Jahrgang 
1868
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worden iſt. Nie läßt er ſich auf Bäume nieder; als gutmüthiger Nabe geht er zu Fuß in den Alleen der Terraſſe rechts ſpazieren.

Sobald er ein Kind bemerkt, ohne Zweifel in Unwiſſenheit dar⸗ über, daß dieſes Alter ohne Mitleid iſt, neckt er es, pickt ihm das Brot aus der Hand und nimmt ſein Seil oder ſeinen Reifen in den Schnabel.

In Luxembourg kennt alle Welt Coco, und man hört nur ſeinen Namen von allen Seiten ausſprechen.

Wenn Coco auch voll Liebenswürdigkeit iſt, weiß er doch bei Gelegenheit einen unerſchrockenen Hervismus an den Tag zu legen. Kürzlich hat er gegen einen Hund einen Kampf beſtanden, der würdig wäre, von einem Homer beſungen zu werden.

Niemand fügt ihm, wohlverſtanden, ein Leid zu. Einmal in⸗ deſſen iſt er lahm heimgekehrt, und vierzehn Tage lang(es ſcheint, daß die Raben Gedächtniß haben) hat er ſich geweigert, aus ſeinem Käfig zu gehen. Nach dieſer Zeit hat er philoſophiſch ſeinen Ent⸗ ſchluß gefaßt und hat ſeine Ausflüge wieder angefangen; aber be⸗ ſonders im Verkehr mit ſeinem Herrn iſt er ſonderbar anzuſehen.

Sobald er ihn erblickt, fliegt er auf ihn zu, ſetzt ſich auf ſeine Schulter und fängt Reden an(denn er ſpricht), die einen Redner von Profeſſion eiferſüchtig machen könnten.

Bei alledem macht er den Stutzer, exercirt, kurz thut Alles, was eigentlich nicht ſeine Sache iſt.

Glücklicher Coco. D.

Verſchmähte Liebe.

Am 13. Mai 1867 ſaß der Aſſiſenhof zu Paris über eine junge Spanierin, Victorine Legrand, deren höchſt leidenſchaftliches Tem⸗ perament ſich in wiederholten heftigen Ausbrüchen während der Ver⸗ handlung kundgab, zu Gericht. Als Kammerfrau in einem großen ſpaniſchen Hauſe zu Paris angeſtellt, unterhielt ſie ein Liebesverhält⸗ niß mit dem Kutſcher Maquoh, einem ſehr hübſchen Burſchen. Als der intime Verkehr ruchbar wurde, entließ man ſie, während man Maquoh behielt. Victorine lud Letzteren noch einmal auf ihr Zim⸗ mer ein, machte ihm Thee und erneuerte dann ihr ſchon früher ge⸗ ſtelltes Verlangen, Maquoh ſolle ſie heirathen. Als dieſer allerdings etwas wegwerfend antwortete, ſchüttete ſie ihm eine Caraffe mit Schwefelſäure ins Geſicht, wodurch der junge Menſch derart zugerichtet wurde, daß er acht Tage darauf unter ſchrecklichen Leiden ſtarb. Die Vertheidigung der Angeklagten iſt höchſt eigenthümlich; ſie will ihrem Geliebten im Zorn nur heißes Theewaſſer ins Geſicht geſchüttet haben; dieſer habe eilig eine daſtehende Flaſche Schwefelſäure, womit ſie ſich gelegentlich ſelbſt habe umbringen wollen, in ein Lavoir geſchüttet, um ſich das Geſicht zu waſchen, natürlich in der Meinung, es ſei Waſſer; hierdurch, nicht durch ſie, ſeien die Verletzungen entſtanden. Das wird ſchon dadurch widerlegt, daß die Hände gar nicht ver brannt ſind. Während des ganzen Reſumés des Präſidenten lehnte die Angeklagte mit fieberhafter Spannung mit halbem Leibe über der Brüſtung, die Arme bald gen Himmel gerichtet, bald inbrünſtig bittend dem Gericht entgegengefaltet, während die großen ſchwarzen Augen ebenſalls das Ihrige zu thun ſuchten. Dreimal hatte ſie ſchon während der Verhandlung Krämpfe bekommen oder ſimulirt. Als das Urtheil, mit Verneinung des Vorbedachts auf acht Jahre Zucht⸗ haus lautend, verkündigt wurde, erfolgte ein neuer gewaltſamer Aus⸗ bruch unter gräßlichem Geſchrei und mußte die Verurtheilte von vier Gensdarmen aus dem Saal getragen werden.

