—
———
275 S 276
betrifft, ſo iſt daſſelbe ein ſehr einfaches; mit einer leinenen Hoſe, einem Hemde und einem Strohhute bekleidet, ſtets aber ſein Manſchett an der Seite, iſt er zufrieden, wenn er ſich ein paar Bananen oder eine Cocosnuß zum Mahl ver⸗ ſchaffen kann, das er durch einen Schluck„Aqua- dienhi“ Branntwein würzt; ſein Höchſtes iſt ihm „Soncochi“, eine Bouillon von Ochſenfleiſch oder Hühnern, in der aber Fleiſch und Gemüſe blei⸗ ben und das wirklich ſehr kräftig und ſchmackhaft iſt.— Von höchſt gutmüthiger Natur, iſt der Dominicaner, obgleich keineswegs feige, nicht zum Soldaten geſchaffen, am wenigſten aber für ſtrenge Disciplin, die bei ſeiner freien Lebensart ihm widerſteht und welche von den Officieren auch äußerſt gelinde gehandhabt wird. Mitr war be⸗ ſonders der Unterſchied zwiſchen dem hieſigen Militair und dem europäiſchen auffallend und köſtlich amüſirte ich mich hier manchmal bei den Paraden.— Uniform trägt ein Jeder beliebig, der eine mit, der andere ohne Schuhe; dem fehlt der Säbel, jener ſchleppt ſich mit einer Flinte ab, ohne jedoch eine Patrontaſche zu beſitzen; die bedeutſamſte Waffe iſt das oben angeführte Man⸗ ſchett, das ſie mit beſonderer Geſchicklichkeit zu handhaben wiſſen. Dieſe Waffe iſt weiter nichts als ein ſehr langes Küchenmeſſer, mit einem kleinen Handgriffe verſehen..— Die Frauen zeichnen ſich nicht durch beſendere Schönheit, wohl aber(es thut mir leid, ſo ungalant ſein zu müſſen) durch beſondere Trägheit und Unwiſſen⸗ heit aus, was ihnen übrigens kaum zur Laſt zu legen iſt, da es hier außer einer engliſchen Schule kelnen Unterricht giebt. Die Frauen gehen auch keineswegs geſchmackvoll gekleidet und ihr Kopf⸗ putz beſteht aus einem Turban ähnlich umgewun⸗ denen Tuche.—
Vergnügungen geſellſchaftlicher Art ſind hier faſt gänzlich unbekannt; eine Art Fandangos endet gewöhnlich mit oft blutig ablaufenden Raufereien; zwei an einander geriebene Muſcheln und ein dumpfes Geheul bilden den Geſang zu dieſem gewöhnlich unter offenem Himmel ſtattfindenden Sprüngen. Hahnengefechte mit hohen Wetten, hier Galieras genannt, iſt ein anderes Haupt⸗ vergnügen, welches auch in Europa in manchen Gegenden noch leider ſeine Liebhaber zählt.— Was die hieſigen Fremden betrifft, ſo ſind die meiſten Deutſche, die aber wenig harmoniſch zu⸗ ſammen leben, ſondern dem Beiſpiel ihrer euro⸗ päiſchen Landsleute folgen. Keiner von ihnen iſt verheirathet, wie ſich denn überhaupt der gänzliche Mangel eines Familienlebens hier be⸗ ſonders fühlbar macht.— Wilde Thiere giebt es hier gar nicht und iſt kein vierfüßiges Thier auf dieſer Inſel einheimiſch; die Pferde, die hier beſonders unentbehrlich ſind, da ſie die einzigſten Reiſe⸗ und Transportmittel ſind, zeichnen ſich nicht durch beſondere Schönheit, aber durch Stärke und Ausdauer aus. Die Viehzucht macht hier wenig zu ſchaffen, die Thiere ſuchen ſelbſt ihr und vermehren ſich auf außergewöhnliche
eiſe.
