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nicht recht vorſtellen können. Jedenfalls führt dies faktiſche Verhältniß, denn wir haben gar keine Veranlaſſung, die Angabe des Verfaſſers in Frage zu ziehn, zu dem Schluſſe, daß jenes Kommunenweſen kaum mehr als eine dumpfe, überkommene Praxis iſt, aus welcher Trägheit und Stumpfheit des Geiſtes die Bauern nicht herauslaſſen. Wäre es mehr, wäre es eine an⸗ gewandte Idee, ſo gäb' es keinen Czarismus, dann hätte das freie Element längſt durchge⸗ ſchlagen, trotz aller Truppenaufſtellungen. Mag es uns alſo der Verfaſſer nicht übelnehmen, wenn wir nach wie vor gegen Baſchkiren und Koſaken als Miſſionäre des neuen Evangeliums, das von Oſten kommen ſoll, proteſtiren. Unſre Väter wiſſen noch von dieſen Apoſteln und Talglicht⸗ freunden zu erzählen! Wir danken für ihren Beſuch, wie für alle Ruſſen, die nicht ſind, wie der Verfaſſer dieſes Buchs, den wir als Menſchen und Schriftſteller gern willkommen heißen.
Das Heil kommt weder von dort noch da! Das iſt unſre feſte Ueberzeugung. Die Welt wird ſich in ſich ſelbſt verbrennen müſſen, wenn ſie als Phönix auferſtehn will. Und manchmal ſieht's ſo aus, als würde der Scheiterhaufen ſchon aufgethürmt. Auch dies Buch ſchleppt Scheite herbei. H.
Goethe's Frauen. Von Max Kurnik. In zwei
Lieferungen. Erſte Lieferung mit einem Stahlſtich: die beiden Leonoren. Breslau, Verlag von Joh. Urban Kern. 1848.
„Wenn die Könige bau'n, haben die Kärner zu thun!“ Dieſer Erfahrungsſatz litt keine Ausnahme bei dem„Dichterkönig“, wie man Goethe in der letzteren Zeit häufig nannte; viel⸗ mehr die Beſchäftigung der Kärner fing mit ſeinem Tode erſt recht an. Wieviel iſt ſeitdem nicht über ihn zuſammen getragen! Der ge⸗ wiſſenhafte Sammler hätte hiervon allein eine ſtattliche Bibliothek. Stattlich? nun, ich meine fürs Auge, das zunächſt nur den äußerlich ſicht⸗ baren Titel und den eleganten Einband be⸗ trachtet; denn innerlich heißt es wohl manchmal: es iſt nicht Alles Gold, was glänzt. Bei einer ſchärferen Sichtung dürfte freilich nicht wenig Spreu hinweg zu kehren ſein. Iſt denn nun der Stoff zu weitern Commentaren über Goethe wohl endlich erſchöpft? Wir wiſſen es nicht, das aber möchten wir annehmen, daß mit dem Jahre 1818 das etwa noch Erſcheinende ver⸗ muthlich nur Gediegenes ſein kann, denn die Herrn Verleger ſind zunächſt ſpeculirende Kauf⸗ leute, und wiſſen recht gut, daß in Zeiten, wo die Politik an der Tagesordnung iſt, zunächſt nur bedeutendere äſthetiſche Gaben auf günſtigen Abgang zählen dürfen. Die erſte Lieferung des vorliegenden Werkes enthält folgende Frauen⸗ bilder. Maria in„Götz von Berlichingen,“ Maria in„Clavigo“, Lotte in„Leiden des jungen Werther,“ Gretchen in„Fauſt“, Clärchen in
„Egmont“, Dorothea in„Herrmann und Doro⸗ thea“, Bäthely in„Jery und Bäthely“, Mari⸗ anne in„die Geſchwiſter, Amine in„Laune des Verliebten“, Eſter in„Torquato Taſſo“ und Leonore Sanvitale in„Torquato Taſſo.“
Der Verfaſſer hätte, ſtatt der beiden Aeuße⸗ rungen Goethe's zu Eckermann und Thiemer, ſeinem Buche auch die tief innere poetiſche Wahrheit in dem Gedichte„An die Günſtigen“ als Motto vorbringen können, wo es heißt:
„Dichter lieben nicht zu ſchweigen, Wollen gern der Welt ſich zeigen, Lob und Tadel muß ja ſein; Niemand beichtet gern in Proſa, Doch vertraun wir oft sub rosa In der Muſen ſtillem Hain.
Was ich irrte, was ich ſtrebte,
Was ich litt und was ich lebte, Sind hier Blumen nur im Strauß. Und das Alter, wie die Jugend, Und der Fehler, wie die Tugend, Nimmt ſich gut in Liedern aus.“
Freilich, die Blumen wirken oft betäubend, und nicht Jeder, wenn er ſich ihnen nähert, denkt an den Spruch; latet anguis sub herba,
Der Gang, den ſich der Verfaſſer nun im All⸗
gemeinen bei ſeinem Werke vorgezeichnet hat, iſt folgender. Er gibt zunächſt die pſochologiſche Charakteriſtik des Frauenbildes, und läßt dann das Bruchſtück aus Goethe's Leben(meiſtens nach deſſen„Dichtung und Wahrheit“) folgen, das zur Wahl des weiblichen Charakters, ſowie zu dem Dichterwerke ſelbſt Veranlaſſung gab. Die Charakteriſtik iſt wirklich fein und nicht ſelten tief eindringend. F.
Joſephiniſche Curioſa, oder ganz beſondere, theils nicht mehr, theils noch nicht bekannte Per⸗ ſönlichkeiten, Geheimniſſe, Details, Acten⸗ ſtücke und Denkwürdigkeiten des Lebens und der Zeitgeſchichte Kaiſer Joſeph II. Wien, 1848. J. Klang. 4 Bände.
Man muß ein guter Oeſterreicher und neben⸗ bei noch Schwärmer ſein, wenn man, ohne zu gähnen und ſich zu langweilen, dieſe bisweilen trivialen Anecdoten von Anfang bis Ende durch⸗ leſen ſoll. Wir für unſern Theil konnten dieſes uns herkuliſch erſcheinende Beginnen nicht voll⸗ bringen. Wir empfehlen das Buch, welches von ungeheurer Verehrung zum angeſtammten Herr⸗ ſcherhauſe zeugt und überfließt von ſalbungsvollen Tiraden auf Gott, König und Vaterland, den Mitgliedern des Wiener Gemeinderaths und allen Schwarz⸗Gelben pur sang. Sie werden in dem⸗ ſelben eine unverſiegbare Quelle von Unterthanen⸗ liebe entdecken. Wir für unſern Theil bedauern, nicht in jenen Jubel einſtimmen zu können, und müſſen bekennen, daß der große Fritz neben Joſeph II. ein Gigant iſt.
Nur Bücher, welche der Redaktion eingeſandt werden, können beſprochen werden.
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