Jahrgang 
1868
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des Fallenſtellers ihn ab, ſeinen Gefühlen in herausfordern⸗ den Worten Raum zu geben.

So, Ihr meint alſo, der Baum müſſe nicht nothge⸗ drungen fallen? antwortete er endlich mit ſchlecht verhehltem Unwillen.

Das ſind meine eigenen Worte, entgegnetehder Greis, während ein ſchwermüthiges Lächeln ſeine Züge flüchtig erhellte. Sm, Ihr könntet wohl recht haben, bemerkte Hooker nachdenklich,der Baum braucht allerdings nicht zu fallen, wenn ich es für gut befinde, mein Haus etwas weiter ab⸗ wärts zu bauen. Da ich aber einmal meinen Willen dahin ausgeſprochen habe, meine Hütte gerade hier zu errichten, ſo fällt der Baum und käme der Präſident der Vereinigten Staaten ſelber, um mich an meinem Vorhaben zu hindern.

Und ich ſage Euch, der Baum wird noch manches Jahr grünen, erwiderte der Greis mit derſelben ruhigen Sicher⸗ heit,er wird noch grünen, wenn Eure und meine Gebeine ſchon längſt in feuchter Erde modern.

Ihr ſcheint Eurer Sache ſehr gewiß zu ſein, verſetzte Hooker ſpöttiſch,ſollte man doch faſt meinen, Ihr wäret hier, um ein beſſeres Recht, als das meinige iſt, zu vertheidigen.

Ein beſſeres Recht, wenn die Todten überhaupt noch ein Recht haben, ein Stückchen Erde, ſechs Fuß lang und drei Fuß breit für ſich zu beanſpruchen, bemerkte der Trapper mit einem milden Vorwurf im Tone ſeiner Stimme.

Die Todten? fragte Hooker ungläubig zurück,was ahen die Todten mit dieſer Eiche zu ſchaffen, die außer uns wphl kaum ein Anderer in der Nähe geſehen hat?

Und dennoch ſchlummert Jemand in ihrem Schatten, der, wenn er noch lebte, nur ſeine Augen zu den Eurigen zu erheben brauchte, um Euch zu jedem Opfer zu bewegen, ant⸗ wortete der Greis ſchwermüthig, und ich glaubte zu bemer⸗ ken, daß ein tieferes Roth ſeine ausgewetterten Züge auf Secunden überzog.

Hvoker, durch die Worte und das Weſen des Fremd⸗ berührt, blickte mit einer Anwandlung von Ver⸗ legeiheit um ſich.

Hier? fragte er endlich gedehnt, und wie ſich ent⸗ ſchuldigend, fügte er hinzu:Ein Hügel müßte ja die Grab⸗ ſtätte bezeichnen, und ſo weit ich ſehen kann, entdecke ich weder ein Merkmal in der alten zähen Grasnarbe, noch eine Uneben⸗ heit des Erdreichs.

Vierzig und mehr Jahre ebnen den Hügel, der über einen feſten Sarg aufgeworfen wurde, um wie viel ſchneller verwiſchen ſie die Spuren, wenn nur Zweige des Sumachs, Saſſafrasblätter und Prairieblumen dem Todten den Sarg nothdürftig erſetzten? entgegnete der Trapper leiſe, wie zu ſich ſelbſt ſprechend.

Vierzig und mehr Jahre, wiederholte Hooker, indem er den Greis mit wachſender Theilnahme betrachtete,alſo beinahe ein halbes Jahrhundert! Welch lange Zeit; zu lang, um eine Stelle in der unbegrenzten Wildniß genau wieder zu erkennen, es ſei denn, man wäre alljährlich nach derſelben hin gewallfahrtet.

Es ſind wohl achtundzwanzig Winter verſtrichen, ſeit mein Weg mich zum letzten Mal an den Neoſcho führte, bemerkte der Greis träumeriſch;ich hatte einen Schwur zu löſen; es war ein grauſamer Schwur, allein er mußte er⸗ füllt werden. Eine gedörrte Kopfhaut nagelte ich auf jenen Stamm, und dann zog ich wieder meines Wegs.

Von den ſeltſamſten Gefühlen beſchlichen, betrachtete ich den greiſen Fremdling, deſſen letzte Aeußerung einen ſo eigen⸗ thümlichen Contraſt zu ſeinem ſonſtigen milden und freund lichen Weſen bildete. Auch Hooker mußte ſich derartigen Betrachtungen hingegeben haben, denn noch theilnahmvoller,

als er bisher gethan, antwortete er:

Behüte mich Gott, daß ich meine Hütte wiſſentlich auf dem Grabe eines Menſchen aufſchlage, deſſen Freunde ihn noch in gutem Andenken behalten haben. Allein Ihr ſelbſt müßt einräumen, alter Mann, daß vierzig Jahre eine ſehr lange Zeit ſind, eine Zeit, in welcher viele Bäume abſterben

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emporſchießen und die entſtandenen Lücken ausfüllen. Wer

vermöchte noch vierzig, oder auch nur nach. achtundzwanzig

Jahren eine Waldſtelle wieder zu erkennen, auf welcher er

einſt raſtete? Der Wald ſieht hier nicht anders aus, als dort

drüben, und Hügel, wie derjenige, auf welchem wir uns jetzt

befinden, erheben ſich weit abwärts und aufwärts auf den

Wieſenflächen des Neoſchothales.

