde ſeines vergötterten Italiens wünſchte; wie oft ihn auch wohl die häßliche Stadtkirche(im ſchönſten Zopfſtil des vorigen Jahrhunderts erbaut: Friedrich Wilhelm IV. nannte ſie überaus treffend„ein Butterfaß!“) in ihrer Außenſeite empörte. Reiſen und Bauten koſten Geld— er wußte ſich für Beſſeres bequemen. Seine größte Erholung war die Na⸗ tur. Einige Meilen von Neuſtrelitz lag ſein klein⸗kleines
Eldorado, ſein Schweizerhaus, klein, faſt dürftig für einen
Prinzen, ihm aber über alles lieb. Die Jagd war eine ſeiner noblen Paſſionen, der er hier fröhnte. Hier ſtarb er auch, „umrauſcht von ſeinen ſchönen Buchen, ein Bild des Friedens, in ſeinem Lieblingshaus“. Er war einundachtzig Jahre alt geworden, aber ſein letztes Lebensjahr war ein Jahr des Lei⸗ dens für ihn. Er hatte eine ſchwere Krankheit von ſieben Monaten faſt ununterbrochener, meiſt ſchmerzhafter Leiden viel⸗ facher Art durchzukämpfen, aber dieſe Leidenstage ſchwerſter Art fanden ihn geduldig, liebevoll, heiter.„Wenn ich todt bin, ſo weinet nicht, ſondern danket, daß Gott mich erlöſet!“ waren Worte, die er in den Tagen vor ſeinem Tode oft zu den Umſtehenden äußerte. Seine Gemahlin war um ihn in ſeiner Krankheit, und ein treuer Freund, der Hofmarſchall von Dachröden. So klein war ſein„Schweizerhaus“, daß die Großherzogin Marie nicht einmal ein Zimmer dort finden konnte, und in einem Nebengebäude das kleinſte Obdach vor⸗ zog, um ihrem Gatten im Tode nahe zu ſein, wie ſie es im Leben während 43 Jahren in treuer Herzlichkeit ſtets geweſen war. Sein Geiſt, ſo hell und klar während eines langen Lebens, war keinen Augenblick umflort. Seine letzte Unter⸗ ſchrift galt der Vertheilung von Almoſen an Arme; ſeine letzte Verfügung der Aufnahme einer armen Kranken in das von ſeiner Tochter zu Neuſtrelitz erbaute„Karolinenſtift“ Abends, am 6. September 1860, fiel er in einen ſanften Schlaf, ruhi⸗ gen, friedevollen Herzens; und die freundlichen, müden Augen waren für im ier geſchloſſen!„Gott dem Schöpfer gefällt es,
zuweilen Sterbliche zu formen und ihnen ſeinen Geiſt ein—
zuhauchen nach einem andern Maaß, als dem gewöhnlichen der Mitmenſchen, und ſie leuchten zu laſſen vor andern durch Geiſt und Herz, zur Nacheiferung, zum Troſte!.. „Unſer Land iſt ſtolz, und dem Himmel zu großem Danke verpflichtet, durch 44 Jahre einen ſolchen Herrn beſeſſen zu haben, einen Fürſten, deſſen Namen die Grenzen ſeines Lan⸗ des weit überragte, deſſen Andenken in ganz Deutſchland und in allen ihm verwandten fürſtlichen Häuſern Europas hoch in Ehren gehalten wird, und deſſen Verluſt die ſtille Wehmuth aller edlen Menſchen von nah und fern erweckt, denen das
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