Jahrgang 
1 (1850)
Seite
277-278
Einzelbild herunterladen

276

Zeit dieſe und⸗ en;

oren, ſo oſt

Ge⸗ um züben eine

at.

d die ſſeur eiten

hnen uns ſich mfem vorge⸗ Dieſe Ki⸗ olibs ſo zun⸗ ſchen uloſt tnoch inier⸗ nbahn m an

5 iſi, Kunſ⸗ hieſge enen öpen⸗ elches zer⸗ hält ndlung eimi⸗ und noblet en ho⸗ Land⸗ es hi⸗ m der

77 278

ausgeführt; die Figuren ſind lebensgroß und ſehr ausdrucksvoll, namentlich iſt die Hauptfigur, Na⸗ poleon im Kampfe mit ſich ſelbſt, ob er der Welt Frieden gäbe oder das Schwert, das die Linke krampfhaft preßt, auch einmal der Scheide entreißen ſoll, und Eaulincourt, der angelegentlich zum Faieden und zur Unterwerfung räth. Auch die übrigen Figuren, Neh, Macdonald und Berthier ſind effeckvoll und die Details und Beiwerke mit Einſicht angeordnet und ausgeführt; namentlich ſind die Stoffe ſehr gelungen. Das Bild dürfte eine Zierde jeder großen Galerie ſein.

Das Theater ſpielt in Leipzig eine zu große Rolle, als daß ich es mit Stillſchweigen über⸗ gehen könnte. Herr Wirſing, früher in Magde⸗ burg, iſt ſeit einem Jahre Lenker dieſer Kunſt⸗ anſtalt. Herr Barthels, früherer Director des Uraniatheaters in Hamburg, dann Regiſſeur des Königsſtädter Theaters in Berlin, iſt ſein Mi⸗ niſter, aber nicht Finanz⸗, ſondern Kunſtminiſter und heißt Oberregiſſeur ein jedenfalls abſon⸗ derlicher Titel, da es hier keinen Mittel oder Unterregiſſeur giebt. Nach einem Berichte des hieſigen Tageblattes wirkt er, aber nur im Stillen, wie die Vorſehung laut iſt er noch nicht geworden, und in ſo fern hat das Tageblatt ſein einziges ganz wahres Referat gebracht. Sollten Sie es wohl glauben, daß dies Tageblatt, das täglich ellenlange Regiſter von Gefunden und Verloren, von Miethe und Vermiethung, von Tanz und Spiel anzeigt, von Wurſt und Braten⸗ ſchmauſerei giebt und allen Stadtklatſch öffentlich macht, das einzige Blatt iſt, welches dem Mu⸗ ſentempel in Pleiß⸗Athen, dem Stapelplatze des Buchhandels, der erſten und einzigen Univerſitäts⸗ ſtadt des intelligenten Sachſens, eine permanente Auſmerkſamkeit ſchenkt? Und welche Auf⸗ merkſamkeit?!

Wenn ein Theaterbeſucher das Referat über eine Darſtellung lieſt, die er beſucht hat, ſchlägt er, entſetzt über ſeine Dummheit, die Hände über dem Kopfe zuſammen denn er lieſt gedruckt, und da muß es ja doch wahr ſein, daß er da⸗ mals ein vortreffliches Dichterwerk von lauter Künſtlern dargeſtellt, geſehen hat, während er mit wehmüthigem Gefühle eine Komödie genoſſen, die ihm die Luſt nach weiterem Genuſſe auf lange Zeit benommen hat. So wird bei uns gelob⸗ hudelt, und es ſieht faſt aus, als lebte hier kein unparteiiſcher Referent. Und nun bedenken Sie die armen Künſtler! Aufgebläht bis zum zer⸗ platzen, denn ſie ſind ja, zu Folge der Kritik, Künſtler erſten Ranges, predigen ſie meiſtens mit einem Pathos ihre Rollen her, daß der ge⸗ bildete Zuſchauer wirklich zweifelt, ob er ſich im Leipziger Theater befindet. Und mit welcher Sicherheit legen ſie die Beweiſe ab, daß ſie ihre Rollen kaum leidlich memorirt, geſchweige denn aufgefaßt haben! Das iſt die ſtille Wirkſamkeit des Herrn Oberregiſſeurs. Dieſer Vorwurf trifft jedoch nicht Alle; das Schauſpielerperſonal zählt einige gebildete, denkende Männer, die in jeder ihrer Rollen, ſei ſie auch noch ſo klein, dorthun, daß ſie verſtehen, was ſie ſprechen. Ich werde ſpäter Gelegenheit finden, dieſe nach Verdienſt zu würdigen. Bei den Damen des Schau⸗ ſpiels iſt es leider ebenſo. Frau Boſt, Sie

