— 51„— nete ich,*.. Meine letzten Begegnungen mit Puigi Alonzo Chiavone. end 3(Aus dem noch nicht veröffentlichten Zweiten Theile der„Erinnerungen eines ehemaligen Briganten⸗Chefs“ von L. R. Zimmermann.) Fortſetung.) Uin Etwa zwanzig Minuten ſpäter meldeten die Vorpoſten,„Gut, Herr Major. Leben Sie wohl.“ i der tenente(Lieutenant) Capucci ſei mit einer Patrvuille„Geht mit Gott, Luciani, und merkt Euch, daß, wenn . Ze angekommen und bitte um Einlaß in das Lager. Ich be⸗ Ihr mich belogen habt“. en Theil willigte und alsbald erſchien Capucci(der intelligenteſte und„Fürchten Sie nichts, Herr! Ich bin ein ehrlicher 2uch?. wol auch nichtswürdigſte Günſtling Chiavone's) und hinter Soldat.“ ihm ein nicht enden wollender Zug Bewaffneter. Schon ſtan⸗ Die zurückkehrende Patrouille meldete in der That, ire den mindeſtens 50 Mann auf der Waldblöße, und noch kamen Chiavone ſei ganz allein und habe ſogar vor ihren Augen eiben andere aus dem Gebüſche hervor. Capucci zog ſeinen bän⸗ den tenente Luciani nach der Costa del fago hin abmarſchi⸗ i dergeſchmückten Hut und rief:„Mille saluti dalla parte del ren laſſen. nostro generale!“(„Tauſend Grüße von Seite unſeres Ich begann mich faſt meines Mistrauens zu ſchämen, Enbuch Generals.“) legte meinen Stutzen zur Seite und ging, nur mit Revolver .„Grazia, Signor!“ ſagte ich zornig;„aber ſagt mir, und Dolch bewaffnet, auf dem ſchmalen Pfade vor. Da kam d wenn heißt ein ſolcher Haufen Menſchen bei Euch„Patrouille?““ Teti hinter mir her und ſagte⸗„Herr, laſſen Sie mich mit: swerthen„Eh!“ machte er;„ich hatte eigentlich nur zehn Mann ich möchte auch mit Chiavone Frieden ſchließen.“ u mit die andern ſind mir wol aus Neugierde nachgelaufen.„Ich werde das ſchon für Euch beſorgen“, entgegnete Euerm Wie befinden Sie ſich, Herr Major?“ ich geht in das Lager zurück und ſagt dem Kapitän Duc, „Gut, Herr Lieutenant. Damit aber auch Ihr Befin⸗ daß er ſich auf Alles gefaßt mache.“ aty, be den nichts zu wünſchen übrig laſſe, ſchicken Sie mir augen⸗„Ben, Signor maggiore— aber vergeſſen Sie nicht, drückend. blicklich alle dieſe— neugierigen Menſchen wieder dorthin, für mich zu ſprechen.“ Tochte wo ſie hergekommen ſind.“ Bald ſah ich Chiavone ganz allein am Wege ſitzen. Er „Aber, wir ſind ja Freunde!“ grüßte mich ſchon von Ferne auf das Freundlichſte, und ich ohl abet„Ganz richtig; aber unter Freunden muß Ordnung ſein; dachte mir unwillkürlich: Pfui T... 1 Du haſt dem largarita darum marſch mit dieſen— Neugierigen.“ Manne diesmal doch Unrecht gethan! genannt. Die„Neugierigen“ füllten bereits den Raum zwiſchen Ich war noch etwa zehn Schritte von Chiavone entfernt, Furm beiden Baracken aus und ſchienen verwundert, auf dem Lager⸗ der ſich mittlerweile erhoben hatte, als ich heftig über einen chin zu platze nur mich und den Schweizer⸗Kapitän Due zu ſehen. Stein ſtolperte, und durch die Erſchütterung mein Revolver engliſche Da Capucci meinem Befehle nicht folgen zu wollen aus dem Futterale ſiel. Ich hob ihn auf und wiſchte ihn, ſchien, zog ich mein kleines Signalpfeifchen, welches täuſchend langſam vorwärts ſchreitend, ab. Da war mir's mit einem znt Ir den Schrei der wilden Ziege nachahmte, und gab das Zei⸗ Male, als würde es im Walde lebendig, und als ich unwill⸗ da die chen zur„Sammlung um den Commandanten.“ Im Nu kürlich auf Chiavone blickte, fand ich ihn furchtbar verändert. ſ hobt ſtanden meine 79 Mann am Rande der Waldblöße, und ich Ich ſah nicht mehr ein freundlich lächelndes Geſicht, ſos nun rief nun den„Neugierigen“ zu:„Mezzo giro a dritta! ſondern die Fratze des Haſſes, des Verraths und der Grau⸗ l marcia!