Jahrgang 
2 (1850)
Seite
923-924
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zwei Mal dieGitana in der Hper gleiches Ramens und ſang die Philomena indie Kron⸗ diamanten. Sie iſt, obgleich nicht mehr in der erſten Blüte der Jugendfriſche ſtehend, eine rei⸗ zend liebliche Erſcheinung, deren Totalität in künſtleriſcher Hinſicht einen ſehr befriedigenden Eindruck macht, denn Spiel wie Geſang ſind gleich vortrefflich, und ſie rechtfertigte den Weih⸗ rauch der Huldigung, den unſere offiziellen Organe wie gewöhnlich auch ihr antici- pando zu ſtreuen befliſſen waren. Ihre Stimme iſt nicht grandios, auch nicht ſehr angenehm, doch hier erſetzt die Kunſt der Schule und die treff⸗ liche Bildung im Gebrauche der Stimmmittel reichlich dirß kleinen Mängel, und ſie kann in der That noch immer als eine Coloraturſängerin von ſeltener Fertigkeit und Gewandtheit gelten, die allerdings das weſentlichſte Erforderniß der ſogenannten Spieloper ſind. Schade, daß auch ſie im Tremuliren, wenn auch minder ſtark als Frl. Sulzer, die Wiener Schule, wir wollen lieber Mode ſagen, nicht verleugnet; ſchade ferner, daß auch in Betreff der Opern, welche ſie bis jetzt uns vorgeführt, wir im Geſchmacke von den Wienern ziemlich abweichen; auch für, dieſes Operngenre, meinen wir, giebt es noch viel beſſere Muſik als dieſe, welche lediglich durch die glän⸗ zende Ausführung der Darſtellerin auf Anerken⸗ nung und Beifall rechnen kann. Iſt die Oper, wie wir ſehen, nur theilweiſe zu rühmen, ſo ſteht das Luſtſpiel hingegen jetzt in ſchönſter Blüte; dies kann nicht Wunder nehmen, wenn drei ſo bewährte Künſtler, wie La Roche, Frau Haizinger⸗ Neumann und Louiſe Neumann, ſei es einzeln oder vereint, die Scene ſchmücken. Hier aller⸗ dings haben wir Urſache, die Wiener zu beneiden, an dieſem ausgezkichneten Kleeblatt dürfen wir auf die übrigen Künſiler den Schluß ziehen, welche das Enſemble im Burgtheater bilden und dieſe Bühne noch immer zu der erſten in Deutſch⸗ land, ja, der Welt machen müſſen. Hier iſt Wahrheit und Natur in der Characteriſtik, Fein⸗ beit und Eleganz in dem Converſationston, Grazie in der Bewegung; hier iſt Freiheit, Sicherheit und richtiger Tact in dem 2 aaßhalten, daß Alles, ſelbſt das Burleske und Drollige, in der Grenze des Schönen und Anmuthigen bleibt; hier iſt Nichts zufällig, ſondern Ton, Miene, Bewegung und Haltung ſind das Geſammt⸗ reſultat eines eben ſo natürlichen Talents wie durchdachten Studiums, ſo daß es ſchwer zu trennen und zu unterſcheiden ſein mögte; was dieſem oder jenem beſonders angehört. Tritt nun noch die Tüchtigkeit der Stücke hinzu, wa freilich nicht immer der Fall iſt, ſo iſt der Genuß eines ſolchen Luſtſpielab

elabends in der That ſo köſtlicher Art, daß es nicht zu verwundern iſt, wenn die Räume des Thaliatheaters bei dieſer

