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es anders ſprach, als es unſere Herzen wiſſen.
Wenn auch unſere Leiber zittern und unſere loſen.“
Knie erbeben bei dem Anblicke Eurer Henker,
ſo ſoll doch unſre Seele unerſchüttert bleiben,
denn der Herr, welcher ſeinen Engel zu Daniel ſandte, läßt ſeine Cherubim auch über uns wachen.“—
Da zogen ſich die Braunen Kapiſtranos finſter zuſammen und indem er die Worte vor ſich hinmurmelte;„So mögen ſie denn hinfahren in der Verſtocktheit ihrer Herzen;
ihr Blut über ſie!“ gab er den Henkers⸗ knechten ein Zeichen, daß ſie die Juden hinab⸗
führten in die Folterkammer, um ſie durch die unſäglichſten Martern, die Menſchenwitz nur erſinnen konnte, zum Geſtändniß zu bringen.
Stumm hatte bis jetzt Lohmayr ſeinen Veruf als Protokollführer erfüllt, nur der gewaltige Kampf ſeiner Geſichtsmuskeln hatte den lebhaften Antheil verrathen, den ſein Herz an dem Schickſale der Unglücklichen nahm. Als er aber jetzt ſah, daß es der grauſame Mönch auf das Aeußerſte kommen ließ, und er, ſeinem Beruf gemäß, den Folterknechten an den Ort der Marter folgen ſollte, um der Gequälten Geſtändniſſe nieder⸗ zuſchreiben, da bekämpfte er ſeinen natürlichen Haß gegen Kapiſtrano nicht länger und trat anſcheinend höflich an denſelben und redete ihn lateiniſch alſo an:
„Wollet mir, heiliger Vater, gütigſt Gehör gönnen. Ich glaube— wie ja oft Gott zu ſeinen Zwecken unſcheinbare Mittel und zum Heil ſeiner Rirche ſchlechte Knechte wählt— ich glaube den olten graubärtigen Meiſter der ungläubigen Rotte dort, binnen 3 Tagen zum Geſtändniſſe zu bringen, wenn Ew. Heiligkeit mir ihn allein überlaſſen wollten.
Ueberraſcht durch die freuntliche Anrede, ſchaute Kapiſtrano in das offene, bittende Auge des Jünglings, als wollte er forſchend die Motive dieſer Bitte ergründen und ant⸗ wortete nach kurzer Pauſe:
„Glaubſt Du, mein geliebter Sohn in Chriſto, dieſes bewirken zu können, ſo nimm
den graubärtigen Sünder hin, denn die Kirche hat keine Freude am Tode des Gott⸗
„So erlaßt ihm und den Uebrigen bis dahin die Strafe der Folter,“ bat ermyuthigt Lohmayr; doch in ſeinen vorigen Ernſt zurück⸗ geſunken, als ſchäme er ſich ter augenblick⸗ lichen menſchlichen Regung, entgegnete Kapi⸗ ſtrano:
„Du weißt nicht, mein Sohn, was Du bitteſt. Der Rabbi ſei ausgenommen, die Uebrigen gehen zur peinlichen Frage, wie es ihre Hartnäckigkeit verdient.“ Und zum Dol⸗ metſcher gewendet, gab er ihm ſeine Befchle, während Lohmayr betrübt die Acten zu⸗ ſammennahm, um mit den Stadtſoldaten und den Unglücklichen in die Folterkammer hinab⸗ zuſteigen. Rabbi Jacob aber wurde in den erträglichen Bürgergewahrſam zurückgebracht, und der Gefängnißwärter beauftragt, den Stadtſchreiber, Herrn Lohmahr, zu jeder Tageszeit ungchindert zu dem Gefangenen gehen zu laſſen.
Wir wenden gern unſere Blicke von den Scenen der gerichtlichen Barberei jener Zeit und folgen nicht den unglücklichen Opfern eines unchriſtlichen Fanatismus in die dunkle Höhle des Gräuels. Nur ſehr wenige ertrugen mit unerſchütterter Standhaftigkeit alle Grade der Folter, die Meiſten, beim bloßen Anblick der Marterwerkzenge erſchreckt, oder in den erſten Graden der ſpaniſchen Stiefeln und Daum⸗ ſchrauben ihrer Beſinnung beraubt, geſtanden, was nur die anweſenden Mönche, die Be⸗ gleiter Kapiſtranos wollten, und erſchwerten ſo das Loos derer, die im Bewußtſein ihrer Unſchuld nichts ausgeſagt hatten. Täglich wurden mehr der Unglücklichen aus ihren Schlumpfwinkeln hervorgezogen und immer dichter füllten ſich die Gefängniſſe, immer häufiger machte der hämiſche Schwabau ſeine Runde, und es kam nur noch guf die endliche Ausſage des Rabbi Jacob an, um die Ver⸗ handlungen ihre blutige Endſchaft erreichen zu laſſen.
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