Jahrgang 
1867
Seite
749
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Madelon.

Eine Novellette.

Auf einem Wege, wo man, anſtatt Equipagen, nur Ochſengeſpannen begegnet, die einen Karren, die Egge oder den Pflug ziehen, konnte man letzthin einen ſchönen herrſchaftlichen als ſie iſt. Sie hat nicht eine Falte auf der Stirn, kein

Madelon.

Wagen gerade am Fuße eines Steiges halten ſehen, welcher zuerſt in der Richtung eines bewaldeten Hügels aufſteigt, dann auf der Hälfte deſſelben plötzlich eing Baung macht, um gerade bis zum nächſten Dorf zu führen.

Wir waren unſer drei in dieſem Wagen Herr Dherbecourt, ein Civil⸗Ingenieur, welcher ſich nach einem mehr als dreißig⸗ jährigen Aufenthalte in Rußland, wo er, die Arbeiten einer wichtigen Fabrik in dem Bezirk von Tulg geleitet hatte, in Frankreich niedergelaſſen hatte; ich, meing große Zeichenmappe, und mein Malkaſten, wir nahmen denRückſitz ein, ich hatte mir gegenüber Frau Dherbecourt, eip⸗ ierliche und anmuthige

Brünette, die man, ohne Uebertreibung, zwanzig Jahre jünger als ihren Mann ſchätzte, der indeſſen nur um weniges älter

weißes Haar. In ein Alter gelangt, wo Alles, was bei einer Frau ſtrahlend geweſen iſt, erbleicht und ſich verſchleiert, zeugten die Reinheit ihrer Haut, die Klarheit ihres Blicks und der ſanfte Wohlklang ihrer Stimme bei ihr von der Beſtändigkeit der jugendlichen Kraft. Man füge dazu ein gütiges Lächeln, ſelbſt wenn ſie ſich beim Sprechen belebt, und in ruhiger Stellung eine beſtändige Reinheit des Aus⸗ drucks, die errathen läßt, daß, während die Andern und ſie ſelbſt ſchweigen, ſie innerlich auf die Stimme eines guten Herzens hört. Ich habe nie ein ſo vollkommen liebenswür⸗ diges Geſicht geſehen, wie Frau Dherbecvurt's, und da ich