Jahrgang 
1867
Seite
758
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weidet hatte, nahm er ihn beim Arm und führte ihn in den Salon, wo wir uns defanden.

Nach einem Augenblick der Ueberlegung oder des Zögerns fragte der Oberſt:

Sire, welche Antwort ſoll ich Sr. Majeſtät dem Kaiſer von Oeſterreich bringen?

Mein Herr, erwiderte der König mit jener kriegeri⸗ ſchen Würde, welche ſeiner ſchönen ſchlanken Figur ſo gut ſtand,Sie werden meinem Bruder Franz erzählen, was Sie geſehen und gehört haben, und Sie werden hinzufügen, daß ich heute Nacht aufbreche, mein Königreich wieder zu erobern.

Dieſer verhängnißvolle Auftrag erfüllte mich mit traurigen Vorahnungen. Es ſchien mir unmöglich, daß Murat ſo blind ſein konnte, und ich hätte glauben mögen, daß dieſe Demon⸗ ſtrationen nur den Zweck hatten, die Geſinnungen der Nea⸗ politaner zu ſondiren und in Athem zu erhalten, um erſt im rechten Augenblick zu handeln.

Kaum war Maceroni fort, als der Aufbruch für den⸗ ſelben Abend befohlen wurde. Kraft des Einfluſſes, den ich

auf den König zu haben glaubte, beſchloß ich, ihn aufzu⸗ ſuchen. Ich ließ mich anmelden. Murat ſaß vor einem Tiſch, der mit Briefen und Documenten bedeckt war.

Nun, Anglade! Sie kommen doch mit mir?

Nein, Sire, erwiderte ich traurig.

Wie! Von den drei Freunden, welche ich habe, will mir nicht Einer folgen?

Sire, dieſe drei Freunde haben das Glück und die Ehre gehabt, das Leben Ew. Majeſtät zu retten; aber ſie wollen ſich nicht zum Mitſchuldigen von Ihrem Tode machen, indem ſie ein Unternehmen ermuthigen, welches für Sie nur ver⸗ hängnißvoll werden kann.

Ich habe hier, ſagte der König, indem er die Hand auf die Bruſt legte, wo er die Briefe aus Neapel hingeſteckt hatte,die Beweiſe des ſichern Erfolgs.

Eine Ahnung fagt mir, daß das, was Ew. Majeſtät dort haben, Ihren Untergang verurſachen wird.

Bei dieſen Worten ſah ich Murat erbleichen; ich wartete ein wenig, dann malte ich ihm die Gefahren aus, wenn er in See ginge mit einer Flotille von ſechs Schiffen, ohne Patent, ohne Schiffsrolle, ohne Papiere, mit 250 Mann, die mit Gewehren, Piſtolen und Säbeln bewaffnet und wie Banditen gekleidet ſeien. Ich erinnerte daran, daß ſie ein Kriegsſchiff treffen, für Piraten gehalten werden, und daß man, um ein Beiſpiel zu ſtatuiren, das damals ſo noth⸗ wendig war, die Anführer, vielleicht auch den König ſelbſt, erſchießen könnte.

Da ſprang Murat vor Zorn auf. Zum Glück trat Fran⸗ ceschetti ein, und da er die Aufregung des Königs bemerkte, errieth er die Gründe und gab mir ein Zeichen, abzutreten.

Es dauerte lange, ehe ſich die Aufregung des Königs legte, aber als ich wieder eintrat, empfing er mich mit der gewohnten Herzlichkeit.

Anglade, ſagte er zu mir,es thut mir wehe, daß meine Freunde, denen ich mein Leben verdanke, mich in dem Augenblick verlaſſen, wo ich meinen Thron wieder beſteigen will. Es war mein liebſter Gedanke, daß Sie, die Sie ſo ſchwere Geſahren mit mir getheilt, nun auch die Früchte mei ner Siege theilen und an meiner Seite die Ovationen meines treuen Volks empfangen ſollten. Sie wollen indeſſen nicht an mein Glück glauben und malen. ſich die Verhältniſſe mit den ſchwärzeſten Farben aus. Wohl weiß ich, daß Sie nach Ihrem beſten Wiſſen und Gewiſſen und in der edelſten Ab⸗ ſicht handeln; aber jetzt kann ich Ihrem Rathe nicht folgen. Ich habe die Beweiſe in Händen, daß mein Volk unter dem unerträglichen Joch der hochmüthigen Oeſterreicher ſeufzt, und in dem Augenblick, wo ich den Boden Calabriens betrete, ſich wie Ein Mann gegen ſeine Unterdrücker erheben wird. Was würde mein Volk, was würde die Welt ſagen, wenn ich mich jetzt, wo meine kleine Schaar um mich verſammelt und, begeiſtert von dem erhabenen Zweck unſerer Miſſion, zu

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meines öſterreichiſchen Vetters unterwürfe und mein Volk verriethe! Soll ich meinen Namen preisgeben und, mit dem Fluch meiner treuen Neapolitaner belaſtet, feig unter die Fittiche des Doppeladlers kriechen und um die Gnade bitten, in den Wäldern Böhmens verſteckt ein elendes Leben friſten zu können?

