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wort an Murat und bezeichnete Pizzo als den geeignetſten Ort zur Landung in der Nähe von Monteleone, wo zwei ergebene und treue Regimenter ihn erwarten ſollten.
Sieben Perſonen waren verhaftet worden; ſie alle ver⸗ dankten dem König Murat ihr Glück; aber nur zwei von ihnen weigerten ſich, einen Verrath zu begehen, und wollten den verhängnißvollen Brief nicht unterzeichnen. Es waren zwei Brüder, die man in das Gefängniß warf.
Während dieſer Zeit hatte Murat beſchloſſen, von Ves⸗ covato nach Ajaccio überzuſiedeln. Blancard und ich mis⸗ billigten dies Project; aber die dringenden Bitten des Königs zwangen uns doch, ihn zu begleiten. Donnadieu dagegen konnte nicht länger der Sehnſucht nach ſeiner Frau wider⸗ ſtehen und ſetzte uns in Kenntniß von ſeiner baldigen Abreiſe nach Toulon trotz der Gefahren, die ihn erwarteten.
Das Vermögen Murat's beſtand damals in 200 Piaſtern, die Blancard in einem Gürtel trug, in einer Agraffe von Diamanten im Werthe von etwa 70,000 Franes und in einem Rentenbriefe über 75,000 Francs. nicht, was ſeine Gemahlin, die Königin Karoline, bei der Flucht von Neapel hatte retten können.
Bevor der König Vescovato verließ, wollte er uns nö⸗ thigen, hohe Wechſel auf die Königin anzunehmen. Wir wei⸗ gerten uns entſchieden und Donnadieu warf den ſeinigen auf den Tiſch; er ſiel zur Erde und der König hob ihn ſelbſt wieder auf.
„Sire“, ſagte Donnadieu,„als wir die Küſten Frank⸗ reichs verließen, hat Blancard Ihnen geſagt, daß unſere Ergebenheit uneigennützig ſei; Ihre Großmuth verletzt uns.“
„Aber, meine theuern Freunde“, erwiderte der König in ſanftem Tone,„Sie haben, indem Sie mich retteten, Alles verloren. Wie könnte ich Sie im Elend zurücklaſſen? Beſäße ich noch meinen Thron, ſo würde ich andere Mittel haben, Ihnen meine Erkenntlichkeit zu beweiſen; in dieſem Augen⸗ blick habe ich nur eins, und ich bitte Sie, mich deſſen nicht zu berauben.“
Wir antworteten, daß die Ehre, an ſeiner Rettung An⸗ theil zu haben, uns genüge.
Murat ſah uns mit zärtlichen Blicken an und ward ſehr betrübt. Da trat der General Franceschetti ein. Der König erzählte ihm, was eben vorgefallen, mit Ausdrücken, die von Herzen kamen und den alten General ganz bewegten. Dann verſank der König wieder in Stillſchweigen und wir zogen uns zurück.
Nach einer kurzen Unterredung mit Franceschetti rief uns der König zurück und bat uns mit aller erdenklichen Schonung, wenigſtens eine Leibrente anzunehmen, welche auf unſere Frauen überſchrieben und dem Werthe des Gehalts gleichkäme, das wir ſeinetwegen verloren. Auch der General bat im Vereine mit dem Könige, und ſo wurden wir ge⸗ nöthigt, anzunehmen, mehr um nicht die Empfindlichkeit des Königs zu verwunden, als aus Rückſicht für unſere Intereſſen.
Am 17. September nahm Murat von den Einwohnern Vescovato's Abſchied. Blancard hielt im Beiſein des Königs der auf dem kleinen Dorfplatz verſammelten Menge eine Rede. Enthuſiaſtiſche Ausrufe unterbrachen oft den Redner, der endlich genöthigt war, aufzuhören, ſo ſehr war er ſelbſt bewegt.
Dann brachen wir nach Ajaccio auf, begleitet von den Segenswünſchen der ganzen Bevölkerung. Das Gefolge Murat's beſtand aus dem General Franceschetti, mehreren corſicaniſchen Offizieren, Blancard und mir. Donnadieukeiſte denſelben Tag ab, um nach Toulon zurückzukehren, und ich habe ihn niemals wiedergeſehen.
