Jahrgang 
1868
Einzelbild herunterladen

Auf mit duftenden Kräutern reich durchwebtem Raſen

liegend, hatten wir das zwar einfache, dafür aber um ſo daß ich

nahrhaftere Abendbrod eingenommen, als Hooker, das Haupt der zugewanderten Anſiedler⸗Familie, uns aufforderte, ihn auf einem kurzen Spaziergange zu begleiteten und das letzte Tageslicht dazu zu benutzen, das von ihm zu ſeiner neuen Heimat beſtimmte Plätzchen in Augenſchein zu nehmen. Mit ſin einem traulichen Waldwinkel. größter Bereitwilligkeit leiſteten wir der Aufforderung Folge, und wohl ſelten hat ſich eine heiterere und zufriedenere Geſell⸗ ſchaft auf der äußerſten Grenze der Civiliſation zuſammen⸗

gefunden, als wir bildeten, indem wir, ſechszehn oder achtzehn legen.

junge Männer an der Zahl, des alten Farmers fliegende Häuslichkeit verließen und die von ihm angedeutete Richtung einſchlugen.

Unſer Ziel war eine wenig umfangreiche, jedoch prächtig bewaldete Bodenerhebung auf einer ringsum von ſchattigen Hainen begrenzten Wieſenfläche, die indeſſen hoch genug lag, ohne Beſorgniß vor nachtheiligen Ueberſchwemmungen, mit verhältnißmäßig leichter Mühe in Ackerland verwandelt zu werden.

Nach wenigen Minuten erreichten wir den Rand der Lichtung, als Hvoker uns durch ſein Beiſpiel veranlaßte, ſtehen zu bleiben.

Dort will ich mein Haus bauen, hob er an, und indem er nach der Anhöhe hinüber wies, glitt es wie ein

Schimmer freudiger Zuverſicht über ſein biederes Antlitz,von gebaut.

dort aus vermag ich frei um mich zu ſchauen, das Waſſer iſt kaum zweihundert Ellen weit entfernt, und wenn im ganzen Stromgebiet des Neoſcho eine anmuthigere Stelle als jener

Hügel, ausgekundſchaftet wird, will ich nicht mit Ehren Dienſte

Abraham Hooker heißen.

So ſprechend ſetzte er ſich wieder in Bewegung, und um ihn beſſer zu verſtehen, ſchloſſen wir uns dichter an ihn an.

Dies iſt das vierte Mal, fuhr der alte Farmer nach einer kurzen Pauſe fort,das erſte Mal, ſeit ich als zwanzig⸗ jähriger Burſche unter mein eigenes Dach trat es war frei lich kümmerlich genug daß ich mir einen neuen Heerd gründe.

Gewinn hat mich dazu bewegt, meinen Wohnſitz ſo oft zu begann.

wechſeln nein, denn um reich zu werden, hätte ich auf meiner erſten Landſcholle ſitzen bleiben müſſen, anſtatt umher zu ſchweifen, wie ein rollender Stein, der kein Moos anſetzt. Es liegt aber nun einmal in meinem Blute, daß ich, um mich glücklich zu fühlen, die Wildniß vor meiner Thür haben muß. Große Städte und Eiſenbahnen mögen recht gut ſein, allein ich liebe ſie nicht; ſie bringen zu viele Neuerungen, und

So Gott will, ſoll dieſes indeſſen das letzte Mal ſein,

zu gründenden Hauſes lege. Meine Söhne mögen es machen, wie es ihnen am beſten gefällt; ich dagegen will hier leben und ſterben, und wenn die Eiſenbahn ſich erſt durch das Thal des Neoſcho hinzieht, ruhen meine Gebeine wohl längſt

Dort auf die Mitte des Hügels, gerade da, wo jetzt noch die alte Eiche ſo hoch und ſtolz über die andern Bäume emporragt, gedenke ich den Grundbalken zu weiner Hütte zu

wir auf dem Hügel ſelbſt, der dadurch zugleich gelichtet wird. Nur vor dem Hauſe möchte ich zehn oder zwölf der ge⸗ ſundeſten und ſchönſten Bäume ſtehen laſſen, zur Zierde, wie auch zum Schutze gegen die Sonnenglut des Hochſommers und die winterlichen Stürme. Hinter dem Hauſe ſoll ein kleiner Hain geſchont werden, in welchen ſich bei Unwetter das Vieh zurückziehen kann. Es geht in der That nichts über ſolchen natürlichen Schutz aber beim heiligen Georg! Wenn das eins von meinen Thieren iſt, will ich die längſte Zeit mit Ehren Abraham Hooker geheißen haben! unterbrach der Farmer hier ſeine Betrachtungen, indem er auf ein graſendes Pferd wies, welches eben hinter der Waldhöhe her⸗ vor ſichtbar wurde.

