Jahrgang 
1 (1850)
Seite
11-12
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Und mit Augen, Angſt verkündend, würdig des beſorgten Knechts,

Wird geprüft, ob auf dem Boden man auch ſteh', des guten Rechts? Freilich doch! bis an die Knöchel ſeid Ihr ſchon hineingeſunken, Und ihr mögt vom Fortſchritt reden? Glaub' fürwahr ihr ſeid betrunken.

Was iſt Recht denn noch in Deutſchland? ſchier verwildert liegt der Boden, Und es gilt, in Sumpf und Unkraut arge Klötze auszuroden. Schlecht drum fort kommt Jedermann auf dem Grund trotz Sporn und Peitſchen; Was iſt Wahrheit? fragt Pilatus; was iſt Recht fragt man bei Deutſchen.

Richt den todten Eſelshäuten einmai: Pergamen in Falten

Hält man das geſchrieb'ne Jawort, und man ſollt's lebend'gen halten? Was iſt Macht denn? Kraſt zu brechen, und zu würgen die dem ſchelten; Kraſt verrückt zu ſein und dennoch als ein Salomo zu gelten.

Als die Macht geboren wurde, wars ein wohlgebildet Factum;

Nun ſie großgeſäugt erſcheint ſie ein geſpenſtiſches Abſtractum; Darum auch: auf keinem Boden fußt ihr Recht; aus Nebelhöhen Kann man jetzt das Bodenloſe ſeine Streiche führen ſehen.

Dumme Streiche, tief verwundend, auf dem Rücken unſ'rer Weiſen,

Geiſſelhiebe, Gall' und Eſſig, reicht man edlen deutſchen Greiſen. Schlangenbrut in ihren Nacken, ſetzt man, baß die zu begeifern, Die für ihres Volkes Ehre mit Prophetenzorne eifern.

Während dann die kleb'ge Schnecke: der Prozeß, mit zähem Schleime

Ueber Blätter kriecht, auf daß man einen Spruch zuſammenleime, Läßt in Spiritus geſetzte Henker man in Qual ſich üben, An dem Opſer, wie es Buben ärger mit dem Wurm nicht trieben.

Ratt' und Kellereſel füttert man mit edlen deutſchen Weiſen

Lolle ſetzt man auf den Richtſtuhl, Schuld der Unſchuld zu erweiſen, Tief im Kerker ſchleicht die Themis bis zum Lallen angetrunken, Schleckt am Herzblut des Gefang'nen, bis er tod liegt bei den Unken.

Legt das Ohr, ihr deutſchen Männer, an die Erde, rings zu lauſchen: Werdet Unſchulds⸗Todesröcheln ſchier im Chorus hören rauſchen; Und wo endlich Schloß und Riegel klirren vor des Rechtes Stärke, Schwankt hervor manch bleich Gerippe, des Geſetzes Lügenwerke.

Führt denn Satanas das Zepter, daß die Wölfe Hirt agiren? Liegt die Wahrheit ſo in Krämpfen, daß ſich Nord und Süd berühren? Stand aus Moosbewachs'nem Grabe auf des Vehmgerichtes Schrecken, Larvenfrei, im Hermeline, frech die Fäuſte auszuſtrecken?

Ja fürwahr, die Schwarzverkappten tragen jetzo bunte Jacken, Und die alten ſpitzen Dolche trägt man reih'weiſ' auf dem Nacken. Tauſendfältig ziehn die Sclaven alſo auf's Gedankenmorden, Denn das alte Fauſtrecht iſt zum Bajonettenrecht geworden.

Ferd'nand Cortez, jener Bluthund aus Caſtiliens Gefilden,

Hetzte ſeine Mörderrotte auf die Rothhaut nur, die Wilden: Schlimmer doch in unſern Tagen ſtrömet Blut auf deutſche Gaſſen Das in tückiſchem Verrathe deutſchen Adern abgelaſſen. 6