Sie verlaſſen mich, mein theurer Anglade, fuhr er nach einer Pauſe des Stillſchweigens fort;aber ich kann nicht von Ihnen ſcheiden, ehe Sie mir nicht das Verſprechen geben, mir nachzueilen und fortan in meiner Nähe zu blei⸗ ben, wenn die Nachricht meiner Siege Ihre unſeligen Ah⸗ nungen zerſtreut und Sie überzeugt hat, daß mein Glücks⸗ ſtern noch nicht untergegangen iſt. Ich wünſche Ihnen meine Erkenntlichkeit für alle Ihre Opfer beweiſen und mich der Rathſchläge eines ſo braven Freundes in den ſchweren Pflich⸗ ten meines Berufes bedienen zu können.

Leben Sie wohl, Anglade, endigte er mit bewegter Stimme,auf baldiges Wiederſehen in Neapel, und ſchloß mich herzlich in ſeine Arme..

Tief bewegt ſchied ich von ihm.

Die Sonne war eben im Begriff unterzugehen, als die Einſchiffung der Truppen beendigt war. Ganz Ajaccio war in der Rhede verſammelt und ein unermeßliches Viva Gio- acchino! erfüllte die Luft, als Murat erſchien. Jetzt ſchwellte eine friſche Briſe die Segel, ſtolz wehte die Flagge Neapels vom Königsſchiffe und unter dem Jubelgeſchrei und den Se⸗ genswünſchen der Corſen und unter den Klängen der neapo⸗ litaniſchen Hymne, welche die Muſik der Garniſon ſpielte, ſtach die kleine Flotte in See. Murat ſtand auf dem Vorder⸗ deck, umgeben von ſeinen treuen Generalen, und blickte friſch in die Welt hinein.

Thränen füllten mein Auge, denn böſe Ahnungen, welche die begeiſterten Worte Murat's nicht hatten vernichten können, erfüllten mein Herz. Ich folgte ihm, mit dem Tuche grüßend, ſo weit ich ihn zu erkennen vermochte. Als er meinen Augen verſchwand, war es mir, als ſollte ich ihn niemals wiederſehen.

Meine Ahnungen ſollten ſich nur zu bald erfüllen. Die Ueberfahrt war anfangs vom ſchönſten Wetter begünſtigt und ſchon war die Küſte Calabriens in Sicht, als ſich ein Sturm erhob und die Flotille gänzlich zerſtreute. Trotzdem, daß ihm nur ein Schiff übrig blieb und ſeine Legivn bis auf 30 Mann geſchmolzen war, ließ ſich Murat doch nicht von ſeinem Vor⸗ haben zurückſchrecken; er baute einmal zu feſt auf die Ver⸗ heißungen jenes verrätheriſchen Briefes. Am 8. October landete er bei Pizzo und ließ ſein Schiff vor Anker gehen. Er erließ eine Proclamativn an das Volk, die in enthuſia⸗ ſtiſchen Worten die Beſitznahme ſeines Landes und die Be⸗ freiung vom Joch der Oeſterreicher ausſprach. Da wurde Murat ſchrecklich enttäuſcht. Das Volk, anſtatt ihm zuzujauch⸗ zen, zog ſich kalt und mistrauiſch zurück, und die Regierung, in deren Falle Murat gegangen war, ſchickte die Beſatzung von Monteleone nach Pizzo. Der König hatte kaum Zeit, ſich zu flüchten, aber zu ſeinem Schrecken war ſein Schiff, ſei es aus Verrath, ſei es durch ein Misverſtändniß, davon⸗ gefahren. Er warf ſich mit wenigen Freunden in ein Fiſcher⸗ boot, aber die Bewohner von Pizzo verfolgten ihn; er wurde eingeholt und nach einem vergeblichen Kampfe mußte er ſich der Uebermacht unterwerfen. Es waren ſeine treuen Unter⸗ thanen, die ihn gefangen nahmen und dem Gouverneur von Calabrien, General Nunciate, auslieferten.

Man führte ihn nach dem Gefängniß von Pizzo und die Regierung von Neapel befahl, ihn vor ein Kriegsgericht zu ſtellen. Murat proteſtirte gegen dieſes Verfahren und erklärte, vor demſelben nicht zu erſcheinen. Aber der General Nunciate wies dieſen Proteſt zurück; das Kriegsgericht trat am Abend des 13. October zuſammen und verurtheilte ihn zum Tode. Murat vernahm das Urtheil, welches eine halbe Stunde ſpäter vollſtreckt werden ſollte, mit ſtolzer Reſignation. Uner⸗ ſchrocken wie immer ſchickte er ſich zu ſeinem letzten Gange an. Man wollte ihm die Augen verbinden laſſen; er wies

ſiegen oder zu ſterben bereit iſt, den ſchmählichen Forderungen

dies Anerbieten als eines Königs und Generals unwürdig zurück. Aufrecht ſteme er ſich in ſeiner imponirenden, kühnen

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