Daſſelbe war klein, jedoch ſehr kräftig und gedrungen

nieder, ebenſo waren ſeine Beine nach unten zu lang behaart, gewiſſermaßen bekundend, daß es einſt als wilder Muſtang die Prairien durchſtreifte, dann aber eingefangen und zum

Ein richtiger weſtlicher Herumtreiber, bemerkte Hvoker bei den Bewegungen des Pferdes,wachſam, wie ein Hofhund, und beſſer angelernt als mancher Farmer von ſeinen leibeigenen Kindern behaupten kann. Laßt nur, wendete er ſich darauf an ſeine jüngeren Söhne, die ſich des Pferdes bemächtigen wollten,es hilft Euch doch zu nichts; kenne dieſe Sorte; die Beſtie läßt Euch mit der Miene eines Lamms bis auf

die Axt an den Schwellenbaum meines eigenen, neu

Den größten Theil des nöthigen Bauholzes finden

Lange Mähnen hingen ihm von Stirn und Hals

des Menſchen abgerichtet worden war. Ein von

Wildleder geflochtener Laſſo, war loſe um ſeinen Hals ge⸗ ſchnürt und ſchleifte in der Länge von etwa dreißig Fuß auf dem Erdboden nach, wie breite, die Sattellage kennzeichnende Schweißflecke darauf hindeuteten, daß man es erſt in jüngſter Zeit ſcharf geritten hatte.

Als wir uns dem Pferde näherten, blickte es mit einem ſprechenden Ausdrucke des Mistrauens zu uns auf, dann Nicht Raſtloſigkeit oder unbeſiegbare Sucht nach aber wieherte es, wie warnend, worauf es wieder zu graſen

unheimlich iſt mir zu Muthe in ihrer Nähe. Ja ja, es muß drei Schritte herankommen, worauf es ſchleunigſt die Flucht

im Blut Atlantiſchen Ocean den Anfang gemacht ich glaube, es war im Staate Connecticut und weſtlich und immer weſt⸗ lich ſind ſie gezogen, bis mein Großvater endlich noch in ſeinen alten Tagen den Miſſiſſippi erreichte und dort das Weiterwandern ſeinen Nachkommen hinterließ.

Im fünften Decennium des achtzehnten Jahrhunderts ſaßen eines Abends in einem Gaſthauſe der uralten Stadt Salzwedel in der Altmark drei Stammgäſte nebſt dem fröh⸗ lichen Wirth an dem mit Flaſchen und Gläſern beſetzten großen Tiſch und unterhielten ſich von Welt- und Stadtan⸗ gelegenheiten. Als ſie ſo recht im beſten Zuge waren, raſſelte ein Wagen vor die Hausthür, und bald darauf erſchien ein einfach gekleideter junger Mann zwiſchen fünfundzwanzig und dreißig Jahren, der den dienſtfertig aufſpringenden Wirth er⸗

liegen, denn meine Vorfahren haben einſt am ergreift

*

in den Kauf gibt. Hm, hm, ich will nicht hoffen, auf meinen Grund und Boden mit Squattern zuſammen zu treffen, die ſich anmaßen, ein älteres und daher beſſeres Anrecht an meine hundertundzwanzig Morgen zu beſitzen.

Der Conrector von Seehanſen.*)

Lebensbild von Eduard Ziefh.

in Salzwedel zu verweilen gedenke. Der Wunſch des Rei⸗ ſenden ward ſogleich erfüllt, und nach Verlauf einer hakben Stunde trat der Letztere wieder ins Gaſtzimmer, beſtellte ſich ein frugales Abendeſſen und nahm dann unweit der übrigen Anweſenden am Tiſche Platz. In einer kleinen Stadt, wo der Fremdenverkehr nicht bedeutend iſt, erregt jeder Durchreiſende eine gewiſſe Auf⸗ merkſamkeit, und da die drei Stammgäſte und der Wirth be⸗ reits alle möglichen Themata discutirt hatten, ſo war es fehr

und Euch höchſtens einen hinterliſtigen Hufſchlag mit

(Fortſetzung folgt.)

ſuchte, ihm ein Zimmer anweiſen zu laſſen, da er einige Tage natürlich, daß ſie den Ankömmling genauer inß Auge faßten

*) Die Grundzüge dieſes Leben eildes ſind hiſtoriſch.