————
— kröſten,
preßte mit ſeinen zerſchmetterten Armen ſein Opfer feſt an ſich,
und war todt!
In Genua befindet ſich eine fromme Stiftung, welche den ſchönen Namen:„Albergo de poveri“, d. h. Armen⸗
herberge, führt.
Der Gottesdienſt nach dem Brande.
(Zu der Hriginalzeichnung von Schmelzer.)
Das Dorf liegt in Aſche.„Geſtern um dieſe Zeit“, ſeufzen die dem freien Himmel überlaſſenen Bewohner,„hatten wir noch Haus und Hof, Scheunen und Ställe, trieben unſer Vieh von der Weide heim— heut haben wir nichts, als was wir auf dem Leibe tragen!“ *„Ihr habt doch noch Etwas mehr“, ſagt der Geiſtliche, der in ſeiner Amtstracht unter ſie tritt,„Ihr vergeßt es nur; aber kommt, ich will es Euch ſagen! Kommt an die alte Eiche vor dem Gottes⸗ acker, an der Ihr ſchon oft mit Schmerzen vorübergegangen, wenn Ihr Einen Eurer Lieben gebettet in die friſche Gruft!“
Dem treuen Hirten folgt die betrübte Heerde. Weib und Kind, Mann, Greis und Matrone, Keiner bleibt zurück. Aber Keiner er⸗ wartet die Ueberraſchung, die ihm an der alten Eiche bevorſteht. Um den Baumrieſen iſt eine Kanzel gebaut, überzogen mit der aus dem brennenden Kirchlein geretteten Bekleidung. Davor ſtehen die⸗ ſelben ſchlichten Bänke, auf denen Alt und Jung Jahr aus Jahr ein Sonntags geſeſſen und der Predigt gelauſcht. Der Küſter hat die Geräthe heimlich hinausgeſchafft.
Und der Seelſorger beſteigt die Stufen und ſtreckt den Arm hin⸗ über nach den kahlen, nackten Trümmern, die heut keinem Inſect mehr Obdach geben, geſchweige Menſchen zu bergen vermögen. Da ſchlagen die Frauen die Hände vor die Augen, preſſen den Kopf in die Schürze, und der heiße Schmerz über all das unwiederbringlich Verlorene weint jäb auf. Aber er, der berufen iſt, die Zagenden
äßt die Stimme mächtiger erſchallen, ſodaß ſie den Jammer übertönt; er verweiſt ſeine Zuhörer auf den Himmel, der ſich glänzender über ihnen wölbe als der prächtigſte Dom, den Menſchenhand erbaut; daß das höchſte und einzige dauernde Gut der Seelenfrieden ſei, den ihnen Niemand rauben könne als die eigene Schuld!“
Wer zuckt bei dem Worte„Schuld“ ſo wild zuſammen, daß ſeine Züge ſich verzerren? Es iſt ein Theilnehmer an der Morgenandacht, den Keiner der Uebrigen bemerkt. Ueber die Gräber des Friedhofs hat er ſich herangeſchlichen und hinter der breiten Eiche verſteckt. Aber als müßte er ſeine Hände noch beſonders verſtecken, ſo preßt er ſie auf dem Rücken zuſammen.
Ein furchtbarer Schrei erſchüttert die Luft. Der Redner ſtockt, die Gemeinde ſtarrt ihn an, man murmelt, erhebt ſich, fängt an zu ſuchen woher der Schrei gedrungen— Niemand iſt zu finden. Aber als die erſten Bäume geſchlagen werden zum Neubau des Dorfes,
do liegt im Dickicht des Waldes ein Mann mit zerſchmettertem Schädel. Jeder, der ihn ſieht, kennt ihn, doch keine einzige Zunge ſpricht ſeinen Namen aus. OD. G.
Der Herzog von Norfolk und der Haarpuder.
In der Zeit, als der Gebrauch des Puders und das Tragen eines Zopfes zum guten Ton gehörte, dem ſich kein Mann von irgend einigem Anſpruch auf Diſtinction entziehen durfte, hatte in England allein der Herzog von Norfolk, damals noch Graf von Surreh, den Muth oder vielmehr den Trotz, ſein Haar kurz geſchnitten zu tragen und den Puder zu verſchmähen, natürlich die Levertage ausgenom⸗ wen, an denen er bei Hof erſcheinen mußte. Im Einklang mit ſeiner Marotte machte er Pitt 1785 den Vorſchlag, ſtatt der von dieſem Miniſter beabſichtigten Steuer auf weibliche Dienſtboten, den Hagrpuder mit einer Taxe zu belegen. Pitt ging damals auf dieſes Anſinen nicht ein, brachte es aber einige Jahre ſpäter zur Aus⸗ führung, und ſo kommt es, daß noch heutigen Tages in England die Lenutzung des Haarpuders ein ſteuerbares Object iſt. Pitt be⸗ merkté hei jenem Anlaß gegen den Lord Surreh, er könne vermöge ſeines Junges und ſeiner Stellung ſich vielleicht über den allge⸗ meinen Frauch wegſetzen; doch ſei dies nicht der Fall bei gewöhn⸗
lichen uh unbetitelten Individuen; auch werde es nicht wohl einen Gentlem geben, der ſeinem Bedienten geſtatte, ungepudert vor ihm zu Das letzte Mitglied des Oberhauſes, das ſeinen
m zu eheinen.
Sitz ir Mrn gehalten haben würde, wenn es ihn ungepudert und opf eingenommen hätte, war der erſte Herzog von Cleveland, ſer vor etwa zwanzig Jahren zu ſeinen Vätern verſam⸗
melt wurdi
— 763„—
———
Feuilleton.