kennen dieſe Dame ja, iſt die erſte Heldin und Liebhaberin und Fräulein Schäfer, ein Au⸗ tomat ihres Herrn Vaters die jugendliche Liebhaberin. Sie ſollten dieſe beiden Damen ſehen, die das Herz zu fangen und das Gemüth zu rühren ſich beſtreben dieſe Herculesarbeit ein ſaroniſches Lächeln iſt Alles womit der ruhige Zuſchauer den Beifall des Parterre und der Gallerie begleitet. Fräulein Gey, eine niedliche Schauſpielerin, hat, aus Rückſicht plötzlich die hieſige Bühne verlaſſen; ſtatt ihrer läßt ſich ein Fräulein Rüdiger ſehen, die vielleicht manchen Vorzug, nur nicht die für eine Liebhaberin für Leipzig erforderlichen Eigen⸗ ſchaften beſitzt. Daß ſie Anfängerin iſt, wäre eine Thorheit ihr zum Vorwurf zu machen, daß der Oberregiſſeur aber nichts weiter thut, als dem armen Mädchen ihre Rolle überhören und ſie unzweckmäßig verwendet, iſt ein Unrecht, das den härteſten Tadel verdient. Daß das Publi⸗ kum bei dieſem Wechſel verloren hat, liegt am Tage, daß der Finanzminiſter aber gewonnen hat, läßt ſich denken. So dürftig nun die obenge⸗ nannten Fächer beſetzt ſind, ſo vortrefflich ſind wir mit einer Soubrette und einer Mutter ver⸗ ſehen, wir beſitzen die Damen Bachmann und Eicke. Wenn ich ſie Ihnen als Perlen in der Dornenkrone unſeres Frauenperſonals bezeichne, als Perlen vom reinſten Waſſer, habe ich wahr⸗ lich nicht zu viel geſagt beide ſind Künſtler⸗ innen, wie ſie wenig Bühnen beſitzen. Die Männer werden Sie in meinem nächſten Briefe kennen lernen, eben ſo das Opernperſonal, das unter Rietz's Leitung ich freue mich, es be⸗ richten zu können, mehr als Mittelmäßiges leiſtet.

Neuigkeiten ſind in einem Zeitraum von drei Monaten nur ſpärlich erſchienen, bedeutendes faſt gar nichts. Das Beſte davon iſt das Topferſche LuſtſpielRoſenmüller und Finke, Köberle's Heinrich IV. und SalomonsDiamantkreuz, eine Oper. Roſenmüller und Finke hat gefallen und iſt ſchon ſo vielfältig beſprochen, daß ich darüber ſchweigen kann. Köberle's Heinrich W. iſt eine coloſſale Tragödie. Man ſieht, daß der Verfaſſer bedeutende Studien zu ſeiner Arbeit gemacht haben muß, und in der That, als Buch, iſt ſein Trauerſpiel vortrefflich, aber für die Auf⸗ führung erfordert es ein ſehr gewähltes Publikum. Das Alltags⸗Publikum ſucht Comödie und die findet es in dieſer Dichtung nicht. Die Sprache iſt zum größten Theil ſehr ſchön, die Handlung mit Verſtand angelegt und durchgeführt. Mit einem Worte, das Stück iſt für viele Publikum⸗ mer zu zart. Hier hat die erſte Aufführung, die bis gegen 1! Uhr dauerte, dem Perſonale und dem Dichter einen viermaligen Hervorruf ge⸗ bracht. Die zweite Aufführung wurde auf dem ZettelNach Kürzung des Dichters(Ohe Herr Oberregiſſeur!) angekündigt und dauerte bis ge⸗ gen 10 Uhr. Seitdem iſt das Stück mehrmals gegeben.Das Diamantkreuz hat nicht an⸗ geſprochen. Die Compoſition iſt ſchwulſtig, ob⸗ gleich das Buch eine leichte, gefällige Muſik ver⸗ langt und bietet eine Menge ſolche muſikaliſche Schwierigkeiten dar, daß ſie die Künſtler kaum zu überwinden vermögen. Pikante Melodieen