So hätte ich denn Ihnen einen ziemlich ge⸗ nauen Bericht der hieſigen Verhältniſſe aufge⸗ zeichnet und bliebe mir nur noch allenfalls eine Schilderung der Gerichtszuſtände übrig; bei den
zahlreichen Veränderungen, die in der letzten Zeit mit der Regierung vorgegangen ſind, hatten dieſe keine Gelegenheit, ſich zu befeſtigen. Als Grund⸗ lage zur Rechtspflege dient der Code Napoleon; Handelsſtreitigkeiten entſcheidet das Tribunal ge⸗ wöhnlich durch aus Kaufleuten gewählte Arlitoren, aber da, wie geſagt, die Regierung bisher ſo oft aus einer Hand in die andere kam, ſo ſind Ge⸗ richtsbarkeiten auch nicht competent genug, um bei wichtigen Fällen eine Entſcheidung ausüben zu können, doch auch in dieſer Hinſicht ſteht eine Beſſerung bevor.*)
Leipzig. Den 14. Februar. Schluß.)
Polkatödtungen. Das neue Kunſtmuſeum und die permanente Kunſtausſtellung. Oberregiſſeur Bartels. Das Damenperſonal. Neuigkeiten auſ dem Theater.
Auch ein Theilchen Romantik muß ich Ihnen berichten. Die Polkatödtungen kommen über uns wie die Cholera, denn erſt ganz kürzlich hat ſich ein junger Bergarbeiter aus Bitterfeld unfern unſerer Stadt, Abends dem Locomotiv vorge⸗ worfen,— ein eigenthümlicher Vorwurf! Dieſe aber hat denſelben, wie manche Miniſter und Kö⸗ nige, abgelehnt, indem die Krücke des Locomotivs den Mann ganz gemüthlich zur Seite ſchob, ſo daß er mit etliche Contuſionen und leichten Wun⸗ den davon gekommen iſt. In ſeinen Taſchen fand man Abſchiedsbriefe, auch an die treuloſe Geliebte. Ein zweiter ähnlicher Vorſatz iſt noch bei Zeiten entdeckt und deſſen Erfüllung hinter⸗ trieben wordenz ein Packmeiſter an der Eiſenbahn aber hat ſich, nicht an die Mädchen, ſondern an einen Baum gehängt.
Daß die Kunſt von je an in Leiptig,— wenn es eden paßte— eifrig gepflegt worden iſt, wiſſen Sie, auch daß man ein neues Kunſt⸗ muſeum gegründet hat, zu welchem der hieſige Kunſtverein mit ſeinen Ankäufen und Geſchenken und mancher Kunſtfreund durch freigebige Spen⸗ den den Grund gelegt haben, und in welches man die hier und da in Bibliotheken ꝛc. zer⸗ ſtreuten Kunſtſchätze vereinigt hat. Dazu hält der Beſitzer der del Vecchioſchen Kunſthandlung eine permanente Ausſtellung, die von einheimi⸗ ſchen und fremden Künſtlern reich beſchickt und von Fremden und Einheimiſchen, zufolge nobler Paſſion vielfach beſucht wird. Viel Aufſehen ha⸗ ben dort in der neueſten Zeit die trefflichen Land⸗ ſchaften von Gurlitt gemacht und ein großes hi⸗ ſtoriſches Bild von Profeſſor Grünler, einem der glücklichſten Portraitmaler, der ſeine Bilder eben ſo ähnlich malt als er ſie geiſtreich auffaßt. Durch einige frühere große hiſtoriſche Bilder hat er auch ſein Ruf als Hiſtorienmaler bewährt, namentlich aber durch das neueſte, die Thronentſagung Na⸗ poleons in Fontainebleau(11. April 1814). Das Bild iſt genial aufgefaßt und vortrefflich
*) Die zwei Proklamationen, deren in dieſem Schreiben gedacht wird, folgen in nächſter Nummer. D. R.
ausge ausd pole Frie kram ſoll, Fue übrit ſind Ein ſind eine
4 Rell giher burg anſta liran Kän niſte und dal Unt hieſ
g
eit
S ₰ Ta ſch mac ſent Bu ſid Aui mo