Etwa eine Minute betrachtete der Fallenſteller den An⸗

ſiedler ernſt, jedoch nicht unfreundlich.

's iſt wahr, Ihr könnt dergleichen Erfahrungen nicht

gemacht haben, oder Ihr würdet anders ſprechen, hob er an,

indem er die Büchſe vor ſich hinſtellte und, wie ermüdet, ſich

auf dieſelbe ſtützte.Hättet Ihr, wie ich, einen Theil Eurer Seele, Euer eigenes, krampfhaft zuckendes Herz zu einem ge⸗ liebten Todten in die Erde gelegt, dann würdet Ihr mich begreifen, und keine Zweifel in meine Worte ſetzen. Ja, glaubt mir, wo man die einzige Lebenshoffnung und einzige Lebensfreude in die Gruft ſenkte, da bedarf es keiner äußern Zeichen, um die alte Stelle wieder zu erkennen. Und hätte der wilde Prairiebrand dieſe Hügel geſtreift, hätte er jene Eiche bis in die Wurzel hinein in Staub und Aſche ver⸗ wandelt, hätte Euer Pflug die Erde nach allen Richtungen hin aufgeriſſen, bedeckte weit und breit üppiges Getreide dieſe Thalniederung, oder ſtände gar Euer Haus gerade hier vor uns, ich würde ſie gefunden haben, gleichviel, ob in dunkler Nacht oder am hellen Mittage; gleichviel ob unter bleichenden Saathalmen, unter einer Schneedecke oder unter der Schwelle Eures Hauſes. Wie der Vogel nach langer, langer Abweſenheit ohne Hülfe des Compaſſes die alte, von den Winterſtürmen zerzauſte Brutſtelle nicht verfehlt, ſo würde mein Gefühl mich führen doch warum verliere ich ſo viele Worte, da es doch in meiner Macht liegt, Euch zu überzeugen? unterbrach ſich der Greis hier, nachdem er ſich unbewußt in ein gewiſſes jugendliches Feuer hineingeredet hatte.Ja, warum verliere ich ſo viele Worte? wiederholte er, indem er ſeine Blicke flüchtig über die achtungsvoll ſchweigende Verſ ammlunghhingleiten ließ. Dann die Büchſe an den Stamm der Eiche lehnend,

Beil aus ſeinem Gurt zog.

Wir Alle, der alte Hooker an der Spitze, hatten uns ihm nachgedrängt, und als er ſeine Hand in der Höhe von etwa fünf Fuß an den Stamm legte, bemerkten wir neben derſelben eine breite Narbe in der geborſtenen korkigen Rinde, die indeſſen mit feinem Moos dicht bewachſen war. Die Narbe ſelbſt nahm ſich aus, als habe ein züederſchmetternder Nachbarbaum vor Jahren den Stamm der Giche geſtreift und deren Rinde verletzt, oder auch ein Wetterſtrahlſie gerav dieſer Stelle leicht berührt. einen Fuß, wogegen ihre Breite kaum die Breite meiner Hand erreichte. Daß dieſelbe einſt größer geweſen, entdeckte man leicht, wenn man die Bruchenden der Rinde aufmerkſam prüfte, die ſich von allen Seiten, wie ein feſter Teig, über das ent⸗ blößte harte Holz hingeſchoben hatte.

Indem der Fallenſteller die Hand auf die bezeichnete Stelle legte, wendeten ſich ſeine Blicke eben dahin. Ein Schauder ſchien ſeine Geſtalt zu durchrieſeln und zu beugen; dann aber richtete er ſich mit einem tiefen Seufzer empor.

Mein Herz blutet, jener Zeit verfloſſen, während die kleine Fläche hier von bei⸗ nahe einem halben Jahrhundert zu erzählen weiß, ſprach er halblaut für ſich. Zeit, und dennoch wie kurz! Dann ſich nach uns umwendend, wies er auf einen ſchlanken Hickory⸗Nußbaum.

Jenen Baum, fuhr er lebhafter fort, pflanzte ich vor ſechsundvierzig Jahren zu Füßen der theuern Leiche, während hier, genau zwei Ellen vom Stamme dieſer Eiche, wo die Wurzeln das Eindringen in den Boden nicht mehr hinderten, das geliebte Haupt ruht. Ich ahnte nicht, hoffte und wünſchte auch nicht, das ſchwanke Reis, welches ich damals mit meinen heißen Thränen benetzte, noch einmal als Vaum wieder zu ſehen; noch weniger hielt ich für möglich S meine Hand

und vom Sturme niedergebrochen werden, andere wieder kräftig

zum zweiten Male die Rinde von dieſer Eiche entfernen würde.

ſchritt er auf die Oſtſeite derſelben herum, worauf er das

Die Länge der Narbe betrug ungsfayn

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