Um in dieſe Anſtalt aufgenommen zu werden, genügt es, zu alt, zu jung, oder zu ſchwach zu ſein, um arbeiten zu können.
Dort pflegt Julia Vidal die ſeltener Aufopferung und Hingebung. Frieden der Seele wieder und in ihm den Lohn geprüftes Leben.
Armen und Elenden mit Dort fand ſie den für ein ſchwer⸗
Die Ankunft einer Turkomanenbraut.
Sonderbare Ceremonien werden beobachtet, wenn der Turkomane heirathet, und ſeine auserwählte Braut zum erſten Mal ſein Zelt betritt. Jene Ceremonien erſcheinen um ſo ſonderbarer, in Folge des umſtandes, daß der Turkomane ſich ſeine Braut kaufen muß, und für die ſchöne Tochter eines freien Turkomanen hundert bis tauſend Tonnen Teke oder von neunhundert bis zwölfhundert Dollars, für eine minder ſchöne, einäugige, oder ſonſt mit einem Gebrechen behaftete Braut funfzehn bis zwanzig Tonnen Teke, und für eine hübſche Sclavin eben ſo viel bezahlt.
Wenn der Handel abgeſchloſſen iſt, und der Mollah den Vertrag zu Papier gebracht hat, wenn Braut und Bräutigam ſich Geſchenke zugeſchickt haben, dann wird eines ſchönen Tages das Zelt des Bräutigams geſäubert und geſchmückt. Gegen Mittag ziehen Mutter, Schweſtern und weibliche Verwandte des Bräutigams, mit Schmuck⸗ ſachen und hohem Kopfputz überladen, mit einigen Kamelen aus, um die Braut zu holen. Einige Turkomanen reiten voran und feuern ihre Gewehre ab.
Vor dem Zelt der Braut entſteht noch zum Schein ein Kampf um dieſelbe; ſie ſträubt ſich und will ſich ihren Aeltern nicht entreißen laſſen. Sie wird aber von dennoch entriſſen, auf einen Teppich die an jedem der Zipfel anpacken, aus dem Zelt getragen. Nun aber ſtürzen die Verwandten der Braut aus dem Zelt, und es ent⸗ ſpinnt ſich ein Gefecht. Die Flinten werden aufeinander abgefeuert, jedoch mit beſonderer Sorgfalt, jedesmal ins Blaue zu ſchießen. Unter Geſchrei, Getümmel und Gewehrſalven wird die Braut bis in die Nähe der Kamele ihres Bräutigams getragen, dort aber laſſen ſie die vier Träger, als ob ſie der Schrecken des Kampfes übermannt hätte, auf die Erde fallen und laufen davon. Die Verfolgung hört dann auf. Die Braut wird auf ein Kamel geſetzt, und in das Zelt ihres Bräutigams gebracht. Sie bleibt dort etwa vierzehn Tage, und bringt ihre Zeit mit Nähen zu; ihre Freundinnen umgeben ſie beſtändig, ihr Bräutigam darf ſie nur während des Tages beſuchen, dann kehrt ſie wieder in das älterliche Haus zurück, und bleibt dort noch ein ganzes Jahr oder achtzehn Monate. Während deſſen darf ihr Mann ſie nur heimlicher Weiſe beſuchen. Nach Ablauf der be⸗ ſtimmten Zeit wird ſie nochmals in ihres Mannes Zelt gebracht und dann erſt waltet ſie darin als deſſen Frau.
gelegt und von vier Männern,
Wir haben bereits von der Zigeunertruppe geſprochen, Topfbinder und Keſſelflicker, die in dieſem Augenblicke alle Punkte Frankreichs durchwandern.
Dieſe Zigeunerbande iſt bis vor die Thore von Havre gekommen, und hat ſich auf das andere Seine-Ufer geworfen, ſie hat ſoeben Pont⸗Audemer beſucht, wo ſie, wie überall, die größte Reugierde her⸗ vorgerufen hat.
Das Journal du Havre macht uns mit einem ziemlich ſeltſamen Ereigniß während der Gegenwart dieſer Halbwilden in Frankreich bekannt, ein Ereigniß, deſſen Einzelheiten man nicht ohne ein pein⸗ liches Gefühl leſen kann: Während der Stamm an den Ufern der Riſte weilte, warf eine der Stuten ihres Geſpannes, das Thier ſtarb beinahe augenblicklich, während das Fohlen ſich der beſten Lebenskraft erfreute.
Große Verwirrung unter dem Stamm, eine Verſammlung des zerlumpten Areopags. Endlich wurde beſchloſſen, daß eine Frau, die ſeit einiger Zeit entbunden war, das Neugeborene nähren ſollte. Das geſchah auch wirklich, und ſo nährte die Zigeunerin alle Tage gravi⸗ tätiſch coram populo, eine Pfeife rauchend, ihren einhufigen Säug⸗ ling auf der einen, ihr eigenes Babh auf der andern Seite, zum großen Entſetzen der guten Einwohner von Pont⸗Audemer, die an ſolche Sittenverderbniß nicht gewöhnt waren. D.
Während die„verſchleierte Amazone der Elhſäiſchen Felder“ den Pariſern Stoff zu den verſchiedenſten Vermuthungen gab, beſchäf⸗ ligte London nicht weniger eine geheimnißvolle Erſcheinung, welcher man den Namen„der Mann mit dem eiſernen Kaſten“ beige⸗ legt hatte.
Dieſes Individuum, welches man für einen Deutſchen hielt, trug auf allen Wegen einen dauerhaft gearbeiteten eiſernen Kaſten
——
V——
—
den Freunden des Bräutigams ihnen—
½