Witwen⸗Verbrennung in Indien.

Es koſtet noch immer die größten Anſtrengungen, dem abſcheu lichen Gebrauch der Witwen-Verbrennungen ein Ende zu machen, und zwar liegt die Hauptſchuld gerade an den Frauen ſelbſt. Dieſelben ſtehen nämlich in dem Wahne, daß ſie ſich und ihren verſtorbenen Mann entehren, wenn ſie nicht den Scheiterhaufen beſteigen. Indiſche Blätter berichteten vor kurzem einen beſonders merkwürdigen Fall. Einer der eingeborenen Fürſten, Maharao Ram Singh, Herr des Fürſtenthums Kotah, arbeitete mit aller Kraft der barbariſchen Sitte entgegen. Dieſer ſtarb und gerade ſeine Witwe bot Alles auf, den Feuertod zu ſterben. Sie wollte ſich in Harauti, der Hauptſtadt von Kotah, öffentlich verbrennen laſſen und war im hohen Grade darüber empört, als der engliſche Gouverneur dies Todtenopfer nicht dulden wollte. Die Fürſtin mußte endlich eingeſperrt, und unter ſtrenger Bewachung gehalten werden. 0.

Wie uns franzöſiſche Journale berichten, geht uns Italien mit nachahmungswürdigem Beiſpiele entgegen, indem ſich daſelbſt ein Trinker⸗Complot gebildet, deſſen eigenthümlicher Zweck in Folgen⸗ dem ſich erklärt:

Indem wir Unterzeichneten zu der Ueberzeugung gelangt ſind,

daß die Hotelbeſitzer, Schankwirthe und andere Verkäufer(brugnoni) die Geduld des Publikums zu weit misbrauchen und trotz der guten letzten Ernten und der unvermeidlichen Taufe, welche an und für ſich ſchon das Quantum verdoppelte, dennoch den Wein uns zu enormen Preiſen verkaufen beabſichtigen wir einen Verein für Waſſertrinker zu gründen.

Jedes Mitglied verpflichtet ſich, ſo lange keinen Wein mehr zu trinken, bis die obenerwähnten Verkäufer ſich entſchließen, den Preis des Weines im Verhältniß von ſechzig bis hundert zu ermäßigen.

Zu dieſem Zwecke leiſten die Unterzeichneten einen Eid und unter⸗ werfen ſich einer Strafe von ſünf Franes, ſo oft ſie von irgend einem der Mitglieder oder den ſpeciell hierzu beorderten Aufſehern auf friſcher That der Uebertretung ihrer eingegangenen Pflichten angetroffen werden. R

