Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1615-1616
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Bücherſchau.

Alb. Hafner: Zornesfunken. 20 Lieder an Deutſchlands Männer. Winterthur. 1849. 60 Seiten.

Edler und wohlkleidender Zorn, ſo würdig in Worte gefaßt, als es der Gegenſtand und die faſt unmögliche Selbſtbeherrſchung erlauben. Leider kann man den Funken, obgleich ſie auf Stroh fallen, keine Feuererregung verſprechen, denn der Löſchſtoff iſt mehr als genügend herbeigetragen und das Stroh iſt an und für ſich ſchon meiſtens ſaul. Sollten wir noch folgenden Siegesberheißungen glauben dürfen?

Nur Muth! Wohl trägt die erſte Morgenhelle Des Mittags lichte Flammenkrone nicht; Doch ſind erſt Morgenröthen aufgerollt, Folgt auf dem Fuß des Taggeſteines Gold.

Die Aurora von 1848 ſcheint wenigſtens nur eine Borealis geweſen zu ſein, der die jetzige anhaltende(22²) Kälte gefolgt iſt. Nun, wir laſſen uns gern den Troſt wenigſtens ein⸗ ſprechen.

Alb. Hafner: Des Pilgrims letzte Fahrt. Ein Opfer an Bhrons Manen. Winterthur. Hegner. 1848. 8. 168 Seiten.

In wohltönenden, lieblichen Verſen erzählt H. des großen Dichters Thaten und Lebensende, und wir verſagen es uns ungern, größere Stellen aus demſelbeu mitzutheilen, und heben nur die Abſicht des Deutſchen Dichters hervor, die er folgendermaßen kundgiebt:

Du haſt vollendet! Mit der kalten Hülle Sind tief begraben Deines Lebens Schlacken. Laßt ruh'n den Staub! Dein Göttliches erfülle Die beſten Herzen, beuge jeden Nacken

Vor Deinem Werth. Färbt Deines Ruhmes Fülle Nicht purpurn ſchon der feinſten Berge Zacken? Dein Name wird den dunkeln Strom nicht ſchauen, Der Freiheit Aar trägt ihn nach ſchönern Auen!

Laß mich Dir folgen, vielbeweinter Schatten: Wandeln in Deines Fußes letzter Spur,

Dein Herz belauſchen bis zum letzten matten, Lautloſen Schlage, wo die Staubnatur

Den Scheidebrief empfängt vom höhern Gatten Und frei der Geiſt entſchwebt zur Sternenflur, Hierzieht DeinSarg, beſchwertmitHelmund Degen, Dort tragen Engel Palmen Dir entgegen.

Mich führt Dein Genius an Hellas Strand Auf nie betret'nen, doch ſo trauten Pfaden In Deiner Seele letzten Port, das Land, So reich an Heldenaſche, überkaden

Mit Perlen, wie des Sultans Prachtgewand, Mit Perlen, wie ſie ſchöne Augen baden, Wenn tempelräuberiſch des Todes Hand

Ihr liebſtes Kleinod ihrer Bruſt entwandt.

Die Feßert und der Feind. Ein Roman von enſeroſo. Zweite Auflage. Drei Theile 709 Seiten). Leipzig, Adolph Wienbrock.

8. geh. Rthlr. 24.

Welch Schauſpiel für Götter! Welch aller⸗ liebſter Abklatſch der guten alten Zeit, wo man keine politiſche Romane und keine emancipirte Weiber, keinen Fourirismus nnd keinen Socia⸗ lismus kannte, wo an eines Königs Majeſtät nicht gezweifelt und auch unſeres Herrgott Au⸗ torität nicht bekrittelt wurde. Aus jener Zeit ſtammt obiger Roman. Daß das Jahr 1850 eine zweite Auflage brachte, iſt allerdings über⸗ raſchend, und wir glauben, ohne Prophetengabe zu beanſpruchen, vorausſagen zu können, daß er ſchwerlich eine dritte erlebt. Wer kann ſich heut zu Tage für das verliebte Girren eines engel⸗ ſchönen Prinzen intereſſiren, der, ein Halbgott, unter allerlei Larven herumläuft und ein minnen⸗ der Seladon, einer ſchönen Gräfin Seraphine von Eichthal nachläuft, die, wie ihr Verehrer, ungeheuer ſchön, ungeheuer gut, ungeheuer geiſt⸗ reich und ungeheuer verliebt iſt. Das ganze Thema, um das ſich die einfache Geſchichte dreht, beſteht aus dieſer Liebesangelegenheit zwiſchen Se⸗ raphine und Adalbert. Die beſte Bezeichnung für ſolche Geſchichten iſt: Liebe mit Hinderniſſen, welche ſich hier in Geſtalt des Grafen Usdakin, der unerhört Seraphinen gehuldigt, darſtellen. Daß hier, um Effect zu machen, Alles fauſidick aufgetragen wird, daß man die beidon Helden des Romans auf Koſten ihrer Umgebung zu wahrhaft überirdiſchen Weſen ſiempelt, daß man mit an's Unglaubliche grenzender Zähigkeit immer neue Verzögerungen und Hinderniſſe erfindet, das Alles iſt eben nicht anders zu erwarten, da gerade dadurch das ganze Intereſſe einzig wach erhalten wird. Empfindſame Ladendiener und ſentimentale Nähmamſells, heirathsluſtige Frauen⸗ zimnter und alte Frauen werden ſicherlich Herrn Penſeroſo einen großen Schriftſteller und ſeinen Roman für ein unvergleichliches Buch erklären. De guslibus non est disputandum.

Dresdens Maitage. Ein Zeitbild von M. Norden. Drei Bände. 8.(767 Seiten.) Leipzig, Wienbrock. Geh. 34 Thlr.

Warum Herr Norden ſelnem Roman den vorſtehenden Titel gegehen, iſt uns ein Räthſel, da dieſer Dresdener Putſch doch in Wahrheit in ſeinem Buch eine ſehr untergeordnete Rolle ſpielt und er daſſelbe dann eben ſo gutDer Junker

und der Maler oderDie Edeldame und die Nähmamſell hätte nennen können, wozu die

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