“(„Rechtsum kehrt! Marſch!“), was auch prompteſt ſamkeit. n ausgeführt wurde.„A basso la pistola! ligate lo! ligate lo!“(„Nieder die 4„So, Freund“, wandte ich mich an Capucci,„jetzt kön⸗ Piſtolel Bindet ihn! Bindet ihn!“) ſchrie er mit gellender 3 nen wir plaudern.“ Stimme, und links und rechts erſchienen die verſchwunden le—. Er warf mir einen halb ängſtlichen, halb grirmigen geglaubten Chiavoniſten in Maſſe; allen voran der— tenente Blick zu und meldete: Chiavone iaſſe mich zu einer Unter⸗ Luciani! terredung einladen.„Verloren! Verloren!“ zuckte es durch mein Gehirn, ch jch,„Gut“, ſagte ich,„ſagen Sie Ihrem Chef, daß ich gern aber, wohl mir, der ſchreckliche Gedanke überwältigte mich . dazu bereit bin; aber„Zeit und Verhältniſſe“ gebieten Vor⸗ nicht. Was habe ich in dieſer entſetzlichen Secunde Alles egt unge⸗ ſicht, und ich muß daher auf eine Zufammenkunft unter vier gedacht und gefühlt! Ich fühlte, wie all' mein Blut glühend Vuters, Augen und außer Schußweite der beiden Truppen dringen.“ zum Herzen zurückſchoß, fühlte Haß, Rache und Verzweiflung, ich nich„Nicht mehr als billig, Signor maggiore. Ich empfehle aber auch ein weicher, ſanfter Ton klang durch das wilde flichteit mich Ihrer Gnade“, entgegnete der tenente mit ſeiner unter⸗ Sturmgetöſe: ein Abſchiedsgedanke an die Lieben in der nn na würfigſten Miene und zog ab. Ich folgte ihm mit einer fernen Heimat. leinen Abtheilung, um nach meinen Vorpoſten zu ſehen. Ich Was ich hier in Minuten niederſchreibe, war das Werk en Ritt fand ſie unverſehrt und erfuhr von ihnen, daß die Chiavo⸗ ebenſo vieler Secunden. Blitzſchnell hatte ich meinen Revol⸗ niſten in der Richtung nach der Costa del fago verſchwunden ver geſpannt, auf die Augen meines Todfeindes gerichtet und de Aird ſeien. Ich ſtellte noch einige neue Vedetten auf und empfahl ſrief nun, wie ich mich noch niemals rufen gehört:„Piavolo, Zut bs allen die größte Wachſamkeit— beſonders für den Fall, andremo insiemel“(„Teufel, wir werden zuſammen gehen!*) air mein daß Chiavone in das vorgeſchlagene téte à téte willigen Hätte ich den Revolver nicht ſchon in der Hand gehabt, ſo ßuch würde. Er konnte doch auf die Idee gerathen, mir einen wäre ich rettungslos verloren geweſen, und hätte ich nur ein ich Hinterhalt zu legen. Gewehr auf mich anſchlagen geſehen, ſo wäre mein Schuß Ich war noch bei den Vorpoſten, als ein gewiſſer te auf Chiavone und gleich darauf zwanzig andere auf mich der nem nente Luciani mit einigen Mann herankam und mir meldete, gefallen. iei⸗ 4 Shianone erwarte mich auf Büchſenſchußweite von meinen„Keiner rühre ſich! rief ich, ohne das Auge von Chia⸗ — den Vorpoſten. vone zu wenden; wenn ich nur einen Hahn knacken höre, Iit er allein?“ fragte ich. ſo iſt Euer Führer kalt!“ Und ich glaube, ich hätte in die⸗ 5—„Ja, Herr, ganz allein. Ich gebe Ihnen darauf meinſſem Momente das leiſeſte Knacken eines Hahnes auch auf Nun Ehrenwort, im Namen Chiavone's“, entgegnete Luciani, und funfzig Schritte gehört. d ſeine Miene hatte ie Treuherziges, was 6 S der Ueberfallene war nicht mehr ich, ſondern 3 mich beſtach, aber noch nicht alle Vorſicht vergeſſen ließ. iavone! iclei, 5 ich, habt vier frum Er war furchtbar blaß geworden Mund mit Euch— ich werde nun eine ebenſo ſtarke Patrouille bis ſund ſchloß ſich mehrmals, als ob er nach i(2he un zu dem Orte ſchicken, wo Chiavone ſteht, und den Bericht mühſam ſtammelte er endlich:„Ma. ma! C. dieſer Patrouille abwarten.“ 6 aber!“) 6
Jahrgang
1868
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