Gelegenheit zu enge werden, um alle Theilneh⸗ mende zu ſaſſen, und der auſeitige Wunſch nach Wiederholung ſich kund giebl. Wir für unſer Theil hatten an verſchiedenen Abeuden die Luſt⸗ ſpiele:Die Frau im Hauſe, von A. P., und Ich bleibe ledig, von Blum, uns gewählt und hatten uns dieſer Wahl in wahrer Herzensluſt

zu freuen alle Urſache. Auch im Stadttheater

war das Luſiſpiel an Einem Abende, es war am

Donnerstage, durch Herrn Baumeiſter recht gut vertreten, leider nur bei völlig leerem Hauſe. Er gab den Baron Ringelſiern in Bauernfeld's Bürgerlich und Romantiſch in ſehr feiner und gewandter Weiſe, die ihn für das beſſere Luſt⸗ ſpiel und Converſationsſtück ſehr befähigt zeigen. Weniger hat er uns in dem darauf folgenden LuſtſpielDoctor Robin als Garrick gefallen, wo die Genialität des großen britiſchen Mimen, zu der dieſes Luſtſpiel einen Beleg liefern ſoll, nicht zum Durchbruch kam; es blieb ſo ziemlich Alles auf der Stufe einer gewöhnlichen Verklei⸗ dungsrolle. Künſtlerdramen ſind ſehr ſchwer zu ſchreiben, und eben ſo ſchwer ſind die Helden derſelben darzuſtellen; der Grund von beiden kann dem Denkenden und Urtheilsfähigen nicht fern liegen. Wir hatten Herrn B. an dieſem Abende zuerſt ſeit ſeinem Hierſein zu ſehen Gelegenheit, doch iſt er uns von ſeinem frühern Aufenthalte her noch wohl bekannt, und wir dürfen verſichern, daß Herr B. während ſeiner Abweſenheit von Hamburg künſtleriſch nicht ſtillgeſtanden hat, ſon⸗ dern rühmlich fortgeſchritten iſi.

Herr Pitt folgt Mitte September, ehe er ſein Engagement in Breslau antritt, einer ehrenvollen Einladung nach Berlin zu fünf oder ſechs Gaſt⸗ rollen. Man hat es Herrn Ditt hoch angerechnet, daß er, um bei der Geneſungsſeier im Theater mitzuwirken, ſein Gaſtſpiel in München abbrach und die Anfrage des elektro⸗magnetiſchen Tele⸗ graphen ſofort mit einem entſchiedenenJa be⸗ antwortete. Früh Morgens angekommen, ſang Ditt bekanntlich denſelben Abend die große Scene aus Cortez und ſeiner friſchen Stimme Kraft war von außerordentlicher Wirkung. Im berliner Opernhauſe braucht man Stimmen, und deswegen wird das Engagement ven Ditt und der Wagner höheren Ortes lebhaft gewünſcht.Ditt geht zwar vorläufig ſür den Wimter nach Breslau, ſchreibt uns ein berliner Freund,aber ſeien Sie überzeugt, daß er früher oder ſpäter unſerer berliner Oper angehören wird, denn man braucht friſche Kräfte. Ditt hat hier, wegen ſeines neulichen Mitwirkens, einen bedeutenden Stein im Brett und wahrſcheinlich wird ſein Engagement ſchon im September zu Stande kommen.

Fathilde Wildauer, die gefeierte Schauſpielerin⸗

Sängerin, zu gleicher Zeit Mitglied des Burg⸗

theaters und eine Zierde des Kärnthnerthors, iſt eine geborne Wienerin. Frühzeitig widmete ſie ſich der Bühne und erwarb ſich durch ihre unvergleichlichen Leiſtungen im Soubrettenfache ſchnell einen glänzenden Ruf. Sie gilt den Wienern als der Inbegriff aller Anmuth und Liebenswürdigkeit. Während der Ferienzeit machte Mathilde einige Verſuche in der Spiel⸗ oper an andern Wiener Bühnen und zwar mit ſo außerordentlichem Erfolge, daß ſie in der Geſangskunſt ſich ausbilden ließ, und in kurzer Zeit auch im Coloraturgeſange Bedeutendes ſeiſtete. Längſt ein Liebling des kaiſerlichen Hofes, wie des Publikums, wurde ſie nun auch für die Oper im Kärnthnerthor angeſtellt. Die Spieloper iſt recht eigentlich ihr Fach. Spiel und Geſang ſind bei ihr zu einem harmoniſchen