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Die Bequemlichkeit hoher Beamten, Schriftſtücke und Berichte, welche mit ihrer Unterſchrift verſehen werden müſſen, ohne vorher⸗ gegangene Durchſicht zu unterzeichnen, hat ſchon häufig drollige Dinge erzeugt; ein Stück dieſer Art paſſirte auch einem Polizeiprä⸗ ſidenten von Berlin während der Regierung des Königs Friedrich Wilhelm 1II. Angehörige der edlen Zunft der Straßenjungen hatten auf der Seite des begonnenen Dombaues, welcher nach der Spree zu liegt, unſaubere Worte angebracht, und eine Ordre des Monarchen an die Polizeibehörde befahl, die Uebelthäter zu ermitteln, über das Reſultat der Unterſuchungen aber demnächſt allerhöchſten Orts Be⸗ richt zu erſtatten. Die angeſtellten Recherchen waxen bald beendet, und der von dem dazu beauftragten Beamten abgefaßte Bericht ward dem Präſidenten im Concept vorgelegt; dieſer billigte den⸗ ſelben, ſchrieb jedoch die Frage an den Rand, daß er wol wiſſen möchte, durch welche Hinterthür Seine Majeſtät die unwichtige Sache erfahren habe. Der Bericht ward einem Kanzliſten zum Mundiren übergeben, und dieſer fügte demſelben ganz zuletzt getroſt die vom Herrn Präſidenten geſtellte Frage hinzu. In dieſer Form ward der Bericht auch vom Herrn Präſidenten unterſchrieben und abgeſendet. Welche Augen mag aber wol der Herr Präſident gemacht haben, als er nach einiger Zeit ſeinen Bericht im Original zurück erhielt, und zwar mit den eigenhändig von Seiner Majeſtät auf den Rand ge⸗ ſetzten Worten:

Die Hinterthür iſt der Prinz Karl geweſen.

Kanzliſt und Kanzleivorſtand dürften dieſer Auskunft durch Seine Majeſtät wol eine böſe Stunde zu verdanken gehabt haben. G

Friedrich II. half ſehr gern, wenn ihm irgendwo Hülſe nöthig zu ſein ſchien; indeſſen ward er ſo oſt unberechtigter Weiſe bean⸗ ſprucht und namentlich ſeine heitere Laune ſo vielfach auszubeuten geſucht, daß er auch häufig ganz abſichtsloſe Antworten und Reden für verſteckte Bitten um Unterſtützung nahm. So unterhielt er ſich einſt mit dem Juwelier Reclam und fragte denſelben im Verlaufe des Geſprächs, wie viel Kinder er habe.

Vier, Eure Majeſtät! antwortete der Mann,drei Söhne und eine Tochter.

Töchter ſind leichte Waare! meinte der König,die muß Er je eher je lieber los zu werden ſuchen!

Ja, Majeſtät! erwiderte Reclam,das iſt leicht geſagt, aber ſchwer gethan; ich bin kein reicher Mann!

Obgleich Reckam gar nicht der Mann war, welcher geneigt ge⸗ weſen, eine Unterſtützung zu erbitten, ſo nahm der König ſeine Antwort doch in dieſer Weiſe auf.

Weiß Er was? ſagte er ſcharf betont.Er muß fleißig unter den Linden ſpazieren gehen, die Naſe in die Luft recken, die Hände auf dem Rücken tragen und die Backen aufblaſen. Dann wird Er bald für einen reichen Mann gelten!

Damit wendete ſich Friedrich von dem Manne fort. Bekanntlich war der König in ältern Jahren überhaupt ſehr mistrauiſch ge⸗ worden.

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Kleine Boſt der Bedaction.

Herrn K. M. in Heidelberg. Wir haben nicht das Vergnügen, dieſen be⸗ rühmten Novelliſten auch nur dem Namen nach zu kennen. Frau Mathilde F in Pr. Wir möchten herzlich gern, aber es geht nicht. Frau v. S. E. in Cöln. Wie können Sie wol denken, daß die zuſällige Namensgleichheit irgend welche Aehnlichkeit vedingen ſoll? Der Verfaſſer ſchreibt Ihnen, ſobald er von einer ihn augenblicklich an das Bett ſeſſelnden Krankheit ge⸗ neſen iſt.

Der Hausfrennd erſcheint in Bänden von je 16 Heften à 6 großen Bogen mit ſchönen OHriginal Illuſtrationen, mit einem

mit humoriſtiſchen Bildern illuſtrirten Unſchlag elegant geheftet.

Preis pro Heft 5 Sgr.

Verlag der Hausfreund-Expedition(E. Graetz) in Berlin, Kronenſtraße Nr. 21. Verantwortlicher Herausgeber: Hans Wachenhuſen.

Haupt⸗Expedition und Druck bei F. A. Brockhans in Leipzig.

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