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die alte Klage. Wer ſich einmal mit ſich ſelbſt abgefunden, ja vielleicht ſich ſelbſt im Freien auf dem Lande wieder gefunden, den widert die Stadt mit allen ihren Schätzen an. Ich gebe die Kornblume, die ich zwiſchen meinen Aehren pflücke, nicht für die ſchönſte Caktusblüte..
Man kann annehmen, daß ich nicht allzu ſehr zufrieden war mit der Transplantation, die plötzlich mit mir vorgegangen. Ich ſah
alſo Pflaſterſteine, Straßen, Haͤuſer, Fenſter⸗
Leute und— Wollzelte: ich war in Breslau und in Breslau war Wollmarkt.—
I. S So Sm SZelie.
Das Wollzelt, das ich meine, hat an der Spitze oben eine Stange, von der eine ſchwarz⸗ weiße Flagge weht. Dieſe Flagge ſoll nun nicht bedeuten, daß hier geſcheckte Wolle zu haben ſei, ſondern ſie iſt ein Geſinnungs⸗ Aushängeſchild des edlen Schafszüchters, für das derſebe kein Opfer ſcheut und wofür er wahrſcheinlich auch dieſen Markt über manches bringen muß. Ich wußte nicht, was mich dahin zog, als ich mich aber anſah, fand ich⸗ daß der Spukgeiſt, der ſo willkürlich über meinen Anfenthaltsort verfügt hatte, jetzt auch mein Aeußeres zu verwandeln für gut gefunden. Die organiſche Transſubſtantion meines körperlichen Ichs zwang mir nun auch meine Rolle auf und es blieb nichts frei an mir, als die Reflexion über das, was ich thun mußte.
Ich war ein jüdiſcher Fabrikant, trug einen runden Brat, große Vatermörder, die an den Ohren in die Höhe ſtanden, einen Rock, deſſen rechter Aermel comptoirglänzig war, und ging auf Stiefeln mit Korkſohlen. So trat ich in das Zelt und fand meinen Junker auf einem Wollſacke liegend, die Kreuzzeitung leſend, in der Sternberg's Fan⸗ taſie eben mit einigen Duzend Pechkränzen und einem Demokratentiplom für den Meuchel⸗ mörder, den die„Herrlichktit“ und die tren⸗
bündleriſche„Frömmigkeit“ wahnſinnig gemacht, niedergekommen war, während über der Zu⸗ ſchauerclvake ein getaufter Jude gegen die Ungetauften wettern ließ. Ich ſah's ihm an, er wütete mit und vorzugsweiſe gegen die Juden, die ſeine junkerliche, ſchwarzweiße Wolle nicht kaufen mochten. Es war am dritten Markttage, die Geſichter des Schäfers und Schäferknechtes begannen ſchon überaus lang zu werden und der Herr fühlte ſicher ebenfalls großes Mißbehagen in der Börſen⸗ gegend, zumal im Hintergrunde, zwiſchen den Säcken, allerdings beſcheiden verſteckt, einer von„unſern Leuten“ mit einer Art von Haken⸗ blice Poſto gefaßt hatte. Ich überſah die Lage der Dinge augenblicklich. Einzelne Käufer waren gekommen, hatten die Säcke aufgeſchnitten und waren, ohne einen Preis zu ſetzen, fortgegangen: daher die langen
Geſichter. Der Herr hatte nur zu Zeiten
einen Haß gegen die Juden, war in der Lage“ geweſen, einen Wechſel auszuſtellen, den jener Hakenblickende beſaß, und dieſer traute ſchändlicherweiſe der junkerlichen Unter⸗ ſchrift ſo wenig, daß er vorzog, eine Art von Supervigilanz auszuüben und ſogar im Zelte dem Herrn treu zu bleiben. Eine rührende Anhänglichkeit.— Im Augenblicke wirkte der ſchöne Leitartikel der beſten Zeitung unſeres Jahrhunderts noch nach. Meine Naſe bildete eine zu entſchiedene 6, als doß meine orien⸗ taliſche Abkunft hätte in Zweifel gezogen werden können; als ich mich alſo nach gründ⸗ licher Unterſuchung des ſchwarzweißen Pro⸗ duktes an den Beſitzer wendete, um ſein Gebot zu hören, wies er mich unklug und ungnädig mit der Hand an den Schäfer. Er mochte nicht in Perſon mit einem Inden unterhan⸗ deln. Der Schäfer ſah ihn mit ängſtlicher Miene an und ſtotterte auf ein polniſches Schimpfwort endlich das urſprüngliche An⸗ gebot, was vor zwei Tagen einigen Sinn gehabt, hervor. Die Conjunktur hatte ſich geändert, auch ſah ich's dem armen ehrlichen Schaͤfer an, daß er viet licber 10 Thaler weniger geſetzt, um einen Handel wenigſtens
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