Jahrgang 
1 (1850)
Seite
831-832
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Kapellmeiſter Orſini. Es wird unſern Leſern willkommen ſein, über den Kapellmeiſter der jetzt bei uns verweilenden italieniſchen Oper, Signor Orſini einiges Nähere zu erfahren, das wir freundlicher Mittheilung verdanken. Herr Orſini hat ſich auch bei uns als ausgezeichneter, um⸗ ſichtiger und geſchmackvoller Dirigent ſo vortheil⸗ haft bewährt, daß es uns eine um ſo angenehmere Pflicht iſt, dem Verdienſte dieſe öffentliche An⸗ erkennung zu zollen. Louis Orſini iſt ge⸗ bürtig aus Rom, wo er ſeine erſte muſikaliſche Bildung genoß. Den erſten Muſikunterricht er⸗ hielt er von Signor Sirletti, darauf ſtudirte er Harmonielehre und Contrapunkt unter Leitung des berühmten Abbé Baini, Muſikdirector der päpſtlichen Kapelle. Nach Vollendung ſeiner Studien wurde er vom Orden der heiligen Cä⸗ cilie zum Kapellmeiſter ernannt. 1829 komponirte er eine Kantate, die auf dem Kapitol bei der Erwählungsfeier Pius VIII. aufgeführt wurde, und darauf eine Oper für das Theatre nuovo zu Neapel, unter dem Titel»LEremo di Sen- loph«. In Folge dieſer beifällig aufgenommenen Arbeit wurde er in Florenz engagirt, wo er»Pia de Tolomei« komponirte. Nach Rom zurückge⸗ kehrt, ſetzte er ein Oratorium Nabucco in Muſik und eine Meſſe mit großem Orcheſter, welche in der Kirche des heiligen Ludwig am Namenstage Louis Philipps aufgeführt wurde. Den ehren⸗ vollen Poſten als Muſikdirector der philharmoni⸗ ſchen Akademie bekleidete er mehrere Jahre, bis er Director des großen Apollotheaters zu Rom wurde. Im Jahre 1841 verließ er Rom, um ſich nach London zu begeben, wohin er von ei⸗ nem reichen ſchottiſchen Edelmann, Namens M'Johnſon, engagirt war, für den er in Italien ein Werk unter dem Titel»Gjulietta komponirt hatte, das indeß wegen des plötzlichen Todes dieſes M'Johnſon nicht zur Aufführung kam. Während ſeines Aufenthaltes in London ſchrieb er mehrere Romanzen, Barkarolen und Salon⸗ ſtücke, wurde als Direktor der engliſchen Oper am Princeß⸗Theater angeſtellt und beſuchte ſpäter mit der italieniſchen Truppe Dublin, Glasgow und Edinburg. Im Winter 1848 war er in St. Petersburg, wo mehrere Balette von ihm auf dem kaiſerlichen Theater mit Beifall gegeben wurden, und ſeit September 1849 in Berlin Kapellmeiſter bei der italieniſchen Oper der König⸗ ſtadt, deren Vorſtellungen er in Dresden, wie nun in Hamburg, mit beſtem Erfolg leitete. Von hier begiebt ſich die italieniſche Operngeſell⸗ ſchaft mit Herrn Orſini Anfangs Juli zunächſt nach Breslau und kehrt dann zum Winter nach Berlin zurück.

Der Tenoriſt Wachtel iſt vom 1. Juli als

lhriſcher und Spieltenor am Dresdner Hoftheater angeſtellt.

S

Miscellen.

Pie Geſetzdeputation. Katharina II., Kaiſerin von Rußland, hatte eine Commiſſion niedergeſetzt, die an einem Geſetzbuche für die verſchiedenen Unterthanen ihres großen Reiches arbeiten ſollte. Auch die Samojeden bekamen Befehl, Deputirte nach Petersburg zu ſchicken, die mit den Depu⸗ tirten der übrigen Provinzen in Unterhandlung treten ſollten. Die Kaiſerin empfing ſie bei ihrer Audienz auf ihrem Throne ſitzend, umgeben mit all der Pracht, welche Reiſende ſo oft an ihr bewundert haben. Sie erklärte den Samojeden mittelſt eines Dolmetſchers: da ſie die gnädigſten Geſinnungen für ſie, ſo wie für ihre andern Unterthanen hätte, ſo wünſche ſie ihnen Geſetze zu geben, die ihrer individuellen Lage und ihren Sitten entſprächen, und auf die Beförderung ihres häuslichen Glücks einen vortheilhaften Ein⸗ fluß haben könnten; ſie habe ſie daher in ihre Reſidenz berufen, offen und unbefangen über dieſe wichtige Angelegenheit ihre Meinung zu ſagen. Der vornehmſte unter den Deputirten dankte der Kaiſerin ehrerbietigſt für ihre Huld gegen ſeine Nation, und beſchloß ſeine Rede da⸗ mit:die Samojeden bedürfen ſo wenig Geſetze, als unſere Vorältern, aber wir bitten Ew. Ma⸗ jeſtät, unſern Nachbarn, den Ruſſen, doch ſolche ſobald als möglich zu geben.

Pas Pariſer Stadthaus iſt bekanntlich faſt ganz von Häuſern umgeben und ſeine Vertheidigung deßhalb höchſt ſchwierig, oder richtiger ganz unaus⸗ führbar. Da nun faſt alle Revolutionen ihren Sitz in den Räumen deſſelben aufſchlugen, hatte man 1849 bereits eine Commiſſion niedergeſetzt, welche darüber Bericht erſtatten ſollte, wie das Stadthaus am beſten zu iſoliren ſei. Dieſe Commiſſion hat jetzt ihren Bericht abgeſtattet; ſie proponirt, 800 der umliegenden Häuſer zu kaufen und dadurch einen großen, ſchönen Platz zu ge⸗ winnen und veranſchlagt die Koſten auf 6 bis 8 Millionen Francs.

Ein alter Baum. Man hat am 25. Mai unter Kanonendonner die älteſte der belgiſchen Eichen, zu Rouboaſt umgehauen, die unter Karl V., zwiſchen den Jahren 1540 und 1550 gepflanzt worden war. Der Baum maß 38 Fuß Höhe und 18 Fuß Umfang. Aus einigen ſeiner Aeſte ſchnitt man zwei Fuß breite Planken.

Dieſer Rieſenbaum, der 3 Jahrhunderte an ſich

vorübergehen ſah, wurde für 800 Franecs gekauft ven einem Tiſchlermeiſter zu Andenaerde, und ſoll derſelbe die Abſicht haben, daraus eine 4 bis 5 Fuß breite Planke zu ſchneiden, die er zur Londoner Induſtrieausſiellung ſenden will.

Inſerate in den Jahreszeiten werden per geſpaltene Petit⸗Zeile oder deren Raum mit 14 Ngr. berechnet. 1250 Beilagen

werden gegen 1 Rthlr. Pr. Cour. Gebühren beigelegt.

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