— Spaziergang durch die„Mall“— ein damals weitläufiger Park bei Lon⸗
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mit ſich, in dem man einen Schatz, Diamanten, theure Perlen, Rubinen und Topaſe— ſchön, um einen braſilianiſchen Kaiſer eifer⸗ ſüchtig zu machen— geborgen glaubte.
Dieſe Auslegungen klangen ſo ſchön und verlockend, daß Job Nathield, der berüchtigtſte Gauner der Eith, den Entſchluß faßte, ſich der Kleinodien zu bemächtigen.
Nachdem er acht Tage vergeblich gewartet, gelingt es Job endlich, den Fremden beim Herausgange von Covent⸗Garden mit Hülſe zweier anderer Schurken niederzuſchlagen und ſich des„eiſer⸗ nen Kaſtens“ mit ſeinen Schätzen zu bemächtigen, die in einem nahe gelegenen verfallenen Hauſe getheilt werden ſollen.
Nach vieler Mühe erbrachen ſie den Kaſten, und fanden zu nicht geringem Schrecken und Enttäuſchung— einen wunderbar ſchön erhaltenen Frauenkopf!
Der betrogene Job überſandte den Kaſten mit ſeinem Inhalte und einem erläuternden Briefe an den Chef der Polizei; jedoch ſind alle Nachforſchungen über den geheimnißbollen Eigenthümer des Kaſtens bisjetzt erfolglos geblieben, und wahrſcheinlich wird dieſes Räthſel, welches alle Kreiſe Londons beſchäftigt, wol nie vollſtändig gelöſt werden. R.
Non, non, j'aurai des maitresses.
Die Liebe und Hingabe der Königin Karoline für ihren Gemahl, Georg II. von England, ſteht in ihrer Art einzig da, und dieſe Fürſtin wurde zu ihrer Zeit als ein Muſter ehelicher Tugenden weit und breit geprieſen. Die genannten Vorzüge gewannen eine um ſo höhere Bedeutung, als Georg II. ſich weder durch Körperſchönheit, noch durch Vorzüge des Gemüthes und Geiſtes auszeichnete, ſondern vielmehr ein ziemlich unſreundlicher und rauher Gatte war, der die Treue und Liebe ſeiner Gemahlin überdies nicht durch gleiches Entgegenkommen ehrte, ſondern ſich offen ein kleines Serail von Favoritinnen hielt. Trotz alledem blieb ſich ſeine Gemahlin in ihrer ſeltenen Hingabe treu, ohne ihn durch Geltendmachen ihrer gewiß gerechtfertigten An— ſprüche als Königin und Gemahlin jemals zu beläſtigen.
Ihre ſo große Aufopferung ſollte ihr ſogar einen frühen Tod bereiten.
Ihr Gemahl hatte nämlich den Wunſch geäußert, mit ihr einen don— zu machen, und um denſelben erfüllen zu können, badete ſie ihre an Gicht leidenden Füße in kaltem Waſſer, in Folge deſſen ſie ſo heftig erkrankten, daß ſie nach wenigen Tagen ſtarb.
Mit ſeltener Standhaſtigkeit ertrug ſie die mit großer Heftigkeit ſie peinigenden Schmerzen und hatte, ſo lange ihr Bewußtſein währte, noch ein ſanftes Wort und ein liebesvolles Lächeln für ihren Ge⸗ mahl. Als ſie den Tod nahe fühlte, drang ſie in den König, ſich
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nach ihrem Ableben bald wieder zu verhei ghen; der alte König je doch ſtammelte die, ihn und jene Zeit ſcharf zeichnenden Worte: „Non, non, j'aurai des maſtresses.) N B½
Probates Mittel.
Herr Thickneß, der bekannte Reiſebeſchreiber, hatte einſt kei Geld, er ſeinen Sohn, den Lord Aulnah, iphe damit helfen. Allein diefer ſchlug es ihm ab. Thickneß, ohne ſich lange zu beſinnen, miethete ſogleich eine Schuhflickerwerkſtatt, die dem Palaſte wo der Lord wohnte, gegenüber lag, ließ ein großes Schild über di Thür hängen, worauf folgende Inſchrift mit ellenlangen Buchſtabe zu leſen war:
„Alte Stiefeln, ſchadhafte Schuhe. und abgelaufene Pantoffeln werden hier reparirt von Meiſter Philipp Thickneß, dem Vater des Lord Aulnah.“* 1„
Augenblicklich kam der Sohn gelaufen und gab ihm Alles, was er nur verlangte, nur ſollte er wieder ausziehen und das fatalt Schild wegnehmen.
Ein Einwohner des Iſere⸗Departements, ſagt ein dortiges Blatt, beſitzt eine Medaille, welche die wunderbare Kraft hat, den Rekrute ausgezeichnete Nummern zu verſchaſfen. Bei den Ziehungen von 1865 und 1866 haben die jungen Leute, welche Inhaber der koſt⸗ baren Medaille waren, die Nummer 90 davongetragen.
Derjenige, der in dieſem Jahre den wunderbaren Talisman ge⸗ miethet hatte, iſt weniger glücklich geweſen, er hat Nr. 9 gezogen.
Große Enttäuſchung und große Klagen gegen den Eigenthümer der Medaille, welchem der unglückliche Nekrut ſogleich ſein Misgeſchick erzählte, und ſein Geld wiederverlangte.
„Wo biſt du geweſen, ehe du gezogen haſt?“ fragte der Mann mit dem Amulet.
„Ich bin frühſtücken geweſen.“
„Und dann biſt du an irgend einen unheimlichen Ort ge Sanßen
„Wer hat dir das ſagen können?“
„Ich weiß Alles.“
„Na, wenn du es weißt— aber was hat das mit der Nummer; zu thun?“.
„Wie! Was das damit zu thun hat, das hat dir eine Rull ge⸗ ſtrichen, ohne das würdeſt du Nr. 90 gezogen haben.“
„Ach Potz Tauſend, dann iſt es noch ein großes Glück, daß-es nicht die 9 geſtrichen hat, dann würde ich Null gezogen
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