Nach zwei Stunden kamen wir in das Dorf Cotona, wo ein alter Kriegscommiſſar Galvoni, der in Neapel gedient hatte, uns ein ausgezeichnetes Frühſtück anbot. Im Lauf des Tages überſchritten wir die Gebirge von Serra, Bosro, Venaco und Vicaro und die Schluchten des Waldes von Vezzanova. Ueberall wurde Murat lebhaft begrüßt und aus einzelnen
Städten kamen Deputationen, die ihn mit dem Titel Majeſtät
begrüßten. Zum Diner hielten wir in Borgagnano. Zwei
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Er wußte übrigens noch
Brüder, deren Namen ich vergeſſen habe— der eine war Oberſt des Königs— nahmen uns gaſtfreundlich auf. Unter⸗ deſſen hatte ſich das Gerücht von der nahen Ankunft Murat's ſchon in Ajaccio verbreitet, und am Abend kamen mehrere Offiziere von dort, ihm ihre Huldigungen darzubringen. Unter ihnen befand ſich einer meiner beſten Frennde, der Schiffslieutenant Sardi. Ich empfahl ihn dem Könige beſon⸗ ders, und er wurde daher mit Briefen an den Magiſtrat der Stadt Ajaccio betraut, welche meldeten, daß der König ſich dorthin begeben werde, um als einfacher Privatmann zu leben, bis eine neue Ordnung der Verhältniſſe käme.
In derſelben Nacht kehrte Sardi mit günſtigen Ant⸗ worten zurück.
Am nächſten Morgen langten wir in der Hauptſtadt der Inſel an, deren Bewohner uns mit dem Rufe:„Viva Gioacchino!“ empfingen.
Die Menge, welche den König an den Thoren der Stadt erwartete, die Hurrahs, kurz die Ovation, deren Gegenſtand er war, berauſchten Murat ſo, daß er, ſich zu Franceschetti wendend, ſagte:„Wie werden mich erſt die Neapolitaner empfangen?“
Von dieſem Tage an rüſtete ſich Murat ernſtlich zur Abreiſe nach dem Königreiche, das er wieder erobern wollte. Zweihundert und funfzig Mann wurden angeworben mit dem Befehl, ſich zu jeder Stunde bereit zu halten, und ſechs Barken gemiethet. Murat ließ den Malteſer Barbara kommen, einen alten Fregattenkapitän ſeiner Marine, der ſich in Genua befand, und vertraute ihm das Commando über die Schiffs⸗ erpedition an.
Murat konnte kaum mehr die Antwort auf ſeine Briefe abwarten, die er durch ſeinen Neger Othello nach Neapel geſendet. Ach! endlich kamen ſie am Morgen des 28. Sep⸗ tember.
Der König verſammelte ſeine Soldaten, ließ doppelte Rationen unter ſie vertheilen und lud ſämmtliche Offiziere zu einem großen Diner ein.
Während wir bei Tiſch ſaßen, meldete man die Ankunft des Oberſt Maceroni. Murat erhob ſich und führte den Oberſt in ein Nebenzimmer. Maceroni ſtellte ſich als Geſandter einer Miſſion des Kaiſers von Oeſterreich vor. Er war der Träger eines Ultimatums, das ich wörtlich niedergeſchrieben habe.
§. 1. Der König nimmt einen Privatnamen an, und da er den eines Grafen von Liparo ſchon adoptirt hat, räth man ihm, denſelben beizubehalten.
§. 2. Es iſt dem König erlaubt, eine Stadt in Böhmen, Mähren oder Ober-Heſterreich als bleibende Reſidenz zu wäh⸗ len. Es ſteht ihm ſogar frei, ungehindert ein Landhaus in dieſen Provinzen zu bewohnen.
§. 3. Der König verpflichtet ſich gegen Se. apoſtoliſche Majeſtät auf Ehrenwort, die öſterreichiſchen Staaten niemals ohne Einwilligung des Kaiſers zu verlaſſen, ſondern als hoher Privatmann, unterworfen den beſtehenden Geſetzen, zu leben.
Zur Beglaubigung und um den diplomatiſchen Gebräuchen zu genügen, hat der Unterzeichnete vom Kaiſer den Befehl erhalten, die gegenwärtige Erklärung zu unterzeichnen.
Paris, den 1. September 1815.
Der Fürſt von Metternich.
Murat kämpfte den Unwillen, der ſein Herz beim Leſen dieſes Schriftſtückes ergriff, nieder, bat Maceroni, ihm zu folgen, und führte ihn auf eine Terraſſe, von wo er ihm ſeine kleine Flotte und die Fahnen mit ſeinen Farben zeigte, die überall wehten. In demſelben Augenblick wurde Murat von der Menge erkannt, die ſich in den Straßen drängte, und ein mächtiges Geſchrei drang bis zu ihnen. 1
„Es lebe der Bruder Napoleons! Es lebe der König von Neapel!“
Als Murat dankte, verdoppelte ſich das Geſchrei, und die Muſik der Garniſon, welche ſich raſch verſammelt hatte, ſpielte die neapolitaniſche Nationalhymne.
Nachdem der König die Beweiſe ſeiner Popularität em⸗ pfangen und ſich an dem Erſtaunen des Oberſt Maceroni ge⸗


